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Jüdische Wochenschau · 1961-04-01 · 1865 (1.4.1961) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1865 (1.4.1961)
Date
1961-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Sábado 1? d« Abril dt mi JÜDISCHE WOCHENSCHAU AS« xn. — Ne. 1865 Unsterbliches Freiheitslied (Schluss von Seite 1» dennoch nicht als geheimnisvoll metaphysische Erscheinungen. Wir die wir dabei waren, erlebten einen iiberraschenoen. erhebenden gewaltigen histor.sehen Prozess. nicht aber ein über-' menschliches Wunder. Was aber werden künftige Geschlechter von dieser, unserer Zeit sagen? Wird ihnen das. was wir als natürlich empfanden, nicht übernatürlich Vorkommen, nicht ein Wunder bedeuten? Vor Jahrtausenden gelang es einem Volk von Sklaven, das garnicht eigentlich ein Volk war. seine Freiheit zu erringen. Pessach ist die Erinnerung an die Befreiung und Volkwerdung -ugleich. Die Befreiten jedoch konnten noch nicht diejenigen sein, die ihre soecen wieder, gewonnene Freiheit nun aaci in die Wirklichkeit des nationalen und Internationalen Lebens ihrer Zeit übertragen durften. An diesen Entwicklungsweg eines uralten Volkes erinnerten sich Jahrhundert um Jahrhundert ihre Nachfahrender wiedergewonnenen Fre.heit wurde im Laufe des Kalenderiahres gedacht; sie bildete damit im Leben jedes einzelnen, einen Höhepunkt jüdischen Lebens. Die Juden erinnerten sich daran, welch armseliges Brot ihre Väter im Lande Aegypten gegessen haben. Sie fordern jeden Hungrigen auf und jeden, der bedürftig .st. mit ihnen Pessach zu feiern; Dieses fahr Dr FREY Abogado FUEYRREOOW Î190 l» nachm 16—19 Ubr REAL PEIN I , Füllhalter i REPARATUREN < Spezialgeschäft t CORRIENTES 569 £ T E. 49-5850 | WW *1 j ]. Liebling j j fourniere — Í 1 SPERRKOELZER i i! PIAZ VELEZ S224 »1 46;? I E 43-2343/0340 y 3021 J Propiedades Frankenberg ät Sie Kostenlos und ,’ernindlicb oeirn Kaut oder Verkauf von CESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSER lenucfa Pedraza 2630 pl b. Dp. B T. E 70-7244 sind wir hier — in der Zer- | Streuung —, das nächste | Jahr in Jerusalem, dieses ■ Jahr (noch) Knechte, im : nächsten Jahr freie Män. 1 ner.! Das sind die schlichten Worte der Hagada, die uns die Geschichte der Befreiung; erzählt, und die Jahr für Jahr gelesen wird; sie legt ein beredtes Zeugnis ab von der nie versiegten Sehnsucht unseres Volkes, frei zu sein und frei leben zu können. Die Hagada ist ein unsterb- . liches Freiheitslied. das nicht nur aus ihren Worten und Gesängen, nicht nur aus Dichtungen und Träumen 1 hervorströmt, sondern aus den Herzen eines ganzen : Volkes erklingt. ‘ Dieser unbeugsame Glauben an ihre endliche Be- , freiung Hess sie bestehen. Hatten sie doch verstanden, dass die bewegenden Kräfte des menschlichen Lebens : nicht die irdische Macht oder die vergänglichen Güter sind-, die vergehen, wie sie kamen. Die Menschen sind doch nicht geschaffen, um sich : gegenseitig zu beherrschen oder zu vernichten, sondern durch gemeinsame Arbeit dem Fortschritt zu dienen. Eine der wesentlichen Voraussetzungen für die von allen erhoffte Aufwärtsent- ■ Wicklung der Menschheit ist die Sicherheit de-r Freiheit. Denn nur in einer freien Welt werden die Mög.! iichkeiten gegeber sein, eine Gesellschaft aufzubauen, die den Frieden sichern .kann. Die Erinnerung an Pessach ist nicht nur ein Gedanke daran, dass jeder einzelne, der damals Sklave war, seine Freiheit wiedergewann. Es ist nicht die Be. freiung des Individuums. | das wir mit unserem Pessach feiern. Es ist auch die Betieiung des einzelnen i Menschen, des einzelnen Juden. Pessach ist die Erinnerung an die Befreiung aller, I an die Befreiung einer Gruppe, eines Kollektivs, eines Volkes! I Damit ist mit diesem Pessach bereits ein bedeutungsvoller Prozess gezeichnet, der in einem einzigen Vori JUDITH SCHENKOLEWSKI KULITJSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tallisbeute! - Käppchen . Maz. zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche BEBEDERO 2585 T. E. 73-9155 gang, der Befreiung aus ' Aegypten. einen doppelten geistigen Entwicklungsgang I umschliesst: «die Befreiung des Individuums und die Be- - freiung des Volkes. Hier begegnen wir Gedanken, die im Judentum immer lebendig waren. Nur das Volk j kann frei sein, dessen Bürger freie Männer und Frauen sind. Der Ausgangspunkt für das nationale und internationale Lebj.-, für jede menschliche Gesellschaft Ist der Mensch selbst. Zunächst und zuerst müssen die Rechte des Individuums gesichert werden; dann kann man an die Befreiung der . Gemeinschaft schreiten. Diesen Weg geht der Befreiungskampf der Völker, der mit den Tagen des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und der Grossen Französischen Revolution begann. Die Parolen dieser Revolution waren Forderungen von Rechten für die einzelnen Menschen, nicht aber für das französische Volk. Der Ruf nach Freiheit. Gleichheit und Brüderlichi keit war ein Ruf zur Aen- ' derung und Besserung der rechtlichen Situation ds-s ein. . zelnen Menschen. -! Erst als die einzelnen Menschen ihre Grundrechte erkämpft hatten und frei 1 geworden waren, erst dann wurden sie in den Stand gesetzt, die Freiheit für das j Volk zu fordern. Die Entwicklung ging langsam vor; sich. Das vergangene eJhr- . hundert stand im Zeichen eines Freiheitskampfes aber nicht eines Freiheitskampfes : von Völkern, sondern von ..Klassen“. Zur Gleichbej rechtigung und damit zur Befreiung gehört auch die Sicherstellung der sozialen Unabhängigkeit, nicht im Sinne einer materiellen G eichsetzung aller, sondern im Geiste der Anerkennung des Rechtes auf Arbeit und des Rechtes der Arbeit. Die sozialistische Bewegung kann das grosse Verdienst für sich in Anspruch nehmen, diesen Fortschritt fiir die ganze Menschheit erkämpft zu haben. Im übrigen finden wir diesen Gedanken natürlich schon frü. her als bei den sozialistischen Denkern des 19. Jahr, hunderts, z. B. in den biblischen Vorschriften. Das ändert aber nichts daran, dass wir heute curch das Ringen der sozialistischen Bewegungen diesen Fortschritt sichern konnten. Es ist kein Zufall, dass unter den Denkern und Vorkämpfern der Befreiung der Arbeiterschaft zahlreiche Juden gewesen sind, die von dei; hohen Idealen der Freiheit inspiriert dies« Gedan. I „Nicht genug vergast** Wuppertal. — Wegen öffentlicher Billigung der an den Juden während der Nazizeit begangenen Verbrechen in Tateinheit mit Be- , leidigung der vom National.! Sozialismus verfolgten Juden sowie Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilte ein Wuppertaler Schöffengericht kürzlich den 27 Jahre alten Bei. fahrer Hans-Günter Kirsch zu vier Monaten Gefängnis bei dreijähriger Bewährungsfrist und einer Geld- : strafe von 150 Mark. Kirsch hatte in einem Wuppertaler Lokal erklärt; ..Von den Juden sind noch nicht genug vergast worden, es hätten noch mehr vergast werden müssen.” (AWZ) ken in das harte Alltagsle- I ben übertragen wollten. Was uns gerade auf dem Gebiete der Freiheit und der; Rechte der Arbeiterschaft heute selbstverständlich erscheint, war vor nur einhundert Jahren ein schön klingendes Programm, das politisch nicht realisierbar erschien. Der Triumph der I Wahrheit und der Sieg des Rechtes vollzogen sich unter grössten Kämpfen und Schwierigkeiten. Aber jetzt weiss man nichts mehr davon. Die Befreiurg der Arbeiterschaft gehört der Vergangenheit an, als ob sie niemals umstritten gewesen wäre. Erst als dieser Prozess abgeschlossen war, begann die Welt um die Befreiung der Völker zu ringen. Die Idee des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen setzte sich im Laufe unseres Jahrhunderts durch, zunächst sehr langsam und i zögernd. dann stürmisch.! Heute ist es bereits zu einer Selbstverständlichkeit | geworden dass jedes Volk ■ einen legalen und legitimen : Anspruch auf seine Freiheit und damit auf seine Unabhängigkeit hat. Wer denkt t noch daran, dass selbst i Indien, vor nur etwa 20 Jahren noch kein freier Staat gewesen ist!, das heute im internationalen Leben eine sehr wichtige Rolle durch seinen Einfluss und sein Ansehen spielt. Der Befreiungsprozess, der im Spiegel der Ge. | : schichte beobachtet werden! i kann, ist auf ei.ier hohen 1 Stufe angekommen: von deT | Befreiung des Individuums j zur Befreiung der Stände, | Schichten oder Klassen zur | Befreiung der Völker. Das! unsterbliche Lied vom freii en Mann, wie es aus der j Hagada erklingt, wurde j auch von anderen Völkern ’ erhört. Die Sehnsucht und : der Willen zur Freiheit sind : zu sittlichen und die Ge. : i schichte bewegenden Kräften geworden. I Neben diesen Entwicklun. 1 gen muss man auch die Befreiung der Frau in ihrer! bürgerlich rechtlichen Position berücksichtigen, die i sich ebenfalls in den letzten Jahrzehnten vollzog und die Befreiung des einzelnen | Menschen ergänzt hat. Die I französische Revolution kannte von solchen Forde rungen nach Gleichstellung der Frau noch nichts. Heute ist sie vollzogen. Ob sieh hiermit LA SEMINA ISRAELII! Bisemahario — aparece ios Marias y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. H. Swanensky Pueyrredón 2190. 1? izq. T. E. 83-2613 80.6930 Abono-Preis: Argentinien: % 73.— pro Quartal Ausland $ 450, - jährl. zu fühlen, als wäre er selbst aus Aegypten gezogen. Jeder muss sich also der Gnade würdig erweisen, das ho. he Lied, das erhabene Ideal der Freiheit zu verstehen und zu beherzigen; jeder muss sich für den Triumph bürgerlicher der Freiheit einsetzen und für sie kämpfen, damit er selbst frei werde und bleibe. Jüdisches Denken und eine Entwicklung zum Mut- Hoffen ist niemals auf das ter-Recht anbahnt, wie es vor langen Zeiten bei vereigene Volk begrenzt gewesen. Die Sittengesetze und schiedenen Völkern galt, das vom Judentum verkiin kann man dahingestellt sein lassen. Jedenfalls verträgt die Idee der Freiheit im Rahmen der bürgerlichen oder menschlichen Gesellschaft keine Einschränkung, dete Recht gelten für alle Menschen: auch der Gedanke der Freiheit. Unser Volk hat für die Freiheit des Individuums. der Frau, der Klassen und der Völker ge_ sodass die Gleichstellung kämpft. Jetzt dürfte die der Frau eine Selbstverständlichkeit ist, für die man — wie für manche anderen Selbstverständlichkei. ten in dieser Welt — hart kämpfen musste. Vielleicht ist es zu weitgehend, wollten wir sagen, dass die Juden der Welt den klassischen Freiheitskampf Stunde heranriieken, wo wir für die Befreiung der Menschheit als einer Gesamtheit eintreten müssen, für ein übernationales Recht, für übernationale Freiheit und deren Sicherung. Das ist die logische und unerbittliche Forsetzung des Freiheitskampfes, eines Volkes um sein Recht ¿er mit der Erlösung des gezeigt und gelehrt ha. Individuums begann, bis er ben. Aber sicher ist, dass aus diesem Freiheitskampf, zur Befreiung des Volkes führte. Wenn diese überna. der beispielhaft ist, jene un-; timale Freiheit für die gan. sterbliche Melodie und je-! ZP Menschheit errungen sein wird, dann wird der Weg zu einem echten Weltfrieden geebnet werden. Auch das ist eine Ueberlegung und somit eine Forderung, die sich aus unserem uralten ne>- wunderschöne Lobgei sang der Freiheit erhpor. steigt, jener Freiheit, die unsere grosse Verpflichtung ist. Denn jeder Mensch ist, wie in der Hagada geschrieben steht, verpflichtet sich pessach-Fest ergibt. NERVENu. GEMÜTS¬ KRANKHEITEN —I VARICES — ULCERAS DE LA PERNA - ARTERIOSCLEROSE Dr. SAUL UMANSKY Dr. M. J. KÜHN I! \ SARMIENTO 3116 T. E. *7 1362 i i prov. RIVADAVIA 2625 III I Tel. 48-7524 * lont., Mittwoch, Freitag . 17—20 Uhr. Tel. Anmel- I düng erbeten. lür. Aiattka! ükapaauy/\ HUTSALON Jetzt in Belgrado ‘moldes 25611 T. E. 73-9229 73-9155 Jacobo M. Lapidus dipl. Mohel TUCUMAN 2396. 4? J T E.: 48-2124 : Dr. j B. Schwartz j ZAHNARZT \ r.STOMEA 2283 — 52-8214 i i RAYOS X j ■ PARAOHviTOSE I I TELEF. î > VORANMELDUNG! 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