Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1865 (1.4.1961)
- Date
- 1961-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYKREDON 2190 — 1? i*q Lx Jewucota i^XsAjCdeHta T. E. 8 3 - 2 S 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, SABADO V DE ABRI!. DE 1961 No. 1365 DIE SOWJETISCHE JUDENHEIT Rom. — Eine Konferenz über die sowjetische Judenheit wurde hier abgehalten. Der Veranstaltung wohnten bekannte Journalisten, politische Führer. Schriftsteller, darunter der berühmte Igna. cio Silone. und zahlreiche Katholiken. Protestanten und Juden im Saal des Verbandes italienischer Schriftsteller bei. Prof. Arangio Ruiz. der Präsident des Vereins für italienisch-israeli. sehe Freundschaft, erüffnete die Tagung, die eine Fortsetzung der Sitzung dar. stellt, die am 19. September ltWO in Paris abgehalten wurde. Der Schriftsteller Francois Feito hielt das Haup-lreferat und erklärte, der Stalin-Terror sei zwar überwunden worden, doch herrsche Unruhe unter jenen. die das jüdische Erbe' zu wahren wünschen, sowohl als auch unter denen, die für die Assimilation eintreten. Daniel Carpi aus Israel gab einen Ueberblick über die Geschichte der jüdischen Kultur in Russland und unterstrich ihre Blüte nach der Revolution bis zu den stalinistischen Verfolgungen und der gegenwärtigen Unterdrückung. Es wurde eine an den Sowjet-Botschafter in Rom gerichtete Resolution angenommen, die ..um Widerruf des sowjetischen Verbots gegen die jüdischen Schulen, Theater, | Zeitungen, etc. ersucht.” Es wird darauf verwiesen, dass bekannt sei. dass die sowjetischen Behörden vor kurzum antijüdische Veröffentlichungen irl*den Presseorganen gewisser Bezirke ver- : , urteilt habe. Des weiteren I wird die Wiedervereinigung ' der getrennten Familien gefordert und somit die Be- , willigung zur Auswanderung für die Juden, die das Land zu verlassen wiin- , sehen. Der bekannte jüdische Senator Umberto Terracini. erklärte, zwischen 1917 und! 1948 habe es kein jüdisches Problem gegeben. Russland habe die beste Lösung vor. geschlagen, als es das Gebiet von Birobidschan anbot, und der jetzige Status der Judenheit sei auf die | Ablehnung seitens der Juden. die sich dort nicht ansiedeln wollten, zurückzuführen. Der Stalin-Terror habe Juden und Nichtjuden gleicherweise in Mitleidenschaft gezogen. Er bestritt, dass die Juden nicht befrie- WIE ICH ES SEHE IUnsterblich es Freiheitslied i Auch die Geschichte eines Volkes wird von Gesetzen bestimmt. Zwischen Hoffen und Glauben bewegt sich das'Streben nach Fortschritt und Sichei^jrit, nach Wahrheit und Frieden. Die Geschichte des jüdischen Volkes wird von seinem Schicksal zwischen Heimatland und Zerstreuung bestimmt. Wie alle Länder, die einen erheblichen Bevölke-1 rungszuwachs aufweisen, so hat auch das alte Land der Juden seine Söhne in die w'eite Welt hinausgeschickt, die sich an den vielen Städten der Ufer des Mittelmeevon JEHUDA GOTTHEIMER res niederlassen und die ersten jüdischen Gemeinden der Diaspora, der Galut, der Zerstreutjng gebildet haben. Diese jüdische Zerstreuung war in den Anfängen durchaus eine normale Erscheinung. denn freiwillig traten die Juden ihren Weg in Nachbarstaaten oder ferne Gebiete an, wo sie neuen ,,Lebensraum“ suchten. Die Juden waren durchaus nicht das einzige Volk der Antike, das ..Kolonien“ gründete, Gemeinden ausserhalb der Grenzen des Vaterlandes. Griechische Siedlungen finden wir in allen NEUWAHLEN AH 25. AUGUST I Jerusalem. — Mit 56 za 44 Stimmen beschloss die KnesseL sich aufzulösen und neue Parlamentswahlen für den 15 August festzusetzen. Ein Vorschlag zur Abhai- ' tung der Wahlen im Juli wurde mit dem Einwand überstimmt. dass diese in die Trauerzeit vom 17. Tamuz bis 9. Aw fallen würden. Die Abgeordneten stimmten ebenfalls gegen den Antrag, den Wahltermin auf den 1. August vorzuverlegen. Die Mapai’ und aie religiös-nationale Partei stellten die für das Datum vom 25. August nötige Majorität mit I dem Argument, dass der Eichmann-Prozess bis dahin voraussichtlich beendet sein dürfte. Der Annahme des Wahlgesetzes gingen verschiedene neuerliche Versuche voraus. Wahlen zu vermeiden und über die Bildung eines neuen Kabinetts zu verhandeln. Mosche Shapiro; der Führer der Religiös.Nationai len und Innenminister der jetzige« Uebergangsregierung. hatte eine Konferenz zwischen der Mapai, Achdut Awoda. Mapam und seiner eigene« Fraktion vorge. i schlagen, um über die Möglichkeiten einer Koalitions- -Regierung zu verhandeln, an deren Spitze Finanzminister Levi Eshkol stehen und der Ben Gurion als Ver., teidigungsminister angehören seilte. Shapiro betonte, dass die Mapai seiner Meinung nach zu einer solcher Lösung bereit sei. falls die Mapam und Achdut Awoda Ihre angekündigte Ablehnung der Ministerpräsidentschaft Ben Gurions zurückziehen würden. Die beiden Linksparteien beharrten jedoch auf ihrem negativen Standpunkt zu irgendeinem Abkommen, welches die Präsidentschaft E<hkols als vorübergehend betrachten und voraussetzen würde, dass Ben Gurion nach Ablauf einiger Monate automatisch auf den Pisten des Premierministers zurück, kehren solle. Sieben Parteien waren bemüht, ein früheres Datum für dir Wahlen durchzusetzen und verwiesen auf die hiermit verbundene Ersparnis an Geld und Energien, welche durch die Abkürzung der Geschäftsführung durch die transitorische Regierung erreicht werden bönn- ’ te. da diese, ohne ein spezifisches Mandat zu besitzen,1 auf den Gebiet':« der Innen- und Aussenpolitik keine kontinuierliche Arbeit zu leisten imstande sei. De heutige Knesset ist die vierte, und die Regierung, die am 31. Januar fiel, die neunte seit der Gründung des Staates. UTAi : Mittelmeerländern, da die hellenische Heimat zu klein war, um die wachsende Be. : vülkerung zu ernähren. Das Meer rief die Söhne aller anwohnenden Völker. So, : wurden seine Küsten all- : mählich besiedelt. Hierbei handelt es sich keinesfalls um einen Prozess, der mit; den imperialistischen Bestrebungen späterer Jahrhunderte verglichen werden könnte, um Erschliessung neuer Gebiete zum Zweck ihrer Ausbeutung und der Erweiterung der eigenen Macht. Jüdische Galut ist also keine Folge der Zwangsdeportationen und Landesvertreibungen, die es im Laufe 1 unserer Geschichte wiederholte Male gegeben hat. Nach den Eroberungen der jüdischen Reiche wurde die Bevölkerung in die Gefangenschaft geführt, ins babylonische Exil und dann in! die Gefangenschaft der ganzen und besonders der christlichen Welt, die mit I der Zerstörung des zweiten Tempels ihren Anfang nahm. ■ So bewegt sich die jüdische | Geschichte seit langen Zeit, laufen zwischen den beiden polaren Kräften: Heimatland Erez Jisrael und Galut. Die Wirkung dieser beiden Lebenszentren unseres Volkes, das Prädominium des einen und das Primat des anderen das sind äusserliche Grenzen,innerhalb deren sich un- : ser geschichtliches Sein und Werden abgespielt hat. In den alten Zeiten be. . stand niemals ein Zweifel daran, dass Israel, das Land der Väter, auch der geisti-; digend assimiliert seien und I nannte bekannte Juden in hohen Aemtern, sowie Itja Ehrenburg, den Repräsen- : tauten sowjetischer Kultur. * Prof. Leopoldo Picardi, der Präsident des italienischen Verbandes für Reli-; gionsfreiheit bezeichnete Te-rracinis Verteidigung der sowjetischen Haltung als; ..unangebracht”, denn die ■ Konferenz in Rom wolle j ebensowenig wie die von Paris Kritik an sowjetischen | Institutionen übe« sondern einzig und allein das jüdi-! sehe Problem innerhalb der Gegebenheiten der Sowjet- 1 Union einer Analyse unter. | ziehen. < ITA i BEOBACHTER AUS WESTDEUTSCHLAND! Bonn. — Dr. Gerhard von Freusehen aus Wiesbaden ist von der Deutschen Bundesrepublik of. : fiziell zum Beobachter bei dem bevorstehenden Eichmann-Prozess in Jerusalem ernannt worden, wie das Justizministeri. ' um jetzt mitgeteilt hat. Zu gleicher Zeit wurde : bekannt, dass die Frank, furter Staatsanwaltschaft , ihren eigenen Beobachter, Dr. H. Zeug, entsen¬ Nuevos Hallazgos Arqueológkos Jerusalem. — Lo que probablemente sea la más rica colección de bronces y marfiles de un período de hace más de 6.000 años atrás, ha sido descubierto en las cuevas del Mar Muerto por la expedición de la Universidad Hebrea, encabezada por el Prof. Yadin. según se anunció en ésta. Cuando se descubrieron las primeras piezas hace poco, se creyó que eran parte del botín capturad«» de las legiones romanas por las fuerzas de Bar Kojba, pues muchas piezas llevaban grabado un águila, el típico símbolo romano. Al desenterrarse emper«» más y más ítems, se estableció que databan de antes del período de bronce e indican que ese período poseía un nivel de cultura mucha mos elevado de I«» que anteriormente se suponía. Entre tanto, parte de 'os rollos y papAos datando del período posterior de Bar Ko.iba .va han sid«* llevados a Jerusalem, donde están siendo abiertos pos los expertos. — ‘K'IILOMO S. TANGER Neue archaeologische Funde Jerusalem. — Die vielleicht reichste Sammlung von Bioncen und Elfenbeingegenstanden aus einer 6.000 Jahre zurückliegenden Zeit ist in den Höhlen am Toten Meer von einer Expediiion der Hebräischen Universität unter Leitung von Prof. Jaditi gefunden worden, wie jetzt bekannt gegeben wurde. Als die ersten Stücke kürzlich entdeckt wurden, glauble man, sie wären Teil der Beute, die von den Truppe« Bar Kochbas den römischen Legionen ahgenommen wurden, denn viele Stücke hatten einen Adler, das typisch römische Symbol, eingraviert. Als man aber mehr und mehr Gegenstände ausgrub, stellte man fest, dass sie aus einer Periode vor der Broncezeit herriihrten, die ein viel höheres Kultur, niveau besessen hat, als man vordem angenommen hatte. Inzwischen sind ein Teil der Rollen und Papyrusse. die aus der auf Bar Kochba folgenden Periode stammen, nach Jerusalem gebracht worden, wo sie von Sachverständigen geöffnet werden. SCHLOMO S. TANGER den wird. (ITA) An Hn$«r« L«$«r Mit Rücksicht auf die Pessach - Feiertage erscheint die nächste Ausgabe der Jüdischen Wochenschau erst am Donnerstag, den 6. April, (in verstärktem Umfang) Wir bitten hfl. hiervon Kenntnis zu nehmen. Redaktionsschluss der heutigen Ausgabe: Don. nerstag, de« 30. März, 17 Uhr. ge, politische und seelische Mittelpunkt des gesamten jüdischen Volkes war, ob seine Söhne nun in Israel oder in der Zerstreuung lebten. Der Fe-steskalender mit seinen besonderen, für die Juden fern der Heimat bestimmten Vorschriften legt hierfür Zeugnis ab. Zahlreiche religiöse, administrative ur.d politische Verordnungen bestätigen diese unzertrennbare geistige Einheit des jüdischen Zentrums und der Galut, auch dann noch, als die Mehrheit der Juden schon nicht mehr in ihrem eigenen Land lebte. Bei dieser Ent. Wicklung dürfte es besonders interessant sein zu beobachten, ^dass auch die religiösen *und weltlichen Anweisungen untrennbar miteinander verbunden sind und zeigen, dass Judentum und Judesein nicht in zwei voneinander verschiedene Faktoren eingeteilt werden können. sondern nationales und religiöses Bewusstsein in einer selten gesehenen Form zu einer gewaltigen Harmonie führen. Gerade diese Feststellung ist für die Erkenntnis der in unserer Geschichte waltenden und wirkenden Gesetze bedeutungsvoll. weil zu einem späteren Zeitpunkt Entwicklungstendenzen bemerkbar wurden, die diese Grundgesetze unserer jüdischen Existenz zu zerstören versuchten. Jahrhundert um Jahrhundert bleibt die Beziehung Israels zur Galut und der Galut zu Israel eine der festen Gedanken und seelischen Spannungszentren des Volkes. Je schwieriger die Situation einer in der Zerstreuung lebenden Gemeinschaft wird, desto heller leuchtet die Idee des geistigen — und vielleicht auch wieder einmal wirklichen — Zentrums in Israel auf. Die jüdische Geschichte ist nichf nur eine Kette ungeheurer Leiden und Schmerzen, eines beispiellosen Martyriums eines Volkes, sie ist auch der stete und starke Ruf des Glauben an die Freiheit, an die Wahrheit und Gerechtigkeit. Auf diesen unsichtbaren Säulen beruht das Leben des jüdischen Volkes. Hier liegt das wundersame Geheimnis seines Ueberlebens, seiner Weiterexistenz, seiner unvor. stallbaren. unversiegbaren Lebenskraft. Man braucht nur die Blätter unserer langen Geschichte zu überfliegen, um die gewaltigen Slröme von Blut und Tränen zu sehen und nachzufühten, die zu allen Zeiten von uns verlangt worden sind. Und dennoch, das jüdische Volk hat alle diese Feuerproben bestanden, ohne grosse irdische Güter, ohne äussere Macht und oh. ne materielle Kraft. Es hat weitergelebt, weil es niemals seinen Glauben verlor, weil es niemals seine Hoffnung aufgab und auf seine Zukunft niemals Verzicht leisten wollte. Wir können ferner beobachten, dass in Zeiten grosser Erniedrigung der Wille zum Widerstand und die Sehnsucht nach Freiheit wächst. Hierin mag man eine natürliche Entwicklung und Erscheinung erblicken, die auch be! andere« Völkern beobachtet werden kann. Wir haben jedoch nie. mals behauptet, dass es für die jüdische Geschichte oder für die Beurteilung des jüdischen Lebens andere Normen gäbe als diejenigen, die für alle Menschen gelten. Denn alles menschliche Leben wird von denselben Leidenschaften beherrscht, die bei dem einen oder anderen stärker entwickelt oder be. tont sein mögen, immer aber wirken. Alle Menschen gehorchen den gleichen Gesetzen der Stärke oder meist der Schwäche. Deswegen finden wir in der Geschichte aller Nationen dieselben oder ähnlich wirkende Grundgesetze, die stets das menschliche Leben bestimmen. Unser Volk jedenfalls'hat in seiner langen Wanderung über alle Kontinente stets in dem Augenblick besonders stark seinen Willen zur Freiheit bekundet, in welchem die Erniedrigung zu einem Tiefpunkt des nationalen Lebens geführt hat. Die Zeit, an welche uns das Pessach-Fest erinnert, legt hierfür das stärkste Zeugnis ab. Obwohl Juden inmitten beinahe aller Völker der Erde leben, haben sich die. se von dem Wunder des Pessach bisher nicht Rechenschaft gegeben. vielleicht der Jude selbst begriff nicht, was dieses Pessach gerade für ihn. den heutigen. modernen Juden bedeutet. Die Sklaven Aegyptens errangen vor mehreren Jahrtausenden ihre Freiheit. Der historische Vorgang steht fest, er ist doku*meatiert und unbestritten. Dass dieser Freiheitskampf, dieser Auszug aus Aegypten, mit einer Reihe von wundersamen Erscheinungen verbunden war, gab Veranlassung zu verschiedener Deutung. Für den Grundprozess, der sich abspielte, sind diese Wunder nicht entscheidend. Vielleicht sollten wir ei. nen Augenblick bei den ..Wundern“ verharren und uns fragen. ob wir nicht auch „Wunder“ erlebt haben, die von uns zwar als unerklärlich grossartige Er. folge aufgefasst werden, (Schluss auf Seite 2) Budget für das neue Fiskaljahr Jerusalem. — Die Knesset hielt eine Nachtsit zung ab, um das 1.876.350.000 IL behagende Budgel für das neue Fiskaljahr zu verabschieden, bevor si< für fünf Wochen in Pessachferien gehl. Am 8. Mai wird die Knesset ihre Sitzungen wie deraufnehmen und bis zum 14. Juli arbeiten, bevoi einen Monat später die Neuwahlen für die 5. Knesse staKfinden werden. In der Schluss-Sitzung kündigt« der Knesset.Präsident an, dass die Kontrakte für dei Bau des nerfen Parlamentsgebäudes bis Mai fertig gestellt sein werden und der Bau bis Ende des Jah res 1963 beendet sein dürfte. (ITA)