Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1909 (15.9.1961)
- Date
- 1961-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 15 de Septiembre de 1961 LA SEMANA ISRAELITA -es#;' Año XXII. — No. 1909 — % HITLER HAT NICHTS ERFUNDEN Am 30. September 1337 wurden in der niederbayrischen Stadt Deggendorf alle jüdischen Einwohner ermordet, weil sie angeblich Kirchen£r.evel begangen hatten; nach katholischen Chroniken erschien damals „ein wunderliebes Kindlein.” Vom 29. September 1961 an wird dieser Geschehnisse eine Woche lang gedacht. Die katholischen Deggendorfer begehen wie in jeden; Jahr ihr Mirakelfest: 10.000 Gäste werden erwartet. Alle Teilnehmer des Festes sind gehalten, die Grabkiche aufzusuchen und dort die zwölf Bildtafeln zu betrachten, auf denen dargestellt ist, was 1337 in Deggendorf geschah und was seither gefeiert wird. Unterschrift des elften der zwölf Bilder, die um 1450 gefertigt wurden: ,JDie Juden werden von denen Christen aus rechtmässigen Gott gefälligen Eifer ermordej und ausgereutet (ausgerottet). Gott gebe, dass, von diesem Höllengesehmaiss unser Vaterland jederzeit befreyet bleibe”. SEÑOR FABRICANTE Ud NECESITA RÁFFIA {TEJIDO IMITACION^ importada . Nittvos Diseños con Hilado Me* ■ tilico i PLASTICO .OORADO V PtATIAOO T r o c o <t v n c ¡ a U . S. A, US*- HILADO iOORADO t plateado ll’ rocedcnci» U. S , A . RAFFIA Mlt i» f EUGENIO BLAU •ND. Y COA», tAVAHE 2166-6« T. E. 49-4480 y 0827 Die klösterlichen Geschichtsschreiber Braunmüller und Fink melden, dass die Deggendorfer Juden 1337 ,,die heiligen Hostien mit Dornen zerkratzt, mit Ahlen zerstochen, mit Hämmern auf einem Amboss geschlagen, in einen erhitzten Backofen geworfen” haben sollen. Bei „diesen Martern” sei Blut aus den „heiligen Hostien geflossen und ein wunderüebes Kindlein erschienen.” Die beiden Autoren lehnen es ab, „die Rolle des Richters” zu übernehmen und „zwischen Wahrheit und Dichtung” zu differenzieren: „Es ist für uns heute nicht mehr möglich, zu entscheiden, was der wahre Grund für den Judenmord in Deggendorf war.” Unbestritten dagegen ist, dass sich die Deggendorfer Christen durch die Niedermetzelung ihrer jüdischen Mitbürger beträchtliche materielle Vorteile verschafften. Sie plünderten deren 'Wohnungen aus und wurden von den Schulden befreit, die bei den Juden zu Buch standen. In der deutschen Oeffentlichkeit haben an den Deggendörfer Mirakelfesten zur Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1337 bisher nur zwei auflagenschwache Zeitschriften Anstoss genommen: Die „werkhefte katholischer laien”, eine antiklerikale, linkssozialistische Zeitschrift, und der „Materialdienst” des evangelischen Konfessionskundlichen Instituts, den einige Hundert protestantische Geistliche beziehen. Nach Ansicht der „werkhefte” ist die Geschichte des Deggendorfer Mirakels „falsch, ist erfunden, erlogen, ist üble Legendenbildung”. Die im 14. Jahrhundert grassierenden Gerüchte der Hostienschändung seien „von nicht anderer Machart wie zu Streichers Zeiten das Gerücht... in den Sprechzimmern jüdischer Aerzte würden systematisch ehrbare deutsche Jungfrauen vergewaltigt.” w %! Tenpichhans - M. Höchberg! | UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKrüPFTEN ' TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. 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In der protestantischen Zeitschrift wird vor allem moniert, dass erstens in dem 1960 neu erschienenen „Gnadenbüchlein” noch .judenfeindliche Berichte” enthalten sind, zweitens in der Grabkirche die Werkzeuge — Schusterahle, Dornenzweig und Amboss — zur Schau gestellt werden, mit denen die Deggendorfer Juden angeblich die Hostien schändeten, und drittens, die Juden auf den zwölf Tafenbiidern als „gottlos”, „unmenschlich” und als „Höllengesehmaiss” beschimpft werden. In Deggendorf selbst konnte man sich allerdings nicht entschlossen, die antijüdischen Schaustücke und Texte aus der Grabkirche zu entfernen. Auch das „Gnadenbüchlein” wird weiterhin tzum Preis von einer Mark) feilgeboten. Uebrigens regte die „Deggendorfer Zeitung”, eine Lokalausgabe von Kapfingers „Passauer Neuen Presse” an, ein 1926 ,mit Druckerlaubnis des Bischofs von Regensburg” veröffentlichtes „Spiel vom Gnadenwunder von Deggendorf — Das Heilige Mirakel” wieder aufzuführen. Verfasser dieses im „Verlag der Abtei Metten” erschienenen Wunder - Spiels (Musik von Max Kanzlspcrger) ist der Benediktiner- Mönch Gallus Ritter. Seelenhirte Ritter lässt die Juden in seinem Drama als „Judas-brut”, „Teufelshorden”, „Unholdmeute”, „Giftmischer”, „Judenstrolche” und „Rudel räudiger Judenhunde” schmähen. In der zweiten Szene des dritten Aufzugs spricht ein Deggendorfer Ratsherr die Verse; Ach was, ich rede deutsch und sag’ es offen: wär’ besser euer Moses im Nilsehlamm ersoffen und Abraham, Isaak und Jakob dazu, dann hätte die Weit vor euch Judenpack Ruh’. Die frommen Deggendorfer würden das Drama freilich nicht aus antisemitischer Gesinnung wieder aufführen. Sie hoffen nach Ansicht des „Materialdienstes” vielmehr, mit ihrem Theater „die Gnadenfeier publikumswirksamer zu gestalten.” („Der Spiegel”) LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE 8s. Aires — PUEYRREDON 2190, 1* uq. - T. E. 83-2613 15. September 1961 5. Tischri 5722 Neue Friedhofsschaendung Weikersheim. — Bei der kürzlichen Besichtigung des Israelitischen Friedhofes in Weikersheim durch Vertreter der Israelitischen Kultusvereinigung Württemberg und Hohenzollern wurde festgestellt, dass auf dem neueren Teil des Friedhofes sie-' ben Grabsteine gewaltsam umgeworfen und dadurch teilweise zertrümmert worden waren. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die polizeilichen Ermittlunge» sind im Gange. In einem Schreiben an de» Bürgermeister von Weikers heim wies die Israelitisch« Kultusvereinigung auch dar auf hin, dass der Friedhof ii einem sehr schlechten Zu stand sei. Im neueren Teü stehe das Gras meterhoch und der ältere hätte wege» des undurchdringlichen Ge strüpps überhaupt nicht be treten werden können. ZUM FRUEHJAHR der Anzug für die Stadt: Carllon „Stabiloform" die perfekte Fertigkleidung, perfekt durch das, was drinnen steckt. 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