Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1901 (11.8.1961)
- Date
- 1961-08-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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2 — Vien***, n dt Agoste de 1861 LA SEMANA ISRAELITA Afle;13ïXIÏ. — No.-MOf Die Meinung des Philosophen (Schluss von Seite 1) zentraiicn auf die Gegender öffentlich dazu das Wort . ' wart muss zur Entwurzelung [ ergreift, anerkennt den ver- Funktion. die niemals über-; des Menschen führ sehen werden sollte. des Menschen führen. Die , brecherischen Charakter der Hier Tradition bietet ihm Halt,! Taten, um die es bei diesem erfüllt also der Eichmanni Orientierung. Geborgenheit. I Prozess geht. Zugleich aber Trozess eine grosse Aufgabe.; Das jSj schliesslich der Sinn die — was wir heute nach | allen Phiiosophierens wie mehreren Monaten der Verjeder Geschichtsbetrachtung handlungen feststellen könj dass nen —. die grosse jüdische 1 Tragödie unseres Jahrhun derts noch einmal der Welt vorgeführt hat. Man könnte sogar bei dieser Feststellung noch einen Schritt weifergehen. Eigentlich war es doch das erste Mal, dass das Schicksal der Juden Europas unter der nazistischen Schreckensherrschaft vor der Weltöffentlichkeit mit vielen Einzelheiten und unzähligen Beweisen ausgebi eitet wurde. Denn in den Nürnberger und sonstigen X riegsverbrecher-Prozegsen. vor allen in denjenigen, die vor deutschen Gerichten liefen, wurden doch nur TeiJaussc-hnitte gezeichnet. Wer sehen und wer hören wollte. der konnte jetzt begreifen. was eigentlich geschah. als Hitler Europa unterjochte. Das Postulat ..Nicht zu vergessen“. das hier von einem Philosophen und damit zu einer philosophischen Maxime erhoben wird, spricht unserem eigenen Gedankengut. Ein Volk wie 1 jedes Individuum sollen nicht vergessen, weder das ' Gute, das ihnen widerfuhr, noch das Schlechte. Das j „Nicht - Vergessen“. das ' ,.Sieh-Erinnern“ stellt das feste Bindeglied in der un-; übersehbaren Kette der Ge-1 nerationen dar. Die Kon- [ Menschen wie Völker durch ihr auf diese Weise geformtes Geschiehtsbewusssein den rechten Weg aus ihrer Gegenwart in ihre Zukunft suchen. Ohne die Kenntnis und das Sich-Erinnern an Vergangenes ist solcher Weg nicht möglich. Deswegen muss man sich stets gegenwärtig halten, was geschehen ist. Diese Erinnerung, dieses Gedenken. dieses Nachleben der Vergangenheit soll nicht dazu dienen. Hassgefühle zu schüren oder wachzurufen schlecht geheilte Wunden wieder aufzureissen und sich selbst immer erneut seinem Schmerz preiszugeben. In dieser Erinnerung is* eine grosse erzieherische Aufgabe eingeschlossen. Das Wissen solj den Menschen daran hindern, die Fehler za wiederholen, die zur Katastrophe des 20. Jahrhunderts geführt haben. Das Bewusstwerden des Vergangenen soll zur Läuterung der el“'! künftigen Geschlechter beihat dieses Verbrechen die Besonderheit, dass es in keinem Strafgesetzbuch klar definiert vorkommt. Man weiss nicht, was wird eigentlich verurteilt?“ Jaspers ist nicht der erste der Ausführungen in dieser Richtung gemacht hat: er hat hier einen häufig vertretenen Standpunkt klar formuliert. Wenn er auch in seiner weiteren Darstellung dem Staate Israel und den Juden im allgemeinen nicht das Recht verwehrt, diesen Prozess zu führen, so müssen wir doch seinem generellen Standpunkt ciersprechen. denn es „Es lebe die Justiz Israels" Jerusalem. — Sechs syrische Gefangene, die von den israelischen Behörden vor vier Monaten an Bord ihres Bootes verhaltet worden sind, das in israelischen Territorialgewässern angetroffen wurde, brachen spontan in den Ruf ..Es lebe die israelische Justiz" aus. als Bezirksrichter Mosche Peres fünf von ihnen frc'isprach und die Gefängnisstrafe von 4 Monaten für den sechsten Syrer aufhob. Die Syrer, deren Motorboot, die „Marad”. von den Israelis in der Nähe .des Gazastreifens beschlagnahmt wurde weinten vor Freude, als sie das Urteil hörten. Der Kapitän, der am Steuer des Schiffes stand, als die israelische Wasserpolizei es anhielt, wird die viermonatige Freiheitsstrafe absitzen müssen, wenn e£ in den nächsten zwei Jahren nochmals in israelischen Hcheitsgewässern überrascht wird. Die Syrer wurden de,- DN-Waffenstillstands-Kcmmission übergeben, die sie über den Libanon repatriieren wird. (ITA) es sich aber um Verbrechen. so sagt Jaspers, die zwar im Rahmen eines Krieges, jedoch ohne jede Aus- \vi-! Wirkung ruf den Gang des ist; Krieges vollzogen wurden. nicht zweife/baft. welche ja die vielleicht für den tragen. Das ist der Sinn d.essen, wenn vom Fortschritt der Menschheit gesprochen wird. Dass dieser vielbesprochene und immer herbeigesehnte Fortschritt bisher nicht erreicht werden konnte, beruht nicht zuletzt auch darauf, dass das Geschichfsbewusstsein der 1 gegeben ist. Menschen wie der Völker; Man braucht Eiehmann-Prozess zur Aburteilung gelangen sollen. Wenn man — wie Jaspers meint — den verbrecherischen Charakter der Taten anerkennt, die in diesem Prozess zur Aburteilung gelangen sollen, dann muss sowohl juristisch wie philosophisch und auch (staats-) politisch eine feste Grundlage zur Bestimmung des Verbrechens gegeben sein. Denn die Anerkennung einer Tat als Verbrechen kann nicht im luftleeren Raum geschehen. Würde man die Bedenken von Jaspers teilen, dann müsste man auch den Mut zur Konsequenz aufbringen und erklären, dass keine Strafmöglichkeit I Dr FREY ' I Abogado I PUEYRREDON 219« V ixq. $ nachm 16—19 Uhr \vuAwvwwwv\vmvvv REAL PEN I Füllhalter £ REPARATUREN | Spezialgeschäft > CORRIENTES 5b9 t T E. 49-5850 . i iwiwvwwuw^vww1 J. Liebling Í FOURN1ERE —; 9PERRHOELZER i DIAZ VELEZ S224 «1 46 j T. E 43-23490340 y 3021 J nicht hinreichend entwickelt ist. Es beruht auch darauf, dass man die Forderung < | des ,.nichf zu vergessen“ <; geflissentlich überhört und | der bequemeren Philosophie I j des ..c-arpe diem“ anheim | gefaben ist. In seinen weiteren Aus- I fiihrungen kommt Jaspers! dann auf die Verbrechen zu! sprechen, die im Fall Eichmann zur Aburteilung ste- . hen. Er übergeht die Frage der Zuständigkeit, die er nur kurz streift, um dann zu ¡erklären: ..Niemand leugnet. dass im Fall Eiehmann ein Verbrechen vorliegt, i Jeder Staat, jeder Mensch. sich aber Propiedades Frankenberg berät Sie Kostenlos una unvertundhcfi oeim Kam oder Verkam von CESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSER Manuela Pedraza 2530 pi a. Op. fi T. E. 70-7244 JUDITH SCHENKOLEWSKI KUL rUSSTICKEREiEN Schabbosdeeken - Tallisbeute' Käppchen . Maz. zot-Taschen . Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche BtßEDERO 2585 T. E. 73 9155 nicht auf Spekulationen dieser Art einzulassen, da der Sachverhalt sehr einfach ist und nicht durch philosophirende Betrachtungen kompliziert zu werden braucht Im Gegensatz zu der von Jaspers vertretenen Auffassung ist das dem Eichmann zur Last gelegte Verbrechen in jedem Strafkodex enthalten. Denn Mord steht überall unter Strafandrohung. Dasselbe gilt von Beihilfe oder Mittäterschaft ar* Mord. Es sind keine Strafbestimmungen erforderlich, um die Schandtaten der Nazis gerichtlich zu verfolgen. Es mag sein, dass diese an den Juden begangenen Morde nicht unter den Begriff der Kriegsverbrechen fallen, was Jaspers an einer anderen Stelle seines Interviews bemerkt. Mit diesem Hinweis kann er Recht haben. Denn ein Kriegsverbreehen liegt nur vor. wenn die verbrecherischen Handlungen im Rahmen eines Krieges im Kamnf gegen waffentragende Gegner begangen wurden. „Bei Eichmann handelt schädlich waren.“ Obwohl diese Interpretation des Begriffs „Kriegsverhrechen“ gew-agl erscheint, kommt es in diesem Zusammenhang nicht darauf an. ob wirklich nur dann ein Kriegsverbrechen begangen wird, w?enn es auf den Gang des Kräe ges von Bedeutung ist. Sicherlich darf man auch nicht verlangen, dass der Begriff „Kriegsverbrechen’' nur dann Anwendung finden kann. W’enn der Täter hieraus für seinen Krieg Vorteile zieht. Wesentlich aber ist, dass der Massenmord auch dann ein in jedem Strafgesetzbuch der Erde verfolgtes ■Verbrechen ist. wenn ein Staat seine ausführenden Organe beauftragt', anstiftet eder ermächtigt, diese Morde auszuführen. Dass die Strafgesetzbücher für den Fall des Massenmordes, der durch staatliche Organe vollzogen wird, keine Sonderbestimmungen enthalten macht die Tat nicht straffrei. Das w'ürde bedeuten, den Sinn der gesetzlichen Bestimmungen gerade für den Fall der entsetzlichsten Verbrechen ad absurdum zu führen. Weil kein Gesetzgeber derartige Schandtaten voraussehen konnte, darf dieses Verbrechen nicht straflos bleiben. Eine besondere „Konstruktion” ist aber nicht erforderlich, denn die vorhandenen Bestimmungen reichen für eine Aburteilung aus. Wenn Jaspers sagt. ..man weiss nicht, was. wird eigentlich verurteilt?’, dann ist die von ihm so formulierte und aufgeworfene Frage unschwer zu beantworten: Verurteilt wird der von Eichmann verübte Mord, seine Mittäterscheit oder seine Beihilfe hierzu. Dieser normierte Sachverhalt bietet eine feste Grundlage für den gegen Eichmann geführter Prozess. Hätte Eichmann, um ein Beispiel zu geben, das den Tatbestand beleuchtet, ein KZ kommandiert, so würde er, vor ein deutsches Gericht gestellt, wegen Morres oder Beihilfe zum Mord Verurteilt werden. Niemand Würde verlangen, dass hierzu ein Sondergesetz geschaffen werden müsste, weil das Verbrechen ..in keinem Strafgesetzbuch klar definiert vorkommt", wie Jaspers sagte. Ebenso wäre er verurteilt worden, w'enn er hei der unrechtmässigen Erschiessung von Kriegsgefangenen mit gewirkt haben würde. Auch hierbei hätte es keine „juristischen” Schwierigkeiten U SEMANA ISRAELITA Bisemanarlo — aparece los Martas y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortlich: Dr. H. Swarsen.sky Pueyrredón 2190, 1? izq. T. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450,— jährl. gegeben. Deshalb aber Ecdenken auszusprechen, weil man die Juden nicht als kriegführende Partei betrachten darf oder kann, muss unverständlich bleiben, Dann muss man sie als „Zivilbevölkerung” an sehen, die ausgerottet wurde: die logische Folge Walt nur die, dass an einer Verurteilung der Täter noch weniger gezweiielt werden könnte. — Es ist interessant, dass die Verteidigung Eichmanns die vom Philosophen Jasper § aufgeworfenen Probleme nicht aufgegriffen bat. Offensichtlich ist auch sie der Meinung, dass diese Unterscheidungen in jeder Hinsicht untragbar sind. Eichmann selbst, geschickt gelenkt vom Verteidiger Servatius, versuchte darzut\ln. dass er an den nicht bestrittenen Verbrechen unbeteiligt ist, jedenfalls keine Verantwortung trägt und deswegen auch nicht als schuldig angesehen werden könne. Damit ist die Schuldfrage auf ein ganz anderes Gebiet getragen worden. Eiehmann beruft sieb auf .„Befehlsnotstand”. Er wäre nur ausführendes Organ gewesen, habe im übrigen nur die Transporte zusammengestellt, mit den Ausrottungen aber nichts zu tun gehabt. Zu diesen Fragen hat sich Jaspers nicht geäussert. Sie dürften fiir das Urteil jedoch entscheidend sein. ’ Aidittkü ßk HUTSALON! Jetzt in C e I g r a ü o MOLDES 2561 T. E. 73-9229 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría Conde 2020 76.0286 Jacobo M. Lapiduf dipl. Mohel TUCUMAN 2396 4? J T. E.: 48-2124 I Dr. j B. Schwartz i ZAHNARZT pSTOVF.A 2283 - 52-8214 I RAYOS X } PARA DENTOSE i TELEF. 1 VORANMELDUNG NERVEN, u. GEMÜTS. KRANKHEITEN Dr. M. J. KUHN orov. RIV ADA VIA 2625 III Tel. 48 7524 4ont. Mittwocn. Freitag 17—20 Uhr Tel. Anmeldung erbeten. H. ROSENZWEIG TAIL0R HENRY TUCUMAN 563 piso 1 - T.E. 32-0913; Groesste Auswahl in imp. u. hiesigen Steffen BERNARDO STERN muí JUAN JULIUSBIRG Ausiuehrung saemtlicher CONDE 2316 T. E. 76-7593 — 76-7533 Dr. Bernardo Goldstein MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogram me CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Sonnabend: 14—16 Uhr Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS ANSKY T. E. 87-13(2 Dr. SAUL Sarmiento 3116 I Dr. BENJAMIN LIPN1ZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN - ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MI*! GASBETAEUBUNG - REGU- LEERUNG DER ZAHNSTELL.UMG Sprechstunden- Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERN ANDEZ 25)8 T. E 7i-wr,j und 73-*50C Dr. L. KLEIN Médico Magen, und Darmkrankheiten Röntgen -Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: . *. A i i > i ■ > 3 ■ 3 ¥ ¥ ¥ ¥ ¥ t ¥ ¥ 7 j[Montag, Dienstag, Mdtwoch u. Freitag von 15—1# Uh»!' ♦ Es wird gebeten, tuch vorher telefonisch anzumeldenj {SANTA FE 1391 T. E. 44 9493 u. 44-15421; fl rt»A******** *A****lHHhHt****7Hk**lht******** $