Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1865 (1.4.1961)
- Date
- 1961-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — SAfeftd«, 1* é* Aferti é€ mi LA SEMANA ISRAELITA AS« XII. — N«. IMS Pessach und die messianische Idee Es ist ein tragender Gedanke des Judentums, dass eines Tages das „Gottes. reich“ erstehen, „Gott König sein wird über die ganze Erde“. Dies wird sich in den Tagen des Messias verwirklichen. Doch hat es zu keiner Zeit genügt, festzustelle-n, dass die messianische Hoffnung, die Lehre von der Endzeit, der Umwandlung der Welt, ein tragender Pfeiler des jüdisch-religiösen Bewusstseins ist; vielmehr sollen die verheissenen Tage ein erworbenes Besitztum sein, das Ergebnis menschlicher Arbeit, und so muss auch in unserer Zeit neu durchdacht werden, welchen Inhalt der Jude an die messianische Zeit knüpft. Hierhinein sind die Gedanken über Frieden und Gerechtigkeit verwoben und besonders die Frage, ob und wie der jüdische Mensch am „Gottesreich” mitbau. kann. Charakteristisch für die Geschichte eines jeden Volkes dürfte deshalb sein, •was von ihm zur Geschichte der Menschheit, zur Weltgeschichte beigetragen worden ist. Pessach, das erste Fest unserer Geschichte. lässt wie kein anderer Tag des Jahres die Bedeutung der Geschichte deutlich werden. Doch verstehen wir die Geschichte nicht, wenn wir nicht Zukunftsideale haben und das Alte am Neuen messen. Längst wäre Pessach vergessen, wenn es nicht immer wieder auf das Pessach der Zukunft hinwiese. Wir sind in Mizrajim, wir hoffen auf die Erlösung, dies ist die stets aktuelle tiefe Bedeuturg des Festes. Dtr Becher des Propheten Elia, die Vorschriften und Israelis in der Bundesrepublik München. — Zu einem mehrwöchigen Aufenthalt in oer Bundesrepublik weilten jui.se Israelis m Westdeutschland. Sie blieben zunächst in Bayern und fuhren dann nach Hamburg. Die Gruppe, zu der zwei Jugendleiter, eine Lehrerin, eine Sekretärin, eine Laborantin und ein Flugzeugführer gehörten, legte ihr Programm für den Deutschland-Besuch in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring fest, wobei der Jugendring in erster Linie Besuche bei Jugendgruppen vorgeschlagen hatte. (AWZ) I Lieder der Hagada, das | schöne „BTach dodi“ des , Morgengebetes der beiden j ersten Tage, die Ausdeutungen des „Liedes der Lieder“ sie alle sprechen von der j Zukunft, und die ergreifende Dichtung des Rabbi Joseph i ben Jaakob aus Frankreich in den poetischen Einschaltungen der Schlussfeiertage, : spricht besonders zu unse- ■ rem Gemüt:; „In Zion singen sie Dem,; der sie befreit: Der Herr regiert in Ewigkeit am Pes-! sach in fernen Tagen.“ I Doch am stärksten drückt die messianische Zukunfts. , hoffnung der Prophet Jecheskiel aus, dessen Worte wir am Zwischensabbat ver. | nehmen, den es in diesem ' Jahre nicht gibt; doch die j Haftara von Schabat Chol i Hamoed Pessach ist von von diesem Feste nicht zu i trennen: Der Prophet fühlt sich in : ein Tal voll trockener Ge- J beine versetzt. Auf Gottes 1 Geheiss spricht er prophetisch: „Sie sollen lebendig I werden“, und unter Erdbeben und Sturm wachsen | Bein an Bein. Fleisch und 1 Ader, Sehne und Haut. Nur , der Odem gehorcht noch i nicht beim ersten Anruf. ■ Doch der Prophet muss zum zweiten Male rufen, und nun kommt der Odem von allen Seiten, und sie stehen auf den Füssen, ein gewaltiges Heer. Gott aber deutet dem Propheten das Gesicht: Dies ist Israel in der babylonischen Gefangenschaft, das denkt, es sei endgültig tot: „Ich aber öffne euer Grab ur.d tue Meinen Odem in euch: Israel wird auferstehen zu neuem Leben, spricht j Gott.“ Dies ist eine der grandiosesten Visionen innerhalb der 1 gesamten prophetischen Li- I teratur, ein Drama, das er. s-f^ert. wenn man sich! hineinversetzt. Wenn die Ordner unseres Gottesdien-; stes diese Verhe.ssung am 1 Pessachtest zu verlesen bestimmten. sc taten sie es gewiss nicht, um die Erlösung aus Aegypten zu verdeutlichen, sondern, um die Hoffnung auf die messianische Erlösung in uns zu stärken. So betrachtet gewinnt Jecheskiels Vision für uns eine ausserordentliche Bedeutung. Auch wir Juden stehen heute inmitten einer Wie. 1 dergeburt des jüdischen Volkes mit Medinat Israel als zentralem Lebenspunkt und in einer Renaissance des jüdisch-geistigen und jüdisch-religiösen Lebens. Ueberall „blüht neues jüdisches Leben aus den Ruinen“. Die getrennten Teile versuchen, enger zusamrrenzurücken, trockene Gerippe, wie der Prophet sich ausdrückt, gewinnen Fleisch und Blut. Diese Entwicklung hatte nach dem ersten Welt-, krieg bereits eingesetzt, und sie ist zu einem wesent.; liehen Teil, damals eine Foll ge der historischen „Bal. ' four-Deklaration“ gewesen, j welche ‘Sie Aktivität für! Erez Israel gewaltig gefördert und das Diasporada- | sein zumindest indirekt beeinflusst hat. Heute suchen alle religiösen Richtungen ' nach der jüdischen Giundidee, und die Jugend gräbt nach neuen Quellen Das jüdische Gemeinschaftsgefühl, in schwerer Leideuszeit er- , härtet, ist überall vornan. ' den, wenn auch in den verschiedensten Erscheinungs.; formen, und eine neue jüdische Generation fühlt cicgrosse. tragende, ewige Zu_ kunftsidee von Pessach heraus. | Das letzte Ziel der jüdischen Befreiung ist gewiss noch nicht erreicht, solange Teile des Jüdischen Volkes nicht die Möglichkeit haben,; ihrer nationalen und religiösen Eigenart gemäss zu I leben. In wunderbarer WeL : se verbindet daher die Tradition den Ausklang von Pessach mit dem Hinweis auf das „Pessach in ferner Zukunft“. In der Vision des Propheten Jesaja vom achten Pessachtag wird die einmal kommende Befreiung; des ganzen jüdischen Volkes mit der Zukunft des J Menschengeschlechts ver.! knüpft, das selbst das messianische Zeitalter herbeiführen soll. Der verheissene Messias ist der Nachkomme des Königs David, eines Königs nach dem Willen Gottes; von ihm heisst es: „Er richtet nicht nach , dem Augenschein und ent- I scheidet nicht nach Hörensagen. sondern er richtet in Gerechtigkeit die Armen und entscheidet in Billigkeit für j die Gedrückten im Lande. Gerechtigkeit wird der Gurt j seiner Hüften und Wahrheit; der Gurt seiner Lenden j sein.“; So stellen wir Juden von j heute den Becher am Ssder-; abend für den bereit, der in I eine wundervollen Synthese j die Herzen von Eltern und j Kinder eint, der Treuen und | der Freien, auf dass wir j messianische | Zukunft erlej das grosse Pessach der ben mögen. Curt Wilk Nazis werden prozessiert Bonn. — Zumindest 1.000 Personen werden in den nächsten zwei Jahren an deutschen Gerichten unter j der Anklage der Vernichtung „unzähliger Menschen. j leben” unter dem Naziregime abgeurteilt werden, wie; Hauptstaatsanwalt Ernst Schuele, der Direktor der j Zentralkommission für Kriegsverbrechen, bekannt l gab. In einer Pressekonferenz für die deutschen Be. j rchterstatter, die zum Eichmann-Prozess nach Isj rael reisen, enthüllte Schueie. dass die israelische Re. , gierung den deutschen Justizbehörden eine Liste von rund 3.000 nazistischen Kriegsverbrechern übergeben I hat. Darunter befinden sich allerdings einige, so stellte er fest, die nicht an Verbrechen beteiligt oder - schon Gegenstand von Untersuchungen waren. I Wie Schuele mitteilte, leben 100 bis 150 dieser Verbrecher im Ausland, „und der Aufenthaltsort eij niger von ihnen ist uns sogar bekannt”, aber die Bundesregierung sei auf grosse Schwierigkeiten bei , dem Versuch gestossen. sich die Hilfe der internationalen Polizeibehörden und anderer ausländischer Stellen zu sichern, um sie im Ausland dingfest zu machen. Die Interpol betrachte diese Nazis als po. litischer Verbrechen angeklagt und lehne es daher ab. bei ihrer Festnahme oder Auslieferung Hilfe zu leisten. „Wäre dem nicht so”, führte Schuele aus, ..so hätten wir Eichmann schon lange fassen können”, wobei er darauf verwies, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft schon im Jahre 1946 einen Steckbrief gegen Eichmann erlassen hat. (ITA) Jüdische Wochenschau in Montevideo/Urusuav Einzelnummer 50 Centésimos iahresabono 45.— $ urug. ABONOS — AVISOS — COBRANZA Sra. L. Löblowitz Paraguay 1164, piso 2, apt. 9 Distribuidor: KIOSK TUREK Constituyentes 1757 Tel 42-640 „Schuldgefuehl zu Hause lassen” Hamburg. — Junge Deutsche sollten bei Besuchen in Israel ihr Schuldgefühl zu Hause lassen, führte Dr. Dan Avny, Direktor beim Auslandsrundfunk in Israel, in Hamburg aus. Vor Studenten des Pädagogischen Instituts, Mitgliedern der deutsch-israelischen Studiengruppe an der Hamburger Universität und Vertretern des Hamburger Jugendrings sagte er in einer Diskussion, die Jugendlichen sollten nicht versuchen, ein schlechtes Gewissen in Israel abzutragen, das sie gar nicht hätten und gar nitht zu haben brauchten. Sie sollten entweder als Touristen in ein interessantes Land kommen oder sich mit Ernsthaftem Interesse und an den richtigen Stellen über den jungen israelischen Staat und seine Probleme informieren. Der Austausch zwischen deutscher und israelischer Jugend wird nach Ansicht von Dr. Avny immer einseitig darauf beschränkt bleiben, dass Deutsche nach Israel kommen. Die Israelis seien in dem Alter zwischen 17 und 24 Jahren dubch den zweieinhalbjährigen Militärdienst und die Ausbildung zu stark gebunden, um so weite Reisen zu machen. — (AWZ) Israel - Marken und Marken uller Luender — Neuigkeiten “Temäticos” ln groesster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLA7TEN- NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE EOGEN (planchas) — VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG ALFONSO MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 fies Leo Beeck Institut sucht folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang ... 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES I.EO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: JB ii 11 ctiii Nummer 11, 1960 mit Beitraegen ven: Kurt Loewenstein, K. M. Oelber, u.a. WERDE AUCH DU TGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 21SC, 1* iiq. (83 2613) esq. CABILDO