Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1865 (1.4.1961)
- Date
- 1961-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Súba 4«, 1* ét Abril de 19«! LA S E M A » A ISRAELITA Añe XXII. ~ Ne. 1865 — i (1. Fortsetzung.) I Da_ unterbrach der Doktor die Stille. „Das ist eine | richtige Pessachnacht“, sag -; te er. „Es ist die Nacht der . Waeben“ verbesserte er. , „In dieser Nacht stieg Gott ' zur Erde herab und wandelte unter seinem Volke.“ | „Gott wandelte unter sei- ■ irtui Volke . “ wiederholte sie. „Es hört sich an, wie Die Nacht der Wachen ein schönes Märchen.“ Sie ¡Mira?“ Elchanan brachte den Kaffee an den Tisch. Sie tranken und rauchten ihre Zigaretten. Der Doktor hob seine Tas.; se, und seine Augen traten sich mit Miras Augen. Er fragte: „Was ist denn Ein« Pe$$acli-N«v«lle aus dem Befreiungskrieg von THEODOR GLASSCHEIB sah zum Himmel empor. Ueber dem Meer stand nie. drig ein Stern. Er blickte rötlich; sein Licht schien zu schwingen. „Es ist mehr als ein Märchen“ sagte der Doktor andächtig. „Aber die Jugend will davon nichts wissen.“ Sie gab keine Antwort. Erst als sie wieder im Zimmer sassen, begann sie zu sprechen. „Sie sollten es der jungen Generation nicht zum Vor. wurf machen“ sagte sie ernst. „Es ist viel schwieriger. ohne diesen Glauben sein Leben zu meistern.“ Sie sassen beisammen und schwiegen. Jeder hatte seine Gedanken. „Es ist zwöli Uhr“ sagte Elchanan. Sie verglichen ihre Uhren. „Nun denn' meinte der Doktor „es ist Zeit, schlafen zu gehen." Mira hielt ihn zurück. „Sie sagten, heute sei die Nacht der Wachen. Nun, denn lassen Sie uns noch eine Weile zusammen bleiben.“ Sie schob ihm einen Stuhl heran. Elchanan erbot sich. Kaffe zu machen. Sie setzten sich und warteten auf den Kaffee. „Es ist Mitternacht“, sagj te Mira. Es klang wie ein j dumpfer Glockenschlag.! „Was ist das Geheimnis! der Mitternach?“ Der Doktor sprach: „Die j Welt ward geboren um Mitternacht. Da wo die! Nacht mit dem Tag sich vermählt, ward geboren die Welt.“ , „Um Mitternacht!" i Sie sprach: „Es schlagen die Uhren um Mitternachtein neuer Tag!“ Sie liess den Kopf sinken: „Nichts“ sagte sie. Ihre Stimme vibrierte. „Man hat seine Erinnerungen...“ . schichte, die uns unser Vater Jahr für Jahr erzählte. Sie gehörte zu diesem Abend wie die bitteren Kräuter und die Klösse. W'ir kannten sie auswendig. Aber wenn der Vater sie zu erzählen begann, horchten wir gel „Es ist doch nichts da“, wagte sie e-inzuwenden. „Aber Feiertag ist es!” entgegnete er. i Sie stand auf, und die Kinder sprangen aus ihrem Winkel, um ihr zu helfen. Sie waren überzeugt, dass spannt auf, als hätten wir jetzt das Wunder kommen Blick durch einen alten römischen Aquaedukt auf das im Bau befindliche Museum in der Gemeinschaftssiedlung „Lochamei Hagetaot” (Ghettokämpfer). In diesem Museum werden u. a. Dokumente und Bilder vom Warschauer Ghetto.Aufstand gezeigt sie noch „Jeder hat seine Erinne- , erwiderte er Er! Sie handelt von einem armen rungen trank seinen Kaffee zu Ende. „Ich will Euch eine Geschichte erzählen“ begann er und brach damit das Schweigen. „Es ist eine Ge. VERBRINGEN Sä! flCS 1^3 IM MODERNSTEN HOTEL M. FLAMM unter Aufsicht S. Ehrw. des Herrn Oberrabbiner Dr. J. FINK CHASCOMUS — Cordoba 38 1 QUADER VOM STRAND ZIMMER MIT PFIVATBAD — Alle Bequemlichkeiten TtLfoi^sche Auskünfte in Bs. Aires: 76-6623 u. 70-JS05 niemals gehört, müsse. Sie brachten Teller und Weinbeeher an den Tisch und als alles gedeckt war, blieben sie von der Ferne stehen und warteten. Es sah sehr festlich aus. _Mit langsamen Schritten , . kam der Vater heran und i re5:i^’..^rv'PV, df[.AermS,e * setzte sich in seinen breiten Stuhl. Schüchtern nah- Juden in einem kleinen polnischen Städtchen. Dieser Jude lebte also in einem klenen polnischen Städtchen in Polen und ernähr-; te sich mehr schlecht als HOTEL LAGO eingebettet zwischen herrlichen Bergen? umgeben von Wasser | vorzügliche Küche - geschultes Personals LEON KAHN Rio CebaIlos| [ SILRRA3 DE CORDOBA — Casilla Correo 34 Restaurant ..Paso” * < WBt uni i Paso 452 (al fondo) — T. E. 87 9259J äÎ Unter Aut*,cnt aes Vaad Harabomm der Ketulla * MITTAGS- und ABKNDTISCH } von jetzt an auch Sonntag abends geöffnet J Anrichten von kleinen Festlichkeiten S und Banketten | weit und breit. Aber wenn ■ Schabbat oder Feiertage I kamen, da war der Tisch; festlich gedeckt und er! selbst thronte wie e-in König j im Kreise seiner Familie, j Es war ein Wunder, wie er! es fertig brachte, die vielen j kleinen, immer hungrigen I Mäuler satt zu kriegen. | Vielleicht nahm er es selbst! als Wunds-r hin; denn er war ein gottesfiirchtiger Mann und al'es. was er empfing, war fiir ihn ein Geschenk des Himmels. Auch das Schlechte nahm er demütig j hin. Er hielt e-s mit Hiob und sagte: hab ich Gutes ] von Gott empfangen, warum | soll ich das Schlechte von I ihm nicht hinnehmen? Aber einmal wollte dieses Wunder irgendwie nicht wirken. Es kam der Vorabend I des Pcssachfestes und im | Hause fehlte es an allem. I Der Mann machte sicli frühzeitig mit dem Runzel auf den Weg. um sein Glück zu suchen. Am späten Nachmittag kehrte er heim. Sein Riinzel war leer. Niemand wagte zu fragen. Di; Kinder sassen verängstigt in der Ecke und sahen zum Vater hinüber. Der Vater sprach kein Wort. Er blickt; sich nur eine Wejle stumm in der Küche um und ging hinaus. Es herrschte Stille. Vielleicht weinte auch die Mutter. Es dauerte lanse Zeit, bis er -wieder zurückkehrte: Er; halte seinen weissen Fest. | kitlel an. Am Kopf sass das golddurehwirkte Käppchen. Wie er so dastand, sah er aus wie ein Hohepriester. „Den Tisch decken!” befahl er. Dit Frau sah ihn erschrok. ken an. „Den Ticch decken!” wiederholte er. men Frau und Kinder ihre Platzte ein. Der Vater hob seinen Blick zur Decke em. por. Folgsam taten ihm die Kinder nach. Von dort oben , musste das Wunder kom.! men. Sie warteten, aber es kam nicht. Ler Vater betete still; sie sahen, wie seine Lippen sich bewegten.; Als er sein Gebet beendet hatte, stand er auf. Alle erhoben sich mit ihm. Mit einer feierlichen Geste nahm er die leere Pessacnschüssel in die Hand und hob sic empor. Er hielt sie wie eine I Anklage gegen die Welt und! las mit fester Stimme: das i'“ das Brot uer Armen...” : “7,Seht!” sagte der Doktor. 1 Er streckte die Hand aus. I als hielte er die Schüssel | dieses armer, Juden in der : Hand. „Seht! Diese leere Schüssel, in welcher nichts war, dieses Nichts, das ist das Brot der Armen!” Er schwieg und sah sie an. „Ihr wartet natürlich auf das Wunder?” fragt« er nach einer Weile. „Wunder kommen r.icht” sagte Mira. Der Doktor lächelte nachsichtig. „Und trotzdem ist das Wunder gekommen.” „Nur in Geschichten ereignen sich Wunder”, sagte sic, „Im Leben geht es hart und ungerecht zu. In Wirklichkeit wird es so gewesen sein, dass die Frau ihren Mann verwünschte, weil er nicht wie andere Männer verdienen kennte und dass sie alle mit hungrigem Magen schlafen gingen. I Der Doktor schwieg. Sie wusste nicht, ob er gekränkt war oder über eine Antwort nachdachte. Da rief Elchanan sie an.! „Auc-h ich könnte Euch eine Geschichte erzählen. Sie gehört insofern zum Pes. sac-habend, als sie an ihm ihren Ausgang genommen hat. Sie ist absolut nicht! fromm. Denn sie handelt von einem Fussbaü.” Sie nickten ihm zu und ermunterten ihn, zu erzählen. Und so begann er: | „Die Nachtisch-Mazza, mit deren Verteilung der zweite I Teil des Abends begann, versteckten wir jedes Jahr. Das war fester Brauch. Der Vater musste sie bei uns auslösen. Wenn wir ihm dann die Mazza gaben, durften wir uns etwas wünschen. Jedes Jahr kam von uns Geschwistern ein anderer dran. Die Ordnung behielten wir fest im Kopf. Als meine Reihe kam. war ich zwölf Jahre alt. Was kann ein Junge von zwölf Jahren sich wünschen? Einen Fuss. ball. Ich wünschte mir also! einen Fussball. Mein Vater bewilligte mir grossmiitig der. Fussball, und ich gab 1 ihm die Mazza. Diese Zusage galt mir. Der Fussball, den ich m kurzer Zeit besitzen sollte, beschäftigte mich i die ganze Nacht. Am nächsten Tag wussten bereits alle Jungen in der Strasse von dem bevorstehenden wichtigen Eieignis. Sie freuten sich gleic-h mir auf den Ball; dem die ganze Strasse besass keinen. Wir waren so eifrig bei den Be. sprec-hungen, dass wir bereits die Mannschaft auf. stellten. Mit Herzklopfen erwartete ich täglich die Rückkehr meines Vaters. Mein Vater kam wohl, aber es kam kein Ball. Doch ich wagte nicht zu fragen j Als zwei Wochen vergangen waren, wurde ich unruhig. Sollte der Vater etwa vergessen haben? Die Jungen auf der Strasse fragten, und ich begann, mich zu schämen. Da wandte ich mich an meine Mutter. Sie sagte mir, dass der Vater jetzt nicht viel verdiene und den Fussball nicht kauj fen könne. Ich schluckte meine Enttäuschung hinun. ter und bemühte mich, die Angelegenheit zu vergessen. Aber die Jungen in der Strasse wollten nicht vergessen. Eines Nachmittags, als wir wieder zusammen waren, fingen sie an, von dem Fussball zu sprechen. Ich sah sogleich, dass ein feindlicher Angriff gegen mich geplant war. Denn sie sprachen über meinen Fussball nur unter sich und schalteten mich von ihren Gesprächen aus. I (Schluss folgt) KEREN KAYEMETH DIE BRUECKE ZWISCHEN UNS UND ISRAEL IST DIE BLAUE BUECHSE DES KKL