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Jüdische Wochenschau · 1961-07-04 · 1890 (4.7.1961) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1890 (4.7.1961)
Date
1961-07-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Die Frage aller Fragen LITERATUR _Wie in jedem Jahr hielt Von SCHAUM liEN - CHORIN geben. Nur die auseestande- Wie in jedem Jahr hielt «he Israelische Bibel-Forsehungs - Gesellschaft vor kurzem ihre Landestagung im Orion-Kino in Jerusalem ab. Dieses Jahr mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadtverwaltung. Führende Persönlichkeiten wie David Ben Gurion und Erziehungs- und Kulturminister Abba Eban. sowie der Präsident der Hebräischen Sprachakademie Prof. Tur-Sinai hatten ihre akitve Mitwirkung zugesagt. Bedeutende Fachleute der Hebräischen Universität wie Prof. Jecheskel Kaufmann, Prof. Ch. Rabin. Dr. Sch. Talmon, Prof. Sadan und Salman Schasar von der Zionistischen Exekutive wirkten mit. Die Hauptorganisatoren dieses grossen alljährlichen Bibel-Treffens waren wiederum die Herren Prof. F. Melzer. Chajim Gevarjahu. Elizur und Benzion Lurje. Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung standen die Weisheilsbüenor der Bibel: Sprüche. Hiob und Koheleth (Prediger'. Damit ist die Frage der biblische., Anthropologie: „Was ist der Mensch“ und die davor, unlösbare Frage nach der Gerechtigkeit Gottes gegenüber dem Menschen, das Grundmotiv des Buches Hiob das ein moderner Interpret das ..existentieliste“ Buch der Bibel genannt hat. Dieses Problem nennt man das Problem der Theodizee, hebräisch ..Zidduk Hadin“. und es bildet die durchgehende Leit-Idee des Buches Hiob. Der hebräische Dichter Jizchak Schaiew hatte für sein Referat aut der Tagung dies? Grundfrage gewählt und sich das Thema gestellt: ..Wird Hiob eine Antwort zuteil?“ Wir können diese Frage mit Ja und Nein beantworten. Hiob stellt die Frage der Fragen, die in jedem gequälten Menschenherzen immer wieder aufbricht: „Warum leidet der Gerechte?“, und er erhält darauf im Epilog des Buches, in welchem Gott aus dem Gewitter zu Hiob spricht, eine Antwort, die keine ist „Wo warst du als ich meine Erde gegründet habe?“ Gott lässt Hiob die gewaltigen Ungeheuer des Meeres sehen, den furchtbaren Behemot und den Leviathan, un<ä erinnert den Menschen Hiob damit daran. dass er ein Nichts vor Gott ist und daher Seine Gerechtigkeit und Seine Wege mit dem Menschen nicht verstehen kann. Hiob verliert alles, aber in einem grossen Akt der göttlichen Wiedergutmachung wird ihm alles doppelt und dreifach zurückgefolgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT ÍM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 o. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEOISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES UEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: Year Bowk V I960 — VOM L.B.-INSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. <416 Seiten) WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Puevrredôn 219P. 1® lzq, (83 2613) geben. Nur die ausgestandenen Leiden und die Jahre der Bitternis kann ihm auch Gott nicht ungeschehen machen, wie schon alte Erklärer vermerkt haben. In diesem Rahmen des Prologs im Himmel, von dem Goethe im „Faust“ inspiriert war, und der Schluss-Apotheose sind die tiefsinnigen Gespräche um die Theodizee zwischen Hiob und seinen Freunden eingespannt. Aber die Anwälte Gottes, die Hiob davon überzeugen wollen, dass er nicht unschuldig leidet, werden von Gott Lügen gestraft. Sie müssen ein Sühneopfer darbringen, denn sie haben nicht „recht geredet“ wie Hiob, der gegen den unerforschlichen Ratschluss Gottes wild aufbegehrt, aber trotzdem weiss. dass sein Erlöser im Himmel lebt. Die tiefe Paradoxie des Buches Hiob liegt darin, dass Hiob in Gott seinen Ankläger seinen Richter und seinen Verteidiger sieht. Er flieht vor dem Zorn Gottes zur Gerechtigkeit Gottes und birgt sich dennoch im Schatten Seiner Gnade. Die Heimkehr d( Zwei grosse jüdische Dichter haben in unseren Tagen das Schicksal des Judentums im Hiob-Gleichnis ausgedrückt. Margarete Susman, veröffentlichte 1946 ihr grossartiges Buch „Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes“ in dem das leidende von Gott geschlagene, aber nie verstossene jüdische Volk mit Hiob identifiziert wird, obwohl Hiob nach der biblischen Tradition kein Jude, sondern „ein Mann aus dem Lande Uz“ war. Und der einsame Poet Karl Wolfskehl identifiziert sich in seinem gewaltigen Gedicht-Werk „Hiob oder die vier Spiegel* (1950) mit Hiob: ■ Einer der grossen Repräsentanten des kulturellen Lebens im deutschen Sprachbezirk, der Romancier und Essayist, Kritiker und Bühnenleiter sowie Regisseur Ernst Lothar, gab anlässlich seines 70. Geburtstages. den er in diesem Jahr begeht, eine Schau über mehr als fünfzig Jahre seines Schaffens, die er unter dem Titel „Das Wunder des Ueberlebens” (Erinnerungen und Ergebnisse) im Paul Zsolnay-Verlag soeben erscheinen liess. Vorausgeschickt sei. dass es sich um ein literarisch wertvolles Buch handelt, würdig der grossen Reihe von Romanen und Novellen, die dieser Autor bereits geschaffen hat. Der besondere Charakter dieser Selbstbiographie liegt aber in der Darstellung eines schweren seelischen Konflikts, "den Lothar durchlebte (und vielleicht noch durchlebt), als er sich zur Rückkehr aus der Emigration nach Oesterreich entschloss. Ernst Lothar, eigentlich Ernst Müller (ein älterer Bruder ist der vor einigen Jahren verstorbene Damatiker Hans Müller), ist Jude von Geburt und Katholik durch Erziehung. In Brünn geboren, wurde er Jurist, Staatsanwaltschafts - Assessor, höherer Beamter im Unterrichtsministerium und nahm, etwa 35jährig, als „Hofrat“ seinen Abschied aus dem Staatsdienst. Schon sehr früh hatte er zu schreiben begonnen und sich als Theaterkritiker und Feuilletonist an der Wiener „Neuen Freien Presse“ betätigt. Theodor Herzl, den Lothar in seiner Lebenssehau wiederholt erwähnt, blieb für ihn stets das Musterbeispiel des glänzenden Feuilletonisten. Zu Ende der zwanziger Jahre finden wir den Schriftsteller als Regisseur am Burgtheater, wo seine Wiederbelebung Grillparzers durch eine berühmt gewordene Inszenierung vom „Bruderzwist in Habsburg“ von sich reden machte. Einige Jahre zuvor war er, gemeinsam mit dem von ihm bewunderten Max Reinhardt. einer der Mitschöpfer der „Salzburger Festspiele“ 1935 übernahm Lothar als Reinhardts Nachfolger in Oesterreich, das bereits unter starkem Nazieinfluss stand, die Leitung des „Theater in der Josephstadt", welches der Theaterprofessor zu so hohem Ansehen gebracht halte. Auch hier, in den Spuren des Meisters wandelnd, unter- Du bist allein, entrückt, gemieden, sag es, Nur tiefer stets dir in den düstern Sinn. Du wolltest dich, nur dich. Hiob ertrag es Nur unter andern Sternen wirf dich hin. Schon unsere Alten haben Hiob als reine Symbolgestalt aufgefasst. Im Talmud heisst es daher von ihm ,,lo haja welo nivra“, er habe niemals wirklich existiert. Denn — so möchten wir hinzufügen — er existiert immer. Das Aligemeingü]- tige des Hiob-Buches haben unsere Weisen erkannt und seine Autorschaft deshalb keinem Geringeren als Moses selbst zugeschrieben, dem einzigen Menschen, der von Angesicht zu Angesicht mit dem Ewigen gesprochen hat. Der Schweizer Tiefen- Psychologe C. C. Jung hat 1952 in seinem Werk „Antwort auf Hiob“ auf den aktuellen Gehalt dieses Buches hingewiesen, aber gleichzeitig auch den Unterschied zwischen Hiob und uns konstatiert: „Für den Menschen der Gegenwart liegt der Fall allerdings anders. Wir haben Dinge erlebt, so unerhört und erschütternd, dass die Frage, ob sich solches mit der Idee eines gütigen Gottes noch irgendwie vereinen lasse, brennend wurde.“ PREMIERE AM 12. JUL! UM 21 UHR 15. JULI UM 21 UHR 16. JULI UM 16 UHR 30 kommt nach ihrer triumphalen Südamerika-Tournée LILI ANETTE wieder zu uns, mit ihrer neuen Revue 1931 BUNTE PLATTt Am Flügel: HERRMANN LUDWIG VOLLKOMMEN NEUES PROGRAMM! DER HOEHEPUNKT DER WINTERSAISON1 im Salon Charcas 1155 Die restlichen Eintritttskarten werden im Sekretariat: Maure 2325, T. E. 77-8905/6 verkauft. In dieser Fragestellung Jungs zeigt sich der tiefe Gegensatz zwischen dem biblischen und. dem heutigen Menschen — auch den jüdischen Hiob stellt in seiner Qual Gott zu Rede; der heutige Mensch aber zieht in seiner Qual Gott in Zweifel. Für Hiob, oder die Ver. fasser des Buches, beziehungsweise seinen Redakteur kommt die Frage — „Gibt es überhaupt einen Gott, wenn der Unschuldige so leidet?“ — gar nicht auf. Seine Qual verwandelt sich in Gebet. Er rechnet mit Gott, aber er spricht immer zu Ihm. Nicht so der heutige Mensch, der angesichts des Furchtbarer, das uns heimgesucht hat, die Frage nach Gott in letzter Radikalität stellt und oft verneint. Vielleicht vermochte die tiefe Beschäftigung mit dem Buch Hiob auf dieser Ta. gung in Jerusalem manchen von uns helfen, mit den Schicksal Hiob-Israel, wie es jetzt mit dem Eichmann- Prozess uns wieder ganz nahe gerückt ist ir, einer neuen Weise fertig zu werdet, in der Weise Hiobs, der sich mitten im Leiden an Gott wendet, statt sich von ihn abzuwenden. Israel - Marken und Marken aller tuender — Heiligkeiten — “Teméticos ln groesster Auswahl: u. a. VIE R £f^ B LOCKS — MARKEN MIT PLATTEN- K NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (plancna-U — VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTER SERtE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG | ALFONSO MORITZSON Guanacarlu 2351, dep. 2j esq. CABILDO_ stützt V0D. lern, die ir land nicht konnten od' währte er ■ direkter. \ der Reinhn- ¡n den Mär eben musst' nachdem dt Wiens hem konnte Lot! hen. mitteil eiteren Zuk Und es sie sieben E die der Ai teipunkt stellt. Die Schv reich sind densstatiom gelangen Kriegsausbi kanischen Besitz. 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