Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1894 (Fragment) (18.7.1961)
- Date
- 1961-07-18
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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183, LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 18M — 7 4 fl|H PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 - 2613 ischaftdes deber Sekuns aus sie lita”, Curt assen r die in der zur ¡onders ischaftbeüber- HIIU GEGEN “DAS NEUE GHETTO" von Dr. IS. M. GELBER, Jerusalem m siebzehn Tagen, vom 21. Oktober bis 8. November 1894, schrieb Herzl unter dem Eindruck des Dreyfus-Prozesses ein Schauspiel über die Judenfrage, das er „Das neue Ghetto” nannte. Es war das erste literarische Werk, in dem er die Juc’enfrage behandelte die er in diesem Tendenzstiick zur Diskussion bringen wollte. Das Berliner Lessing- Theater lehnte das Stück ab. Erst im Januar 1898 wurde sein „liebst :s Stück” im Karl-Theater in Wien uraufgeführt. Bis zum Mai 1898 wurde es 25 Mal gespielt. Auch ausserhalb Wiens hatte „Das neue Ghetto” guten Erfolg, und zwar auf den Bühnen von Stettin, Hamburg, Augsburg, Libau. Dorpat, Prag, Budweis, Pilsen, Olmütz und anderen Orten. Bemerkenswert ist, dass der jüdische Gemeindevorstand von Brünn bei der Polizei ein Aufführungsverbot beantragte, damit „der Friede der Stadt nicht gestört werde.” Er' erreichte seinen Zweck. Im Gegensatz zu den jüdischen Gemeindepolitikern in Brünn zeigte der bekannte polnische Theaterfachmann und Kritiker Thaddaeus Pawlikowski, der in den Jahren 1893—1899 das polnische Theater in Krakau leitete, grosses Interesse an Herzls Schauspiel. Obgleich es keineswegs mit der jüdischen Nationalbew-egung sympathisierte, glaubte er, dass das Stück das jüdische Publikum anlokken und einen grossen Kassenerfolg haben würde. Ersetzte daher die Premiere für den 26. Februar 1898 an. ANGRIFF DER PRESSE Schon einige Tage voher begann die antisemitische Tageszeitung , Glos Narodu” hetzerische Angriffe gegen die Aufführung von „Das neue Ghetto” in einem polnischen Theater mit der Begründung, dass das Schauspiel eine antikatholische Tendenz verfolge. Die Aufführung eines solchen Stückes stelle eine Beleidigung der gesamten Christenheit dar. Diese Angriffe trugen nicht wenig dazu bei. dass bei der Theaterkasse ein ungewöhnlicher Andrang war, da ein Grossteil des jüdischen Publikums und der polnischen Intelligenz das Stück schon aus Neugierde sehen wollte. Es war daher kein Wunder, dass die Erstaufführung stark besucht war. Die Zuschauer waren hauptsächlich Juden, die begeistert der Aufführung folgten. Vorsichtshalber wurde das Theatergebäude von Polizisten bewacht, um eventuelle antisemitische Demonstrationen zu verhindern. Die Vorstellung verlief jedoch ohne jede Störung; auch nach Beendigung kam es vor dem Theater zu keinerlei störenden Zwischenfällen. Besonders starker Beifall wurde dem bekanntesten Schauspieler der polnischen Bühne, Josef Sliwicki, gezollt, der den Dr. Jakob Samuel spielte. Jüdische Studenten überreichten ihm am Schluss der Vorstellung ei- (nen Kranz mit der Auf- ' schrift: „Josef Sliwicki vor. | den nationaijüdischen Studenten.” ZWISCIIENFAELLE I Pawlikowski, der ein persönlicher Gegner Ehrenbergs, des Redakteurs der Zeitung „Glos Narodu”, war, triumphierte und war sicher, dass die weiteren i Vorstellungen ebenfalls un- ' gestört stattfinden würden, I doch er täuschte sich. Schon I bei der zweiten Vorstellung brach der Sturm los. Ehreni bergs Anhänger Hessen die erste Vorstellung ruhig verkaufen, um die Wachsam- I keit der Polizei irrezuführen. In Anbetracht der Ruj he bei und nach der ersten! Aufführung ergriff die Polizei keine weiteren Schutzj massnahmen in der Ueberzeugung, dass auch die I nächsten Vorstellungen ruihig verlaufen würden. Doch; Ehrenberg organisierte eine | starke Gruppe, für die er Theaterkarten besorgte und .liess sämtliche billigen Plätze besetzen. i Am Schluss des dritten Aktes, als Dr. Jakob Samuel dem Christen Rittmeister von Schrimm die Ohrfeige versetzen wollte, begann auf ein Zeichen hin ein tumult- I artiges Geschrei, Toben,! Pfeifen, Klopfen. Von der j Galerie wurden verschiedene Gegenstände auf die Biih-! ne geworfen, j. a. eine grojsse Zwiebel mit der Auf- I schrift „Thaddaeus Pawlil kowski, dem Verehrer des j Talmud”, und es erscholl sogar der Ruf „Hinaus mit Herzl”. Die Antisemiten schlugen das jüdische Publikum, das den Saal zu verlassen begann, mit Stökken. Vor dem Gebäude wuchs der Tumult, und es kam zu Prügeleien. Ein Teil der | Aufrührer zog ins Judenviertel und schlug in den |jüdischen Wohnhäusern die ¡Scheiben ein, ardere dej monstrierten vor Pawlikowskis Wohnung. Die Poli- ' zeit wurde alarmiert, sie eilte in voller Ausrüstung j herbei und versperrte alle Zugänge zum jüdischen ¡Viertel. In der Stadt | herrschte eine wahre Pogromstimmung. >DER RAT DER POLIZEI | Am nächsten Tag übermittelte ein Polizeibeamter dem Theaterdirektor Pawli- | kowski folgenden Erlass: „Angesichts des Umstandes,, dass das Schauspiel des Wiener Journalisten, Herrn Dr. Theodor Herzl, das hier aufgeführt wurde, bedauernswerte Zwischenfälle verursachte, wünscht die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Krakau, dass der Herr Direktor gütigst für eine unbegrenzte Zeit die Aufführung dieses Stückes abstellen möchte. Weitere Aufführungen des „Neuen Ghetto” könnten die ohnehin gespannte Situation in der Hauptstadt Krakau noch mehr verschärfen.” Pawlikowski entsprach diesem offiziellen Wunsche und stellte die weiteren Aufführungen ein. Mit der Streichung des „Neuen Ghetto” vom Theaterrepertoire wurde die Ruhe wjederhergesiellt. Ausser dieser Aufforderung erhielt Pawlikowski noch einer Verweis* der „Städtischen Theater- und Kunstkommission”. Auch der Lniversitätsrektor Stanislaw Tarnowski hielt es für nötig, ¡■gegen die Aufführung des 1 „Neuen Ghetto” zu protestieren und die „Provokai tion” der .ationaljiidischen Studenten durch Ueberrei- ■ chung eines Kranzes für den Schauspieler Josef Sli- , wicki, dem Darsteller des i Dr. Samuel, zu rügen. I I DIE EIGENTUEMLICIIE HALTUNG DES „HAMAGGID” Me r k w ü r d i ge r w e i s e nahm das zionistische Wochenblatt der galizischen Zionisten „Przyszlcsc” von diesen Demonstrationen keinerlei Notiz. Auch „Die Welt” berichtete mit keiner Zeile über diese Demonstrationen, obwohl sie in den Monaten März-Ap: il 1898 Berichte aus Krakau veröffentlichte. Dagegen schrieb die in Krakau erscheinende hebräische Wochenschrift „Hamaggid” in sehr unfreundlicher Weise über die Ereignisse. Nach einer etwas ungenauen Beschreibung der Vorkommnisse folgte dieser Kommentar: „So erlebten auch wir Krakauer eine antisemitische Demonstration, die der polnischen Presse Stoff bot, sich damit zu beschäftigen. Wir wären aber der Theaterdirektion dankbar gewesen, wenn sie den Juden nicht den Gefallen erwiesen hätte, das „Neue Ghetto” aufzuführen und damit den Zorn der Volksmassen gegen uns zu richten, umso mehr, als ja dieses Schauspiel nichts enthält, was den Namen Israels heiligt.” („Hamaggid” vom 3. März 1898, Nr. 9, S. 71). Der Redakteur und Inhaber des „Hamaggid” war Jakob Samuel Fuchs, ein überzeugter Chowewe - Zionist und einer der schärfsten Gegner des Herzischen politischen Zionismus, den er seit dem Erscheinen des „Judenstaat” und dem ersten Zionistenkongress aufs heftigste bekämpfte. Es ist daher verständlich, dass der Bericht im „Hamaggid” Sticheleien gegen Herzl enthielt. ANDERE PRESSEKOMMENTARE Kupferminen i **—'’ % An diesem Ort wurde schon seit biblischen Zeiten Kupfer an, dass sich hier auch die Minen des Königs Sale gefördert, und man nimmt ■non befunden haben. Nachrichten aus Israel WOHNUNGSBAU 1 Die Regierung und die Kolonisationsabteilung der Jewish Agency haben beschlossen, das Wohnungsproblem in den neuen Siedlungen in diesem Jahre zu ■ lösen. Hierfür ist eine Investition von 40 Millionen IL I in 150 neuen Moschawim erforderlich. Ferner müssen in 83 Kibbuzim Wohnungen erweitert und renoviert werden. i In diesem Jahre soll das I Projekt zu drei Vierteln durchgeführt werden, während das restliche Viertel im Budget-Jahr 1962/63 vollendet werden soll. Die Ar- , beit wurde bereits aufgenommen. I FISCHFANG I j Es wird damit gerechnet, dass in diesem Jahre der | Weit objektiver war der | Bericht in der assimilatorischen Berliner „Allgemei- ¡ nen Zeitung des Judentums”, in der ihr Chefre-; dakteuj- Professor Dr. Lud- I wig Geiger im Februar 1898 , (Nr. 9) eine abfällige Kri- I tik des „Neuen Ghetto” verl öffentlichte. Der Bericht über die Krakauer Vorfälle war sachlich und ohne Sticheleien. Dagegen brachte die Zeitung der Assimilanten in Kongresspolen „Israelita” vom 27. Februar 1898 (Nr. 10) einen ausführlichen Bericht ihres Krakauer Korrespondenten „Ibri” mit der Bemerkung, fdass dis Demonstrationen nicht gegen die Juden gerichtet gewesen seien. Zum Beweis führte er an, dass die Demonstranten nur selten den Ruf „Juden raus” hören Hessen. Die Ursache und den Anlass zu den De- 1 monstrationen sah „Israeli- | ta” nur in der persönlichen Feindschaft zwischen Eh- , renberg und Pawlikowski. \ Pawlikowski hätte Ehrenj berg kränken wollen und daher ein .philosemitischcs’ Stück aufgeführt. Ueber das I Schauspiel Herzls selbst ur- ] teilt „Ibri” wie folgt: j „Herzl schrieb sein Dra- : ma schon vor zehn Jahren, I Ertrag der israelischen Fischerei einen neuen Rekord , s:it der Entstehung des | Staates erreichen wird. Die Produktion der Fischteiche I wird auf 10.000 Tonnen und der Ertrag der Seefischerei auf 9.000 Tonnen geschätzt. | Die Zunahme an Seefischen ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass zwei neue Schiffe, „Dagit” und „Aisgad”, im Atlantischen Ozean in Dienst genommen wurden. Diese beiden Schiffe werden voraussichtlich allein 2.000 Tonnen I Fische fangen. Der israelische Jahresverbrauch beträgt 18.000 Tonnen; im Hinblick auf den diesjährigen Erfolg wird der israelische Eigenbedarf zur Gänze durch die israelische Hochsee- und Binnenfischerei sowie durch den Ertrag der Fischteiche gedeckt werden. Auch der Fischfang im \ Kinneretsee hat ein Rekordjahr zu verzeichnen: im | Jahre 1960 wurden hier 1.500 Tonnen gefangen, darunter! 950 Tonnen Sardinen. I MEHR KAPITAL- I INVESTITIONEN! als er noch ein sehr guter Europäer und es sein einzij ger Wunsch war, dass die Juden sich nicht in ihrer Absonderung einkapseln, son- ¡ dern im Gegenteil aus ih- . rem jetzigen gesellschaftlij chen Ghetto hinausgehen ' sollten. Was die Tendenz des Dramas anbetrifft, so ist sie eher assimilatorisch”. „Israelita” wusste nicht, dass Herzl das Schauspiel nicht 1888, sondern 1894, also ein Jahr vor seinem „Judenstaat” geschrieben hatte und es daher ein Vorgänger des „Judenstaates” war. Die Investitions-Zentrale erteilte im Januar dieses Jahres insgesamt 52 Genehmigungen zur Einrichtung von neuen oder zur Erweiterung von bestehenden Betrieben. mittels Investitionen von neun Millionen Dollar und 12,6 Millionen IL, was eine Zunahme von 12,5 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres bedeutet. VOLLE RENTABILITAET Im abgelaufenen Finanzjahr, das am 31. März zu Ende ging, erreichten zum ersten Mal die Entwicklungs - Gesellschaften volle Rentabilität, so dass alle Ausgaben, inklusive Zinsendienst und Amortisation, gedeckt werden konnten. Für die Kali-Gesellschaft, die Gesellschaft „Brom Totes Meer” sowie für die Kupferwerke von Timna bedeutete. es das erste rentable Jahr, obwohl diese Firmen noch keine Dividenden zahlen können. INTERESSE FUER ELEKTROINDUSTRIE Amerikanische Investoren und Firmen beginnen sich für die Entwicklung der israelischen Elektroindustrie zu interessieren. In Israel bestehen gegenwärtig 28 Betriebe der Elektro und Radio-Industrie, die im Jahre 1960 etwa 12 Prozent ihrer Gesamterzeugung exportierten. ERWEITERUNG DER „ISABEST” Die „Isabest”-Werke von Naharia sollen erweitert, die Belegschaft von 700 auf 1000 vergrössert werden. Es ist eine Produktionssteigerung von den gegenwärtig 50.000 Tonnen pro Jahr auf 65.000 Tonnen im Jahr 1962 vorgesehen. 15 bis 20 Prozent der Produktion sind für den Export bestimmt. „Isabest” will ferner in der Umgebung von Naharia eine Anlage zur Verwertung von Woll-, Papier- und Baumw'oliabfälien, 3us denen Karton für- Bau-, Fack- und Isoliermaterial hergestellt werden soll, errichten. Die Pläne für diese Anlage, in der 50 Arbeitei beschäftigt werden sollen sind bereits fertiggestellt. Eine weitere Fabrik wird in Asur unter Beteiligung von holländischen Geldgebern mit einer Investition von 500.000 IL ei richtet werden .Diese soll zur Erzeugung von Anlager f(ir Luftkühlung für landwirtschaftliche Zwecke dienen. EXPORT VON „OSEM” Die Firma „Osem”, die mehr als 200 verschiedene Nahrungsmittel erzeugt und mehr als 400 Arbeiter in drei Schichten beschäftigt, hat auch Exportmärkte erobert. Heute sind „Osem”- Erzeugnisse in London, Toronto, Stockholm, Brüssel, Teheran, Nikosia Johannesburg und anderen Städten erhältlich. a-»*