Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1905 (29.8.1961)
- Date
- 1961-08-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Kürzlich beging de/ jerusaltmer Maier Ludwig Blum seinen 70. Geburtstag. Sein Stil? Ich kann ihn nicht genau charakterisieren. Am ehesten liegt er vielleicht zwischen Naturalismus und Impressionismus. Es kommt aber wohl weniger auf Definition und Einordnung in ein starres System an; wichtig ist, das Blums Bilder in höchstem Sinne wahr sind. Sie sind, und das unterscheidet ihn selbst von den besten und grössten Künstlern der modernen Abstraktion, nicht nur individuell wahr. vom Standpunkt des Malers aus, sondern auch generell und objektiv. vom Standpunkt des Betrachters aus. Der beste Abstrakte hat sein Ziel erreicht, wenn sein Werk ihn persönlich, seine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringt. Der mdere mag es verstehen oder nicht. Darauf kommt es dem Abstrakten gar nicht an. Blum dagegen bringt in veilem Masse sich selbst zum Ausdruck, aber gleichzeitig auch das Objekt, das ÁLER LUDWIG von MEIR FAERRER er darstellt. Deshalb haben se; e Bilder Seele. Sie leben. Sie überzeugen. Sie prägen sich unvergesslich ins Gedächtnis ein. Ein Instrument seiner Arbeit ¡st vor allem das physische und das geistige Auge. Das physische, das versteht, aus der Landschaft, dem breiten unbegrenzten Pancrama. das abgeschlossene Bild ru esehen; das geistige Auge, das ihn weit hinter die Dinge b’ieken lässt, so dass er sie in höherem Sinne erfasst und versteht, was seinen Bildern die Seele einhaucht. Sein Instrument ist die sichere Hand, die den Gedanken. das Erolickte auszudrücken versteht und es genau so auf die Leinwand zaubert, wie sein Geist es vorher -rfasst rat. Wer Blum bei der Arbeit beo 'achtet, bewundert, mit wie sicheren Zügen das Bild entsteht, wie es für ihn keinen Zweifel gibt und er sofort den richtigen Zug ur.d die richtige Farbe auf die Leinwand setzt. Genau das ist der Himmel, genau das ist die Erde, ist der Fels, der Berg, der See dieses Landes. Sparsam zwischen den Felsen, wie in der Natur selbst, erscheint in der eintönigen Landschaft eine kleine, rote Blume — und sie belebt das Bild und macht selbst die harte südliche Landschaft liebenswert. Ueppig wie die Natur sind seine Bilder des bergigen Galiläa, lieblich wie in der Natur liegt da das verträumte Städtchen Nazarct Mächtig wie in der Natur und in drr Geschichte e-sebeint das ewige Jerusalem immer wieder in seinen Bildern, und er Kann sich gar nicht genug tun in der Nachschöpfung der Heiligen Stadt, mit der eisern Leben so eng verbunden hat. Blum is' der wahre Ma’er Terusalems. Mit weicher Liebe und Hingabe hat er das grosse Panorama der Stadt Davids gemalt! Es hat ihm Jamals seinen ersten grossen internationa- Das Leo Beeck Institut sucht folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUF-HISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel,: 83-2613) -★- PUBLIKATIONEN DES IFO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C B MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: 0211* Book i960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten ★ WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1® i*q. (83-2613) BLUM len Erfolg gebracht, auf den dann so viele andere folgten. Auch die vielen sonstigen Landschaften von Metulia bis Elat hi£lt er in liebreichen, lebensvollen Bildern fest, und in ungezählten Häusern in aller Welt bilden sie die tagtägliche Erinnerung an die Schönheit und die Weihe des Heiligen Landes. Alte,, pittoreske Winkel in den entlegenen Städtchen sucht er auf, fügt sie auf seiner Leinwand ein und bringt sie mit sich in sein Atelier, von dem aus sie den Weg in alle Länder finden. Die adelige Moschee von Dschessar Pascha in Akko und die winkeligen Gässchen dieser uralten Hafenstadt mit ihren Festungsmauern; die al e Kabbaüstenstadt Safed mit ihren farbenfreudigen, ehrwürdigen Synagogen, ihren Stufengässchen und ihrer Gebirgslandschaft; Liberias, sein See mit dem lieblichen Gestade, Kinnerei-See, der in jeder Stunde des Morgens des Tages und des Abends in anders wirkender Beleuchtung daliegt; die Kibbuzim und Dörfer mit ihrer abgeklärten ruhigen Idylle und andererseits wieder mit ihrer regen Geschäftigkeit; ja selbst in Bau befindliche Fabriken wie das Kupferwerk Timna. und natürlich die heroische Landschaft des Negew mit ihren phantastischen Farben und Felsgruppen — all das und hundert andere Motive hat Blum der Natur abgelauscht und nachgedichtet, und das Glück dieses Kunst- und Natur-Empfindens den Besitzern seiner Bilder beschert. Abe.- so gross wie Blum als Landschaftsmaler ist. vielleicht noch grösser ist als PortrailL-t. Mit sicherem Blick ur.d sicherer Hand das Wesentliche vom Unwesentlichen sche clend h.'Mt er in Portrait / riehen und Charakter seir.es Modells fest. Seine Portraits der Hochkommissäre aus der Zeit der Mrndatsverwaltung haben seinen Ruf besonders in London -festigt. Als auf einer Auss.eiiung im jerusalemer Kiinstlcrliaus nicht ein ernanntes Schiedsgericht sondern die Besucher der Ausstellung selbst über die besten Bilder zu bestimmen hatten, also die Masse unvoreingenommener Personen, da wählten sie für den ersten Preis ein lebensgrosses Portrait, mit dem Blum seinen Freund Dr. Seew von Weisl dargestellt hatte. Ebenso wie dieses Bild lebt und spricht, so überzeugend sind auch seine anderen Portraits, so das von Mosche Dajan aus der Zeit, da er im jerusalemer Verteidigungskampf Kommandant war, das von Dr. Isidor Schabt, von Salman Schneur und viele andere. Wer seine Sammlung der Bilder aus dem Freiheitskampf kennt, die er während des Kampfes um Jerusalem an der Front geschaffen hat. Portraits der Soldaten, diese ernsten und doch süssen Gesichter junger Burschen und Mädchen, der wird viel unmittelbarer als durch dickbändige Bücher ergriffen sein und verstehen, dass unseie Jugend in heiliger Reinheit die Waffe nur zur Verteidigung der Heimat zur Hand genommen hat. An der Stirnwand seines Ateliers hängt das Bild seines Sohnes, der damals im Kampf bei A-Siw gefallen ist. Ich hatte bedauert und Blum gegenüber daraus kein Hehl gemacht, dass er keine historischen Themen für seine Bilder wählte, Kompositionen historischer Gestalten und Ereignisse. Manchmal kam mir der Gedanke, dass er in seinem Können und jn seiner Kunst vielleicht auf das unmittelbare Visuelle beschränkt LITERATUR« Viele von uns, wenn sie nach Salzburg zu den Festspielen kommen, erinnern sieh an die bewegte Zeit der Nachkriegsjahre in denen Oesterreich das historische Transifiand für jüdische Emigranten aus den östlichen Ländern war. Dieses, glaube ich, soll man immer, wenn man über Oesterrich schreibt, hervorheben, da die Juden u'id Niehtjuden in Deutschland nicht unberechtigt an Israelis die Fragen stellen, wieso Israel diplomatische Beziehungen mit Oesterreich ja. und mit Deutschland damals und später nicht aufgenomrnen hat, und weshalb die Juden Oesterreichs von Israel aus mit aller anderen normal geschichteten jüdischen Gesellschaften der Weit gleichgestellt sind, und wieso es damals eine gewisse Diskriminierung oder Liebe aus Zwang zu den Juden Deutschlands gab und bis heute noch gibt. Damals gab es in Salzburg das jüdische DP-Lager Bet- Bialik und das Lager in Parsch. in dem orthodoxe Juden wohnten. An diesen beiden Plätzen gibt es heute kein Zeichen mehr von jüdischer Wanderung und jüdischer Not, wenn auch in Salzburg selbst einige Insassen dieser Lager wohnen geblieben sind. von M. KILAI Meine Dankbarkeit an bürg Üeb Salzburg resultiert eigentlich ver ich ( nicht aus meiner Liebe und visserma meinem Interesse für Mor«ngfiir zart und nicht einmal für das s£n Tagt charmante Släi tchen Salzjähriges bürg und am allerwenigsten und das iür seine Bewohner, über wie <ine die ein geflügelter Witz bcgiäMn f kannt äst Ale man einen Jen s‘snc Salzburgs, der mit der Jurist i’n' Fremdenindusfrie zu tun öfter Bei hatte, fragte, ob es wahr iu.ng eine wäre, dass dir Salzburger Gerlchtsp Antisemiten seien, antwortebürg bra< te er: ,,Aber geh'n Sie, doch jlrcklichs nicht in der Saison!“ Das ks Lebe erzählte man sich zu einer auch ge:: Zeit wo die Juden ein be- Stadt fei tiächtlieher Teil der Besu- Jude «"Sn eher d r Salzburger Festlang eine spiele waren. Hans-Joachim öert word Sehüps sagte nach dem mir das: K:kg einmal: ..Mit dem Ich war Ausrotten des Judentums in dass Dr. Berlin hat man die Kulturlieh war. ¡räger D?utscnlands ausge- Salzburre rettet.“ Das trifft auch teilchem di weise auf die jüdischen auch sei Fesispielhesueher Salzburgs Antisemit zu. Heule wird der Witz in Mann wie Salzburg umgemodeit und de nicht es heisst, dass die Salzburkonnte, ger die Piefkes (Reichs- Schicksal deutschen) hassen, usw., Volkes g-: und zwar besonders jene Salzburge Piefkes, die mit Autobussen reicher d kommen und sich noch in aemiten c Deutschland mit Stulienpa- ¡ie Dr. H keten versehen haben. gemacht Ich habe eigentlich Salz- Eine Ai sei, wohl versteht, die Landschaft und die Menschen, die er vor sicht sieht, auf der Leinwand zu verewigen, nicht aber eine erdachte Vision. Eines Tages jedoch, vor einigen Jahren, belehrte er mich eines Besseren. Da hatte er einen Auftrag eines Quäkers aus Amerika angenommen, das „letzte Abendmahl“ darzustellen. Nun, wir haben Bilder des „Heiligen Abendmahls“ gewiss schon von grossen Meistern, von Klassikern der Malkunst, gesehen. Was liess sich an diesem Thema denn überhaupt noch Neues geben? Da aber bewies Blum, was ein Meister, der niclit nur Darsteller, sondern auch eine Persönlichkeit von Format ist, zu leisten imstande sein kann. Blums „Letztes Abendmahl“ hat eine völlig andere Komposition ais die konventionellen Bilder. Während Jesus auf allen diesen Bildern, soweit ich sie kenne, in der Mitte der Tafel zwischen seinen Jüngern sitzt, was dem traditionellen Pessach-Seder gar nieh: entspricht, sitzt auf Blums Mcnumental-Gemälde Jesus an der Stirnseite des Tisches, und der Länge der Tafel nach sitzen seine Jünger. Blum ist Jude, ein tief bewusster Jude, und sein Jesus hat keinen Heiligenschein. Aber das Licht, dass das Bild erhellt, bestrahlt die lebensvolle Szene von der rechten Seite des Saales her, von hinter dem Rabbi, so dass dieser von den Lichtstrahlen wie umrahmt ist. Kein Wunder liegt in diesem Bild, nichts Uebernatürliches aber umso naturwahrer und lebenswahrer sind alle Gestalten. Es ist das „Letzte Abendmahl“, aber es könnte genau so irgendeine weihevolle Sedermahlzeit im alten Jerusalem sein. Judas sitzt nicht mit an der Tafel sondern er steht in der Tür. Dip Gewänder, die Gefässe auf dem Tisch, alles entspricht historischer Möglichkeit. . ■ .; Besonders lebendig im Spiel von Lieht, Schatten und Farben sind Blums Bilder aus der jerusalemer Altstadt. Da brechen, sich zwischen den Säulenbögen im Bazar di° Sonnenstrahlen und befeuchten märchenhaft die farbenprächtig gekleideten Gestalten, da werden uns die heute für uns unzugänglichen romantischen Winkel wieder vor Augen geführt, durch die wir einst so gern gewandert sind, ln Blums Atelier können wir sie Wiedersehen, um unsere Erinnerung aufzufrischen. Jeder grosse Maler muss eine ihm ureigene Ausdrucksfcrm haben, sagen besonders die Modernen, die gewaltsamen und künstlich irgende*\vas an Ausdrucksferm suchen, womit sie sieh von einander unterscheiden könnten. Blum hat wohl nie versucht, etwas Besonderes für sieh zu ei finden, um sich von anderen zu unterscheiden. Trotzdem aber lassen sich Blums Bilder mit Leichtigkeit und mit Sicherheit als seine Schöpfungen erkennen. Es ist die Farbe, mit der er die Atmesphäre der Landschaft einfängt, cs ist die sparsame Linie, die ruhige und doch nieM eintönige Fläche der Verzicht auf gesuchten Blickfang im Bild, das trotzdem versteht, das Auge gefangen zu nehmen. Di? innere Wahrheit, die ungekünstelt aus seinen Bildern spricht, die Natürlichkeit, die trotzdem so weit entfernt ist von sklavisch photographischer Wiedergabe, und der adelige Schwung. — das sind die Charakteristika der Bilder Blums. KURZE LEBENS- GESCHICHTE Ludwig Blum ist 1SÖ1 in sen (Lösch) ais siebentes ■ n zehn Kindern einer jü-;eh Iraditionstreuen Falle geboren, besuchte das 'mnasium in Brünn, tägh in jedem Wetter 6 km Fuss zwischen Schuld ä Vaterhaus zurücklegend, idierte an der Wiener al-Akademie, rückte 1913 m Militärdienst ein und eb auch im ersten Weltieg aktiv, leistete eineinlb Jahre Frontdienst, woi er mit sieben Tapferitsmedaiilen ausgezeich-