Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1862 (21.3.1961)
- Date
- 1961-03-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Mart««, 21 dr Man« dr 1961 JÜDISCHE WOCHEKSCHAO AB© XXII. — N«. 1862 Geheime und offene Kontakte 'f (Schluss von Seite 1L die Opfer der Verfolgung zu leisten, während die Nazis selbst „entschädigt“ worden sind. Nicht nur Südamerika, auch Oesterreich ist ein Paradies für Ehemalige .. 111. Sch reck enslager Gusen I Seit einigen Wochen rollt in Deutschland ein neuer KZ-Prozess ab, über den von den deutschen Zeitungen ausführlich berichtet wird. Die Scheusslichkeiten, die dort begangen wurden, halten die Oeffentlichkeit wenigstens für einige Sekunden in Atem. Wie viele ’ azis laufen in Argentinien herum, die immer noch behaupten, dass es sich bei den Mitteilungen über die Grausamkeiten in den verschiedenen deutschen Konzentrationslagern um „gefärbte“ Informationen oder übertriebene Zweckpropaganda handeln würde. Noch nicht einmal den Mut besitzen diese Kreise — hier wie sonstwo —. die ungeheure Schuld einzugestehen, die entsetzlichen Verbrechen zur Kenntnis zu nehmen und sich dafür zu schämen, was unter der Flagge des Dritten Reiches an Abscheulichkeiten begangen worden ist. Sie leugnen, lakonisch und herausfordernd, einige sogar unverschämt. Zuerst sagte man gern, dass die Nürnberger Gerichte feststellten, was sie wollten. Es habe sich um Blut-Tribunale der Siegermächte gehandelt. Jetzt wird die westdeutsche Bundesrepublik beschimpft, cienn noch hat niemand behauptet, dass die deutschen Gerichte bei ihren Ermittlungen „parteiisch“ Vorgehen oder das Recht beugeTi, wie es im Dritten Reich uhlicK war. Das Schwurgericht in Ansbach hat sich mit den Vorgängen im Nebenlager Gusen I des KZ Mauthau- Dr, FREYj Abogado t BUEYBREDOW *190 ♦ 1* tsq. ♦ 4 nachm. 16—19 Uhr J J. Liebling j FOURNIERE — I SPERRHOELZER j DIAZ VELEZ 5224 al 46 \ T. E. 43-234S/0340 y 3021 I I REAL PEN I Füllhalter J REPARATUREN | Spezialgeschäft « I CORRIENTES 569 $ J; T E. 49-5850 \ ¡bwtWWtWWWW' I Ontica! f i I DIPL. OPTIKER I Sarmiento 82^ IT. E. 35 - 735 t.'G'--Ï.-L.. , sen (Oesterreich) zu be- I schattigen. Angeklagt sind i der ehemalige SS-Hauptj sturmführer und heute 58 1 Jahre alte Kommandant von i Gusen. Karl Chmielewski; aus Frankfurt a. M., und , dessen 55 Jahre alter Lager - I kapo Herbert Junge aus Hamburg wegen teilweise gemeinschaftlich begangenen Mordes in 296 Fällen. Laut Anklageschrift hat Chmielewski eine „gefühlslose, unbarmherzige Gesinnung“ und ..unnatürliche Freude am Töten und Quälen von Konzentrationslager-Häftlingen“ gezeigt. Etwa zehntausend Häftlinge sind zwischen dem Sommer 1940 und 1943, als Gusen unter dem Befehl Chmielew. skis stand, dort ermordet worden. Auf Befehl Chmielewskis sollen allein in der Badebaracke des Lagers Gusen I 242 Menschen bei sogenannten Totbadeaktionen auf grausame Weise getötet worden sein. Weiter sollen auf Befehl Chmielewskis zahlreiche Häftlinge in Fässern und Kesseln er. tränkt worden sein. Jeder Blockälteste und Blockschreiber musste auf Anordnung Chmielewskis je einen Häftling ertränken. Ferner soll Chmielewski mit einem Ochsenziemer aufgehängte Häftlinge verschiedentlich selbst erschlagen haben. „Die Ver. nichtungswut Chmielewskis richtete sieh vor allem gegen Juden, Po.'en und Rotspanier, sowie auch gegegen Arbeitsunwillige“, so heisst es in der Anklageschrift. Aus dem Buch „Tausend Tage Dachau“ hielt der Gerichtsvorsitzende, Landgerichtsdirektcr Dr. Held, dem ehemaligen KZ-Kommandanten vor, er sei von einem SS-Gericht vor Kriegsschluss verurteilt worden, weil er sich als SS-Führer grosse Mengen Schmuck angeeignet und Frauen im Konzentrationslager von Hertogenbosch in Holland missbraucht habe. Chmielewski brauste daraufhin auf und rief: „Dies ist eine grosse Lüge!“ Die Vorhaltungen seiner SS-Stra. fen benutzte Chmielewski dazu, den Versuch zu machen, sich als Märtyrer *ufzuspielen. Er erklärte, er sei vom SS-Gericht Berlin wegen Wehrkraftzersetzung und Verstoss gegen einen Befehl des Reichführers-SS zu fünfzehn Jahren Strafhaft verurteilt worden, weil er in den Niederlanden von jüdischen Familien Medikamentenspenden und von niederländischen Frauenverbänden Lebensmittelspenden für die Häftlinge der Konzentrationslager angenomm Ï ßk ape&uxh HUTSALON I Jetzt in i Selgrsao i MOLDES 2561| T. E. 73-9229 j 73-9155? Propiedades Frankenberg berät Sie kostenlos und unverbindlich beim Kauf oder Verkauf von WOHNUNGEN HAEUSER CESCHAEFTEN Manuela Pedraza 2530 pl. b. Dp. B T. E- 70-7244 men habe. Ausserdem seien in einer unter seiner Aufsicht stehenden Kameradschaftszeitung Karikaturen von SS-Führern erschienen. Wie er diese Medikamentensammlung unter den holländischen Juden durchgeführt hat, berichtete er nicht. Woher hatten diese holländischen Juden eigentlich mitten im Kriege Medi. kamente. die sie stiften konnten? Ausserdem dürfte wohl übersehen worden sein, dass die holländischen Juden selbst Opfer grausamer Verfolgungen gewesen sind, deportiert und umgebracht wurden und sich nur dann haben retten können, wenn es ihnen gelungen war, von holländischen Freunden versteckt zu werden. Chmielewski aber rechnet mit dem kurzen Gedächtnis und erzählt Dinge, die ihm gerade in den Sinn kommen. Das Urteil gegen Chmielewski war all. rdings niemals rechtskräftig geworden. jedoch war Chmielewski tatsächlich im dritten Reich in Haft gewesen. Chmielewski berichtete von seinem Werdegang vom Bildhauer zum Konzentrationslager - Kommandanten, der ihn über das Münchner Polizeipräsidium, den SS. Stab Columbia und das Konzentrationslager Sachsenhausen führte, wo er Verpflegungsreferent war. Nach Kriegsschlass war der SS. Kommandant unter dem Namen „Eimermann“ untergetaucht und hatte einen Eier- und Schwarzbeerenhandel in dem Dorf Neuses bei Ansbach eröffnet. Als Chmieiewski. ohne von seiner ersten Frau geschieden zu sein, zum zweiten Mal heiratete, kam seine Identität zutage. Dann erzählte der Ge wohnheitsverbrecher und mitangeklagte Lagerkapo Herbert Junge aus seinem Leben, das er auf Grund von rund 25 Vorstrafen meistens hinter Gitter verbracht hat. Mit einem gewissen Stolz sagte Junge vor Gericht, „ich nehme auch heute noch an, dass ich bei Chmielewski eine gute Nummer gehabt habe.“ Grossen Wert legt Junge auf die Feststellung, dass er während sei. ner Zeit in einem Internierungslager 1946 wegen seiner Tätigkeit als Lagekapo Der Streik der , Gymnasiallehrer < ■ Jerusalem. — Es wird ge- I j plant, den 30.000 Gymnaj sialschülern, die wegen der Schliessung der Schulen kei- ' nen Untericht erhalten, durch den Rundfunk Stun, j den zu erteilen. Man glaubt, dass der Streik lange Zeit , dauert! wird. Der neue Plan j wird vom Unterrichts-Ministerium erwogen, damit die ■ Schüler in ihrer Ausbildung!! nicht Zurückbleiben, i Es besteht kaum Hoff- , I nung. dass der Streik vor 1 | Beendigung des diesjähri- ' gen Schuljahres abgebro, j : chen wird. In den drei gro-! ssen Städten des Landes or- : ganisieren sich die Schüler ' in Studiengruppen, um sich, so gut sie können, für die Examen vorzubereiten. —! (ITA) in Gusen niemals angeklagt worden sei. Der labile Berufskriminelle soll an Quälereien und Schindereien Chmielewskis beteiligt gewesen sein. IV. Der aengstliche Bundeskanzler Bundeskanzler Dr. Kon- ■ rad Adenauer erklärte kürzlich auf einer Pressekonfe. i renz, ihm mache der Eich- 1 mann-Prozess Sorge. ..Ich! glaube, so sagte er, Eichmann werde die Strafe er- | halten, die er verdient;! denn ich habe volles Ver.! trauen zu den israelischen! Richtern. Aber ich bin darj über besorgt, welchen Einj fluss dieser Prozess auf die; Weltmeinung ausüben wird.“ j Dann sagte Dr. Adenauer! weiter: „Man darf nicht vergessen, dass die Nazis I auch in Deutschland viele! Verbrechen begangen haben, und dass viele Deut- I sehe starben: Es wäre ein Unrecht, wenn die offentliehe Meinung ln der Welt alle Deutschen verantwortlich machen würde." j Es ist interessant, dass : es der Bundeskanzler ge- 1 wesen ist, der mit dieser 1 Bemerkung t ie Diskussion \ über die deutsche Schuld Mohel N. Plaksin Superi 2719 T. E. 76-6784 u 76-2312 f NERVENu. GEMÜTS, j KRANKHEITEN : Dr. M. J. KUHN i I prov. | » RIVADAVIA 2625 III j Tel. 48-7524 Jont., Mittwoch, Freitag 17—20 Uhr. Tel. Anmeldung erbeten. Jacobo M. Lapidus dipl. Mohel TUCUMAN 2396. 4? J T. E-: 48-2124 i B. Schwartz j : ZAHNARZT! ESTOMBA 2283 — 52-8214 ' RAYOS X PARADFNTCSE ï TELEF.! VORANMELDUNG Restaurant »Paso " ntps Paso 452 (al fondo) — T. 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Aber das deutsche Volk hat doch in den letzten Jahren — vielleicht erstmalig in seiner Geschichte — ein Verantwortungsbewusstsein bewiesen und gezeigt, dass es ein Gewissen hat: denn die besten Männer und Frauen; vor ailem unter der Jugend — haben sich mit diesem Problem ihrer nicht überwundenen Vergangenheit gequält und nach einer Lösung gesucht, die es ihnen ermöglicht, ohne das Geschehene zu leugnen, zu einer neuen Zukunft zu gelangen. Warum ist der Bundeskanzler ängstlich? Kann je. mand die ungeheuerliche Verantwortung bestreiten, die auf der gesamten Generation lastet, die Hitlers Aufstieg und Macht ermöglicht hat? Können Reparationen und Entschädigungen, können die schönen Worte von Gesamt-Reue und dem „anderen“ Deutschland irgendetwas an der tragischen Schuld ändern, die alle auf sich geladen haben? Wie lange hat es gedauert, bis sieh die Geister regten? Wer kann bestreiten, dass selbst vie- Ie der ‘besten Demokrat« fiidas E rm c h < f #f setx ¿gestimmt liaPcfl) iUH i dessen Hilfe H i tief afletJe gl ner liquidierte? War nicht die Schar der Parteigenossen, der Mitläufer und der U SEMANA ISRAELITA Bisemanario — aparece los Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. H. Swarsensky Pueyrredón 2190. 1? izq. T.. E. 83-2613 80-6930 Abono-Preis: Argentinien: $ 75.— pro Quartal Ausland $ 450,— jährl. Opportunisten übergoss, um eine generelle Entlastung erteilen zu können? Diese und manche anderen Fragen beantworten sich von selbst. Man wird eingestehen müssen, dass die heutige Unterscheidung von Nazis und Deutschen, die allgemein gemacht wird, bereits eine wohlwollende Entstellung der geschichtlichen Wahrheit Ist. Unter solchen Umständen kann es nur eine Antwort geben: Wenn der Eichmann-Prozess noch einmal die Schreckenszeit heraufbeschwört, dann muss die Weltmeinung ihr' Urteil gegen eine Generation sprechen, die zu schwach war, urr dem furchtbaren Uni heil Einhalt zu gebieten, | dass Deutsche über die : Welt und sicher auch über j Deutsche gebracht haben. I Mit Angst und Befiirchtun-! gen wird man die histori- | sehen Tatsachen nicht ver-; schweigen. Angst und Sor. j ge sind nicht die Gefühle; oder die Mittel, um das! Vergangene vergessen zu I machen. Deutschland hat . die Möglichkeit, einen ganz i anderen Weg einzuschlagen,! um der Welt zu beweisen, dass die Zeit der Schwäche jund der Schande ivberwunden ist: für Recht und l /.'.V A', J i Vdmci es eintreten und in einer ganz anderen Weise als bisher „wiedergutmachen“, was noch wiedergutgemacht werden kann. { VARICES — ULCERAS j DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS! Dr. SAUL UMANSKY j SARMENTO 3116 T. E. »7 1362 {Dr. BENJAMIN LIPNIZKY { ZAHNARZT \ HOENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE-? HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU- | LIKRUNG DER ZAHNSTELLUNG? Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend j nach vorheriger Vereinbarung. I JOSE HERNANDEZ 2518 T. E. 76-9673 und 73-0500 s Dr. L KLEIN Medico j * 2 t Magen, und Darmkrankheiten » + Röntgen Untersuchungen * * SPRECHSTUNDEN; 2 5 2 J Montag, Dienstag, Mittwoch u. Freitag von 15—19 Uhr¡J «Es wird gebeten, auch vorher telefonisch anrurnekien * * 2 «SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-15422 *? MT« ++++++++4rtr* + ********** *** Dr. Bernardo Goldstein MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchieuchtung — Electrocardiogramnie CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Sonnabend: 14—16 Uhr Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr -I