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Jüdische Wochenschau · 1961-01-31 · 1849 (31.1.1961) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1849 (31.1.1961)
Date
1961-01-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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H DIE AUSSAEEN UNTER TRAENEN...” LITERATUR Aus Prag Kommt ein Buch von dessen Erscheinen Kenntnis genommen ■werden sollte, sowohl in Israel wie in der weiten jüdischen Welt. Es tragt den Titel: ,,Die aussäen unter Tränen, mit Jubel weiden «ie ernten. (Psalm 126b Die jüdischen Gemeinden in der Tschechoslowakischen Republik nach dem ¿weiten Weltkrieg”, und ist herausgegeben vom Rat der Jüdischen Gemeinden in den Böhmischen Ländern und vom Zentralverband der jüdischen Gemeinden in der Slowakei im Zentral-Kiichenverlag zu Prag. Redakteur des Buches ist Dr. Rudolf Iltis Tm zweiten Weltkrieg hat die tschechoslowakische neben der polnischen Judenheit, das grösste Blutopfer dargebracht. ^T°n..^®n 1038 blühenden jüdischen Gemeinden ist so gut wie nichts übrig geblieben. In cie grösseren Städte sind ungefähr fünf Prozent ihrer ehemaligen jüdischen Bewohner zurückgekehrt, die Gemeinden auf dem Lande sind vollständig vernichtet. ttin geringer Teil des "Verlustes wurde wettgemacht durch Zufluss der Beste der Juden aus der Podkarpatska Rus (Zakacpatska Ukrajinab welche, als nach dem ¿weiten Weltkrieg dieses einst dicht mit Juden besiedelte Land an die USSR abgetreten wurde, rach dem Westen auswanderten und sich ¿um grossen Teil in fern durch die Aussiedlung der Sudetendeutschen entvölkerten Grenzlande Böhmens ansiedelten. Dort entstanden neue, wenn auch im Verhältnis zu den früheren, kleine Gemeinden. die natürlich eine ganz andere Zusammensetzung batten als die früher dort blühenden. Eine historische Kontinuität war kaum zu erwarten. Vnd nun erscheint ein Buch, prachtvoll ausgestattet, mit kurzem Text und reichlichen, gut ausgewählten dokumentarischen Fotografien. das auf 215 Seiten die Geschichte der einzelnen. Gemeinden und ihren gegenwärtigen Zustand Leber. und Institutionen — beschreibt. Der Oberrabbiner der Slowakei. Elias Katz. schreibt in seinem Vorwort an den Leser: . Es war keine leichte'Arbeit, die die Autoren dieses anspruchslosen Büchleins auf sich nahmen. Es ging ihnen vor allem darum die breiteste Oeffentvon HUGO BERGMAN ****““*' lichkeit über das gegenwärtige religiöse Leben in den jüdischen Gemeinden zu informieren. Gleichzeitig aber sollte diese Schrift auch als unausschöpfbarer Born die Perspektiven für die Zukunft, für ein optimistisches Leben unserer Glaubensgenossen, zeigen. Aus diesem Quell sollen unsere Kinder belebende Frische und Kraft für ein religiöses Leben schöpfen! Ich bin überzeugt, dass dieses stitutionen, und w'enn ich daran denke und Vergleiche anstelle, dann müsste ich resigniert die Arme sinken lassen und ausrufen: ,,Oj me haja lanu"! Aber dies wäre ein falscher Standpunkt, ein Trugschluss. Wir haben wohl ein gutes Recht, Vergleiche zu ziehen, aber nicht zwischen der Gegenwart und einer längst entschwundenen Vergangenheit vor dem Kataklysmus des Weltkrieges, sondern Trennung ist jetzt aufgehoben und die Einheitlichkeit der Gemeinden wieder hergestellt. Im ganzen scheinen die Gemeinden sowohl in den böhmischen Ländern wie in der Slowakei orthodox eingestellt zu sein. So lesen wir in dem Buch: „In Prag, Karlsbad, Reichenberg. Aussig werden jeden Schabbat-Nachmittag ,Schalosch Seudot’ — .das dritte Schabbatgastmahl’ — veranstaltet. Die Teilnehmer singen ,Semirot’ und lauschen mit Interesse der thassidischen Deutung des Der Lowenkopfhügel, einei der eindrucksvollsten Anblicke in der majestätisckpitloresken Landschaft des Negew Büchlein auch helfen wird, die Kontinuität zwischen unserer ruhmreichen Vergangenheit und unserer Zukunft herzustellen... Ich sah noch mit eigenen A1gen vor dem Kriege die blühenden jüdischen Ge. meinden mit ihren zahlreichen hochentwickelten Inmaimonides 11)1 .1*04 Kin.Gcdenkbuch $ Sbu.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURHUCHAGA 2289 — T. E. 71.6709 Z.U oeziehen durch alle einschlägigen Such. r.andiungen und durch die > UEDiSCHE WOCHENSCHAU PUEYRREDON 2190 1’ — T. E. *3 2613 zwischen dem Heute und dem Trümmerfeld, das wir nach der Katastrophe vorfanden. Und wenn wir dieses Bild der Zerstörung mit dem Bilde, das die Seiten dieses Büchleins vermitteln, vergleichen. erfüllt uns Hoffnung und Vertrauen, so dass wir. wenn auch an Zahl dezimiert, neuen Mut und neue Energie schöpfen. Einzig und allein ein solcher Blickpunkt ist richtig und objektiv.” Wir erfahren aus dem Buch sehr viel über die Reorganisation der Gemeinden. die sich nach dem Weltkrieg als notwendig erwies. Gegenwärtig gibt es in den böhmischen Ländern neun Muttergemeinden, denen die kleinen Kehillot als Svnagogalgemeinden angegliedert wurden. Es sind: Prag. Brünn, Karlsbad, Reichenberg, Olmütz. Ostrau. Pilsen. Aussig. Gaya. In der Slowakei, die nach dem Buche 10.000 Juden zählt, existieren die Gemeinden: Pressburg. Bans- ■ ka. Bystrica. Gala.nfa. Humenr.e. Kezmarok. Komarno. Kaschau. Michalovee, Nitra. Nove Zamkv, Presov, Snisske Podhradie. Trenci. Trnava. Zilina. neben kleineren Gemeinden, die in dem Buch nicht behandelt werden. In der Slowakei bestand vor dem Kriege die Trennung der Riten in orthodoxe. liberale („neologe”) und konservative („Status onr,"i Gemeinden, Diese Biblisches Theater in* von M ALKAH Das biblische Stück „Moses”, das kürzlich seine Uraufführung in Jerusalem sah, war auch die erste Vorstellung des Biblischen Theaters. Die Premiere fand vor vollem Hause statt; unter den hohen Gästen befanden sich der Staats Präsident und seine Gemahlin, der Ministerpräsident und seine Gemahlin, fast alle Staatsminister, und die beste, theater- und musikiiebende Gesellschaft Jerusalems. Das Stück wurde ursprünglich durch Menaehem Boreiseha. der lange in den Vereinigten Staaten lebte, auf Jiddisch verfasst; es wurde übersetzt und von dem hebräischen Schriftsteller Scliimschon Meitzer der Aufführung geschickt angepasst. SCHOF.PFER DES THEATERS Der Schöpfer des Theaters ist Mosche Halevy, früher bei der Habima und später beim Ohel. Augenblicklich nimmt ihn die Gründung des Biblischen Theaters, das während seines ganzen Lebens sein Traum und seine Ambition war. gänzlich gefangen. Es wird nicht nur in der Hauptstadt. sondern auch in ganz Israel und sogar im Ausland. warm begrüsst. In den Vereinigten Staaten, wo Halevy für seine Idee warb, fand er grosses Interesse, Ansporn und Sympathie von Seiten der Juden und Christen. Viele bekannte Pereben gelesenen Thora-Abschnittes.” Aus den Berichten geht hervor, dass die Regierung den auf die Wiedererrichtung der jüdischen Gemeinden gerichteten Bestrebungen wohlwollend gegenübersteht; das Defizit im Gemeindebudget wird vielfach durch den Staat gedeckt. Wir lesen, dass in dem einst jüdisch - berühmten, jetzt wohl völlig judenreiren kleinen Ort Berznice in Südböhmen der Stadt-Nationalausschuss beschlösse? hat, das Andenken der umgebrachten jüdischen Mit- LU ACH (Kalender) Dienstag, den 31. Januar Mittwoch, den 1. Februar Donnerstag, den 2. Februar Freitag, den 3. Februar Sonnabend, den 4. Februar Parschat YITRO 2. B. M. XVIII 1 Sonntag, den 5. Februar Montag, den 6. Fe'wuar Dienstag, den 7. Februar Mittwoch, den 8. Februar Donnerstag, den 9. Februar Freitag, den 10. Februar Sonnabend, den 11. Februar Parschat MISCHPATIM 2. B. M. XXI 1 — XXIV 18 Parschat SCHEKALIM 2. M. B. XXX 11 — 16 Haftara II Könige Xll 1 — 17 Neumondankündigung Adar Sonntag, den 12. Februar 26. Schwat Montag, den 13. Februar 27. Schwat — r) 14. Schwat 15. Schwat der Bäume 16. Schwat 17. Schwat 18. Schwat XX 23 C 5- 6 19. Schwat 20. Schwat 21. Schwat 22. Schwat 23. Schwat 24. Schwat 25. Schwat sönlichkeiten des amerikanischen Theaters, wie Arthur Miller. Elia Kazan und Tennessee Williams erklärten sich bereit, dem Biblischen Theater zu helfen und besondere Stücke für es zu schreiben. Sie trugen sieh als Mitglieder der Gesellschaft der Freunde des Theaters in New York ein. Ein begeistertes Mitglied in Philadelphia stiftete ein riesiges, rundes, speziell für Theateraufführungen geschaffenes Zelt, sodass difj Stücke im ganzen Lande gegeben werden können, sogar dort, wo keine geeigneten Räumlichkeiten vorhanden sind. THEATERGESELLSCHFT Tn Israel wurde eine Gesellschaft für das Biblische Theater gegründet, als Halevy seine Idee Frau Rachel Ben Zwi, der Gattin des Staatspräsidenten, unterbreitete. Sie lud etwa vierzig Personen zu einem ersten Treffen ein und half Halevy bei der Bildung eines Rates und Organisations-Comités. Der Jerusalemer Bürgermeister, Herr Isch-Schalom, stellte seine persönliche Hilfe und die der Stadtverwaltung in Aussicht. Als ersten Schritt beschloss das Comité die Einsetzung eines Anfangsbudget.s von 25.000 IL für die erste Vorstellung. Hierfür wurde Boreischas „Moses” Bürger durch die Errichtung eines jüdischen Museums in der ehemaligen Synagoge zu ehren und das ehemalige Ghetto zu restaurieren. In Prag hat die Regierung die alte Pinkas-Synagoge restauriert. Die Wände der Synagoge wurden beschrieben mit den Namen. Geburts- und Deportierungsdaten von 77.297 jüdischen Toten aus der Zeit der Naziherrschaft. Das berühmte — übrigens von den Deutschem selbst errichtete! — jüdische staatliche Museum ist bedeutend erweitert und hat jetzt auch eine Sammlung von 1.200 (unbenutzten 1 Thorarollen und 2.200 Parachot und wird jetzt auch eine Zweigstelle ausserhalb Prags eröffnen. „Aber”, heisst es in dem Buch, „die Juden Prags haben keineswegs die Absicht, sieh mit der Rolle von Hütern eines verpflichtenden Vermächtnisses der Vergangenheit zu begnügen. Im Gegenteil, sie leben ein intensives Gegenwartsleben in der jüdischen Gemeinde, das von Jahr zu Jahr erstarkt.” Alle Achtung und Liebe den Männern, welche den Mut und den Glauben haben. in so traurigen Gegenwerts - Verhältnissen ihre Hoffnung zu bewahren und auf ihrem Posten auszuharren. Der kürzlich verstorbene Oberrabbiner Dr. Gustav Sicher hat dem Buch ein Geleitwort vorangestellt. wo er schrieb: „Für unsere Kinder fehlen uns die religiösen Erzieher. Wir brauchen Lehrer, Vo’>lehrer und Kinderlehrer. Auf allen Gebieten des Kultus fehlt uns der Nachwuchs.” Im ganzen: ein schönes Buch, ein edles Dokument jüdischer Treue ur.d Beharrlichkeit. (Mich 'störten nur die unaufhörlich wiederkehrenden, auch'in dem vom Rate der Gemeinden herausgegebenen Infor irtionsblatt ad nauseam wiederholten Ausdrücke wie „mordgierige Hitlerhorde”, „braune Sturmflut”, ..faschistische Hölle”, „wahnwitziger Erzfeind der Menscheit” etc. Fühlen denn die Herausgeber nicht, dass durch die ständige Wiederholung solcher Worte die grosse Tragödie der tschechoslowakischen Judenheit in ihrer Grösse nur herabgesetzt wird?'. Es ist noch besonders zu erwähnen, dass nach den hier veröffentlichten Fotografien die überall errichteten Denkmäler für die Opfer des Nazismus neben den tschechischen bzw. slowakischen Inschriften auch einen hebräischen Text aufgewäbli. Man best diss, „wenn das Stiie folg hat. ein . Theate grösserer Basis gese! Werden sollte." Das Biblische Theat Verscheidet sieb io Hinsicht von andern Vernehmen, Erstens \ein.„ "es Theatt skht nicht auf final Erfolge. Der erste ki tische Erfolg und eint Aufnahme ‘beit stige "TiV als genüj blikum soll _ Ansporn furA rung seiner Arbeit hen werden. Das Comité besieh sieben Personen. Sei! s ident ist Colin Staatsanwalt, und sär Mitglieder haben wörtliche öffentliche ter inné: trotzdem sie noch Zeit für Unternehmen, Die Agency und die Je mer Stadtverwaltung in finanzieller Hinsic sie gewähren dem auch moralische Un 2un?, was in dieser nicht weniger wieftii/ die finanzielle Hilfe. Auch das Touri der Regierung bev teresse für das I Theater als künftige tion für Touristen salem und Israe haupt. Ein Theatc sich auf biblische konzentriert, hat al’ een. Besucher aller und Religionen ar und kann möglic der Hauptstadt Isr bisher noch kein Theater besass. al kultureller Anspor Die Förderer des glauben, dass es g ziehungskraft ausi und Gäste aus alle Land führen wird Mische Stücke i; de[ Ebeltradhio WollM- Man hot das UnterneJ gut entwickelt, au, |n anderen Sprach, dort j WrtotoBnen weisen. Den Herausgebern des Buches gebührt herzlicher Dank. Möchten sie es erleben, .mit Jubel zu ernten”. SuecA Tor alle m wer Hemoiri Mehle hem ilaliifist Na! Ihen Brief. 5 Gebote J -‘V s ,ert>ierk minist roeic VA Si f«/.. 44

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