Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1886 (21.6.1961)
- Date
- 1961-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Der Mann, der den Schmelztiegel mehrte Wehn Sie ihn aui der Sirasse treffen, wird er an Janen unbemerkt voriiberpehen, wie hundert andere. Er ist nicht grösser als an. dere. noch wird seine Kleidung Ihre Aufmerksamkeit erregen — sie ist eher dazu angetan, ziemlich schäbig z.u wirken, und was für ein Funkeln in seinen Augen sein mag. es ist sorgfältig hinter seinen Brillengläsern verborgen. Doch es ist etwa? Ungewöhnliches an diesem Mann: er hat eine Idee. Diejenigen, die ihn kennen, würden sagen, es ist mehr als eine Idee, es ist eine Besessenheit. Seine Idee — den Schmelztiegel umzurühren. Mit anderen Werten, wie beschleunigt man den Prozess der Auf. r.ahme des Neueinwanderers in das Leben des Landes. RIF. SOLLEN SICH HEIMISCH FUEHLEN Tun wir wirklich alles, dfmit der Neuankommende sich heimisch fühlt? Das von EVA ist, was Jaacow Maimon sich vor 10 Jähem zu fragen begann, als das Land von Norden bis Süden mit Maabarot besät war. Es leb. ten in ihnen Immigranten, die aus Marokko. Jemen, Kurdistan und dem Iran gekommen waren. Sie sprachen weder die Sprache Israels. noch kannte 1 sie des. sen Gewohnheiten oder seine Kultur. Ihr Lebensstandard in den Ursprungsländern war oft viel niedri. ger. Viele von ämrn besonders die Frauen. \\;.ren Analphabeten. Plötzlich fanden sie sich in einer ganz .andt-en und verwirrenden We.t, umgeben von einer E.r.-ö kerung, die wenig mit ihren ge. meinsam hatte — ausser, dass sie ebenfalls dem auserwählten Volke c/igehörte. Beim Anb ick dieser Neueinwanderer dachte sich Maimon, dass die Behörden wohl in angemessener Form für «i; sorgcn würden, i her ARNOLD ZWEIG » Bilanz der deutschen JudenheH Erste in Deutschland erschienene Ausgabe mit einem Nachwort von Achim von Barries. 328 Seiten — DM 10,50 (gebunden! HANS KOHN: :MHí . i MARTIN BUBER Sein Werk und seine Zeit 2te urr ein Geleitwort des Verfassers und ein Nachwort von Dr. Rooert Weltsch vermehrte Auflage ca. 500 S gr. 8?, Leinen gebunden DM 24.80. MARGARETE SUSMAN Frauen der Romantik 3. veränderte und erweiterte Ausgabe 17S S. mit 16 Bildnissen aut Kunstdruckpapier, in Leinen gebunden 12.80 DM. FLAVIUS JOSEPHUS Geschichte des jüdischen Krieges Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H CL-EMENTZ Kl. 8V 695 ¿euer., 2 Karten aul noiztr. Papiei in Deiner geo. DM 25.— Joseph Melzer Verlag, Koeln MC2ABTSTRASSE 13 PEISER die Bevölkerung? Würde sie irgendetwas tun. um die Neueinwanderer glücklich zu machen, mit ihnen eine gemeinsdame Sprache zu finden, sie fiih'en zu lassen dass sie schliesslich in ihr eigenes Land heimgekehrt waren? Maimon selbst ist auch einmal ein Neuankommender gewesen. Er kam im Jahre 1922 aus Lettland als illegaler Einwanderer nach Palästina. Er erinnerte sich noch, was es bedeutet, neu im Lande zu sein obgleich die Umstände «ehr ver. schieden waren. Eines Tages hatte er eine Idee was er und jeder andere, der in Israel eingeordnet war, für die Neueinwandeier tun könnte. E« wrr ein in seiner Einfachheit geradezu erfinderischer Gedanke Aber er sprach ihn an. und er beschloss, einen Versuch zu machen. Ausgerüstet mit Lehrbüchern des Alef-Bet, mit Papier und Bleistiften, begann er seinen langen Weg auf der Suche nach dem neuen Immigranten, den Weg. d.n er noch heu. tc verfolgt. ARGWOHN Anfangs schauten die Lallte in den Maabarot mit Argwohn auf ihn: kam er von der Regierung? Kam er von irgendeiner Partei? Was wollte er überhaupt von ihnen? Jodes Mal. wenn er, nachdem er ihnen die Hand geschüttelt und ihre Namen notiert hatte, sagte, er würde nächste Woehe wieder kommen, glaubten sie ihm nicht. Aber er kam zurück brachte noch mehr Papier, mehr Bücher und — mehr Lehrer. Es waren keine wirklichen Lehrer. Es waren Freunde, Bekannte oder irgend jemand, der hebräisch konnte, der zufällig auf der Strasse vorbeiging, und den Maimon für «eine seltsame Mission mitgeschleift hatte. Sie fanden eine leere Hütte, die sie in ihr Hauptquartier umwandelten, um Hebräisch zu lehren. Doch war es nicht so einfach: die Schüler kamen nicht. Einige der Einwanderer waren immer noch vorsichtig, gespannt, was man dafür von ihnen verlangen würde, andere waren schüchtern und ein wenig beschämt über ' das ,.zur Schu'e gehen" in ih. rem Alter. Nach und nach iiberredefe Maimon einige von ihnen, zu kommen und seihst zu sehen. Nach ihrer ersten Stunde gingen sie nach Hause und berichteten. dass dies eine ziemlich sonderbare . Schule” sei, aber sonst sei nichts auszusetzen. EINE NEUE SCHULE Was war der Zauber der neuen Schule? Es war eine Schule ohne Bänke und Tafeln, eine Schule, in der die Lehrer oft junge Leute von 15 Jahren und die Schüler Männer und Frauen über 40 waren, mit keiner gemein, samen Sprache, doch hatte sie Erfolg. Jeder Lehrer zog sich mit zwei oder drei Schülern in eine Ecke des Raumes zurück und führte sie dort in aller Stille in die Geheimnise des Alef-Bet ein. Auf diese Weise brauchte kein Schüler zu befürchten, bei «einen ersten un. beholfenen Versuchen, hebräische Ausdrücke zu meistern, sMn Ansehen bei den anderen zu verlieren. Anfangs verständigten sieh Lehrer und Schüler durch eine Skizze, eine Gerte. ein Lächeln, später, als ihren die ersten hebräi. sehen Worte geläufig wurden. war es natürlich viel leichter. Allmählich lernten «ich Lehrer und Schulekennen. Sie freuten «ich auf ihre wöchentlichen Zusammenkünfte. nicht so sehr des Unterrichts wegen. sondern weil «ich langsam zwischen ihnen eine Art Freundschaft zu entwickeln begann. Nach eini. g?r 7eit luden die SchiVer ihre jungen Lehrer in ihre Behausungen zu einer Tasse Tee und einer freundschaftlichen Unterhaltung ein. So begann Maimons Idee im geheimen zu wirken. Im I -ufe der Jahre kamen mehr Einwanderer — aus Polen. Rumänien und Russland. Als sie in iiren neuen Feimen in Ta'piof. Bakaa. Katamon. Kiriar Yovel ankamen. war Maimon und seire Gruppe bereit« dort, um «ie willkommen zu heissen. Er besuchte auch die Siedlungen in Jerusalemer Korridor — Maoz Zion, Mevasseret Yerushalayim und Beit Shemesh. Je weiter entfernt die Orte lagen, desto mehr Probleme gab es für Maimon. Die hauptsächliche Schwierigkeit war. Lehrer zu mobilisieren. Für die Neueinwanderer in der Stadt Freiwillige zu finden, die bereit waren, einige Stunden der Woche einem guten Zweck zu vvidmen, war kein Problem. Aber wenn es sich um eine Fahrt von einer halben oder ganzen Stunde handelte. gab es weniger Freiwillige. Maimon appellierte an die höheren Schulen und die Pfadfinder, an das Unterrichtsministerium. an öffentliche Aemter. an das Heer und. wie anfangs, an Strassenpassanten. die so aussahen, als ob sie die hebräische Sprache beherrschten. DIE FREIWILLIGEN Eine unerwartete Gruppe von Freiwilligen fand sieh, als Maimon sich an das Chaim Greenberg Lehrerinstitut und an das Rabbi Zeew Gold-Lehrerseminar wandte, die einen Zehnmonatkurs für ausländische jüdische Lehrer abhalten. L ü A C H ( K a 1 c n d e r ) Dienstag, den 20. Juni 6 Tamus Mittwoch den 21. Juni V. Ismus Donnerstag, den 22. Juni 8. 1 amu« Freitag, den 23. Juni O Tamus SonnaDend, der. 24. .»uri VJ lamus Parschat CHUKA1 4. R M. XIX i — XX lt 1 Haftara Richtez XI 1 — j3 Sonntag, den 25. Juni 11. Tamus Montag ,den 26. Juni 12. Tamus Dienstag, den 27. Juni IS. Tamus Mittwoch, den 28. Juni 14. Tamus Donnerstag, den 29. Juni 15. Tamus Freitag, den 30. Juni 16. Tamus LITERATUR» DAS ZEITEEMESsä Das Institut für zeitgenössisches Judentum der Hebräischen Universität zu Jerusalem ist eine wissenschaftliche Gesellschaft zum Zwecke der Sammlung, dem Studium und der Deutung grundlegender Züge jüdischen Lebens in der ganzen Welt. Es ist zu hoffen, dass an Hand dieses klassifizierten und den verantwortlichen Stellen zur Verfügung stehenden Materials die Verschmelzung der Weltjudenheit auf verschiedene Art und auf den wichtigsten Gebieten viel leichter als bisher vonstatten geht. Der ..Sabre" von Israel (Name der bereits im Lande giborenen Mitglieder der jungen Generation» wird allgemein als den ausländischen Juden ablehnend gegenüberstehend gehalten, der nicht begreifen will, dass die Wurzeln cks heutigen Israe's. «eine eigenen Wurzeln. in der Diaspora verankert sind, während er ganz richtig «eine wahre Herkunft mit c‘-r aktiven Geschichte «eines Landes verknüpft sieht. Einer der Hauptgründe für diese Ahnungslosigkeit mag der Mangel an Kenntnis dessen zu rein, was heute im zeitgenössischen Judentum des Auslands vorgeht, und das heim'sächliche Z:ei des Institut?s ist es, diese Lücke zu fül'en. Das Institut nahm seine Tätigkeit anfangs des Unive.sitätsjahres 1959/60 auf. und zwar unter der Leitung von Pr f. Moses Davis. Rektor o'es Theologischen Semivan A. FELBE^ nars von Amerika, der zu diesem Zweck Urlaub erhielt. Die bereits hier eingetragenen Studenten sind, wenn sie auch aus verschiedenen Ländern stammen, fast alle in Israel erzogen (Prof. Davis selbst hat auf der Hebräischen Universität doktoriert), und für viele von ihnen bedeuten die Kurse die erste Kenntnis der Beiträge der westlichen — besonders amerikanischen — Judenheit zu den Kulturgütern unseres Volkes. ERSTE KENNTNIS WESTLICHER LEISTUNGEN Mit den Worlen Dr. Nahum Goldmanns, des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, ..ist es Aufgabe der Forscher des Instituts, zu ergründen, was sich tatsächlich im jüdischen Leben zuträgt — welche Kräfte es bewegen, nicht nur in unseren Tagen, sondern auch in Zukunft“. Die Tätigkeit dos Instituts umfasst sowohl Unterweisung wie Forschung Es bestehen bereits Kurs; über die Struktur und Probleme in verschiedenen Sparten des zeitgenössischen Judentums. Der Unterricht befasst sich mit besonderen Aspekten jüdischen Lebens auf verschiedenen Gebie’en. wie Demographie des jüdischen Volkes. Status d'r Juden in der Diaspora, die Juden in verschiedenen Sparten der (Venn auc ,.Zeitgenossin ders aui “ie gen waitende bezieht. umf* diura jeden lieh auch die Grundlagen f Bedingungen So beginnt ¿er Lebensbi den Vereinig:' dem Beginn hunderts; die Judenheit mil tung des Sc die des s »da Judentums m des ersten \\ Ein weitg! gramm soü Soziologie. Erziehung u Gebiete omfz forschem Die eigentl des Instituts teilungen eir wählen Kand re Themen j esses wie: R zi-Europa mil polnische Ju Sowjetrusslani oder amerik che Gruppen interviewen Nach einem Besuch bei den neuen Immigranten versprachen einige Dieser Lehrer, sieh Maimons Gruppe einmal wöchentlich anzuschliessen. Ein anderes Problem, das Maimon beschäftigte, war die Frage des Transports, der Bücher und des Schreibmaterials. Wer würde dafür zahlen? Aber er verlor den Mut nicht. Er wandte sich an die Verkehrs- und Unterrichtsministerien, an den Keren Kayemet. die Jewish Agency und das Büro des Präsidenten Ben Zwi. Er forderte, drängte, erklärte. Es war keine leichte Aufgabe. denn in keinem Budget schien ein Posten für Maimons Zweck zu ssin. Doch erhielt er einige Hilfe von ihnen, obzwar es niemals klar wurde, ob sie als Bestätigung seiner Arbeit gewährt wurde oder weil die Beamten seiner Beharrlichkeit überdrüssig waren. Viel war es nicht — genug für Autobusse nach nahe gelegenen Orten oder für einen Lastwagen nach den weiter abgelegenen Dörfern. Das Unterrichtsministerium lieferte ihm Bücher und einige hebräische Zeitungen steuerten Exemplare ihrer Auflagen kostenlos bei. Als Schreibmaterial dienten gebrauchte Papiere des Parlaments, auf einer Seite mit Reden und Protokollen bedruckt. Maimon erhielt auch finanzielle Hilfe' von Freunden aus dem Ausland, die während eines Besuches in Israel ihn bei seiner Arbeit unter den Immigranten gesehen hatten. Ein nicbtjiidisches Ehepaar aus Holland. Mitglieder der UNES¬ CO. san^'e :hm hin und wi'der UNESCO Bonds. Heute ist Jaacow Maimon in den Sechzieern. Seine Enkel nehmen viel,von seiner freien Zeit in Anspruch. Doch verfolgt ihn noch immer seine alte Idee Zwei eder drei Mal wöchentlich versammelte er «eine ..Herde” um sich und begibt sich auf seine Mission. Einige seiner früheren Schüler begleiten ihn jetzt selbst als Lehrer. Einige besuchen die Asbesthöuser in Kiriat Yovel am Rande. Jerusalems, wo Neuankömmlinge aus osteuropäischen Ländern angesiedelt sind, andere fahren in die Dörfer von Adullam — ungefähr eine Stunde Fahrt von Jerusalem — die von Einwanderern aus Ungarn. Persien. Indien und Cochin bewohnt sind. Sie nehmen ein Akkordeon mit, um die Kind< und ihr B; gesellschaftli der Woohe legenen Orte VOLLER Gi Maimon b die Befriedig seine Freiwil Arbeit erhalt genwert fer Obgleich er g;n besucht A'euankömml tet hat. ist e noch de? s< den Gefühls t beim Anblicl oder einer '¿¿/.m/M/t'////. '///¿//A W//C Israel - Mort und Marken idler Laender — Neuigkeit^ ((T( ln groesster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARr^., NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLET^ "MIT VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLEREN) SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERqRAbei ALFONSO MORITZSON Guuiiäoiipi ßER* jass