Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1875 (12.5.1961)
- Date
- 1961-05-12
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Vi'fMs, 12 dt Mí;« di 1961 LA SEMANA ISRAELITA -AS* XXII. N«. 1875 „DAS GROSSE ABC (MONSIEUR TOPAZE) IM DEUTSCHEN THEATER, BUENOS AIRES Musik in Buenos Aires Das Stück von Marcel l'agnol nennt sich Komödie und versucht oft. besonders ii? der zweiten Hälfte, dar. über hinauszuschiessen und sich zur Satyre oder gesell- 1 sehaftliehen Kritik zu entwickeln. Da? gelingt nur in gezählten Augenblicken. Woher kommt das? Es scheint 1 C t .südamerikanische Luft zu sein, die den kleinen Korruptions . Lehrling, der sich dann zum Dozenten ries guten Lebens entwikkelt. uns als so harmlos er- ' scheinen lässt, weil nämlich seine Laufbahn die Durchschnittskarriere für uns ist. weil nämljeh seine Aengste und Gewissensbisse uns nur komisch beriihrcr,. nachdem unsere eigene Umwelt derartige Hemmungen als Fossilien be. trachtet. So wird dieses j grosse ABC die nette harmlose. im Anfang oft schwankhafte Komödie, die unter den französischen Komödien unserer Zeit durch ihre geschickte und gekonnte Machart als klassisch gilt. Titelfigur ist ln dieser sehenswerten Aufführung des ..Deutschen Theaters", mit dr-m eine vielversprechende Spielzeit beginnt. Klaus Jägel. Wir schreiben ist. das einfache Verbum in seiner klaren. unzweideutigen Art. Denn der Darsteller identi. fixiert sich so vollkommen mit seiner Rolle. Die Entwicklung dieses Charakters isi bis auf die kleinste Einzelheit glaubhaft, sie geschieht so unaufdringlich und geschickt, dass man diesem jungen Bühnentalent r.ihig einen schnellen Auf. 5tieg Voraussagen kann, .läge; wächst im Laute des Abends und hat seine Rolle nicht nur von seiner Intelligenz. sondern auch, und das ist noch anerkennensv erter. vom Gefühl her d.urehgearheitei. Mit Recht galt ihm am Schluss der stärkste Beifall — Neben seiner ..TSombenroL 1°” haben es natürlich die anderen Darsteller beiderlei Geschlechtes schwer mitzuhalten. Wenn wir zuerst Max Wächter erwähnen. dann geschieht das wahrhaftig nicht <v.:_s Lokal. Patriotismus. Wächter bot eine seiner reifsten und diszipliniertesten Leistungen seit Jahren. In Maske und Stimme kongruent, war s“5n Schuldirektor eine Figur aus einem Guss. — Alfred Sehnös. der auch cie ARNOLD 7. WEIG Bilanz der deutschen Judenhei! Erste in Deutschland erschienene Ausgabe mit einem Nachwort von Achim von Barries. 328 Seiten — DM 16.50 (gebunden) HANS KOHN: MARTIN BUBER Sein Werk und seine Zeit 2te. um ein Geleitwort des Verfassers und ein Nachwort von Dr Robert Weltsch vermehrte Auflage ca. 500 S gr. 8°. I.einen gebunden DM 24.80. VI ARG AH ET E SC SM AN Frauen der Romantik 3. veränderte und erweiterte Ausgabe. 178 S. mit 16 Bildnissen auf Kuustdruckpapier. in Leinen gebunoen 12,80 DM. FLAVins JOSEPHLS Geschichte des jüdischen Krieges Uebersetrt und mh Einleitung und Anmerkungen »icseneu von Dr. H L*-.EMENTZ K.;. 8* 605 Seiler., 2 Karlen sul nolzir. Papiei in Leinen geD. DM 25.— Joseph Melzer Verlag, Koeln MC ZARTSTRASSE 13 "LA CAMBIALE DI MATRIMONIO” Mit der Oper, die der 18jahrige Gioacchino Antonio Rossini, noch Schüler des Konservatoriums. kompolverte. — die deutsche Uebersetzurg würde ..ein Wechsel auf die Ehe" lauten — eröffnet" die ‘ Asociación de Conciertos de Cámaras'’ iure Musikcaisou 1961. Die Gesellschaft die als Ziel, mehr als jede andere oonaer-'nser Konzer {Vereinigung zeitgenössischen Künstlern und Werken ihre — oft erste — Tribüne zu leihen, be trachtet ist auch diesmal ihrem Prinzip in der 25 Aher.de umfassenden Spielzeit treutrebheben. Traditionsgemäss wurde ■jedoch die gegenwärtig? Saison mit. einer klassischen Oper begonnen, und die Wahl {¡er au* ein unnekanntes.Jugendwerk des unsterblichen Schöpfers der “opera Legie führte. — eine schwe. re Arbeit bei dem Zusammenschmelzer. der Gäste nid unserer hiesigen Kräfte, — zeigt" als der korrupte Stadtrat. dass er über c-.i.e starke Gestaltungskraft verfügt, die sich leider in dieser Rolle nicht ausspie. ]en konnte, was nur an der Rolle lag. Ein starkes Profil verrät Manfred Rahn, der auch über eine ausgezeichnete Diktion verfügt. Sein Tamis war einfach und klar und in seiner inneren Verwirrtheit im letzten Akt rührend inerzeugend. Die natürlich in einer Komödie vorhandene Eva wurde von Margrit Spieimeyer verkörpert. Die- ' se sympathische Schauspie, lerin litt offenbar an einem starken Lampenfieber, das sie an de>- Entwicklung ih- , r« s Könnens behinderte.! Se war nicht die kalt berechnende verführerische; Lulu. sondern nur das vam.; pyrisch angehauchte Frau, chen. das nicht ganz zum Zuge kommt Wir glauben bestimmt, ' dass bereits im nächsten Stück Margrit Smelmeyer mehr zeigen wird. — Eine kleinere, aber doch vollblütige Rode wurde von Ursula Bredin mit saftigem Ivben erfüllt. Sie hat das e'hte Bühnentemperament. diese explosive Spiellust in reichem Masse. Ueber Durst Eydei und Wolfgang I rievve ist vorläufig noch nichts Endgültiges zu sagnn. was jedoch kein Diminutiv bedeuten soll. — Karl Ewald und Renate Garden, wie imm:r in ihren Figuren prägnant und sicher, unentbehrliche Stützen eines guten Ensembles Seien roch die beiden Küchen- und Bürokätzchen von Rehuí Malgut und Sissy Adam erwähnt. Im Ganzen gesehen, ein besonders erfreulicher Be. ginn der neuen Spielzeit, wobei nicht die hervorragenden Bühnenbilder vergessen sein sollen, die so oft stiefmütterlich behandelt v erden. Das Publikum ging begeistert im Laufe des Abends mir empfand das wachsende Niveau unseres Theaters als besonders erfreulich und amüsierte sich köstlich über die Vorgänge auf der Bühne, die wie ei. n-; Fortsetzung des uns täglich umbrandenden Lebens wirkten. Und das ist ja die eigentliche Bestimmung des Theaters. Der langanhaltende und starke Beifall bewies, dass die ÍMihne ihr anspruchsvolles Publikum in keiner Weise oDitiiuscht hat. H. D. buffa”. die in nahezu jeikm Takt den Schöpter des ■ , Barbier von Sevilla“ voraushören zu lassen vermag.; Die Qualität der gutgemeinten Aufführung war recht zwiespältig. Auf der Bühne produzieren sich mit gutem Erfolg die Sopranistin Susai a Rouco. der Tenor Nino Falzetti und der Bariton rberto Carmona. während Gian-Pietro Mastromei Barben ' und Carmen Burello e'was abfielen. Ur hörbar b'ifb der Bassist Ulises Poli. D.e Regie von Alfred Mattu li war meistens unfühlb;.r. und wo sie spürbar v urde machte sie den Eindruck der A'beit eines unbegabten Amateurs. Manfredi Argento am Pult hr.tle seine liebe Not. die I. Übereinstimmung des Ge s angsensembies und des Orrhesiers herzustellen, welches aus ausgezeichneten Irstrumentisten bestand. Es wurde recht heftig gek,ätscht. TAMARA TOUMANOVA IN COLON UND WAGNERI ANA Zu genau kennen wir die begnadete Tänzerin, zu bekannt ist ihr Ruf. zu sehr umspannt die Fama, die grösste und bedeutendste unter den lebenden Tänzer nnen zu sein, die Welt, als dass es abermals unserer Elogen bedürfen würde. Wir vollen l?dig)ich kurz über ihre neuen Triumphe berichten. die sie. bestens von ihrem vorzüglichen Partner Vladimir Outhomsky sekund ert. in mehreren Abenden gemeinschaftlich mit dem Calón Ballet und in der ,Y\ agneriana“ als Solistin f-iern durfte Uhren Hanpterfolg in Begleitung des ständigen, von Tamara Grigorieva (einer eremaligen Koryphäe des Original Ballet Russe des CT ei. Basil' ' solide einstudieren Corps de Ballet vom Colón konnte die Toumanova im ..Feuervogel“ von Stravlnsky und besonders in . Giseüe“ vor Adolph Adam tuchen. Ihre Astral-Erscheinung im 2. Akt des letztgenannten Werks ist unübertrefflich. Die gefeierte Künstlerin bo! zusammen mit Outhomsky “Chopiniana’’ “Raynu.nda” (Glazunow). “Romeo und Julia " (Tschaikowskv) “Phaeton“ Saint- SaensU das reizende Bravourstück “Grand Pas De Peux” aus Don Quijote von Minkus. und “Gavne” von Amran Kachaturian jenem at menisch-russischen Komponisten. den wir vor wenigen Jahren mehrere Wochen persönlich über uns ergehen lassen mussten. Das Glanzstück von Tamara Toumanova ist noch immer der „sterbende Schwan“ von Saint-Saens, dessen geradezu überirdisch-schöne Interpretation a.i die Pavlova erinnert. Aber nieht nur ihre Leistungen. ieder Auftritt, jeder Abgang, jede Dankesbezeugung für empfangenen Beifall und unzählige ßlumen- , srer.den sind stets neue S' höpfungen'“en miniature” Roberto Kinsky leitete im Colón das “Philharmonische Orchester“ und in der “Wagneriana” das Orchester der : Gesellschaft und bemühte s:ch mit Erfolg um Koordination zwischen Bühne und , Graben. Die Toumanova .übertrug ihren Applaus nicht nur auf ihren Partner, son. 1 dorn gerechterweise auch aut den Dirigenten. Der : frenetische Beifall bei jeder ¡Aufführung wölbe kein En- . de nehmen. i c—« VORTRAG VON HENRY KOLLER IN DER J.K.G. Wussten Sie schon, dass der Japaner an hochentwik. kelten Minderwertigkeifs. komplexen leidet? Wussten Sie Genaueres über das unvorstellbare Elend, in dem Millionen Menschen in Indien leben? Diese Erscheinungen und alle mit ihnen zusammenhängenden Folgen hörten wir von dem Journalisten und Globetrotter Henry Koller in seiner I-lauderei. wie er es selber nannte, der einer Einladung der J.K.G. folgend, vor einer grossen Zuhörerschaft sprach. H. Koller ist schon durch reinen Beruf, dem er mit einer wahren Leidenschaft ergeben ist. besonders gee gnet. hinter Dinge in der Veit zu leuchten, die nicht it; den Schlagzeilen der Weitpresse enthalten sind. Seine Begegnungen mit den Menschen des Fernen Osten sind rein persönlich, urd trotzdem versucht er immer, sie von' der höheren Ebene zu sehen und ihr leben. ihre Anschauung zu den Erscheinungen ihres Alltags zu verstehen. Wenn ein Reporter Jahre für Jahre rund um die Erde reist, dann besitzt er selbstverständlich einen Gesichtskreis und ein Urteil über viele Dinge, die dem gewöhnlichen Touristen ver. schlossen bleiben. Speziell der Ferne Osten ist für uns immer noch eine Welt, die etwas besonders Geheimnis, valles und Fiemdes umwittert. Hier befinden sich Kulturen. die oft in nichts der Umwelt gleichen, in der wir leben oder gelebt haben. Darum war dieser Vortrag, oer nichts, aber auch garnichts Dozierendes an sich hatte, besonders fesselnd. N'cht aber zuletzt durch die Gabe des Plauderers in flüssigem Stile .oft mit Anekdoten durchsetzt, seine Erfahrungen einem weite. r< n Kreise zugänglich zu Pi sehen. Die Sprünge über die Kontaente hinweg, so z. B. von Japan nach Mexiko, waren nicht willkürlich, sondern belassen einen tieferen Sinn, ocr di? Aehnlichkeit in den Aspekten verschiedener Kulturen vor Augen führen sollte. Es ist nämlich das Verbindende was die Völker mehr beschäftigen soll. t'» als das Trennende, wenn die Welt Ruhe und Sicherheit erlangen will. Viel Nechdenkliches und Ueberlegenswertes hörten wir von Henry Koller, und vielleicht gerade darum war der Beifall, der ihm am Ende seiner viel zu kurzen Ausführungen entgegenkam, so stark und herzlich wie selten. H. B. Dr. ALFRED WIENER IN RUHESTAND GETRETEN Der Gi iinder und Direk. tcr der nach ihm benannten Wiener Library verliess mit Beginn seines 77. Le- ] rensjahres seinen Direktorposten. ohne sich jedoch gänzlich zur Ruhe zu seU zen. Er wird im Zusam- § »■entlang mit der Biblicj (bek noch weitere Aufgaben übernehmen und seiner j Schöpfung jegliche Unterstützung leihen. Dr. Wiener wuchs in Deutschland auf. wo c-r an leitender Stelle des ..Zen. tralvereins leutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens” . siand. Bereits 3934 kam er! nach Amsterdam, aus der Einsicht, von ausserhalb des Dritten Reiches mehr für die Bekämpfung des Nazismus und die Hilfe der Flüchtlinge tun zu können als von innen. In Amsterdam baute er erfolgreich die bekannte Bibliothek auf. die nach London gerettet werden konnte und heute zu einem Forschungsinstitut wurde, das in allen Fragen der Judenverfolgung Auskunft gibt. Davon ausgehend. dass der Antisemitismus nur eir.e Form der I Toleranz -und des Hasses ist und von anderen Formen des Rassen- und Gruppenhasses nicht getrennt v.erden kann, führt die Bibliothek auch Forschungen ut-d Sammlungen auf dem Gebiet der allgemeinen Rassendiskriminierung fort. Entsalzung; von Meerwasser Tel Aviv. — Im kommen- Sommer soll in Eliat eine Anlage zur Entsalzung von Meereswasser nach der Methode Sarchin in Betrieb gestellt werden. Alles deutet darauf hin. dass die Gestehungskosten des nach dieser Methode gewonnenen Wassers niedriger sein werden als nach dem anderen Sestern zur Entsalzung von Meerwasser. <AWZ) \ im TEATRO ODEON - Das grosse ABC i Komödie von MARCEL PAGNOI, 3 - Reeie: ALFRED SCHNOUS ■- I WIEDERHOLUNG: HEUTE, FREITAG, * | SONNABEND und SONNTAG a “ Eintrittskarten an der Theaterkasse, Esmeralda 367,? Tel. 45-3591. Werktags von 10—12 u. von 15—19 Uhr : ISRAEL - BRIEFMARKEN A.< WIEDERVEBKAEUFEH - ALLE NEUAUSGA J BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel. VIAMONTE 550. l/B — Bueno« Aire» Rep Arp?nlm» TililtlillliilliililiutHUiliititil níiiIllltilHMií