Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1864 (28.3.1961)
- Date
- 1961-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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V PUEYRREDON 2190 — 1’ i*q- £cu Jkmanaysteiglilci T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 2i DE MARZO DE 19C1 No. 18G4 EICHMANN ERINNERT SICH NICHT Haifa. — Das Bezirksgericht von Haifa hat ein Gesuch um schnelle Erledigung einer Zivilklage gegen Eichmann abgewiesen, das auf Rückerstattung von 1.500 Pfund aus dem Eigentum der Familie von Joseph Mandel aus Ungarn während des zweiten Weltkrieges lautet. Bei der Verhandlung wurde dem Gericht eine Erklä. rung Eichmanns vorgelegt, in der dieser angibt, nichts von dem Raub jüdischen Besitzes in Ungarn oder dessen Ueberführung nach Deutschland zu wissen. Mandel, der heute schweizer Bürger ist, kam nach Israel, um seine Klage anzustrengen. Er wurde durch den Rechtsanwalt Schmuei Tamir vertreten der das Argument vorbrachte, Eich, mann könne abgeurteilt und hingexidhtet werden, bevor die vorerwähnte Klage gehört worden sei. Der Vertreter des Generalstaatsanwalts Hausner verneinte dies und verwies darauf, dass es wichtiger sei, zuerst die gegen Eichmann wegen seiner Verantworlung für den Mord an Millionen europäischer Juden erhobenen Anklage zu hören. Des weiteren wurde bei , der Verhandlung enthüllt, j dass Eichmann aus seiner i Zelle geführt und vor ein! Gericht gestellt wurde, um! auf Ersuchen eines bundesdeutschen Gerichts im Fall einer Schmähschrift auszu- I sagen, von der Dr. Hans! Globke, der Staatssekretär j im Bundeskanzleramt von I Dr. Adeuauer betroffen ist. : Mandels Advokat wollte wis. | sen, warum das Ersuchen; Deutschlands vor demjeni- | gen seines Klienten Vorzug geniesse. In seinen schriftlichen Entgegnungen vermeidet Eichmann sorgfältig jedwede direkte Antwort auf die von Tamir gestellten Frages und benutzt häufig den Satz ,,ich erinnere mich nicht”. Er versichert sogar, er könne sich nicht genau erinnern, wer während seiner Henkerslaufbahn seine direkten Untergebenen gewesen sind. Eichmann äussert nur, die , ungarischen Behörden könn.' i ten diejenigen gewesen sein, j die die Juden ausgeplündert haben. I : DROHBRIEFE | Jerusalem. — Minister und hohe Staatsbeamte hai ben aus dem Ausland Droh- , briefe erhalten, die in klas- | sischem Nazistil verfasst i sind und sich auf den bevor. I stehenden Eichmann - Prozess beziehen. Die Regierung liess durch den Sprecher ihres Pressedienstes mitteilen, dass ausser Drohbriefen tausende Schreiben eingegangen sind, deren Absender ihrer Befriedigung über die Festnahme Eichmanns Ausdruck verleihen I und teils die schwerste Be- | strafung des Naziverbrei chers, teils Milde und Nacli.! sicht fordern. I KEINE IMMUNITAET Jerusalem. — Justizmini- ■ ster Pinchas Rosen stellte in; der Knesset eine Version in | Abrede, nach der Israel den ' Nazis, die im Eichmann- Prozess als Zeugen auftreten würden, Immunität ge- WIE ICH ES SEHE | i I Die graue Eminenz in Bonn! von JEHUDA COTTHEIMER währen würde. Im Gegenteil, so versicherte er, werde Israel ihre Aburteilung gestatten. Der Minister beantwortete eine Anfrage über ein Ansuchen von EicVimanns Verteidiger, der für seine Zeugen, die Nazis waren, um Immunität ersucht haben soll. DEUTSCHE BEOBACHTER Jerusalem. — Eine offizielle Mission westdeutscher Beobachter, die Bonn über die Einzelheiten des bevorstehenden Eichmann - Prozesses informieren soll, wird offiziellen Mitteilungen zufolge hier erwartet. Der Mission werden 6 Personen angehören, von denen vier als „hohe Funktionäre”, die übrigen als „technisches Personal bezeichnet wurden. Der Bundesregierung wurde versichert, dass ihrer Mission die vorbereiteten telegrafischen Sonderdienste zur Verfügung stehen «'erden. Eine Reihe anderer Länder wird ebenfalls vertreten sein. So werden juristische Beobachter in Vertretung der Vereinigten Staaten, Oesterreichs und Jugoslawiens den Gerichtsverhandlungen beiwohnen. Das israelische Aussenministerium trifft für die Teilnahme dieser Repräsentanten die nötigen Vorbereitungen. (ITA) Der Kampf um Globke ist von neuem entbrannt. Der Staatssekretär im Bundeskanzleramt Dr. Hans Globke, ist seit langem Mittelpunkt schwerer Angriffe und Beschuldigungen W'egen seiner offensichtlich sehr reichlich belasteten Vergangenheit. Bekannter Kommentator der Nürnberger Gesetze konnte sich Globke bis heute den Luxus erlauben, noch nicht einmal auf die ihm vorgehaltenen Anklagen zu antworten, da Dr. Adenauer seine schützende Hand über seinen Vertrauten Globke hielt. Jetzt hat sich die Lage für Globke ein wenig verschärft, nachdem die Staatsanwaltschaft in Frankfurt endlich ein Verfahren eingeleitet hatte. Schon längst war aufgej fallen, dass es unmöglich; war, auch nur ein einziges Exemplar des Globkeschen Kommentars zu erhalten. Das völlige Verschwinden dieses Buches war glänzend organisiert worden. Wenn Globke, wie er jetzt behauptet, wirklich mit diesem Buch grösseres Unheil verhüten wollte, warum verteilt er es nicht unter seine Gegner, damit diese sich von der edlen Gesinnung des einstigen Rassenpolitikers überzeugen können? Die Wahrheitssuche und Wahrheitsfindung im Fall Globke wie in manchen anderen ähnlich gelagerten Angelegenheiten ist durch die unglücklichen politischen Zustände bestimmt und erschwert, welche die Lage Deutschlans bedingen. Die Zweiteilung und Zerklüftung in feindliche Bruderstaaten, in denen sich das Elend des West-Ost- Entschaedigung für Naziopfer Wien. — Das österreichische Parlament nahm jetzt — 16 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges, eine Gesetzgebung zur Entschädigung der Naziopfer an. Zwei Gesetze wurden approbiert, von denen eins die Schaffung eines 6 Millionen-Fonds vorsieht, aus dem die Ansprüche der rassisch und politisch Verfolgten befriedigt werden sollen, die während der Naziaera in Oesterreich ihrer Bankkonten, Aktien, Hypotheken und ihres Barvermögens beraubt wurden. Ein Ausschuss von 8 Personen, Mitglieder “TRjJlliuiutuMfT'pw»«»^yjjjischer und jüdischer Institutionen, wird die VerteiluffigSL^Fonds durchführen. Die Zahlungen werden an Einzeit*^sonen und nicht an Organisationen geleistet. Y. Das zweite Gesetz beinhaltet die Annahme des Art. 12 der Gesetzgebung für Naziopfer, der .?*<; Zahlung der doppelten Summe für jeden Monat Freiheitsberaubung der Opfer vorsieht. Desgleichen werden die Juden entschädigt werden, die man gezwungen hat, öffentlich den Davidstern zu Tragen, wodurch sie geringere Möglichkeiten hatten, ihren Unterhalt zu verdienen, sowie diejenigen, welche wegen der Verfolgung ihrer Eltern ihre Ausbildung nicht beenden konnten. (ITA) Konflikts widerspiegelt, verhindern durch die gegenseitige Eifersucht und ein grenzenloses Misstrauen klare und gerechte Untersuchungen, da weder der eine! Teil noch der andere die gegenseitigen Vorwürfe als! berechtigt anerkennen will.! Wenn es in einer solchen Si. tuation Nutznie-sser gibt, so i sind es die Kriegsverbrecher, die es unbemerkt verstanden haben, diese Gegensätze auszunutzen. Jetzt wurden aus Ostdeutschland einige Dokuj mente gegen Globke den j westdeutschen Behörden zur : Verfügung gestellt, die I Globke belasten. In einem I Handschreiben des früheren I Reichsinnenministers Dr. I Frick setzt sich dieser bei | der Zentralstelle der NSDAP . in München mit besonders j warmen und anerkennenden I Worten für die Beförde- \ rung der Oberregierungsräj te Globke, Ritter von Lex I und Krug von Nidda ein, deren Ernennung zu Ministe- I rialräten er vorschlägt. Dr. I Globke arbeitete damals im j Referat für Personenstands-! und Rassen . Fragen im! Reichs - Innenministerium.! Frick schrieb wörtlich: j „Bei seiner seit der Machtergreifung durch die; NSDAP bewiesenen Loyalij i tät und steten Einsatzbe-! reitschaft halte ich es für, dringend erforderlich, ihm i nunmehr durch die Beförde- 1 rung zum Ministerialrat ei- : ne Anerkennung für seine I ganz vorzüglichen Leistun- ' gen zuteil werden zu lasj sen.” — Und dann begegnet man , dem interessantesten Satz; aus diesem Brief des ehema. I ligen Reichsinnenministers: j „In ganz hervorragendem Masse ist er an dem Zu-! standekommen der nachstehend genannten Gesetze beteiligt gewesen.” Dann folgt eine Aufzählung mehrerer Rassengesetze, die für die Juden in Deutschland und in vielen europäischen Ländern die bekannten verhäng, nisvollen Auswirkungen hatten. Darunter befindet sich das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, das Erbgesundheitsgesetz, das Personengesetz und das Gesetz zur Aenderung der Vornamen und Familiennamen, durch das die Juden gezwungen worden waren, die zusätzlichen Vornamen Israel und Sara zu führen, um sie zu kennzeichnen und ihre spätere Ergreifung zu erleichtern... Natürlich brachten jetzt die Zeitungen aller Schattierungen ausführliche Be. richte über diese Anklagen gegen Globke, wobei allerdings nicht unerhebliche Abweichungen in der Presse bei ihrer Berichterstattung beobachtet werden mussten. In der offiziellen, bundesdeutschen Nachrichtenagentur dpa fehlen bei dem Zitat über die „bewiesene Loyalität und stete Bereitschaft” Globkes die Worte „seit der Machtergreifung durch die NSDAP”. Von, Staatsanwälten der Deutschen Demokratischen Republik (Ostdeutschland) wurde noch weiteres belastendes Material gegen Globke und andere hohe bundesdeutsche Beamte überreicht, dessen Echtheit keineswegs bestritten worden ist. So ergibt sich aus dem sogenannten Kriegsgeschäfts Verteilungsplan - des früheren Reichsinnenministeriums, dass Globke einer der Stellvertreter des in Nürnberg zu dreiundeinhalb Jahren verurteilen NS- Staatsekretärs Dr. Stuckart gewesen ist. Ausserdem bestätigt es Dr. Globkes Verantwortung als Vorgesetzter JUDIOS ARGELINOS A ISRAEL Paris. — Más de 1.000 judíos argelinos han salido para Israel en los primeros 21 días de este mes, según informó aquí un visitante que acaba de retornar de Argelia. El informante, cuyo nombre se reserva, se reunió con dirigentes judíos en ArgcFa. Dijo a la JTA que otros 1.000 jud'os saldrán para Israel durante los próximos 10 días. Dijo que estas cifras no incluyen a los judíos que salen para Frareia. La organización rebelde argelina está tratando de calmar a la comunidad europea y a los judíos, pidiéndoles que permanezcan en Argelia luego de lograrse la independencia, asegurándolas que serían útiles y recibirían todos los derechos necesarios. Empero la gran parte de los judíos argelinos no tienen deseos de correr ese albur y tratan desesperadamente de poner sus cosas en orden de modo de poder abandonar el país dentro de pocos mese1:. Una de las principales dificultades es la de no poder vender sus propiedades y negocios bajo las actuales condiciones, que se modifican con gran rapidez. — JIANNA MEIER Algerische Juden nach Israel Paris. — Ueber 1.000 algerische Juden sind in den ersten 21 Tagen dieses Monats nach Israel gereist, wie hier ein Besucher berichtete, der gerade aus Algier ankam. Der Gewährsmann, dessen Namen nicht genannt wird, traf mit den jüdischen Führern in Algier zusammen. Er erklärte der ITA, dass weitere 1.000 Juden in den nächsten 10 Tagen nach Israel abreisen würden. Er betonte, dass diese Zahlen nicht die Juden einschliessen, die nach Frankreich gehen. Die algerische Rebellen-Organisation ist bemüht, die europäische Kolonie und die Juden zu beruhigen und sie zu bitten, in Algier zu bleiben, nachdem es die Unabhängigkeit erlangt haben wird. Sie versichern ihnen, dass sie nützlich sein würden und alle notwendigen Rechte erhalten sollten. Trotzdem hegen die meisten algerischen Juden nicht den Wunsch, diese Gefahr zu laufen, und versuchen verzweifelt, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, um das Land innerhalb von wenigen Monaten verlassen zu können. Eine der hauptsächlichsten Schwierigkeiten liegt darin, dass sie unter den gegenwärtigen Umständen, die sich mit grosser Geschwindigkeit wandeln, nicht ihre Besitztümer und Geschäfte verkaufen können. HANNA MEIER des Referenten der Unterabteilung für Rassefragen (1/10) Eckelberger. — Besonders interessieren auch jetzt bekannt gewordene Unterlagen, durch welche die Auswirkungen der Tätigkeit Globkes auf die Lage der rumänischen Juden klargestellt werden. — Dass diese Dokumente echt sind, wurde nicht bestritten. Als man in Bonn erfuhr, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft dieses Material gegen Dr. Globke erhalten habe, bemerkte man, dies sei durchaus möglich, allerdings wären die gezogenen Schlussfolgerungen, durch welche Globke belastet werde, irrtümlich. Die DDR-Staatsanwälte, die in Globke einen Hauptgegner erblicken, erklärten demgegenüber: „Wer im stillen an der Ausarbeitung der Pläne mitgearbeitet hat, ist ebenso schuldig wie derje. nige, der im KZ die Hand zum Mord gereicht hat.” — Unter der Last dieser Anschuldigungen hat Globke erstmalig sein Schweigen gebrochen. In einem Interview verteidigte er seinen Entschluss, nach der Macht. Übernahme durch die Nationalsozialisten seinen Posten im Reichsinnenministerium beibehalten zu haben. Globke sagte jetzt u. a. folgendes: „Ich bin auch heute der Meinung, dass ich damit eine richtige Entscheidung getroffen habe. ’ Schon damals sei er sich darüber im klaren gewesen, dass sein Verbleiben im Amt später ebenso wie die Mitherausgabe des Kommentars zu den Nürnberger Gesetzen missdeutet werden könnte. Er habe aber in seiner Stellung vielen Gegnern und Verfolgten des NS-Regimes helfen können. Wenn man die Verteidigung Globkes bis zu dieser Stelle zur Kenntnis nimmt, kann man nur feststellen, dass auch dieser Mann — zunächst nur vor das Gericht der öffentlichen Meinung gestellt — eine er. bärmliche Rolle spielt, indem er sich hinter die angeblich guten Absichten verschanzt, die er mit seiner Aufgabe als Handlanger des Dritten Reiches ver-; folgt hätte. Er ist im Reichs. | aussenministerium geblie- I ben, um den Verfolgten zu helfen; für sie hat er auch 1 den Kommentar zu den Rassengesetzen geschrieben! Was würde man sagen, wenn Eichmann sich damit verteidigen wollte, dass ein anderer an seiner Stelle nicht für die Ermordung von sechs sondern von sieben Millionen gesorgt hätte, : er also noch grösseres Un- | heil durch seine Ar.itsfüh- I rung verhütet habe? Es bleibt nur zu hoffen, dass die Oeffentlichkeit die. | se Art der Apolegetik Glob-! kes nicht hinnehmen wird. | Und dann tritt der Bundes- ' Staatssekretär als Prophet auf: er habe schon damals gewusst, man könne ihm das später (wann?) falsch auslegen. Wollte er damit sagen, dass er den Sturz seines tausendjährigen Rei. ches bereits 1938 voraussah, als Hitler auf einem Höhepunkt seiner Macht war? Wem will Dr. Globke solche Ammenmärchen erzählen? Vielleicht ist es wahr, wahr, was Globke behauptet, dass er vielen Opfern geholfen hat. Wir wissen cs nicht. Auch Göring hat — ebenso wie andere Obernazis — vielen oder einigen geholfen. Das ändert doch nichts daran, dass Göring wie alle anderen für ihre Verbrechen verantwortlich bleiben. Aus welchen Grün, den Dr. Globke derartige Argumente anführt, die günstigenfalls strafmildernd sein können, ist nicht recht zu verstehen, es sei denn, er rechnet damit, dass alle anderen auf diese simplen Kniffe einer unzulänglichen Verteidigung hereinfallen. Auch zu dem Brief Fricks nahm Dr. Globke in seinem Presse-Interview Stellung; der Brief war ihm offensichtlich bekannt und noch in guter Erinnerung. Globke meinte, er habe seine Stellung nur halten können, wenn er dem Nationalsozia. lismus nicht von vornherein als erklärter Gegner erkennbar w'urde. Globke hat ausgezeichnet verstanden, i seine wahre Gesinnung zu (Schluss auf Seite 2)