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Jüdische Wochenschau · 1961-03-17 · 1861 (17.3.1961) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1861 (17.3.1961)
Date
1961-03-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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LA SEMANA ISRAELITA I — VifrMS, 17 ât Marzo dr 1961 Af»o XXII. — No. 1861 Gespraech mit Wieland Wagner Israels Industrie im Aufbau (Vorbem. der Red.: Den folgenden Bericht können wir aus technischen Gründen erst jetzt veröffentlichen. Wir geben den nachstehenden Ausführungen Raum, ohne uns in allen Einzelheiten mit der Meinung des Autors zu identifizieren.) Der Name „Bayreuth“ ist ' für uns Juden dieses Jahrhunderts mit sehr vielen, schmerzlichen Erinnerungen und der „hohen Kunst“ der Musik völlig fernliegenden Gedanken verknüpft. Und doch drangen im letzten Jahrzehnt Nachrichten über eine so grundlegende Wandlung der Bavreuther Wagner-Festspiele zu uns, I dass wir gern eine Einla.! düng von Wieland Wagner I annahmen, um in einem dij rekten Gespräch und beim Besuch mehrerer Vorstellungen uns zu überzeugen, ob und worin diese Wandlung besteht. Die Festspiele in : Bayreuth sind heute wieder 1 eine Angelegenheit der Musikliebenden aller Länder und Kontinente, und die wirklich völlig internatio- 1 nale Besucherschar zeugt am besten von der nach wie . vor grossen Anziehungskraft der Werke Richard Wag. ners. Wieland Wagner ist der Enkel von Richard Wagner, der, zusammen mit seinem Bruder Wrolfgang, wahrlich kein leichtes Erbe antrat, j als er im Jahre 1950 das Wagnis — damals war es ein Wagnis — unternahm, i die Bayreuther Festspiele j zu neuem Leben zu erwekj ken. „Sie können versichert sein, dass nur ein gründlicher Neuaufbau, mit dem Werk selbst angefangen bis in die durchdachte Inszenierung auch des kleinsten Details, den Erfolg sichern konnte“, so leitete Wieland Wagner unsere Unterhaltung ein. Als wir ihm zu verstehen gaben, dass es doch etwas nicht Alltägliches sei. wenn gerade ein jüdischer Journalist sich wieder für ..Bayreuth“ interessiere, erwiderte der heutige Leiter der Festspie, le, dass soeben ein bekannter Musikkritiker aus Israel, Frankenstein, abgereist sei, der begeistert von den neuer. Aufführungen war. „Wir haben keinerlei Plobleme mit dem Verkauf der Karten“, fuhr Wieland Wagner fort, „denn schon im voraus sind die Spiele für eine ganze Saison ausverkauft und viele spätere Anfragen nach Karten müssen leider abgelehnt ‘ werden. Doch ganz besonders freuen wir uns über jeden jüdischen Besucher; dies rechtfertigt erst unsere Bestrebungen.“ „Ja, welche Bestrebungen meinen Sie denn“ fragt-n wir. „Wir wollen das Werk meines Grossvaters von allem belasten, den Zeitkram, gebunden an eine bestimmte Epoche, loslösen und der reinen Absicht des Textes und der Musik wieder zu ihrer Wirkung verhelfen, sie allein herausschälen und die humanistische Grundtendenz seiner Opern darstellen.“ „Sie wissen'. dass wir Juden Ihrem Grossvater wegen seiner antisemitischen Gefühle, die er in vielen Epochen seines Lebens äusserte, heute noch tief grollen, wenn auch die Juden gerade oft die begeistertsten Liebhaber Wagners waren. Ja, dass Dirigenten wie Herrmann Levi und Gustav Geben Sie Inre FAMILIEN - ANZEIGE TELEFONISCH auf! Sie ersparen sich Zeit und Arbeit. Rufen Sie uns an 83-2613 Jüdische Wochenschau LUACH (Kalender) Freitag, den 17. März 29. Adar; Sonnabend, den 18. März 1. Nissan 1 Rosch chodesch Nissan j 1. Sefer Tora — Parschat Wayikra 3 B. M. I 1—V 26 Sefer Tora. Roseh chodesch 4. B. M. XXVIII 9—15 3. Sefer Tora. Parschat hachodeseh 2. B. M. XXII 1-17! Haftara Yecheske'el XLV 16 — XLVI 18 | I Sonntag, den 19. März 2. Nissan : Montag, den 20. März 3. Nissan : Dienstag, den 21. März 4. Nissan! Mittwoch, den 22. März 5. Nissan Donnerstag, den 23. März 6. Nissan! Freitag, den 24. März 7. Nissan ' Sonnabend, den 25. März 8. Nissan ■ Schabbat hagadol! Parschat Tzaw 3. B. M. VI 1 — VIII 36 j Haftara Mal a chi III 4 — 24 | Sonntag, den 26. März 9. Nissan; Montag, den 27. März 10. Nissan j Mahler, Bruno Walter und andere seine getreuesten In- , terpreten gewesen sind.” Wieland Wagner erklärte hierauf, und. wie er betonte, nicht als Entschuldigung, die ablehnende Haltung seines Grossvaters den Juden gegenüber mit dem tibergrossen Einfluss seiner Grossmutter Cosima. die der „böse Geist” in unserer Familie war. „Nur Cosima”. fuhr er fort, „umgab sich mit einem Kreis unverbesserlicher Antisemiten, wie Housten Chaimberlain und anderen. Ausserdem hatte Richard Wagner in Paris gegen den Kreis um Meyerbeer hart zu kämpfen, und so wuchs in ihm die krankhafte Idee, dass die Juden gegen sein Werk seien. All das ist aber Geschichte und wir. die Enkel, Wolfgang. Sieglinde und ich. wollen beweisen, dass wir die Mystik im Werk unseres Grossvaters ablehnen und in den Svmbolen. von denen die Opern voll sind, die Grundlage unserer Aufführungen sehen. Jedes Jahr haben wir einen Ehrengast seit dem Beginn unserer Be. strebnngen und sind stolz auf ihn. Es ist Martin Buber. Er ist nicht nur ein Anhänger unserer Ideen, sondern uns auch ein väterlicher Freund und Ratgeber.” Um einmal über Konkretes zu sprechen, gingen wir auf diese Seite unserer Unterhaltung ein, die fast schon zu einem Rededuell wurde, und fragten Herrn Wagner, worin sich eigentlich bildlich diese seine neue, reine Auffassung zeige. „Zuerst will ich da .Die Meistersinger’ erwähnen”, erwiderte er. „Dort werden z. B. auf der Wiese keine wehenden Fahnen gezeigt, dort ist von Nürnberg nichts zu sehen, und der bekannte Text „Verachtet mir die Meister nicht” beruht auf der Auffassung, dass ein aus dem Bürgertum kommender Künstler dem eingebildeten hoffährtigen Adel die wahre Mission des Künstlers 1 im Gegensatz zum überhol-; ten Standesdünkel vor Au- | gen führt. Seit Beginn der! Festspiele unter meinem , Grossvater wurde hier in i diesem Hause gerade bei j den Meistersingern zum ersten Male gepfiffen, und wir | wissen sehr gut, wer die Pfeifer waren. Wir sind auf I diese Pfiffe stolz, denn sie! bestätigen uns. dass wir auf I dem richtigen Wege sind. — i Dann sehen Sie flieh einmal . unsere .Götterdämmerung’ i an. Hier wollen wir klar und i eindeutig zeigen, in zeitlo. | sen Figuren unc zeitlosem j Geschehen, wohin eine Ge- 1 meinsehaft gerät, wenn sie I sieh aller ethischen Grundlagen dieses Lebens entäui ssert, wenn der grenzenlose | Hochmut und das Hcrrenbe! wusstsein sich ihrer bej mächtig!. Nur der völlige j Untergang, die alles vernichtende Niederlage dieses j Geschlechtes kann das Ende , einer solchen Ideologie sein, j Haben wir e-s nicht in unseren Tagen deutlich genug erlebt? Und wenn Sie den j „Lohengrin” als weiteres 1 Beispiel nehmen, so ist der . König Heinrich nicht der Die israelische Luftflotte macht grosse Fortschritte Autofabriken erhöhen shindig ihre Produktion „deutsche” König mehr, auch da wehen keine Fahnen, und im Hintergrund des Brautgemachs sehen Sie Israel - Marken “Temáticos” und Marken aller Laender — Neuigkeiten — ln groesster Auswahl: u. a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLA1TEN- NUMMERN — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) -- VOLLSTAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN — VE.RTRAUENSWUERDIuE BERATUNG ALFONSO MORITZSON Gnanacache 2351, <tep. 2 H es«;. CABILDO „ zwei . siebenarmige Leuchter.” Dies erschien uns recht ungewöhnlich, und wir fragten erstaunt, woher diese Dekoration mit zwei sieben. ajmigen Leuchtern komme. i „Es gibt gar keine beson- ' dere Erklärung für dieses Detail”, schloss Wieland Wagner. „Für mich existiert als festlicher Leuchter überhaupt nur der siebenarmige Kandelaber, und glauben Sie mir, auch Martin Buber musste ich diese vielleicht etwas triviale Erklärung geben. Ich wusste dass dieser Leuchter ein jüdisches Symbol darstellt, aber in meinem Lohengrin nun etwas gewaltsam hin. cingeheimnissen zu wollen, das würde zu weit führen. — Grüssen Sie alle Ihre Freunde und Glaubensbrüder im fernen Südamerika”, setzte er hinzu, „und sagen Sie ihnen, dass wir auch weiterhin bestrebt sein werden, aus der Kunst unseres Grossvaters die reinen, hohen Ideale der Menschheit herauszuarbeiten, sie von allem Zeitlichen zu entkleiden und unseren kleinen Teil dazu beitragen, dass das Werk von Richard Wagner durch uns sein wahres Gesicht bekommt, dass aus dem Erlebnis durch Handlung und Musik bessere Menschen hervorgehe-n, und dass besonders die Jugend wieder zu den humanistischen Idealen zurück findet, die allein eine friedliche und harmonische Welt schaffen können.” H. D. IDYLLISCHER „ZWISCHENFALL" ff In der sehr feierlichen Zeremonie der Diplomverteilung, die kürzlich in der Bar llan-Universität stattfand, wurde die Rede des Innenministers Mosche Chaim Schapiro durch das helle Stimmchen eines etwa zweijährigen Kindes unterbrochen, das sich nicht beruhigen lassen wollte und daher aus «lern Saale getragen werden musste, während die aus der Weihe der Feier gerissenen Anwesenden ihm verärgert nachblickten. Da erklärte der den Festakt leitende Präsident des Treuhhandschaftsrates der Universität, Raw Dr. Josef Chaim . Lokstein: „Kein Grund, dem Kinde böse zu sein, oder gar den Eltern, dass sie es hergebracht haben. Der Vater dieses Kindes bekommt heute hier sein Diplom, und das Kind bringt nur seine Freude darüber zum Ausdruck.” Dieser kleine idyllische Zwischenfall gab den dieser würdigen Feier beiwohnenden Gästen vielleicht mehr Einblick in das Leben der Studenten und in ihre Probleme, als die ausgezeichneten Ansprachen der würdigen und repräsentativen Herren, die die Zeremonie mit ihrer Anwesenheit beehrt hatten. Das kleine Kind machte verständlich, dass viele der Studenten auch ihr Privatleben haben, für Existenz und Familie sorgen müssen, während sie ihrem Studium obliegen. Werkstudenten hat es wohl immer gegeben; aber so viele verheiratete Studenten, die auch Fami- I lienaufga'ben zu erfüllen haben, wie in Israel, gab es in der vorigen Generation j nicht und gibt es wohl auch; in anderen Ländern kaum. I Ein Katheder für Botanik | und eines für hebräische Li.; teratur wurden vor kurzem; in der Bar llan-Universität eröffnet und ein Internat! mit 33 Zimmern, ein Lese-! saal und ein W’ohnheim für I Professoren eingeweiht. Fer. I ner fanden Grundsteinlegun-; gen für ein zentrales Bi- : bliotheksgebäude und ein; mikrobiologisches Laboratorium statt. Kommt Nasser na$h Brasilien? Rio de Janeiro. — Au. ssEnminister Alfonso Arinos dementierte die in der hiesigen Presse erschienenen Berichte, aus denen hervorgeht, dass Präsident Janio Quadros den Präsidenten der VAR Abdel Gamal Nasser, zu einem Besuch in Brasilien eingeladen habe. Das Aussenministerium gab diese Auskunft auf j die Anfrage des Deputierten Gerson Berger. ' Alfonso Arinos versicheri te, dass im Falle eineT solchen zukünftigen Einladung irgendeines arabischen Staatschefs, der Präsident oder Ministerpräsident Israels ebenfalls eiageladen werden würde., (ITA) -I

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