Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1904 (25.8.1961)
- Date
- 1961-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. m JfewuÀHja J¿hJCi&títa T. E. 83-2613 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 25 DE AGOSTO DE 1961 No. 1904 Die Araber nahmen sie auf Viele der grössten Naziverbreeher, deren Namen im Eichmann-Prozess genannt worden sind, hatten nach dem Krieg in Südamerika, im besonderen im peronistischen Argentir.’en, Zuflucht gefunden. Als ein neuer Wind in Südamerika zu spüren wär, begannen die Nazis südamerikanischen Boden zu verlassen und gingen nach Kairo, wo heute wahrscheinlich die grösste Kolonie von Kriegsverbrechern in der Welt zu finden ist. Eine stattliche Anzahl von hchen SS- und Gestapo-Offizieren steht ge genwärtig ,,in Diensten” Nassers und berät .ihn besonders in Fragen der Propaganda und Jugendorganisation. In israelischen Kreisen hegt man z. B. negründeten Verdacht, dass einige der dicksten Lügen, die gegen Israel verbreitet werden, von diesen Naziexperten aus Kairo stammen So erinnert u. a. die Geschichte über den Weiterverkauf von ELIAHU SALPETER! israelischer Waffen durch Westdeutschland an Portugal zur Verwendung in Angola deutlich an Goebbels- Methoden. Die arabische Propaganda und in erster Linie die j. aus Kairo kommenden Parolen setzen sich often für Eichmann ein. So variierten sie von Versuchen, das Ausmass der von den Nazis begangenen Morde zu verkleinern bis zu Sympa:hie- Erklärungen und Aeiwserungen des Bedauerns, dass Efehmann „sein * Geschäft nicht zu Ende führte ' Eine oft gehörte Feststellung der! arabischen Propaganda ist der Hinweis darauf, dass Israels „Verbrechen” als Urheber des arabischen Flüchtlings-Problems viel grösser sei als die Schuld, die die Nazis durch die Vernichtung der europäischen Juden auf sich geladen haben. Die offizielle ägyptische Position erhellte aus e;ner kürzlichen Erklärung eines Ministers im Parlament, der folgendes äusserte: „Die Nazis haben keine sechs Millionen Juden umgebracht, nicht einmal eine Million. Hitler gestattete den Juden, nach Zahlung einer gewissen Summe auszuwandern. Die Juden dagegen, die kein Geld hatten, wurden in Lagern Konzentriert, damit man mit den Zionisten über Lösegeld und Materialien zur Fortführung des Krieges verhandeln könne. Die Zionisten haben jedoch ihre Versprechungen nicht gehalten. Sie wollten Hitler auf diese Weise zur Begehung von Kriegsverbrechen zwingen, um ihre Greuelmärchen verbreiten und ihr Ziel, den jüdischen Staat zu gründen, besser erreichen zu können.” Die transjordanische Tageszeitung „Jerusalem Ti- WIE ICH ES SEHE Ein Vorlaeufer der Nazis von JEHUDA GOTTHEMER Es hat einen guten Grund, wenn wir uns von Zeit zu Zeit mit der Entwicklung der antisemitischen Bewegung beschäftigen. Zunächst sind nicht nur wir, sondern alle ernsten Menschen daran interessiert, gegen den schädlichen Prozess des allgemeinen Vergessens Front zu machen. Die Erinnerung an das Vergangene bedeutet nicht die Konservierung von Hass oder die Förderung negativer Bewegungen. Wenn wir uns dessen erinnern, was geschehen ist, so können wir aus diesem Wissen Kraft zur Verhinderung neuer Gefahren schöpfen. Es ist eine alte Erfahrung dass niemand Voraussagen kann, ob eine negative Erscheinung wirklich so bedeutungslos ist, wie sie im ersten Augenblick angesehen wird. Diese generelle historische Lehre gilt nicht nur für die Entwicklung des Nationalsozialismus, der in seinen Anfängen von allen j Kreisen als unwichtig abgetan worden ist.! Auch nicht einer der ¡grossen Politiker gab sich I davon Rechenschaft, dass! aus dieser Gesellschaft der; gescheiterten Existenzen eines Tages ein reissender Strom werden könnte, der in seinem Vernichtungswahn die ganze Welt an den Abgrund der Vernichtung führte. Das antijüdische Programm der Nazis baute auf einer beträchtlichen Anzahl von Vorläufern auf. Der „ideologische“ Teil der von den Nazis vertretenen Thesen ist von den alten deut- „Usis" an 15 Laender verkauft 15 Länder in Europa, Afrika und Amerika haben bisher insgesamt rund 200.000 Usi-Maschinenpistolen gekauft, und Verhandlungen mit weiteren Staaten sind im Gange. Die Leitung der israelischen Waffenindustrie äusserte sich sehr befriedigt über die Entwicklung des Waffenexports. Insbesondere wurde auf das grosse Warengeschäft mit Holland hingewiesen, das bereits bekanntgegeben worden war. Man macht geltend, dass dieser Abschluss naturgemäss für Israel eine gute Empfehlung bedeute. Die Tatsache, dass ein zur NATO gehörendes Land die israelische Maschinenpistole als Standardwaffe eingeführt hat, gereiche der israelischen Waffenindustrie zur Ehre und werde Israel auch weitere Absatzmärkte für Waffen erschliessen. Der Generalstab der NATO hatte den Beschluss, grössere Mengen Usis für die Ausrüstung der Armeen gewisser europäischer Länder anzukaufen, ausdrücklich bestätigt. Die Bestätigung erfolgte, nachdem der für Rüstungsfragen zuständige NATO-Ausschuss die israelische Waffe geprüft hatte. Jetzt verwenden bereits drei NATO-Länder Usi-Maschinenpistolen. Man nimmt an, dass auch weitere NATO- Staaten sich für die erstklassigen israelischen Waffen interessieren werden. Ein gewisser Staat in Europa hat das Rechr erworben, in seiner Waffenindustrie Usis nach dem israelischen Patent herzustellen. Vertragsgemäss darf die Waffendustrie des nicht genannten Landes jedoch diese Waffe nicht für Exportzwecke verwenden sondern nur für den Inlandsbedarf. i sehen Antisemiten übernommen worden, unter ihnen auch von Theodor Fritsch dessen Namen den wenigsten noch bekannt sein dürfte. Dieser Mann war ein eifriger antisemitischer Pub'izist, der bereits in den aci iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zahlreiche antijüdische Schriften herausgebracht hat. i Niemand achtete auf ihn, | wenn auch einige jüdische i Nctabeln hierzu bedenklich | und aus ihrer Ruhe aufgescheucht, ihr. Haupt schüttelten. Versetzen wir uns einen Augenblick in diese „giück- I liehe“ Zeit zurück, in der Gleichberechtigung und Assimilation die grossen Losungen des deutschen Judentums gewesen sind. Dia Stimmen einiger weniger Warner, die als Aussenseiter betrachtet wurden und überhaupt keine Beachtung fanden, verhallten ungehürt in diesen „Gründerjahren“, mit denen ein neues Zeitalter eingeleitet wurde, das vom politischen Liberalismus und vom aufblühenden Industrialismus gekennzeichnet war. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten. Die aufstrebende Arbeiterbewegung verlangte .hre Rechte, was zu Auseinandersetzungen führte, den Rhythmus einer stürmischen Aufwärtsentwicklung aber kaum beeinträchtigen konnte. In diesen Griinderjahren war aber gewiss kein Platz für destruktive Kräfte, die mit Aussicht auf grossen Erfolg eine Hasspolitik hätten betreiben können. Immerhin gab es Warnungssignale für die Juden, die im Ueberschwang deutsch-patriotischer Gefühle allzu schnell bereit waren, die alten, traditionalen Werte des Judentums zu vergessen und der neuen Zeit zu opfern. Natürlich störte der Hofprediger Stökker mit seinen Antisemiten und seinen judenfeindlichen Kundgebungen. Es war nicht mes” schrieb in einem Leitartikel: „Wie schade, Fachmann, dass du in die Hände dieser Schweine gefajlen bist. Aber sei tapfer und tröste dich mit dem Gedanken, dass der Tag kommen wird, an dem die anderen sechs Millionen vernichtet werden, um dein Blut zu sühnen.” In Damaskus hiess es in dem Blatt „Al Aknbar”: ,,Es ist die grösste Ehre für Eichmann, dass er der Menschheit soviel J udenblut abgezapft hat. Lasst uns die Wort: des atabischen Dichters Nasib Ar Rifai zitieren, der sagte: : .Wenn es Hitler nicht ge- | lang, euch auszurotten, so! hat Gott uns aufgespart’ j und das soll bedeuten, dass Allah uns am Leben erhal- | ten hat, um die Juden und Zionisten zu vernichten ” Die nasserfreundliche Zeitung „AI Anwar” in Beirut veröffentlichte eine Zeichnung, auf der man Ben Gurion sieht, der anklagend auf Eichmann zeige. Ben Gurion wird natürlich mit der „typischen Judennase” dargestellt, während Eichmann auf dem Bild eine j elegante Uniform trägt und 1 seine Züge so jugendiieh sind wie die Nassers auf Plakaten kairoer Reklamei Zeichner. Darunter ist zu j lesen: „Ben Gurion: Du ver- , dienst den Tod, weil Du sechs Millionen getötet hast!- Eichmann: Es gibt viele, diesagen, ich verj diene den Tod, weil ich nicht auch den Rest umgebracht habe.” Die „Romanze” zwischen den arabischen Nationalisten und den Nazis, im besonderen mit Eichmann, ist nicht neu. Sie geht in Wirklichkeit bis in die letzten DJE DIPLOMATEN SIND AM WERK Die israelischen und arabischen Delegierten bei den UN bereiten sich auf einen harten Kampf um das arabische Flüchtlingsproblem bei der UN-Generalversammlung vor, die im September eröffnet wird. Auch die Vereinigten Staaten werden sich in diese Frage verwikkelt sehen, da Präsident Kennedy sich bemüht hat, zur Lösung dieses Streitfalles beizutragen. Seit einiger Zeit schon ist die Entsendung eines hohen Emissärs nach Israel und den arabischen Ländern angekündigl, der die Lage an Ort und Stelle prüfen soll, um dis Schlichtungskommissien für Palästina instand zu setzen, vor dem 15. Oktober Empfehlungen zu unterbreiten. Wie erinnerlich gelang es den Arabern bei der letzten Sitzung der UN-Generalversammlung, eine Resolution durchzusetzen, die der Schlichtungskommissio’n den Auftrag erteilt, bis zu diesem Datum über die Schritte zu berichten. die unternommen worden sind, um dem im Jahre 3948 gefassten UN-Beschluss über die Repatriierung oder Entschädigung der PalästinaflüchRinge nachzukommen. Die Schlichtungskommission für Palästina setzt sich heute aus Vertretern der Vereinigten Staaten, Frankreichs und der Türkei zusammen. Washington befürchtet, dass die Araber bei der bevorstehenden UN-Versammlung darauf bestehen werden, dass diese Kommission durch eine zusätzliche Repräsentanz aus dem Sowjetblock erweitert werden soll. Die gleichen Befürchtungen hegt man auch in Israel. Die Erweiterung dieser Kommission kann nur zu neuen Komplikationen führen, die die USA gern vermeiden möchten. Präsident Kennedy ist ehrlich daran interessiert, das Problem der arabischen Flüchtlinge gelöst zu sehen, und es dürfte ihm bestimmt nicht lieb sein, dass nun auch noch die Sowjetunion auf den Plan tritt,"da Russland bisher nur Interesse bewiesen hat, die Unruhe im Mittleren Osten noch mehr zu schüren. Auch Israel weiss, dass der EhiuPt der Sowjets in die Schlichtungskommission für Palästina nur grössere Schwierigkeiten bedeuten kann, wenn man Mo'skaus offen antiisraelische Haltung bedenkt. Aber die arabischen Länder, die bei wichtigen Fragen in den UN mit Russland gemeinsam Vorgehen, sind anscheinend entschlossen, der nächsten Generalversammlung eine neue Resolution vorzulegen, die die Wahl’eines sowjetischen Repräsentanten in die Schlichtungskcnvmission bezweckt. Die USA werden daher eine höchst vorsichtige Strategie befolgen müssen, um den arabischen Vorstoss abzubrems-en, ohne eine heftige Reaktion der Araber zu provozieren. Was Israel angeht, so ist sich meinen Informationen zufolge die Regierung schon über die Direktiven einig, die sie der israelischen Delegation bei den UN über ihr Verhalten erteilen wird, wenn die Flüchtlingsfrage vor der Versammlung zur Sprache kommt. Diese Direktiven stehen in Einklang mit der Politik, deren sich Israel in den letzten Jahren in dieser Sache befleissigt nat. r.ORIS SMOLAR Jahre vor dem zweiten Weltkrieg zurück und führte zu der engen Zusammenj arbeit zwischen arabischen! Staatsmännern und den Achsenmächten während I des Krieges. Nasser, macht | z. B. kein Hehl aus seiner Bewunderung für die ägyptischen Generäle, die als j deutsche Agenten gedientj haben. Der bekannteste Fall ist; ’ natürlich der des ehemaligen Grossmufti von Terusaj lern, der die Kriegsjahre als! Hitlers Gast in Deutschland verbrachte und die Naiibehürden beeinfluste. auch ja keinen europäischen Juden aus den von den Nazis besetzten Gebieten entkommen zu lassen, was im Eichmann - Prozess durch zahlreiche Dokumente unter Beweis gestellt wurde. ganz durchsichtig, welche Rolle der auf der Höhe seines Ruhmes stehende Kanzler Bismarck spielen würde. Es gab die antisemitischen Abgeordneten mit Lieber-' mann von Sonnenberg an der Spitze, die sich gegen die jüdischen Einflüsse wehrten. Aber all diese Tendenzen und Erscheinungen reichten nicht aus, um j die Juden hellhörig zu ma-1 chen. Man gründete einen Verein, dessen Aiffgabe die j Abwehr antisemitischer Angriffe war .Dort wirkten erstklassige Persönlichkeiten, grosse Aerzte, Advokaten, Bankiers, erfolgreiche Wirtschaftler, die sich gegen negative Strömungen der ein-; gefleischten Judenfeinde aussprachen. Man protestierte und widerlegte Verleumdungen, verstand aber nicht, dass die Probleme tiefer lagen, und dass Apologetik niemals Klarheit schaffen konnte. Neben den bekannten Antisemiten wirkte auch Tueodor Fritsch, der ein Vorkämpfer der völkischen Idee war, die dann später von den Nazis mit gewissen Variationen übernommen worden ist. Die Nazis selbst haben ursprünglich die „Vorarbeit“ anerkannt, die von Fritsch geleistet worden ist der seit 1887 neben anderen von ihm abgefassten Schriften eine „Antisemitische Correspondenz“ herausgegeben hat. Sein „Handbuch zur Judenfrage“, von den Juden selbst überhaupt nicht beachtet, erlebte im Laufe der Jahre nicht weniger als dreissig Auflagen, ein Erfolg, auf den sonst nur sogenannte „bestseller” blikken können. Der grösste Judenhetzer aller Zeiten, Adolf Hitler, schrieb: „Das Handbuch der Judenfrage habe ich bereits in früherer Jugerid in Wien eingehend studiert. Ich bin überzeugt, dass gerade dieses in besonderer Weise mitgewirkt hat, den Boden vorzubereiten für die nationalsozialistische antisemitische Bewegung. Ich hoffe, dass der dreissigsten Auflage noch weitere folgen werden und das Handbuch allmählich in jeder deutschen Familie zu finden ist... “ Ein anderer nazistischer Theoretiker nannte Fritsch den „wohl wichtigsten deutschen Antisemiten vor Hitler“. Dass die vielen Schriften des Fritsch einen grossen Einfluss nicht nur auf die nazistischen Führer gehabt haben, ist klar. Er war für viele andere, auch für heutige Judenfeinde, ein Lehrmeister und Vorbild Man braucht nur an der schwedischen Antisemiter Aberg zu denken, der sein-c „Propaganda-Methoden“ be Fritsch gelernt hat. Frtscl gab seine Schriften meist ii einer Auflage von 10.00( Exemplaren heraus, die ei auf dem normalen Bücher markt nicht abzusetzen ver mochte. Dazu war das In teresse in dieser „guten al ten Zeit“ für diese Gattung von Literatur nicht gross genug. Fritsch aber wusste sich zu helfen. Die Presse auch die nationalistische nahm anfangs von dieser Geistesprodukten keine Notiz. Die Bahnhofsbuchhand lungen weigerten sich, Freiexemplare auszustellen Noch im November 192( hatte die Zeitschrift di« Fritsch Jahrzehnte hindorct herausgab, nur eine Auflage von 8.000 Exemplaren. Aber dieser Fritsch hatte (Schluss auf Seite 2) .Vor einer neuen Koalition. , Tel Aviv. — Ministerpräsident Ben Gurion soll glaubwürdigen Quellen zufolge den Führern seiner Partei erklärt haben, er sei nicht geneigt, die Bildung eines neuen Kabinetts zu versuchen, dem die Mapam un£ Achdut Awoda als Partner der Mapai angehören wurden. ... Unter den Mapaiführern herrscht Beunruhigung über diesen Punkt. Diese Kreise vertreten die Ansicht, dass die Mapai mit der früheren Koalition die Regierung bilden sollte. „ Ferner wird behauptet, dass der Knessetpräsident Kadisch Luz die Wiederwahl zum Präsidenten der fünften Knesset nicht annehmen wird. In diesem •i .“urft€> faUs die Liberale Partei in die Koalition eintntt, das Amt des Knessetpräsidenten Justizminister Pmchas Rosen, dem Führer der Liberalen angetragen werden. (ITA)