Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1847 (24.1.1961)
- Date
- 1961-01-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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und KUNST 5-Tage-Woche und Scliabbatruhe :1!er' Josef R5 f im®er i“"1'1' ien Van,Bndeöd satz schwitz" ^en, war.. i) ne ¿‘“'H fiK„ ara«ies t or WUtt'j.* j,em Haus mit £ V? ,sieht mac eiiife;us sind wie 'i!Jr to&tsi en das nicht uur Män4. n zeichneten sieT wei,schariea Bl« fl‘rklichkeit, die % 1 <J« Kastanie im Ghetto. "endenz sahen. * clf dass diese ZeÜ nur desto beMiwirken. Da steht d lüsehändlerin an j. assenecke von Drj; ihrem Stand halte deutsch und ts*. :in Schild mit des ..Juden DK. Das annes .Portrait ei mit Juden befindet sieh da» id darunter dies» :ers: en sich unsere Plage I gefangen und kiagei und Hass essen uns die K. SIMONSOHN ILT THERESIENSTADT man grosses Gewicht auf die musischen Dinge. „Als ob wir damals schon gewusst hätten, dass wir den Kindern in dem kurzen Leben viel Schönes bieten müssen”, sagt Frau Simonsohn. Es mutet heute grausig an, dass die Kinder noch sangen, musizierten und Theater spielten, ehe sie dann eines Tages für den Transport rusammengestellt wurden, von dem es keine Rückkehr gab. Alle Erziehungs- und Beschäftigungs-Massnahmen zielten darauf hin, sie die Wirklichkeit vergessen zu lassen. Weil ihnen der freie Auslauf fehlte, die Begegnung mit der Natur, war es das höchste Glück der Kinder, in den Gärtnereie i arbeiten 2U dürfen. Nicht zuletzt deshalb. weil dabei zusätzlich etwas Nahrhaftezu beschaffen war, ein paar Tomaten, ein Bündel Karotten. Hierbei funktionierte übrigens die Doppelgleisigkeit der Erziehung tadellos. Auf der einen Seite mussten die Kinder belehrt werden, dass Kameradschafts - Diebstahl in dieser Situation etwas doppelt Verwerfliches sei, andererseits war ihnen das Stehlen geradezu anzuraten, wenn es nicht einen Leidensgefährten traf. Die Kinder hatten das blitzartig erfasst, es kam in dieser Frage der doppelten Moral kaum zu „Verwechslungen”, und in Einzelfällen griff die Selbstverwaltung scharf durch. HILFE FUER ALTE LEUTE Mit Erfolg sprach man auch die Hilfsbereitschaft der Kinder an. Auf der einen Seite genossen sie zwar den Vorteil einer Kinderküche, auf der anderen Seite hatten sie dafür den alten Leuten zu helfen, die noch kleinere Rationen bezogen. In der Hoffnungslosigkeit des Lagerlebens wurde eines Tages mit der Aktion „Jugend hilft den Alten” begonnen. In der Freizeit gingen die Kinder in die Baracken der Alten, halfen den Boden scheuern, Betten überziehen, Matratzen klopfen. Oder es hatte sich herumgesprochen, dass viele der betagten Leute nicht einmal ein Kissen t>esassen. Man sammelte Kissen, fuhr sie mit viel Hallo in besagten Leichenwagen zu den Alten. Und — höchster Glücksfall — es wurde ein Geburtstagskuchen gebacken, jemandem überreicht. Dazu Lieder und Gedichte, die Illusion eines lebenswerten Lebens in dieser Umgebung war beinahe vollständig. Gegen Ende des Krieges noch, als die Machthaber schon genügend Sorgen mit sich selbst hatten, baute man in Theresienstadt einen Kinderpavillon, über und über aus Glas, mit einer herrlichen Einrichtung, be’ der auch die handgemalten Kinderstühlchen nicht fehlten. Es war ein „Geschenk” für die Augen der Kommission des Internationalen Roten Kreuzes, die sich zu einem Besuch Theresienstadts angemeldet hatte. Die Kinder haben nie in diesem Pavillon gespielt. Er blieb ihnen verschlossen, dafür öffnete man ihnen in Auschwitz die Gaskammern. Und das wird unvergessen bleiben: der Aufmarsch der 4000 Kinder zu einem grossen Kinderfest im Ghetto Theresienstadt. Aus Stoffresten hatten sie sich Trachten geschneidert, hatten das Wort von der Not, die erfinderisch macht, wahr werden lassen. So marschierten sie an, standen auf dem grünen Platz der Bastei, sangen und turnten. Sie wussten nicht, dass ihr Schicksal längst entschieden war. Noch war über ihnen die Sonne, wie sie sie auf ihren unbeholfenen Zeichnungen festgehaiten hatten. „Wir hatten alle Mut, wir hatten mehr Mut, als wir heute manchmal aufbringen“, sagte Simonsohn, de? mit diesen Kindern zusammen lebte. Aber dieser Mut konnte das Unheii nicht aufhalten. Winkend verliessen die Kinder die Stadt ihres kurzen Lebens. Meist mit ihren Eltern zusammen fuhren sie dem Tode entge. gen. Buecher gesucht! vor allem werden gebraucht: Memoiren - Werke Berichte früherer jüdischer Gemeinden Statistische Werke Dissertationen über jüdische Themen Brief - Sammlungen Angebote sind zu richten unter dem Vermerk „BUECHER” (,n die Ad- 0 ministracion der: i LA SEM ANA ISRAELIT A, FedPueyrreddn 2190, 1' isfjf leg« Wer jetzt längere Zeit, sich — aus Israel kommend — in Mitteleuropa umgesehen hat, dem fällt bei aller politischen Unruhe, bei ungesunden Verkehrsverhältnissen, bei ungewöhnlichen Börsenspekulationen eines auf: Die Masse ist von alledem wenig berührt, sie lebt gut und will noch besser leben. Ob Jas ein Nachhclebedürfnis ist, oder die Angst vor noch schlechteren Zeiten, das sei dahingestellt. Jedenfalls kann festgestellt werden: jeder Mensch hat Arbeit, will aber möglichst wenig arbeiten, viel verdienen und das Leben auf seine Art geniessen. Von der 48-Stunden-Woehe steigt man allmählich zur 45-Stunden-Woche herab, man verlangt schon, nur 40 Stunden zu arbeiten. Aus der Sechs-Tage-Woche wird die Fünf-Tage-Woche, das verlängerte Weekend. Nicht gerade, dass religiöse Kreise damit zufrieden sind: in der in Düsseldorf erscheinenden evangelischen Kirchenzeitung „Kirche in der Zeit”, heisst es: „Jeder Mensch braucht den Feiertag, ohne den er in unserer arbeitseiligen Welt hoffnungslos isoliert wäre. Für den Gewinn immaterieller Werte muss ein Preis gezahlt werden.“ Aber welche Motive auch mitsprechen mögen, wir können jedenfalls feststellen, dass es leichter ist, am Schabbai nicht zu arbeiten. Grosse Betriebe haben am Sonnabend ganz geschlossen. Andere schliessen gegen Mittag. Der Silberne und Goldene Sonntag, sonst die Hauptverkaufstage vor Weihnachten, sollen abgesc-hafft werden. Die gleiche Entwicklung ist in Amerika zu beobachten. Infolgedessen sind die Sonntagsgottesdienste der reformierten Gemeinden zumeist auf den Freitagabend oder Samstagvormittag verlegt worden. Diese Vorteile ergeben sich fiir uns, wenn auch in Wirklichkeit aus allem nur der Hang zum Geniessen spricht. So haben wir beispielsweise im Juni des vergangenen Kalenderjahres vier Festtage miterlebt, Da war am Freitag, IT. Juni, Tag der Deutschen Einheit, die Erinnerung daran, dass 1953 die russische Besatzungszone den Versuch machte, sich zu befreien. Die westdeutsche Bevölkerung hat, trotz der offizieller. Feierlichkeiten, wen« Notiz davon genommen. Tage vorher war Frc- So nutzte man Ce vier Tage von Donnerstag bis Sonntag zu 'AftU-r Ausflügen aus. Diesv Form der Feier hat freilich Anstoss erregt, uncl man nat vorgeschlagen, in folgenden Jahren an solchen. Tagen lieber zu arbeite.- und als Zeichen der ” ..«»f eine Arbeitspause ~vr;- ei Minuten eintreten •» 2*<»en (wie dies ähnlich N» S*rael zur Erinnerung die Gefallenen geschieht) Aber jedenfalls geniesst die grosse Masse, soviel sie kann, das Leben in vollen Zügen. Und das geschieht in einer Zeit, wo ein Mangel an Arbeitskräften vorhanden ist. Bei einer Bevölkerung von mehr als oö Millionen Westdeutschen, gibt es nur hunderttausend Arbeitslose. Und diese sind, genau gesehen, nicht mehr arbeitsfähig, entweder zu alt oder verkrüppelt. Es gibt etwa eine halbe Million unbesetzter Arbeitsplätze, und man hat jetzt schon bald dreihunderttausend ausländische Arbeiter, zumeist aus Italien, nach Deutschland gebracht. Die grossen Tageszeitungen weiden immer umfangreicher an Slelienanzeigen. von Rabbiner Dr. NEU FELD Betriebe und Privatpersonen suchen Spezialarbeiter, aber auch Kellner, Hausangestellte, usw., unter den günstigsten Bedingungen. Viele Angestellte in festen Positionen suchen noch bessere, gehobenere Stellungen. Es ist kaum möglich, eine Hausangestellte zu finden, weil die Mädchen in den Fabriken weit besser gestellt sind. Was berührt dies Israel, das kleine jüdische Land, in dem es immerhin eine gewisse Arbeitslosigkeit gibt, in dem die Löhne nicht pünktlich am Ersten des Monats bezahlt werden in dem man unter wesentlich günstigeren Verhältnissen arbeiten muss — trotz der sozialistischen Mehrheit und trotz der Histadruth? Auch die Israelis könnten weniger arbeiten und zwar so, dass die Heiligung des Schabtat dadurch erleichtert wird. Vor drei Jnhren starb ein Mann, der in gleicher Weise als streng religiöser Führer wie als Mann der Wirtschaft in der Bevölkerung grosses Ansehen genoss: Dr. Aron Barth der Direktor der führenden Bank Israels. Er hat in privaten Gesprächen bisweilen geäussert, er gehe am Schabbat ganz früh zum Gebet und bleibe im übrigen nach Möglichkeit den ganzen Tag zu Hause, um sich njeht über die öffentliche Entweihung des Schabbat zu ärgern. Ausserdem hat er, der Mann von der Wirtschaft einen sehr praktischen Vorschlag gemacht; einen freien Mittwochnachmittag. Ich möchte diesen selben Vorschlag jetzt aufgreifen. Wenn es schon nicht möglich ist, einen vollen weltlichen Arbeitstag einzuführen, so doch wenigstens einen halben. Und die Mitte der Woche wäre wohl der geeignetste Zeitpunt.. Da vier Arbeitsstunden, also der zwölfte Teil der Wochenarbeitsstunden. verlorengehen, kann man dadurch vielleicht manche Arbeitslose und manche Notstandsarbeiter in den wirklichen, Arbeitsprozess einreihen, und man kann die weltlichen Vergnügungen, denen d;e Masse am Schabbat nachgeht, auf den Mittwoch verlegen. Schon heute finden in England die sportlichen Veranstaltungen nicht am Sonntag, sondern am Mittwoch s'tatt. , j Zwang kann nicht ausgeübt werden. Wir werden niemanden hindern können, , am Schabbat auf der Strasse zu rauchen, oder Wäsche auf dem Dach zu trocknen. Aber die so starke Entweihung des Schabbat, die j leider den grossen Städten das Gepräge gibt und auch , auswärtige Touristen un- , angenehm berührt, kann gemildert werden. , folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) 'PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIKBECK) TUXBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: ull(! Nummer IL 1960 mit Eeîiraegen von: Kurt Loewenslein, K. M. Seifcer, Hans Tramer u.a. -★- WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-înstituts Anmeldungen iwa Büro deT JUEDISCHEN WOCHENSCHAU Pueyrredon 21SP, 1? Sxq, (83-2013)