Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1845 (17.1.1961)
- Date
- 1961-01-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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- — Maries, 17 de E»er* 4^ mt JÜDISCHE WOCHElfSCHAB Ai» XXII. _ No. 1845 Unter Druck oder aus Mitleid DAS PROBLEM DER FLUECHTL1?YGE ‘ t> .-«Wtiss von Seite l» itiertt kennen, sondern sie «um ins Krematorium bringen lassen. Damals seien die verschiedensten Pläne zur Vernichtung aller Hiift- liage besprochen wenden. Zuerst habe man sie mit ei- ' a?m Schleppkahn in d-r ' D&i.au versenken, dann bei | einer Sprengung in einem Schacht, der von den Häftlingen für einen lUistungsbetrieb in den Berg getrieben wurde, umbringen wol- - len Plötzlich sei dann die Evakuierung nach Ebensee ■ uaö Mauthausen befohlen 1 worden. i Technik der Verteidigung Die Verteidigung des Musikant weicht von der anderer Kriegsverbrecher nur . gering ab. Es ist sehr selten gewesen, dass einer der j Kriegsverbrecher sein Verschulden unumwunden zuge-; gehen hat; aber es ist natiirj lieh auch gelegentlich vor-! gekommen, unter grossen : und kleinen Verbrechern. | Die meisten aber leugnen trotz schrecklicher Grau-1 samkeiten und nachgewiesef ner Morde sowohl Täter-' Schaft wie Verschulden, j Auch dieser Muzikant woll-1 te nieiif gewusst haben, was i in den KZ vor sich geht. [ So weit gehen solche Un- ■ measehen in ihren Behauptungen. Erbärmliche Kreaturen!, die sich nicht scheuten. auf Wehrlose einzuscblagen oder auf sie zu sebiessen, die jetzt aber, wo sie sich verantworten müssen aus Angst und Feigheit alle« abzustreiten versuchen. In den Lagern, in denen Muzikant gewütet hat, waren u. a. auch italienische Antifaschisten, also keine Juden, die dort Zwangsarbeit leisten mussten. Auch sie wissen von solchen Grausamkeiten zu berichten. Unter dem Druck des vorliegenden Materials musste Muzikant zugeben, viele Gefangene „abgespritzt” zu haben. Nun setzte ein Feilschen um die Zahl der Opfer ein. Natürlich kann das Dr FREYI Abogado \ rtnrrRREßoir um ♦ ♦ t nachm 16—19 Uhr T heute nicht menr genau Muzikant verteidigte sich nachgewiesen werden. Wie damit, seine Verbrechen j wäre das auch anders zu \ „unter Druck” hegangen zu erwarten, wo die meisten Zeugen durch Muzikant oder andere Leute seines Sc hlages beseitigt worden sind. Die Mörder von gestern machen sich die Beweisnot zunutze. Muzikant ist auch nicht der erste, der behauptet, er habe die Gefangenen aus haben. Auch er beruft sich ■ also auf den berühmten I „höheren Befehl”. Immerhin war Muzikant nur eia , KZ-Sanitäter”. wie er sich nannte, aber ein Sanitäter., dessen Mission nicht darin j bestand, kranken oder leij denden Menschen beizustehen. sondern die Leiden der Mitleid abgtspritzt; er gab unglücklichen Gefangenen zu ■ vergrössern oder sie einfach { „abzuspritzen”, d. h. zu ermorden. Man wird sagen ■ können, das es doch AeTzte! gegeben habe, die sieh nicht ' scheuten, ihre ärztliche Wis- [ senSchaft zu Mordzweeken zu benutzen. Wa, wffi man | dann von einem Sanitäter? l Aber die Schuld des einen r enthebt nicht den Unterge- [ benen von seiner Verantwortung. Würde man an i diesem Grundprinzip nicht ] in der i festhalten, so würde die gemoraM- 1 Samte Gesellschaftsordnung gleich eine Alternative: aus Mitleid octer auf Druck .. Die Mitleidstheorie haben v.ir erst vor wenigen Wochen von einer ehemaligen KZ-Aerztin gehört, die um ihre Wiederzulassung kämpfte. Diese Dame meinte, sie habe nur „Sterbehilfe” geleistet... Das liveau dieser Leute ist nicht mehr zu unterbieten. Die Ehemaligen sind sich treu geblieben in der Verwerflichkeit ihrer Gesinnung, \ erdrehung aller Von einer Verringerung der Flüchtlingspcobleme in Europa sprach UN-Flüeht- IL.gs-Kommissar Dr. Lindt vor dem Sozialausschuss der Vereinten Nationen in New York. 19S5 habe die Gesamtzahl der noch nicht untergebrachten Flüchtlinge in Europa 252.000 betragen. Ende 1960 werde sich diese Zahl trotz der in den letzten fünf Jahren hinzugekomenen 238.000 neuen Flüchtlinge auf 75.000 verringert haben. Dr. Lindt sagte, dass Anfang 1955 in Europa 85.000 Flüchtlinge in Lagern lebten. Dies sei ein „überwältigt oder Rückgang” gemess«n an den Hunderttausenden von Flüchtlingen, die am Ende des zweiten Weltkrieges in Lagern untergebraefct wären. Ende cfieses Jahres, fügte er hinzu, würden noch 13.300 Flüchtlinge in europäischen Lagern leben. 1961 dürfte praktisch den Abschluss der Räumung der Lager in Oesterreich und Italien bringen, während es in Deutschland noch einige Monate länger dauern würde. Lindt hob noch hervor, dass Länder wie Australien. Kanada und Neuseeland während des abgelaufenen „Weltflüchtlingsjahres” zum erstenmal davon afcgegangen seitm. r.ur absolut gesunde Flüchtlinge aufrunehm-en. Das von Grossbritanoien angeregte WeTtönehtMngs - Jahr brachte nach Mitteilung der UN die Summe von rund 840 Millionen. Mark zttr Unterstützung der Flüchtlinge ein. U SIMM ISRAELITA Bise manarlo — aparece los Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda Verantwortlichr Dr. H. Swarsensky Pueyrredón 2190. I? izq. T. E. 83-2613 80.6930 A bono-Preis: Argentinien: 9 75.— pro Quartal Ausland $ 450,— jährl. sehen Wertbetriffe und ih-1 ins Wanken gebracht werrer Schwäche, wenn sie sich ' den. Im übrigen wird die allein und nicht in Rudeln Schuld des Untergebenen oder Massen befinden und nicht geringer, wenn er sich Rede und Antwort stehen zum Komplizen seines Vorsclien. j gesetzten macht. Menschen aus Mitleid zu > Der Hinweis auf den ermorden, soll offensichtlich kein Mord sein. Es lohnt sich gewiss nicht in eine Untersuchung darüber einzutreten, ob es für das Mitleid nicht andere Ausdrucksformen oder Verhaltensmöglichkeiten gegeben habe als Mord... __ „höheren Befehl” ist nichts Neues. Selbst ein Generalfeldmarschall hat sich als Angeklagter nicht geschämt, seine Unschuld zu beteuern, weil er einem Befehl gehorcht habe. Grausam ist bereits der Gedanke, dass dies nun die Herren waren, unter deren Soldatenstiefe} eine Welt erzitterte! Zur Ehre mancher deutscher Untergebener sei hier festgestellt, dass sie sich solchen Mordbefehlen wi- Mitunter liegt in diese» ' oder ähnlichen Aeusserun- ■ gen eines angeklagten Ver-; hreebers ein ungesunder Zynitre us, eine unbegreifliche Scham- und Hemmungsloj sigkeit oder eine Dreistig- , der setzt haben. Aber es wakeit, die schon die Grenzen! pen nur wenige, die den jeden Respektes vor einem ,Jt Qazu hatten. Dass sie Gerichtshof übersteigt. Bei; nicbt.alle das Verbrechenprimitiven Menschen jedoch ’ scbe ^Jres Tuns und der ihbegegnen wir bei solcher ner! gegebenen Befehle er- Einstellung häufig einer gei-1 ^a,1D^ hätten, dürfte wohl stlgen Verwirrung, die das ^aum geleugnet werden kän- Resultat der nationalistinfn.- Tatsache, dass sehen Propaganda und Erdiejenigen,, die sich weigerziehung ist. Aus solcher |ten* Mordbefehleauszufüh- J. Liebling FOURN1ERE — 1PERRHOELZER DIAZ VELEZ $224 a) 46 T. E. 43-2343 /0240 r 3021 Grundhaltung ist zu erklär-h, niemals zur ren. dass Menschen bereit waren, ihre eigenen Eltern zu denunzieren und der Gestapo preiszugeben. Erst als die Nationalsozialisten alle moralischen Werte und Vorstellungen zertrümmert hatten, die bis dahin das bürgerliche, das familiäre, das wirtschaftliche und politi- Verant wortung gezogen wurden. Vielleicht glaubten viele, die sich in Gewissensnot befunden haben, morden zu > müssen, um ihr armseliges Leben zu retten. Aber auch das ist keine Entschuldigung für die Morde, die sie begingen. Man soll auch nicht verler Nationalitäten und Glas faens Bekenntnisse gegeben hat Denn der Kampf der Nazis galt nicht nur den Juden, sondern z. B. auch der katholischen Kirche. Nur dass die Macht der Kirche doch viele vor dem Untergang bewahrte. Aber in elfen KZ waren Priester, waren Bibelforscher, ira'öi Gottgläubige, die den nazistischen Wahn nicht mitmachen wollten. Sie erlitten In vielen Fällen ein grausiges Schicksal. Ihre Mörder handelten auf Befehl? Sicherlich. Aber sie sind deswegen unschuldig, den Mord begangen zu haben? Niemals. Der Einwand, auf „höheren Befehl” gehandelt zu haben, ist kein stichhaltiges Argument. Kollaborateure Kollaborateure der Nazis hat es überall gegebe.i, unter ihnen auch wenige Jude». Diese Tatsache moralisch zu werten, ist überflüssig. Juden sind nur in den seltensten Fällen den Verlockungen oder Drohungen der Nazis erlegen, durch Verrat oder Kollaboration sieh zu retten. Die meisten der jüdischen Spitzel oder sonstigen Handlanger der Nazis wurden von ihren Brotgebern schliesslich umgelegt. Muzikant beruft sich auf einen jüdischen Arzt namens Hirsch, der ihm die Todespritzen gegeben habe, gegen den. wie der Staatsanwalt mitteilte, ein Ver fahren eingeleitet werde. Immerhin gebrauchte der Anklage - Vertreter sehr scharfe Worte, um Hirsch zu charakterisieren, den er als „den übelsten Koltaboraot.en aus den Reihen der Häftlinge mit der SS” bezeichnet^. In dem Verfahren wi-deo wir also hören, welche Rolle dieser Dr. Hirsch gespielt hat, der sich dazu hergegeben haben soll, den Nazis bei ihren Morden behilflich zu sein. Die Frage der Kollaborateure wird auch beim Eichmann-Prozess eine Rolle j spielen wenn auch in einer I völlig anderen Form. Bej k3nntlich haben Unierhändj ler der ungarischen Juden eine Verbindung mit Eiehmann gehabt zu dem Zweck, eure grössere Anzahl ungarischer Juden gegen Lösegeld aus den Klauen der Nazis zu befreien. Nun ist behauptet worden, auch dies sei eine Form der Kollaboration. lieber diese Frage wurde bereits viel debattiert. Es wurden Prozesse in Israel geführt, es kam zu heftigen Auseiaaodersetzungen, es fiel sogar ein Todesopfer, von den einen verehrt, von den anderen als Verräter bezeichnet. Schon hieraus kann man ersehen, eine wie schwierige und komplizierte Frage hier angeschnitten wurde. Sicher’ich wird sich Eichmann auf seine Angebote berufen, Juden unter bestimmten Bedingungen zu befreien. Schon jüngst wurde von einem Berliner Rechtsanwalt der selbst eines Kriegsverbrechern angcklagt war in dieser Hinsicht ein Vorstoss gemacht, offensichtlich um sich und Fi'hmann zu entlasten. Er sagte, Eiehmann habe Juden aus Saloniki nach Palästina bringen wollen .aber der jetzige Staatssekretär Gi'ibke habe dies verhindert, Vie weit diese Behauptung den Tatsachen entspricht oder nur eine Verteidigung oder innenpolitische Aktion darstellt, bleibe hier dahingestellt, zumal wir diese Frage schwer entscheiden können. Immerhin kann man beobachten, in welche Richtung die Ablenkungsmanöver gerichtet saín werden. Deswegen haben wir auch zunächst nur in allgemeinen Zügen das Problem der Kol labor anten angeschnitten. Auch hier handelt es sich ' um eine Frage, über die je- ¡ der mit Argumenten zu de- , battieren imstande sein solt-; le. die auf Tatsachen beruhen; REAL PEN I > Füllhalter REPARATUREN J Spezialgeschäft CORRIENTES 569 T E. 49-5850 Optica DIPL. OFTlXn Sarmiento 829 i *T. 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Fernand« Badw X — OarcMeaebtiittg — Electracardiagramiaa CU8A 244f — Te E, 73-1782 ■. 73-8817 Consuttas: Montag Ms Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend; 14—16 Uhr i