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Jüdische Wochenschau · 1961-03-28 · 1864 (28.3.1961) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1864 (28.3.1961)
Date
1961-03-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — 28 dt M»tn d« 1981 JÜDISCHE WOCHENSCHAU AS* XXII. — N«. 1864 Die graue Eminenz in Bonn I ÄÄKESS’Si Frag? müsste durch eine gründliche Untersuchung überprüft werden. In dem neuesten Standardwerk über ..Die nationalsozialistische Machtergreifung“, das die Professoren Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer ei- | und Gerhard Schulz verfasst haben (erschienen im Westdeutschen Verlag. Köln und Opladen, 19601, sind In. formationen über einen Entwurf des Führerstellvertreters Hess nicht ersichtlich. (Schluss von Seite li verheimlichen, so gut. dass man ihm selbst heute noch nicht glauben will, dass er ein Gegner der Nazis war, denen er loyal und treu diente. Globke nimmt für sich in Anspruch, er habe als Personenstands - Referent im Reichsinnenministerium eij neu verschärften Entwurf ' von Hess zu den Nürnber- . ger Rassegesetzen so zer-, pflückt, dass er .unter den Tisch fiel’. Den einschränkenden Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen (seit ' Dagegen finden wir eine wann ist ein Kommentar Bemerkung der Autoren zur einschränkend?) habe er nach Aufforderung des j Staatssekretärs Stuckart verfasst. ..Ich hätte ihn aber nicht geschrieben, hätte ich bereits damals die spätere Entwicklung der Judenfrage vorausgesehen“. — Hiermit erwies sich Globke als Prophet der Widersprüche. Dass er später an. , gegriffen werde, weil er im Amt verblieben war, das wusste er und sah er vor- : aus, wie er selbst erklärte.! We’che Folgerungen aber bereitung der Nürnberger in Nürnberg nicht beteiligt Gesetze machte, sind nicht gewesen ist. Dr. Lösener recht verständlich. Diese berichtet, dass die Ent- Frage der Nürnberger Ge- : setze, die in diesem Zusammenhang interessiert: „Hier i fanden sich nichtnationalsozialistische Juristen, die der .Legalisierung’ des Rassenantisemitismus sachkundige Kommentare und Einleitungen zur Verfüi gung stellten“. In einer Anmerkung wird dann auch auf den Kommentar von Wilhelm Stuekart und Hans Globke verwiesen. Die Historiker fügen dann _folgenden Satz hinzu, der das Nürnberger Schandgegleichzeitig ein vernichten- Isetz haben würde, das ahnte der ahnungslose Globke nicht, obwohl er doch als i Jurist die Konsequenzen des! Gesetzes wie alle Niehtjuri. sten auch von Anfang an erkennen konnte. Selbst j wenn damals noch nichts von Gaskammern bekannt war. selbst wenn es damals keine Deportationen gab, so des Urteil für die Kommen, tatoren darstellt: „Dieser furchtbare Gesetzgebungsakt, der den legalistischen Ansatz für die späteren Diskriminierungs- und Vernichtungsexzesse geliefert hat, hat den rasch gesteigerten antisemitischen Verfolgungskurs der nationalsozialistischen Machterwat die völlige Deklassierung der Juden und ihre Stellung ausserhalb jeden Rechtes bereits dureh die Nürnberger Gesetze unleugbar vollzogen. All das konnte Globke nicht wissen, obwohl er das Gesetz kommentiert hat. Es hätte genügt, den Gesetzestext zu lesen, um die Absichten des Gesetzgebers hinreichend zu erkennen, die im übrigen in zahlreichen Reder tikeln deutlich zum greifungsphase juristisch überwölbt und endgültig verfestigt.“ i Die Vorbereitung dieses 1 Gesetzeswerkes gegen die Juden war jedoch höchst j oberflächlich. Nach den Er- ■, klärungen des Ministerialrates im Reichsinnenmini- ( sterium, Dr. Bernhard Löse, ner, wurden, da zunächst nur ein Flaggengesetz auf I dem Programm des Reichs- > und Ar-1 Parteitages stand, die Ras- ( Aus-! sengesetze in wenigen Stun. würfe von fünf hohen Beamten gemacht werden mussten, ohne dass diese für eine solche Arbeit vorbereitet gewesen seien. Dort heisst es u. a.: „Irgendeine Weisung über den Inhalt des Gesetzes brachte uns Frick nicht. Er sagte nur, es solle sich um ein paar lapidare Sätze handeln. So begannen wir nach Mitternacht von Sonnabend zu Sonntag nunmehr in dem Musikzimmer der Villa Haeberlein ein Grund, gesetz des Dritten Reiches zu entwerfen, ohne recht zu wissen, was eigentlich von uns erwartet wurde. Wir waren körperlich und geistig schon stark erschöpft ui.'d bemühten uns. in nationalsozialistischer Sprachbil. { düng ein Rahmengesetz : mit möglichst unverbindlichem Inhalt zustandezubrin-! geh .. Ich empfand die gesamten äusseren Umstände dieser Art von .Gesetzgei bung‘ als äusserst unwür- ■ dig .. Aus Papiermangel wurden Entwürfe auf alte! Speisekarten geschrieben .. So also kam es zu den Nürnberger Gesetzen. Wes. 1 sen Darstellung die richtige ist, können wir nicht ent- I scheiden. Jedenfalls liest sich die Schilderung Löseners ganz anders als die I Erklärung Globkes. i In seinem Interview ging Herr Dr. Globke auch auf die Anklage« ein, Linz. — Was nützen schöne Worte eines Ministers, was nützt eine noch so eindrucksvolle Debatte im Par. lament bei Beschlussfassung eines Gesetzes — we- 1 der auf den Minister, noch auf das Parlament, sondern einzig und allein auf die Beamten, die mit der Durch, > führung der Gesetze betraut! sind, kommt es an! Davon wissen die Anspruchsberechtigten ein Lied zu singen: Klagen über denschleppenden Gang der Erledigung, über den scheinbar allzu grossen Papierkrieg, über zu viel Bürokratie bereiten den Antragstellern so viel unnötigen Aerger, dass die endlich erreichten Entschädigungen, die ohnehin nur einen Bruchteil der Verluste darstellen, ihnen keinerlei Genugtuung bringen. Noch harrt ein Grossteil der Fälle nach dem KVSG (Kriegsuntd Verfolgungssachschädengesetz) einer Rechtsanwalt, der nach der Besetzung Oesterreichs im März 1938 in Haft genommen wurde, verlor infolge Beschlagnahme durch die SS seinen ganzen Hausrat und die komplette Einrichtung seiner Kanzlei. Er meldete seinen berechtigten Anspruch auf Entschädigung nach dem KVSG an, füllte die notwendigen Fo - mulare aus und legte eine Inventarliste der verlorenen Möbel bei. Die Finanzlandesdirektion in Linz, in de. ren Zuständigkeitsbereich die Bearbeitung dieses KVSG-Antrages fällt, verlangt nur einen Anscbaffungs . Nachweis für das Kanzleimobiliar. Die Begründung für dieses Verlangen kann nicht ohne weiteres hingenommen werden. Der zuständige Referent nimmt nämlich daran Anstoss, dass ein Jude irr Januar 1937 eine Kanzle' eröffnete und schreibt dazu unter anderem wörtlich: dass zu diesem Zeitbescheidmässigen Erledij gung. Ein krasses Beispiel! . . .. , ,7 über die manchmal recht I P^^chen Ver. eigenartig anmutende Be; kiltmsse derart waren, dass handln" g einzelner Fälle 1 kommenden Regime durch cie zuständigen Be- ®€drohte bereits begannen, amten soll hier aufgezeigt *lc.^ anderweitig in Sicherwerden: e e; heit zu bringen...” Ein ehemaliger Linzer j Da wird also der Vorwurf U SEMANA ISRAELITA Blsemanario — aparece ios Martas y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. H. Swarsensky Pueyrredón 2190. 1? izq. T. E. 83-2613 80.6930 Abono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450.— jährl. erhoben, dass 14 Monate vor dem Anschluss ein Staatsbürger noch Vertrauen zur Eigenstaatlichkeit Oesterreichs hatte! Wir wissen nicht, ob der Referent deT Finanzlandesdirektion Linz im Jahre 1937 so gut über das „kommende Regime” und die dadurch Bedrohten orientiert war bzw. ob er zu jenen gehörte, die mitge. holfen haben, das „kommende Regime” vorzubereiten. Die Einstellung des Referenten, wie er sie in seinem Schreiben an den Antragsteller zum Ausdruck gebracht hat, beweist allerpanz zwischen Gesetz und Praxis. (IPN) die Merten gegen Globke dern die Nürnberger Geseterhoben hat, läuft bei der ' ze eingeführt werden. Wie Staatsanwaltschaft Frankweit diese Behauptungen Dr. druck gebracht worden waden mit turbulenter Eile rtn j formuliert. Hierzu gibt es Die Bemerkungen, die Dr. : eine lange Erläuterung von Globke zur Frage der Vor- Lösener (vgl. das zitierte! Buch S. 286 f), aus der sich ergibt, dass Globke an diesen Vorbereitungsarbeiten 1 Dr, FREY: 4 4- Abogado « 4 PUEYRREDON 2190 ♦ 4 < nachm. 16—19 Uh* * J. Liebling FOURNIERE — SPERRHOELZER t DIAZ VELEZ 5224 al 46 j T. E. 43-2349/0340 y 3021 i I REAL PEN * Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschäft CORRIENTES 5b9 T E. 49-5850 Ímwmmwwmvwwvw' L.i II °ptica REX DIPL. OPTIKER I Sarmiento 829) IT. E. 35 - JUDITH SCHENK0LEWSK1 KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tallisbeutel - Käppchen . Maz. zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche BEBEDERO 2585 T. E. 73.9155 jetzige Berliner Rechtsan walt Merten gegen ihn erhoben hat. Merten war bekanntlich als Kriegsverbrecher in Griechenland ahgeurteilt, dann aber überraschend freigelassen worden. Merten hatte vor kurzem behauptet, Globke habe mit Eichmann in Verbindung gestanden und den von Eichmann geplanten Abtransport einiger tausend griechischer Juden von Griechenland nach dem damaligen Mandatsland Palästina verhindert. Globke erklärte . hierzu, das von Merten behauptete Telefongespräch habe niemals stattgefunden. Er habe Eichmann nach seiner Erinnerung nur ein einziges Mal gesehen. Auch diese Information ist ungenau. Aufgrund der öffentlichen Beschuldigung, furt ein Ermittlungsverfahren. Dr. Merten soll nicht behauptet haben, dass Eichmann die Juden abdie der j transportieren wollte, was zweifellos ihre Freiheit bedeutet haben würde, sondern Mertens zutreffen, kann wohl nur durch eine gerichtliche Untersuchung festgestellt werden. Inzwischen hat der Frankfurter Staatsanwalt die Untersuchung an seinen Bondass es sieh hierbei um ei- ¡ner Kollegen abgegeben. Der nen Versuch des Internatioj Grund für diese Massnahme nalen Roten Kreuzes gehan. | soll darin zu suchen sein, delt habe, im Jahre 1943 : dass Eichmann sich geweiinsgesamt 10.000 jüdische gert habe, über Globke aus- Frauen und Kinder aus Ge-! Zusagen. Jedenfalls konnte bieten zu retten, die von den | man einem Kabel, das in Nazis besetzt gewesen sind. 1 der FAZ abgedruckt war, Mohel N. Plaksin Superi 2719 T. E. 76.6784 u 76-2312 Ausserdem beschuldigt | Rechtsanwalt Merten den jetzigen Staatssekretär Dr. Globke, er sei darum bemüht gewesen, dass nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen Län. T NERVEN- H. GEMÜTS. i KRANKHEITEN { Dr. M. J. KUHN i prev. i RIVADAVIA 2625 III l Tel. 48-7524 T /Tont., Mittwoch, Freitag! 17—20 Uhr. Tel. Anmel- | düng erbeten. j Alaïth& j I @luL]2QatixSx } HUTSALON I j Jetzt in i I Belgraüö! ¡MOLDES 2581!! T. E. 73-9229 |! 73-9155 i Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEN HAEUSER CESCHAEFTEN Manuela Pedraza 2536 pl. b. Dp. B T. E. 70-7244 Jacob© M. Lapidus dipl. Mohel TUCUMAN 2396. 4» J T. E.: 48-2124 Dr. B. Schwartz \ ZAHNARZT KSTOMBA 2283 — 52-8214 I RAYOS X f PAR/' DFNTOSE I TELEF. i VORANMELDUNG Restaurant »Paso Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-92591 Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehllla \ MITTAGS- und ABKNDTISCH J von jetzt an auch Sonntag abends geöffnet 5 | Anrichten von kleinen Festlichkeiten J | und Banketten | BERNARDO STERN und JUAN JULIUSBURG ] AUSFUEHRUNG SAEMTLICHER ] Malerarbeiten j CONDE 231t " E. 767533] diese Begründung entnehmen. Dagegen soll Burckhardt in Manila naeh einer Erklärung des Frankfurter Oberstaatsanwaltes die Behauptung Merteiw bestätigt haben. Burckhardt war seinerzeit der Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes in Saloniki; er batte mit Merten wegen der Rettung von 10.000 Juden verhandelt. Wegen dieser Aktion sei ihm jede weitere Tätigkeit für das Rote Kreuz untersagt und Ausweisung angedroht worden. Es ist auffallend, dass Globke, die .graue Eminenz* immer noch im Amt ist, was eine Klärung der ihm j zi. Last gelegten Tatbeständer Zeuge I de gewiss nicht erleichtert. VARICES — ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY SARMIENTO 3116 T. E. 17 1362 Dr. BENJAMIN LiPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung, JOSE HERN ANDEZ 2518 T. E 76-8673 und 73-0560 * * * * * * * * t t * * Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—1# Uhr 5 *Es wird gebeten, &ch vorher telefonisch anaumelden * tSANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542} S A Dr. L KLEIN Médico Magen, und Darmkrankheiten Röntgen Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Dr. Bernardo Goldstein M E D I C C Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramnie CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Sonnabend: 14—16 UJ»r Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr

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