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Jüdische Wochenschau · 1961-08-25 · 1904 (25.8.1961) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1904 (25.8.1961)
Date
1961-08-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — ‘Viernes, 25 de Agosto de 1961 LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 1904 — 7 Ein Vorlaeufer der Nazis! Erkiaeruny (Schluss von Seite 1) Ideen. Er verschickte seine Zeitschriften und Bücher in alle Welt. Er druckte zahllose Flugblätter und Pamphlete. die er verteilen liess. Auf diesem Umwege erreichte er wahrscheinlich Millionen. Dass später die nationalsozialistische Saat in einem niemals geahnten Umfang aufging, war nicht zuletzt der in die Breite gehenden Vorarbeit eines Fritsch zu verdanken. Als er starb, wurden ihm im nazistischen Deutschland zahlreiche' Nachrufe gehalten. Die übelste Erscheinung unter den antijüdischen Hetzern. J tlius Streicher, sehiieb als er einmal einer Diskussion bei gewohnt habe sei ein fremder Mann auf ihn zugekommen, der ihm ein Buch in die Hand drückte. das .Handbuch der Judenfrage'. Er habe eine ganze Nacht in diesem Buch gelc=en. Wie Schuppen sei es ihm von den Augen gefallen. ..Ich war sehend geworden“, erklärte Streicher: ..Ein Sehender unier Sehenden. Von Fritsch, dem .Gottgesandten'.werden einst die Kinder sagen: Theodor Fritsch hat mitgeholfen, das deutsche Volk und durch das deutsche Volk die arische Menschheit zu erlösen“. Die Historiker. die sich mit. der Erforschung der zeitgenössischen Geschichte beschäftigen, bemühen sich die Vorläufer der nazistischen Bewegung zu studieren. und haben viel Material publiziert, das zum Verständnis der Zusammenhänge wichtig ist lind erklärt, wie es zur nationalsoziali-; stischen Bewegung und , Machtergreifung kommen konnte. Die meisten sind gewillt, diese Begebenheit. , die uns allen zum ochieksal I geworden sind, mit dem Mantel des Vergessens oder V 'Schweigens zu bedecken 11k,-in kann man bei wohlwollender Betrachtung einen Akt: der Selbstverteidigung erblicken. Diese Zeiten würden niemals wiederkommen. -o denkt man. weil man an das glauben will, was sieh unschwer in unser Konzept einordnen * lässt. Hierbei wird nur übersehen, dass Bequemlichkeit nicht immer Anblicken, ist noch längst nicht gekommen. Mit Recht wird den deutschen Juden vorgehalten, •.lass sie sich gegen die Gefahren blind gestellt haben, die ihnen und später allen anderen Juden drohten. Sie waren diejenigen, die immer behauptet haben, ,,bei uns kann so etwas nicht passieren“. Mit Mitgefühl und Mitleid blickte man auf die Osfcjuden, denen man zu helfen bereit gewesen ist. Sieh mit ihnen jedoch zu identifizieren, lehnten die meisten ab. Und doch haben w'ir gelernt, dass dieser tunlich ist, weil die äugenj unglückliche Satz, diese blickliehe Ruhe allzu rasch verhängnisvolle Meinung von einem verheerenden und die leichtsinnige Selbst- Sturm abgelbst werden könnte. Die grosse Zeit der antisemitischen Bewegung, die in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts einsetzte, mag vorbei sein. Wir wollen das alle wünschen und hoffen. Dennoch müssen wir den bestehenden und auch jetzt noch wirkenden Tatsachen gelassen ins Auge blicken. Wir müssen wissen, dass die finsteren Kräfte der Vergangenheit durchaus nicht ausgestorben sind, sondern durch aktive Propagandisten und Ideologen zu neuem Leben geweckt werden sollen. Mir brauchen nicht nur an die Kreise der ehemaligen Nazis zu denken, die heute z. B. in Kairo konzentriert sind. Dass es eine faschisti täuschung des ..bei uns kann so etwas nicht passieren“, eine der Hauptursachen dafür war, dass das ehemalige deutsche Judentum unvorbereitet in die Katastrophe des Hitlerismus gestürzt ist. Viele von uns haben den Fehler eingesehen und sind bemüht, die Irrtiimer der Vergangenheit in Zukunft zu vermeiden. Bei aller Bescheidenheit, die angebracht ist, wissen wir jedoch, dass diese Hingabe an Illusionen nicht nur ein Merkmal des ehemaligen deutschen' Judentums ist. Auch für die polnischen Juden war es nicht schwer, — hätten sie sich nur mit der Wirklichkeit rechtzeitig konfrontiert — die ungeheuren Gefahren zu erkennen, die ihnen droh- Auf der kürzlichen deutschen Bischofskonferenz in Bühl—Baden wurde eine Erklärung abgefasst, die in allen katholischen Kirchen Deutschlands zur Verlesung gelangt?. In diesem Dokument heisst es u. a.: ..Die Bischöfe haben festgestellt, dass alle katholischen Deutschen den Eichmann-Prozess mit grösster Aufmerksamkeit verfolgen und tief bestürzt sind, dass unser Volk so entsetzliche Fehler begehen konnte. Die erschütternden Aussagen, die in diesem Prozess gemacht wurden, haben neuerlich das Problem aufgerührt, wie es möglich gewesen ist, dass es zu einer so ungeheuerlichen Verletzung der Menschenwürde und der Vernichtung unzähliger Menschenleben kommen konnte. Dies hat sich begehen, weil die politischen Führer unseres Volkes es wagten, die ewigen Wege des Herrn zu verleugnen. ..Unser Volk muss alles Menschenmögliche tun. um die begangene Sünde gegen das jüdische Volk und gegen andere Länder wiedergutzumachen. Die materielle Wiedergutmachung ist notwendig, aber sie ist nicht ausreichend. Daher rufen die Bischöfe die deutschen Katholiken auf. von Gott demütigen Sinnes Vergebung für die Sünden zu erflehen, welche Menschen unseres Volkes begangen haben, und um Frieden und Versöhnung zu beten. Priester und Laien müssen gemeinsam die \ Initiative ergreifen, um ihre Gebete durch sichtbare Beweise aktiver Sühne im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten zu begleiten. ,.Die Bischöfe appellieren energisch an das Gewissen der Männer und Frauen, die heute die Verantwortung für unser Volk tragen, sieh jedem Versuch der Missachtung der Gesetze Gottes zu widersetzen, damit nicht wieder Menschenwürde und Menschenrechte gefährdet werden. Diejenigen, die zur Bildung der öffentlichen Meinung beitragen, müssen das Gewissen unseres Volkes und im besonderen das unserer Jugend wachhalten, damit sie jene Männer und Frauen nicht vergessen sollen die ohne Rücksicht auf ihre eigene Person in den düsteren Stunden unserer Geschichte ihr Leben aufs Spiel setzten, um den Verfolgten zu helfen, und sogar mit ihnen in den Tod gingen.“ (Aus ..Osservatore Romano”) LA SEMANA ISRAELITA Bisemanarlo — aparece los Martes y Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. H. Swarsensky Pueyrrejón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 80.6930 Abono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450.— jährl. una untersche Internationale gibt, die ten. Während die deutschen durch das Medium des Antisemitismus heute wie gestern versucht, einen politischen Einfluss zu gewinnen Juden der Weimarer Republik wenigstens im Vollbesitz einer bis in die letzten Einzelheiten durcligeführien dern und Enkeln ersparen wollen, was wir durchleben mussten, haben wir nur die eine Pflicht: aus der Vergangenheit zu lernen und , , . ... . , den Mut aufzubringen, die uns heute inmitten eines . erforderliche Konsequenz sächlich eins schiedlos ist. Nach einem so gewaltigen und erdrückenden historischen Erleben haben wir kann leider nicht bezweifelt Gleichberechtigung de jure werden. Ein nungszeichen kleines wurden ‘Dr FREYf Abogado PUEYRREDON 2190 1* ixq nachm 16—19 Uhr Warallen — wenn auch rieht de fac- 1o — gewesen sind, standen — und dies keineswegs nur ' cli? polnischen Juden immer den Juden — mit der erim Zeichen einer Degradieschreckend wgrossen Kam- , rung der Massen. Dar Propagne gegeben, die vor wej zess ihrer Ausschaltung aus nig mehr als einem Jahr dem polnischen Wirtschaftsdie ganze westlich? Welt durchzogen hat und alle gerecht denkenden Menschen erschütterte. Hier | und da tauchen die Insig- : ni: n und Symbole des Nazi-! faschismus wieder auf, in i viele Häuser dringendie Briefe Abergs aus ScliW' leben führte zu den bekannten Bemerkungen des letzten polnischen Auss3nrr.inisters vor dem Zweiten Weltkriege, des Obersten Beck, der offen erklärt ha^e, dass es in Polen eine Million Juden zu viel gäbe .. i Wir Juden, allé und ohne; den. die an die Flugblätter Ausnahme, haben gewaltige REAL PEN j Füllhalter * REPARATUREN * Spezialgeschäft + CORRIENTES 589 J T E. 49-5850 $ eines Flitsch erinnern. Die Zei wie auf eine bittere histo-; rische Reminiszens zurüek- Feh’er gemacht, die J. Liebling ’ FOURNIERE —! SPERRHOELZER i DIA2 VELEZ 5224 »I «S { T. E 43-2343 934C r 3021 ¿ unser auf den Antisemitismus | Volk mit seinem unschuldi- _ gen Blut bezahlen mursto, [ einfach deswegen, weil wir; * die geschichtliche i Entwickf lungen nicht in der geböte- | nen und gebührenden Form j f in Betracht gezogen haben. J Jeder gab sich der Illusion; \ hin. dass nicht er. sondern der andere gemeint war. Jeder trug in sich, dass nicht er, sondern andere den Opferweg antreten müssten. Und alle haben wir gesehen und erlebt, dass es keine Ausnahmen gibt. | dass der Hass wirklich blind und das Judenschicksal tatturbulenten Daseins und inmitten einer relativ ruhigen Zeit, wenn wir die Judenfrage als Masstab anlegen zu fragen, ob wir aus der Vergangenheit, ob wir aus eigenem Schicksal gelernt haben. Wir werden, wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, freimütig erklären müssen, dass dies nichtder Fall ist. und zwar aus folgenden Gründen: Ein Fritsch, der schon die gesamte Partitur antisemitischer Polemiken aufbot. wurde von unseren Vätern und Grossvätern nicht ernst genommen und überhört. Die Folgen hatten deren Kinder, hatten wir zu tragen. Wenn wir unseren Kin- JUDITH SCHENKOLEWSKf KUL riJSSTICKEREiEN Schabbnsdecken - Tallisbeute' Käppchen . Maz. zof-Taschen . Hand- und Maschinenstickerei von- Bettun." Tischwäsche BEBEDF.RO 2585 T. E. 73.9155 Dr. B. Schwartz ZAHNARZT J STOMF.A 2283 - 52-8214 RAYOS X PARA DENTOSE TELEF. VORANMELDUNG zu ziehen. Das ist durchaus nicht schwer, denn die uns von der Gesvhichte erteilte Dektion enthält durchaus nicht nur schwarze Blätter. Deswegen dürfen wir heute von einer festen Grundlage aus zu den negativen Erscheinungen Stellung nehmen. Das jüdische Volk kann mit Stolz auf Israel hinweisen. das durch eine Bewegung des ganzen Volkes ein neues Ruhmesblatt der jüdischen Geschichte schreibt. Aber der Glanz, der sichtbar von Israel ausstrahlt, darf uns nicht die Schatten übersehen lassen, die auch heute noch auf die Juden in aller Welt fallen. Es ist keine Kleinigkeit, wenn wir die Bilder von nordamerikanischen Nazis sehen, die in der grossen Demokratie auf dem Kontinent der Freiheit ungestört ihr hasserfülltes Treiben fortsetzen können. Auch die jüdischen Kreise der USA messen dieser neonazistischen Bewegung keine Bedeutung zu. obwohl wir doch unsere Erfahrungen gemacht haben. Warum, bringen nicht die nordamerikanischen Juden die Kraft auf. wenigstens energisch dieser Gefahr entgegenzutreten und ihren Einfluss bei den Regierenden geltend zu machen, dass diese Machenschaften unterbunden werden? Warum schweigen die Juden in der Welt? — Glauben sie etwa, sich ruhig verhalten zu müssen, um nicht den Gegnern des Westens neues Material zu liefern? — Wer könnte so töricht sein, auch nur vermuten zu wollen, dass diese unerklärliche Duldsamkeit in den USA gegenüber den Nazis, die Hakenkreuze trugen, von den Russen unbeachtet blieb?. Gefahren erkennen, muss immer gleichbedeutend mit dem ernsten Willen sein, sie zu eliminieren, solange es noch Zeit ist. Wie lange wird man wieder warten? 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