Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1854 (21.2.1961)
- Date
- 1961-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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TRABOJEO P AU ADC CancMiéa SM C»a<«iióa 1629 TARIFA REDUCIDA SEMANA Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 21 DE FEBRERO DE 1Í>«1 No. 1854 ■EL EJEMRLABi •a i<*i« 1« Ropoblict A - ■t Buonot Air*« RUETRREDOR 2190 19 iaq. T. E. S3 . 2413 WIEDER EIN JUSTIZSKANDAL Ein Kontinent ist erwacht Am Beginn des Skandals um den Kriegsverbrecher Heyde. der unter dem Namen Dr. Sawade im Lande Schleswig-Holstein einen Vertrauensposten bekleidete. erklärte Ministerpräsident Kai Uwe von Hassel: ..Wenn man sich dieses Schleswig-Holstein anschaut stellt man doch wohl fest, dass wir inzwischen unsere politische Ruhe gefunden haben.“ Inzwischen hat sich je- ] doch der Fall Heyde-Sawa- I de zu einem handfesten Jui stizskandal entwickelt. Wur- > den bisher nur hohe Be- I amte des Gesundheitswesens im Zusammenhang mit der i Affäre genannt, so sind: heute führende Juristen des Landes in oen Skandal verwickelt. Mit der vorzeitigen j Pensionierung des 61jähri-; gen Generalstaatsanwaltes Dr. Adolf Voss erreichte der , Fall Heyde-Sawade seinen! vorläufigen Höhepunkt. j Als am 12. November 1959 , der seit i947 auf der Fahn-! dungslistc stehende Eutha- 1 nasie.Professor und SSj Brigadeführer Dr. med. i Werner Heyde verhaftet ' werden konnte, ahnte wohl zunächst niemnd, dass die' Ermittlungen der Staatsan. waltschaft Frankfurt zum grössten Skandal in der : Nachkriegs - Geschichte! Schleswig-Holsteins ¿Uhren würden. j Heyde, dem die Tötung I von etwa 70.000 Menschen im Rahmen des nationalso- ' zialistischen Euthanasie.; Programms zur Last gelegt ' wird, lebte von 1947 bis 1959 als Dr. Fritz Sawade unbe. i billigt in Flensburg, wo die 1 politische Karriere des einst •kleinen CLL'- Funktionärs i Kai Uwe von Hassel be-!gann.! Heyde alias Sawade erj hielt alsbald Beschäftigung I bei der Landesversicherungsanstalt für die er Gut.! achten anfertigte. Später j bedienten sich auch die Staatsanwaltschaft, das Landesversorgungsamt und das Landessozialgericht der Fachkenntnisse des Sawade, der frischfröhlich ohne Ap. probationsurkunde praktizierte. Dass aber der Umgebung des im Bundeskriminalblatt ,.wegen Mordes“ gesuenten Heyde bekannt war. wer sich hinter dem biederen Decknamen Dr. Fritz Sawade verbarg, geht aus Aussagen vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Kieler Landtages hervor. ..1952 kam Heyde zu mir, etwas Es geschah in Treblinka.., Aus dem vor einiger Zeit im Staatsverlag der juristi. sehen Literatur in Moskau erschienenen Standardwerk ,,Der Nürnberger Prozess“ IV. Band. S. 495, erfahren wir ein furchtbares Geschehnis, das die heimtückische Bestialität der Nürnberger Rassengesetze, ihres Verfassers Hans Globke und ihres Vollstreckers Adolf Eichmann im grellsten Lichte zeigt. Als erschreckende Folge jener berüchtigten Konferenz am Wannsee vom 20. Januar 1942, bei der unter Anwesenheit Eichmanns die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen und in die Tat umgesetzt wurde, kam einige Monate später ein ' Transport wiener Juden auf dem sogeran: ten Bahnhof von Treblink? an, der in Wirklichkeit ein Nebengej leise eines in der Nähe befindlichen Bahnhofs war. Um die für die bestiali-! sehe Vernichtung bestimmten Ankömmlinge zu täuschen. waren an den Brettern dieses „Bahnhofs“ Fahrpläne internationaler Züge : Paris—Wien), (Ber- , lin—Budapest), (Warschau J —Wien;, etc. angeklebt, um die unglücklichen Opfer na- | zistischer Barbarei in dem Glauben zu lassen, sie befänden sich an einem Kno. I tenpunkt menschlicher Zivij lisation . In Wirklichkeit ' waren sie ir die Hölle sataniscuer Barbarei geraten. Vor dem Internationalen I Militärtribunal in Nürnberg gab nach einem Stenogramm , des oben zitierten Werkes am 27 Februar 1946 der! aus dem Warschauer Ghetto | nach Trebünka verschleppte! Judo Samel Roismann als Zeuge folgendes zu Proto- * koll: Es ’.am ein Transport aus V, ien an. Als die Leute aus den Waggons ausstiegen stand ich gerade am Bahnhof. Eine ältere Dame trat zu Franz Kurt, dem Lagerkommandanten, zog ein Schriftstück hervor und sagte ihm. sie sei eine Verwandte oder Schwester (den Verwandtschaftsgrad konnte Roismann anscheinend nicht genau hören und feststellen) Sigmund Freuds. Sie bat den Lagerkommandanten, man möge ihr entsprechend ihrem Alter und ihrer Vorbildung eine leichtere Beschäftigung, etwa in der Kanzlei des Lagers geben .. Der Lagerkommandant prüfte sehr ernst das Dokument und sagte, dass hier wahrscheinlich ein Irrtum vorliege (worin dieser Irrtum b^:tand, sagte er nicht), führte sie zu einem auf der Bretterverschalung angekiebten fingierten Fahrplant!) und bedeutete ihr, dass in zwei Stunden ein Zug nach Wien fahren werde. Sie könne alle ihre Wertsachen und Dokumente bei ihm lassen, nur müsse sie zuerst ein Bad nehmen; nach dem Bad werde sie ihr? Papiere und die Fahrkarte nach Wie i vorbereitet finden .. Selbstverständlich ging die Frau in das Bad, aus dem sie aber nicht mehr zuriiekkehrte Es erübrigt sich, dieser bestialischen Tat, die hier an ein m der vielen Millionenopfer verübt wurde, einen Kommentar hinzuzufügen. Dar scheussliehe Verbrechen ist aber dadurch besonders bemerkenswert, dass es durch einen glaubwürdigen Zeugen erwiesen und an einer Schwester oder nahen Verwandten Sigmund Freuds begangen wurde. verlegen, gehemmt. und sagte: ,Ich muss Ihnen sagen, wer ich eigentlich bin. Ich bin nicht der einfache Nervenarzt, für den ich mich ausgebe. Ich bin ¡ der ehemalige Ordinarius für Neurologie und Direktor ¡der Universitäts-Nervenklinik in Würzburg. Ich bin 1194a van den Amerikanern ¡ im Rahmen der Euthanasie- 1 Prozesse festgesetzt worden und danach ausgerissen. Das, was ich Ihnen sage, weiss schon eine ganze Reihe anderer. Das wissen die Herren von der Landesver. 1 sicherungsanstalt. das Oberversicherungsamt weiss es. auch die Staatsanwaltschaft weiss es.“ Dr. Delfs. der als Leiter der Flensburger Landesversicherungsanstalts-Klinik diese Aussage machte, zeigte den Dr. Sawade weder an! |||t : noch entliess er ihn aus seinen Diensten. Tatsächlich war damals die Zahl der Mitwisser recht | gross. Sie reichte vom j Präsidenten des Landesso- | zialgerichts Dr. Ernst Sieg-! fried Buresch bis zu hohen! Beamten des schleswig-hoL j : steinischen Justizapparates. Buresch musste bereits vor einem Jahr amtsentho- : ben werden und sieht nun einem Strafverfahren wegen j Begünstigung im Amt entgegen, nachdem das Landgericht Flensburg zuvor die Eröffnung eines Hauptverifahrens gegen Buresch „aus rechtlichen und tatsächli- ' chen Gründen“ abgelebnt hatte. Die Proteste der Oeffentlichkeit zwangen jedoch die Justizbehörden, 1 doch noch ein Verfahren gegen Buresch einzuleiten. I Für eine unbeabsichtigte ‘ Ausweitung des einmaligen Skandals sorgte der Sozial. I richter Dr. Max Meinicke.; Pusch, dem das Vorleben 'des Dr. Sawade schon vor j mehreren Jahren bekannt: war. Dr. Meinicke-Pusch, j gegen den ein Disziplinäri verfahren schwebt, machte in einer nicht . öffentlichen! Sitzung des Parlamentan-1 sehen Untersuchungsausj schusses sensationelle Ent- ' hüllungen und belastete dabei hohe Justizbeamte des j Landes. Wenn auch der Ausschuss nach der Sitzung nur vorsichtig von ,,uner- | heblichen Aufklärungen“ sprach, so pfeifen es jedoch in Kiel die Spatzen von den ■ Dächern, dass sie zum Abschuss des schleswig-hol- ■ steinschen Generalstaatsanwalt Voss geführt haben. -7_ Auf allen internationalen Konferenzen begegnet man den Delegierten der vielen neuen Staaten des Schwarzen Erdteils, die in Zukunft ein gewichtiges Mort in der Weltpolitik mitsprechen werden. Bemerkenswert und vielversprechend ist die Zusammenarbeit einiger dieser neuen Länder mit dem Staat Israel. — (Hier sieht man einige schwarze Delegierte auf der Unesco-Tagung in Paris). Den Opfern des Nazismus Obwohl voss vor rund einem Jahr „auf eigenen Wunsch“ von seinem Amt : als oberster Ermittlungsbeamter f r den Full Heyde- , Sawade entbunden worden war, durfte er noch bis Ende 1960 als höchster Ankla- 1 gevertreter im Amt bleiben. Dem von Dr. Meinicke- Pusch schwer beschuldigten Voss warf der Ausschussvor. sitzende Dr. Rohloff vor. im Falle Heyde „nicht jeder Spur eines Verdachtes“ nachgegangen zu sein. Vor dem Untersuchungsausschuss sollte Voss Rede und Antwort stehen. Dieser Vori ladung konnte er sich durch , Hotel in Safed Der Grundstein für ein In Arlon an der belgisch-1 Opfer von Arion enthüllt, die i siebengeschossiges Hotel luxemburgischen Grenze 'in den Kriegsjahren der Na. wurde in Safed gelegt. Das wurde ein Monument zur zi-Furie in den Todeslagern; Geld wurde in Israel auf- Erinnerung an die jüdischen der Diktatur zum Opfer ge. gebracht. Der Bau wird ____fallen sind i schnell durchgeführt, daseinen Rücktritt rechtzeitig Di« Einweihung des Er-1 mit er sChon im Mai den entziehen; innerungsmales wurde zu Tounsten zur Verfügung Zum Nachfolger von Voss ejner erhebenden Kundge- , stehL berief das Kieler Kabinett; bung der jüdisch-ehristli- | unter Vorsitz des Ministereben Freundschaft. Hunderj Präsidenten den bisherigen . von nichtjudischen Bel- Oberstaatsanwalt in Schles- Sjern wohnten der feierli- | wig, Dr. Eduard Nehm, der eben Zeremonie bei. zu der enge persönliche Beziehun- Juden aus allen Teilen des : gen zu Voss unterhalten Landes nach Arlon gekomsoll. Die Berufung erfolgte. m^n waren. j obgleich bekannt ist, dass Der Gesandte Israels, , Nehm ebenso wie Voss im Majar. war mit seiner Ge. Dritten Reich Staatsanwalt . mahlin anwesend, die Re war präsentanten beider chnst- Sicherlich wird Minister, bcher Konfessionen sassen DEUTSCHE; PRIVATKLAEGER j Berlin. — Die jüdischen Gemeinden und j Privatpersonen aus Ost-! deutschland werden beim kommenden Eichmann- Prozess von Rechtsanwalt Friedrich Kaul, ei- ,.„v. -... nem bekannten Kommupräsident von Hassel verneben zahlreichen Person. i nistenführer, vertreten suchen, die Ausweitung des lichkeiten der politischen, Falles Heyde-Sawade zu eijuristischen. militärischen ner Regierungskrise zu ver. ur,d administrativen Welt hindern. Wer jedoch die au^ der Ehrentribüne. Un- Innenpolitik Schleswig-Hol- *er den zahlreichen Redwerden. Kaul ist nach Tel Aviv abgereist. Die jüdischen Gemeinden und jüdischen Privatpersonen wollen bei der im April in Jerusalem beginnenden Gerichtverhandlung als Pristeins seit Jahren aufmerk. nerndie das Wort ergrifsam verfolgt hat, erinnert ^enbefand sich der Gousich an Namen wie Lautz. ■ verneur der Provinz von __o — — Schlegelberger, Oberheuser, Luxemburg, Octave Lohest j i vatkiäger auftreten. — Reinefarth, Catel und Stie- und Charles Simon der Bur- (ITA) lau, die gleichfalls für die germeister von Ailorn^ . j unbewältigte Gegenwart der C . . | Kieler Regierung sympto- ,--- matisch sind.! Registro de la Propiedad Intelectual No 656.635 (Aus einer deutschen-—-;— Zeitung) i Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 t e*.