Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1854 (21.2.1961)
- Date
- 1961-02-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Martes, 21 de Febrero de 1961 LA SEMANA ISRAELITA Afio XXII. — No. 1854 — 7 Theodor Herxl Gesell t’UEYRREDON 21901. St T. E. 83 - 2613 „Der Zionismus ist tot, es lebe das jüdische Volk...” Der erste Bürsermeistsr Vor kurzem erklärte Rabbiner Dr. Joachim Prinz, Präsident des American Jewish Congress, auf einer Sitzung des Governing Council dieser Organisation in New York, dass der Zionismus mit der Errichtung des jüdischen Staates seine Aufgabe erfüllt habe. „Der Zionismus ist tot, es lebe das jüdische Volk”. Was heute not tut, ist eine neue dynamische Bewegung, „die jüdisches Volkstum erhält und eine unabhängige und positive Verbindung zwischen dem nordamerikanischen Judentum und Israel herstellt.” Rabb. Dr. Prinz berief sich auf die Ausführungen Ben Gurions vor dem 25. Zionisten-Kongress in Jerusalem und betonte, dass eine überaltete Ideologie abgestreift werden müsse und wahres jüdisches Leben und jüdische Freiheit an ihre Stelle zu treten haben. „Nur so (?) kann die jüdische Jugend in den USA und in anderen freien Ländern dafür gewonnen werden, ihr jüdisches Selbstbekenntnis und ihre Gefühle für Israel auszudrücken.” Die Zionistische Organisation mit ihrem antiquierten Vokabular und ihrer unrealistischen Ideologie habe sich als unfähig erwiesen, die jüdische Jugend von heute noch zu erfassen, so konstatierte Rabb. Dr. Prinz, fügte aber einschränkend hinzu, dass jüdisches Bewusstsein durch Synagogenzugehörigkeit allein, so wichtig sie sein möge, nicht gewährleistet wird. In einem Interview mit dem Vertreter des londoner „Jewish Chronicle” wurde Dr. Prinz etwas deutlicher und meinte, die Zionisten dürften nirgends die Sammlungen für Israel kontrollieren, und es sei aussichtslos, heute Nichtzionisten in die überaltete Zionistische Organisation kooptieren zu wollen, statt dass eine neue umfassende alljüdische Organisation geschaffen würde, die sich mit keiner politischen Partei in Israel mehr identifiziert. DAS GLAUBENSBE¬ KENNTNIS VON HERRN CARVALHO ln dasselbe Horn stiess sofort in London der Präsident der Anglo Jewish Association, Mr. R. N. Carvalho, der sich zwar nicht auf Dr. Prinz, wohl aber auf... Ben Gurion berief, als er im Woburn House in London konstatierte: „Wir Juden sind ein Volk mit einem gemeinsamen Glauben und einem gemeinsamen Erbe. Diese Bande unserer Beziehungen sind immerdar, aber unberührt von unserer Nationalität und unseren nationalen Verpflichtungen.” (Diese Tonart müssen wir doch schon einmal gehört haben, nicht nur auf englisch und in London...) Natürlich beeilte sich Mr. Carvalho, seine innigsten Gefühle für Israel auszudrükken, betonte aber, dass es bessere Wege gäbe, die von SCHALOM BEN CHORIN j Verbindung mit Israel zu sefardisch-jüdische Anwalt : pflegen, als durch Zionisti. War stets nur im Kreise der j sehe Kongresse. i spanisch - portugiesischen I Die Absage von Rabbiner . londoner Gemeinde Parnass ¡Dr. Joachim Prinz an die und Gabbai; er behauptete, ¡Ideale seiner Jugend kann!niemals Zionist gewesen zu uns schmerzlich berühren. ' sein. Es gibt für ihn daher Joachim Prinz (geb. 1902) | keine Absage an den Zioniswar zu Beginn der Nazizeit mus im Sinne einer überin Berlin wohl der populär, j wundenen Station im eigeste Kanzelredner der jiidi.! nen Leben oder im Leben sehen Gemeinde, der als j der jüdischen Gemeinschaft, zionistischer Rabbiner die j Die Erklärung eines alten Jugend entflammte und die Zionisten wie Rabb. Dr. Joachim Prinz geht tiefer und ältere Generation aufrüttelte. Sein Buch „Wir Juden” war ein Wort zur Stunde, seine kurzgefasste jüdische Geschichte brachte vielen das Verständnis ihres unlässt uns aufmerksamer aufhören. Gewiss ist es richtig, dass ein Ziel des Zionismus durch die Staatsgründung erreicht worden; fassbaren Schicksals nä. i js(- Aber doch nur ein Ziel. \ her, seine Kinderbibel er. j Das Basler Programm, das schloss jüdischen Kindern j die „Errichtung einer öf- 1 in Deutschland das Buch fentlich-rechtlich gesicherter Bücher. In Nordameri. ten Heimstätte für das jü. | ka schloss sich Joachim 1 dische Volk in Palästina” i Prinz dem grossen zionisti-1 gefordert hatte, wurde i sehen Volkstribunen und ' schon durch das Biltmorej Reform-Ra'bbiner Dr. Ste- | Programm zu Ende des I phen Wise an, dem Gründer 1 zweiten Weltkrieges abgedes Amerikanisch - JUdL^t, das die Errichtung ei. | sehen Kongresses; er wur. ¡nes „jewish Common- | de der erfolgreichste gei-1 wealth”, eines Judenstaates; stigreligiöse Führer der Ge- , forderte. Und dieses damals I meinde Benej Abraham in I s0 heiss umstrittene Pro- I Newark, N. J„ Mitglied der 1 gramm wurde wiederum Exekutive des Jüdischen! durch das Jerusalem-Pro- Weltkongresses (1948) und! gramm abgelöst, das Stiit. Vizepräsident (1952) und zung aUd Ausbau des jüdi- Meir Dizengoff < 1861 bis 1936), dessen 100. Geburts. . tag auf den 25. Februar ] fällt, der Gründer der Stadt | Tel Aviv und ihr erster | Bürgermeister, hatte einst j seine zionistische Tätigkeit j mit Bodenerlösungsarbeit. ¡ten hört, dann spürt man f KKL-Arbeit, begonnen, doch sofort den Unterschied: Er war m Bessarabien zur I diese nationale Abstinenz | Welt gekommen, hatte Che gegenüber dem e i n e n jüdei’ und Jeschiwa besucht Idischen Volk ist auch dem und. s*ch *n fhr. 8u«un: jneu gewordenen Nicht Ziogeeignet. Doch einen Teil | nisten Joachim Prinz ganz geignet. Doch einen Teil 'gewiss so wesensfremd gede.1' .Ju?,®ncl dulf e .e" i blieben, wie den Zionbien reits in Westeuropa verbrin.! und Israelis. ®en’ in Frankreich und Belj , gien, an dortigen Hochschu- FLUCHT VOR DER len das Ingenieurfach stu- VERANTWORTUNG; dieren, und so kam es, dass I Wir meinen manchmal, er neben Jiddisch, Hebrädass die bewusste Assimilaisch und Deutsch auch flie. tion zuende sei, aber dem ssend Französisch sprach, 'ist nicht so. Es gibt heute Spater lernte er noch Engwieder eine Flucht aus der |jseh und Arabisch, was nationalen Verbindlichkeit ihm einmal für die Ver-! des Judentums in eine rein; handiutigen mR der briti- ■ religiöse oder nur philan- , sehen Mandatsregierung in! thropisehe Zugehörigkeit Erez Israßf wie auch für! zum Judentum (nicht zum den Umgang mit den arabij Juden-Volk), und schon an; sc{ien Nachbarn nützlich I dieser Erscheinung wird es sein sodte- ■uns klar, dass die nationale Schon 1887, also zehn Jah- Konzeption des Zionismus re vor dem ersten Zioni-; noch weiter grosse erziehestenkongress, nahm Dizen. i rische Aufgaben in der Dia. goff an einer Tagung der | spora hat. [Chowewe-Zion (der Zionsj Nun meldet sich erstma- ’freunde) teil, wo er den An- 1 lig eine weithin beachtete j trag einbrachte, mit gross- Stimme aus der Diaspora, zügigem Bodenkauf im Lan. schliesslich Präsident des American Jewish Congress, immerhin eine beachtliche Karriere für einen Emigranten, der erst vor etwa 24 Jahren in den USA ein_ wanderte. PRINZ UND CARVALHO Hören wir die Worte von sehen Staates fordert. Trotzdem — und damit hat Joachim Prinz leider Recht — hat der Zionismus heute viel von seiner Schwungkraft verloren, da die klare Trennungslinie zwischen Zionisten und Nichtzionisten verwischt ist. Dr. Prinz mit einem weh-1 Beide geben für die Fonds mütigen „Brutus, auch | und die Bonds, und beide du...”, so kann uns Robert;gehen nicht ohne äussere Nunes Carvalho weniger in j Notwendigkeit nach Israel. Erstaunen setzen. Dieser Aber wenn man Mr. Car. (1907 in London geborene) ‘ valho, den sefardischen Bridie sich mit der neuen Kon zeption Ben Gurions sozusagen von der anderen Seite her identifiziert. Also: Abschaffung der Zionistischen Organisation und Errichtung einer jüdischen Weltorganisation, die die Freunde Israels umfasst und sie zur Mitarbeit am gemeinsamen Werk aller Juden aufruft, zur Festi- 1 gung und zum Aufbau und ■ Ausbau des Staates Israel j als natürliche Mitte des jü.! dischen Volkes. So ungefähr. .. Diese ganze Geschichte CENTRO THEODOR HERZL PUEYRREDON 2190, lo, izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires, febrero 16 de 1961 Estimado Javer y Javera: Tenemos el agrado de invitar a Uds. a la ASAMBLEA EXTRAORDINARIA que tendrá lugar el día lunes 27 de febrero de 1961. en la ‘‘Asociación Israelita Amigos del Keren Kayemet”, calle Corrientes No. 2133, 1er piso, Capital Federal, a las 19 horas. Pasado media hora de dicho plazo, la Asamblea tendrá quorum, cualquiera sta la cantidad de socios presentes. ORDEN DEL DIA: T? Aprobación, modificación y ampliación de estatutos. 2? Autorizar a la Comisión Directiva, gestionar ante la Inspeción General de Justicia, la obtención de nuestra Personería Jurídica. Tendrán voz y voto en la Asamblea todos los soos mayores de 18 años y que están al día con sus cuotas. de zu beginnen und das Land dann an die Einwanderer um Bargeld oder Teilzahlungen zu verteilen. Ein Jahr später begründete er einen Plan, eine Kolonie im Ostjordanland zu errichten; auch schuf er in Palästina einen Verein für landwirtschaftliche Ansiedlung, dem immerhin schon 80 junge Menschen angehörten, in deren Namen er sich nach Paris begab, um den Baron Edmond de Rothschild zu bitten, ihnen für ihr eigenes Geld Land zu kaufen und eine Anleihe für Anerinnert uns an jene Aneki siedlungszwecke zu gewah. dote um Shakespeare: Die! ren> worin der Baron einneueste Forschung hat erj willigte. Man erwarb Boden, geben, dass die Dramen d°ch die Ansiedlung schei. Shakespeares garnicht von terte an einem Streit, der ihm stammen, sondern von zwischen den Beamten der einem anderen Autor, der I Rothschild-Verwaltung und zufällig auch William Shak-; den Siedlern ausgebrochen espeare hiess und zur gleichen Zeit am gleichen Ort lebte. ZERSTOERUNG EINES NUETZLICHEN WERKZEUGES war. So brach Dizengoffs Plan zusammen, aber er beschloss, sein Leben mit dem Lande der Väter zu verbinden. Er studierte in Paris Chemie, um diese Wissenschaft praktisch in Erez Is¬ , die Geburtsstunde von Tel 'Aviv. Aus einem kleinen Städtchen war die Metropole geworden, deren Bürgermeister dann Dizengoff fast ununterbrochen gewesen ist. Der Traum früherer Jahre, einmal eine moderne Grossstadt von 50.000 Einwohnern in Erez Israel zu sehen, wurde von der Wirklichkeit weit übertroffen; der phantasievolle Techniker in Dizengoff sollte in einzigartiger Weise recht behalten. Für „sein” Tel Aviv hatte Dizengoff immer neue Ideen im Sinne von Verbesserungen der Einrichtungen. i Schon in den allerersten .Jahren sorgte er für eine ¡richtige Wasserverteilung, j begann er mit den Vorfce. 1 reitungen für einen Hafen! bei Tel Aviv, was anfangs überhaupt nicht ernst ge- I nommen wurde. Schon 1920, ¡zwei Jahre, bevor Ruthen-; berg mit der elektrischen Jordanzentrale fertig wurde, i gab es elektrisches Licht in den Strassen und Häusern von Tel Aviv. Meir Dizengoff ist von allen Bewohnern des Landes mit Verehrung und Liebe umgeben worden; doch für Tel Aviv war er der „Vater der Stadt”. Die schönsten Strassen, Plätze und Parks halten seinen Namen fest. Wer einmal die Geschichte der Entwicklung dieser ersten rein jüdischen Grossstadt der Welt schreiben wird, schreibt damit zugleich die Geschickte von Dizengoff und seines Lebenswerkes. Von „seiner Stadt” und ihrer Umgebung kannte er jeden Winkel, und in den jüngeren Jahren , pflegte der Bürgermeister 1 in den frühen Morgenstunden herumzureiten, um | „von Amts wegen” nach dem Rechten zu schauen, j Alle, die ihn persönlich noch j kannten, rühmen seinen ■ Charme, seine Güte und seine Selbstlosigkeit im Dienste der Sache, der sein Leben gehörte. „Seine Stadt” dürfte den 100. Geburtstag, 25 Jahre nach seinem Hinscheiden, in würdiger Weise begehen. Curt Wilk Man wird eine bestehende, | rael zu verwerten; auch gut funktionierende Organi. dies misslang. So ging er sation mit Reden, wie de. j nach Odessa, nach Russnen von Joachim Prinz mit seinem „Warwick . Programm” empfindlich stören und . um dann mühselig wieder mehr oder minder dasselbe Gebilde aufzubauen, das dann nicht die Z.O. ist .. sondern eine andere Organisation, die allerdings bestenfalls wie die Z.O. funktionieren kann. Gewiss, die Zionisten werden trotz Kongress-Resolutionen nicht in hellen Haufen nach Israel gehen. Aber sie werden , Z. O. wäre ein revolutionä. vielleicht ein etwas beunru. rer Schritt. Aber nicht Reland, zurück, arbeitete dort zionistisch und kam erst 1905 mit der neuen Einwanderungswelle wiederum ins Land. 1906 ging er daran, mit einigen Freunden eine jüdische Gartenstadt nördlich von Jaffa zu gründen, die dann drei Jahre später, 1909, praktisch in Angriff genommen wurde; dies war higtes zionistisches Gewis sen haben, das sie zu nützlicher zionistischer Arbeit und schliesslich vielleicht auch zur zionistischen Seibstverwirklichung bewegen kann. Dr. Prinz will ihnen jetzt dieses schlechte Gewissen zugunsten einer noch unverbindlicheren Ideologie nehmen. volution des jüdischen Lebens, sondern Evolution tut uns not. Erneuerung der Z.O. von innen her sollte versucht werden. — und wird auch in der Tat ernstlich angestrebt — aber nicht Zertrümmerung des j bestehenden Rahmens, der; noch breit und elastisch genug ist, auch neue und er. Die Zertrümmerung der neuerte Inhalte zu fassen. EINORDNUNG IN ELAT Von den 35 Familien von Einwanderen, die in der jüngsten Zeit nach Elat gekommen sind, haben 34 Arbeit gefunden und sich dort definitiv niedergelassen. KINDER VON NEUEINWANDERERN Ein Sprecher des Ministeriums für Erziehung _ und Kultur gab bekannt, dass im Schuljahr 5721 etwa 5000 Schüler, zum grössten Teil Neueinwanderer oder Angehörige der orientalischen Landsmannschaften Stipendien in der Höhe von 300 bis 500 IL im Jahr erhalten, um ihnen den Besuch von Mittelschulen zu ermöglichen. Sie werden aus einem besonderen Fond gezahlt, der gemeinsam vor 7 Jahren von dem Staat und der Jewish Agency errichtet wurde und dem etwa 700.000 IL im Jahr zur Verfügung stehen. Aus diesem Fonds werden ferner Stipendien, an 500 Hochschulstudenten verliehen, die ebenfalls vor kurzem eingewandert sind oder aus mohammedanischen Ländern stammen.