Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1845 (17.1.1961)
- Date
- 1961-01-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Elisabeth Langgaesser H GOlDSCmilDT ’'ferio alQ { . > eenV^“ S’>e* '38. ..Halb ’’frbot, ' 'Jüdin” später von sich”; die Handlang spielt in den Jahren 1900 und 1931, angesichts der über Deutschland beraufziehe.iden seelischen und politischen Katastrophe. Das „Unauslöschliche Siegel' dagegen spannt seinen Bogen aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg und das eigene Leben der Dichterin hinaus. Den Schluss ■‘fbarer biWen zwei Visionen, deren i’-C>'insi ■ eihe mii *'®B' keinem Leser ichtpri ’ wieder zu vergessender Ger „il e™n v >alt die Sehreckenswelt des Antik*''3’1’'1“' von den Deportationen beben Si ZU drohten Jüdische» Krankenischen X* bauses an der Iranischen iem"» ictu Strasse in Berlin vor Augen 11 ausserstellt, mit dem wiederholten Mu‘u"d*is Ausruf: Wahrheils- , ,!sten Tochter leP°rtation Ix ctl Auschwit aus in -Verfiuchr soll sein, das Eckhaus im Norrfger.wart ira. “Penden Gedeltzuletzt in nach dem Zu- Deutschlands 345. enter de« Berlins vergisst!” Die andere Vision sieht den Helden des Romans in der Deportation und im Konzen trat ionslager, zuletzt jedoch befreit, in einer gleichnishaften letzten Rüekwanos.se® Romane dwung »os dem Osten nach eigene Heils- Deutschland begriffen, erst isubeth Langein armer Häftling, dann "b auch nicht der schlerhfhin Arme übereitten, wie sie haupt, weiter ein betender, H«n, dennoch schliesslich geradezu heiliien" Juden ia »er Bettler: Vater Lazarus, des .Unaus- Der Namen erinnert an eine eget?” zu stelneutestarwerrttiche Erweichend der Jahkung aus dem Grab zu neutionalsozialistiem Leber». Aber daran, dass haf gesebrieauch dieses neue Leisen tin- 3- Der „Gang ter dem ..unauslöschlichen ied” galt der Siegel” des Judentums vertag aus der harrt, erisner» vorausgegantenen Menschgene St eiten wie die folgen - jtsch-französiden. mag auch weniger die mit einem sei- Liebe, mehr der Seitosthass s uBd Ziels unsie — und andere — eingetden. von dem gebet! haben: ..Ungeduld, Müder Weise Lier und Zwiebel«: daran;ehon heisst e ‘kennt eine Köchin den ea Namen, aut Juden; aetch wemr er geilt worden bist, tauft worden ist.” — „Ich Grunde keiner an Alfred Zeit unter da» M. Varburg * aukbaus in der feltpoltt <1995 schienen ist. von der Bofle. Balliu rgs alen Reec von der )«• illung der M die sieb ff® misst ¿er antiserotfr n Aufruhr gerasobald sie «ß Ljnt bekleid® ihenau, der ebt wch!.i“ lürfea habe sieben Jahre hindurch tatsächlich za glauben gegl. ubt. Aber es war ein Irrtum. Ich bin ein Israelit geblieben. CTétait plus fort que rr.oi.” — „Natürlich. leh dachte mir’s. Grosser Gott — Sie tragen in ihrem Eingeweide eine Synagoge herum.” — „Und Israel? Bestand nicht seine Geschichte darin, stets aufs neue zur ü ckzukehren?” Einer solchen „Rückkehr“ gilt nicht zuletzt auch der dritte grosse Roman der Dichterin „Märkische Argonauteeiatort“. kurz vor ihrem frühen Tod notdürftig zu Eade geführt. Aus dem noefe immer brennenden Be rite brechen sieben Menschen nach einem Klo- Der Basler tum JOSEF seinem Leben. sserst a*** fferd®-- Aufsate r kur*ei i* 'S.» «*• re» Sj'1# îfüî ‘ ¿SS* »«*!,, «V 53*" ster der Mark Brandenburg auf, das den beiden Juden unter ihnen in der letzten I riegszeit Schutz gewährt hatte, und wieder sind diese beiden — Arthur und Flora Levi Jesehower — getauft, dennoch Juden, und zwar laut den Aussagen der Dichterin selber, nicht erst gemäss einer vonr aussen hinzutretenden Deutung. Elisabeth Langgüter selbst ist es, die hinter dem griechischen Biiü von der „Argo“, dem Schiff der Argonauten, die biblische „Arche” aufschimmern sieht oder auch den Auszug aus Aegypten, ebenso wie hinter Flora oder Sara Levi-Jesehower Rahe! und hinter ihrem Mann dieser „Jesehower“ — den Gottesnamen, und an anderen Stellen den mit dem Engel ringenden oakob xler Is.-ael, ausserdem immer wieder Hiob, den „ewigen Hieb“. Denn „nicht Griechenland ist die Schwelle, an der Nirwana zerbricht. Es ist Hiob“. Bitter schmerzlich bleibt es, dass Elisabeth Langgüter vom Judentum dem wirklichen und wirklich ewigen Judentum, fast garr.ichts weiss. So wechseln die grossen NA orte auf das jütische Volk mit durchaus »bsfotenden oder aus Unwissenheit stammem';1! Werten. Aber wie wanr dann wieder ein Satz wie der folgende, Deutschland geltend: „In hebräischen L-.tfem stand Gottes Gericht über diesem Land und würde noch lange stehen“; wie ergreifend die Bewill- '~j mmnung Levi-J eschowers durch den Seelsorger des Klosters, der diesen getauften Juden als Juden, nicht als Christen begriisst: „Friede für Israel! Friede für immer!“ Neben den ihrem Judentum treuen Frauen wie Else Lasker-Schüler, Margarete Surman, Gertrud Kolmar, Ntily Sachs steht die zwar die Taufe ‘ebenfalls ablehnende, dennoch vor allem dem Christentum nacheifernde Simone Weil, steht ferner Edith Stein, be usst die Taufe wählend, dennoch als Jüdin ermordet, und steht Ebsabeth Langgässer, schon öei ‘ der Geburt getauft, dann jedoch auch von der eigenen jüdischen Herkunft wieder eingeholt, sie immer weniger verleugnend. ihr aber nur teilweise Endlich fand ich ihn — den Briefträger der ersten Zionistenkongresse in Basel. Da sass er, ein alter Schweizer, mit seiner Familie rund um den Tisch. Seine Frau, seine Söhne und Enkelkinder, etwa 10 Personen. Seine Vorfahren waren bijaelgläubige Protestanten, freiheitsliebende Männer und Freunde der Juden. Als Alfred Drevfus wegen angeblicher Spionage von einem französischen Militärgericht verurteilt wurde, rief der Vater des Briefträgers die Mitglieder seiner Familie zusammen und erzählte ihnen die traurige Geschichte von Alfred Drevfus. Dann verlangte er, dass oine Kinder und Enkelkinder knien, weinen und rufen sollten: „Dreyfus ist unschuldig! Dreyfus ist unschuldig!” Nicht alle Kinder verstanden die moralische Bedeutung der Drevfus- Affare und konnten nicht auf Befehl weinen. Da holte der Vater seinen Ledergürtel und drohte, die Kinder zu schlagen. Nun hörte man in der Gasse ein hysterisches Geschrei und Geweine von knienden Kindern: „Dreyfus ist unschuldig! Dreyfus ist unschuldig!“ Der Briefträger der ersten Zionistenkongresse in Basel brachte alle Postsendungen und -Briefe, die an das Bureau des ersten Zionistenkongresses <1897) adressiert waren. Von nun ab wurde er von der Baseler Postverwaltung bestimmt, um den Postdienst für die Zionistenkongresse, die im Kasino stattianöen, zu überwachen. Von einem Kongress zum anderen hatt» er immer mehr zu tun. Er übernahm unzählige Briefe von Delegierten und händigte ihnen die Post au.s Mit Ehrfurcht und Verehrung spricht er über Theo- ’dor Herzl und Max Nords« — beide bezeichnet er als Aristokraten und Edelmänr.er. „So oft ich sie sah“ — erzählte er — „da hatte ich das Gefühl, als ob sie Männer der Bibel wären. Ich wusste, das., sic in Bagewachsen. Zugleich aber war sie eine echte Dichterin Der Blick auf die jüdische Bedeutung ihres Werkes eine notwendigerweise das rein Inhaltliche in den Vordergrund rückende Betrachtung darf die Tatsache nicht ai.sser acht lassen, die ihren Wert in sich selbst hat, dass Mer eine Dichterin denkwürdige Dichtung«» schuf. gen, der Einmischung der staatlichen Behörden, der kleinen und Jdemliehen Intriguen sowie den Sieg einer Anstrengung, die nur dazu geschaffen war, dass Juden anderen Juden helfen. Gelber versteht es, ein _ an sich fernes Thema — so lebendig zu; gestalten. dass jeder diese wissenschaftliche Abhandlung als eine spannende Lektüre betrachten wird, die sieh leicht und unterhaltsam liest, gleichzeitig aber unser Wissen bereichert. LU ACH (Kalende r ) : Dienstag, den 17 Januar 29. Tevet. Mittwoch, den ¿8. Januar 1. Sch wat Donnerstag, den 19 Januar 2 Sch wat Freitae, den 20. Januar 3 Sch wat Sonnabend, den 21. Januar 4. Sehwat Par3chat BO 2. B. M. XIII — XIII 16 Haftara Yirmeyahu XLVI 13 — 28 Sonntag, den 22. Januar 5. Sch wat Montag, den 23. Januar 6. Sch wat Dienstag, den 24. Januar 7. Sch wat . Mittwoch, den 25. Januar 8. Schwat Donnerstag, den 26. Januar 9. Sehwat Freitag, den 27. Januar 10. Schwat »VMV Israel - Marken t» «räotti « ». TtBUIKUB LOCKS — MARKE* MIT PL ATT** NUM- % MER - MÖRSER MIT BAKD — KOMPLETTE SOGE* (pteswAM — VOLL. i STAEITDPSE SAMMLff*®** — WERTVOLLE AUSGABE* - ERSTE SKRJEK i VORHÄNDE* — VERTKAVEMSWT7EHD1GE BERATUNG j AlftMMts MORÍTZSON Guanncachc 2331, dep. 2 % amt- CASH-DO 1 Brieftraeger FR.4 ENKEL sei für Juden eine Fortsetzung der Bibel schreiben.“ Im Sommer 1897 hatte er cm Geschenk aus Petersburg erhalten — ein Album. Nun pflegte er während der Kongresse Ansichtskarten seiner Braut, bald darauf seine Frau, zu schicken, und in diesem Album bewahrte er alle diese Postkarten — über vierzig. Es ist eine seltene Sammlung von offiziellen zionistischen Karten mit dem Aufdruck: ..Zionistenkongress — Zion“, darunter sind einige, die ia<‘ sind. Fast alle wurden im Postamt des Kasinos aufgegeben. In seiner Sammlung befindet sich auch eine Aufnahme der Eröffnung eines der Kongresse, wo Delegierte, in schwarzen Festkleidern mit wf Lasen Halsbinden, zu erkenn« sind. Karten mit verschiedenen Aufnahmen und Zeichnungen von Herzl und Nordau, mit Porträts, die aus hebräischer, Buchstaben bestehen, und Nordau und Gaster darstellen. Auf einer Karte s eh rieb er seiner Frau unter dem Bild, von Nordau: „Der ebenso geniale Verfechter der Dreyfussaehe als geistiger Leber des Zionismus in Frankreich.“ Und unter einem Berzlbtld schrieb er: „Der neue Messias“. Auf dem zehnten Zionistenkongress 11911 > war er nicht mehr im Kasino als Angestellter des Postamtes tätig, dafür aber erhielt er vor seinem Nachfolger zwei *kongresskarten, die zum eisten Mal den offiziellen Poststempel: „Basel — Kongressbureau“ hatten. Nach dem zweiten Weltkrieg lud der Basler Briefträger der ersten Zionisten- Jcongresse seine Söhne mit ihren Frauen und Kindern eie und schilderte ihnen die blutige Geschichte der Nazis. Dann forderte er die Kinder auf. zu knien, zu weife» und zu rufen: „Sechs Millionen unschuldiger Juden wurde» ermordet.“ Alle weinten, auch die Enkelkinder. Als ich mich von ihm verabschiedet hatte, übergab er mir sein Album mit der Sammlung der Postkarten der ersten Zionistenkongiresse in Basel. Stimmen von Ost und West GEBET ▼cm SCHALOM SCHABASI Schaddai, erhöre sie, die Dich rufen, Vor heiliger Stätte sich neigen. Steh ihnen bei in ihrer Not, Zu Dir sind ihre Augen gewandt. Nimm an, o Gott und Fels ,ihr Flehen. 'Erbarm Dich ihrer voller Gnaden, Lass Jakobs Schar hinaufziehn ins Land. Lass sie im Heiligtum erscheinen. Der hehren Feste Deiner Welt, Werk Deiner Hand. ★ TANZ VOR OER HEILIGEN LAOE -von HENRI FRANCK Ein Levite sprach zu mir: Ich weiss von dir, Dass du am heiligen Amt nicht länger Freude hast. Wenn sich das Tor zur weiten Landschaft öffnet. Senkt sich dein Blick zum Lande, das man sieht, Bleib hier, im Tempel, der deine inbrunst werden sah. Glaub mir: der Weg ist rauh und traurig, der da führt Vom Gott, den man veriiess zum Gotte, den man sucht. Und, teures Kind, wenn du ermatten solltest Und deine Reise nicht zum Ende führest. Dann weilest du, dein Herz enttäuscht, die Hände leer, Zwischen dem toten Gestern und dem verschlossenen Mengen Wie laut ist mein Herz inmitten der Stille, Wie weiss mein Gewand inmitten der Nacht! Warum hat ungestümer Liebe Fülle Geheimes Ungemach zu mir gebracht? Welcher verstörte Gram nimmt meine Seele in Besitz? Ich muss entrinnen diesem würdelosen Unbehagen Und dieser bitteren Empfindsamkeit. Gleich einem Kommandant muss ich marschieren Zu dunklen Tempels Schwelle, mit Harfe und mit Degen. Mein Degen wird mir helfen auf unsichrem Wege Und auf der höchsten Klippe wird d'e Harfe singen Im Winde der Stadt und im 'Winde ries Meers. Kaum erwachsner Läufer, mit unverdrossnem Herzen Werd ich die Lichtung erreichen, wo man Gott Das erste der vorstehenden Gedichte ist eine freie Uebertragung aus dem Hebräischen. Selialom Sehabasi, der bedeutendste der hebräisch-arabischen Dichter des Jemen, lebte im 17. Jahrhundert. Das zweite Stück ist eine zfemlich wortgetreue Uebcrselzung zweier Stellen aus der grossen, über achtzig Druckseiten lau gen und zumeist reimlosen Dichtung „Der Tanz vor der Arche”. Henri Franck. der am College Chaptal in Paris Geschichte lehrte und 1912 im Alter Vut\ nur 24 Jahren starb, war eine der genialsten Erscheinungen seiner G neratlon. Der Bewunderung und Trauer seiner Zeitgenossen gab an seinem Grab neben Grössen der französischen Literatur auch Henri Bergson bewegten Ausdruck. EUGEN M\V!P wir R'TTFN auf diesem We*e, von der Möglichkeit direkter Heber vreisung der fälligen Abono-Gebiihren frdL Gebrauch machen zu wollen. Direkte .Einsendung des Abono.Betraget in SCHECK — GIRO — BONO POSTAI LA SEM ANA ISBAEUTA Fueyrreddn 2190, 1* hm|. Capital t. n, 2 Quarta! 1961 m$n 150.— Jahr 1961. . m£n 300.— (»ri«irt ftwtMefet« ■-V-i-f WM* MierdurcR äöerw*a* teto Sh« d<*. Betrag voe ao$a . . ..am* aacbsteb«Dder Abrechnung, io Crw*mtrg Dir« Quittung be^rüioe veto SM df*mei fAdr «M«t * *.: Wir bitten, fin—niunqao m rictoMn an: LA SKUAÜA ÄRAR- UTA.