Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1845 (17.1.1961)
- Date
- 1961-01-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Hx JemJáii&JbAjaeUícL PUEYRREDON 2190 — I? izq. 2 6 13 No. 3845 BUENOS AIRES, MARTES 17 DE ENERO DE 1961. Año XXII. .•«'I-' De la Población de Israel Tel Avív. _ Esperamos que al finalizar el segundo decenio de la vida independiente de Israel, la población del país será de tres millones de habitantes, su región sur será colonizada y puesta bajo i lego aprovechando las aguas del Jordán, se construirán seis nuevas ciudades en el Neguev, la industria Herá desarrollada y la productividad tendrá un gran Incremento.” Estas declaraciones fueron formulabas durante una conferencia en Tel Aviv por el ministro de Finanzas, señor Levi Eshkol. Dijo que la puesta bajo riego de la región desierta del Neguev costará unas 400 millones de libras Israelíes. La región meridional se convertirá también en un gran centro industrial, con el aprovechamiento del gas natural y el establecimiento de gramiles empresas petroquímicas. Agregó el ministro que a pesar de que los^ mercados árabes están cerrados para la industria de Israel, este país tiene grandes posibilidades de expandir su comercio con diversos-.-países pde Asia y /Paris. — Der Kapitän des Segelbootes, das nahe der marokkanischen Küste kenlerte, und bei dem 43 marokkanische Juden, Männer. Frauen und Kinder, im Meer ertranken, wurde verhaftet. Nach einer Nachricht aus Melilla wurde er angeklagt, die marokkanischen Gesetze verletzt zu haben. Die Anschuldigungen, die gegen ihn erhoben worden sind, stützen sich nicht auf seine Verantwortung für den Tod der Auswanderer. Nach bisher nicht bestätigten Nachrichten aus Melilla haben die drei Besatzungsmit.glieder, die sich retten konnten, das einzige zur Verfügung stehende Rettungsboot für sich genommen und die Passagiere daran gehindert, das Rettungsboot zu besteigen. Sie sollen auf die im Wasser mit dem Tode kämpfenden unglücklichen Opfer dieser Katastrophe mit Rudern eingeschlagen haben. Bei den drei Besatzungsmitgiiedern handelt es sich um den Kapitän Francisco Morilla, einen 38jährigen Spanier, den Chefmechaniker Cristóbal Moya und den Matrosen Michael Schrek. Nach Pariser Quellen soll sich das Schiff in einem guten und seetüchtigen Zustand befunden haben, so dass irgendwelche Beschuldigungen über Nachlässigkeiten bei der Benutzung eines solchen Schiffes für Auswanderer nicht erhoben werden könnten. Nach einer Nachricht aus Gibraltar haben ^verschiedene Motorboote, die nach den Leichen suchten, 22 lote an die marokkanische Küste gebracht, vor allem Frauen und Kinder. Das Segelschiff, das unter der Flagge von Honduras fuhr, war Eigentum eines gewissen Miguel Abald, eines Spaniers, der in Gibraltar ansässig-ist. Das Schiff wurde durch Vermittlung eines Engländers, namens M. Scott, verbracht. Der Kapitän Murilla erklärte den marokkanischen Behörden. er habe die israelischen Passagiere in einem Luxusscbiff gefahren. Als man jedoch später bei der Identifizierung der Leichname feststellte, dass die Opfer marokkanische Juden gewesen sind, versuchte Morilla, aus Marokko zu fliehen. Er ga'b schliesslich zu, es habe sich um „illegale Einwanderer” gehan- WIE ICH ES SEHE Unter Druck oder aus Mitleid ton JEHUDA GOTTHEIMER Vorbemerkung Wir werden uns in den nächsten Wochen und vielleicht auch Monaten häufiger und ausführlicher, als dies bisher geschehen ist, mit den Prozessen gegen die ehemaligen SS-Männer beschäftigen müssen, die in deutschen Konzentrationslagern Grausamkeiten unvorstellbaren Ausmasses begangen haben. Wir tun dies nicht — und glauben diese Erläuterung unseren Lesern schuldig zu sein — um alte Wunden aufzureissen oder Vorwürfe zu wiederholen, die niemals verstimmt sind und wohl auch noch auf lange Jahre hinaus niemals unterdrückt werden gönnen. Wenn wir diese Informationen und Kommentare geben, dann geschieht es aus einer grossen Verantwortung heraus, die nicht uns als eine jüdische Zeitung trifft, die vielmehr auf jedem einzelnen Juden ruht, den zu unterrichten unsere Aufgabe darstellt. Denn jeder einzelne Jude muss eine Aufklärungsar beit leisten, die im Angesicht der kommenden Dinge wichtiger als jemals sein wird. Der bevorstehende Profess gegen den ehemaligen SS-Gewaltigen Adolf Eichmann ist für unser Volk von grösster Bedeutung. Haben wir doch wenig mehr als 15 Jahre nach der Beendigung der Schreckenszeit feststellen müssen, dass die Welt von all dem, was geschah, entweder nichts vveiss oder nichts mehr wissen will, dass es sogar Stimmen gibt, die bestreiten was vorgekommen ist, oder sich darum bemühen, die unleugbare Schuld zu verringern. Dieser Prozess soll für alle Zeiten festhalten und klären, dass im Zeitalter der Technik und des angeblichen Fortschritts sechs Millionen Juden auf Befehl einer deutschen Regierung sterben mussten, nur weil sie Juden waren. Es geht nicht nur um die Ehrung des Namens unserer Opfer, es geht nicht nur um die Feststellung einer historischen Schuld oder gar um Vergeltung', obwohl es nur menschlich wäre, wenn wir Juden nach einer Vergeltung verlangen würden, es geht um mehr: esgeht um die Feststellung der Wahrheit. Deswegen ist es richtig, diesen Prozess mit allem Aufwand zu führen und ihm auch äusserlich das Gewicht zu geben, das ihm zukommt. Deswegen hat die israelische Regie- Oesterreich fordert 500 Millionen Zwischen Oesterreich und der Deutschen Bundesrepublik wurden Ausgleichsverhandlungen über die I österreichischen Forderungen nach deutschen Entj Schädigungen für die in Oesterreich lebenden Heimati vertriebenen und Opfer des Nationalsozialismus wie- : der auf genommen. | Eine österreichische Delegation unter Leitung ■ von Botschafter Schöner (Botin) hat die neuen Verhandlungen mit dem Lastenausgleichsamt in Bad Homburg aufgenommen. Sie wird die Verhandlungen mit einer deutschen Delegation unter Leitung ,von Ministerialdirektor Dr. Feaux de la Croix im Finanzministerium fortsetzen. Oesterreich fordert einä Entschädigung von 500 Millionen Mark. Die Höhe jdes deutschen Gegenangebotes wird zwar geheimgejjialten, doch ist bekannt, dass es bedeutend niedriger Hst als die österreichische Forderung. Die Verhandlungen werden Ende Januar in Wien fortgesetzt. "SC«* rung richtig gehandelt, dem Eichmann einen Verteidiger zu stellen, einen Verteidiger seiner Wahl. Wollen wir hören, was dieser Verteidiger, ein Anwalt der freien und demokratischen Bundesrepublik, zu sagen hat, wenn die Scheusslichkeiten eines Eichmanns verhandelt werden. Wir haben bei früheren Anlässen darauf verwiesens dass von interessierter Seite immer wieder Versuche unternommen werden, die Verantwortlichkeit der Nazis für ihre Schandtaten zu verringern und sogar einen Eichmann zu entlasten. Um diesen Bemühungen enlgegenzutreten, unterbreiten wir vor unseren Lesern Tatsachenmaterial, damit sie selbst in Stand gesetzt werden, Unterhaltungen mit ähren Freunden oder Bekannten, mit Direktoren oder Arbeitern, mit studierter* oder einfachen Menschen zu führen, die sich heute alle mit dem Eichmann-Thema beschäftigen. Prozess gegen Musikant Der frühere SS-Scharführer Muzikant, dem der Sta atsanwalt zweihundert Morde in den Konzentrationslagern Mauthausen, Steyr und Melk zur Last legt, hat vor dem Schwurgericht in Fulda zugegeben, die ersten Häftlinge im Hobst 1944 getötet zu haben. Er beiief sich dabei allerdings auf sein Mitleid, das er mit zwei alten und schwer kranken französischen Häftlingen gehabt habe, als sie von dem Aussenlager Melk zu einem Geslapoverfahren in das Hauptlager Mauthausen hätten transportiert werden sollen. Alle späteren Grau-; samkeiten habe er nur auf Druck seines Vorgesetzten in Mauthausen oder auf Befehl des Lageri'Ohrers von ] Melk. SS-Obcreturmführer Ludolf begangen. Muzikant behauptete, er ' habe den beiden Häftlingen j die Spritze im Beisein des clelt. Daraufhin wurde er durch die Polizei verhaftet. Er befindet sich zur Zeit in einem Gefängnis von Melilla unter der Anklage, die marokkanischen Einwanderungsgesetze verletzt zu haben, die den Transport von Passagieren ohne hinreichende Dokumente verbieten. Jetzt erklärt man, das Schiff sei während eines schweren Sturms um 4 Ubr morgens auf einen Felsen gelaufen, der sich unter dem Wasser befindet. SOS-Rufe wurden nicht gegeben, woraus man schliesst, dass das Schiff nicht angemessen und ausreichend ausgestattet war, oder dass der Kapitän Morilla die Nerven verloren bat. Der erste Alarm wurde von marokkanischen Fischern gegeben die nachts in der Nähe der Unglücksstätte ihre Netze auslegten, und die plötzlich drei auf die Küste zuschwimmende Menschen beobachteten. Sie übernahmen diese drei Menschen und übergaben sie einem spanischen Fruchtdampfer, der die nächste i Hafenbehörde in Algecinas! verständigte, woraufhin ein j allgemeines SOS ausgegeben worden ist. Daraufhin seien einige Schiffe und Flugzeuge, unter ihnen solche der RAF, die in Gibralter stationiert sind, zur Unglücksstätte gefahren, die mit der Suche nach Ueberlebenden begonnen haben. 2G Leichname, unter ihnen ll Frauen und 6 Kinder, wurden aus dem Meer gefischt. Alle hatten Rettungsringe aus Kork, die aber nichts wert waren, zumal das Meer sehr stürmte. Zwei Flugzeuge der RAF informierten darüber, dass sie noch weitere zwei Leich- Africa. : ' Swbrayö asimismo la neeesidad de aume.titar la produotividad para poder competir en los jnerc.ados mwndiales. SCHLOMO S. TANGER Von der Bevoelkerung Israels Tel Aviv. — „Wir hoffen, das am Ende des zweilen Jahrzehnts im unabhängigen Leben Israels, die Bevölkerung des Landes drei Millionen Einwohner betragen, seine südliche Region kolonisiert und mit Ausnuizung der Jordanwasser bewäsert sein wird, dass sechs neue Städte im Negew gegründet seki werden, die Industrie entwickelt und die Pioduktivität eine grosse Steigerung erfahren wird. Diese Erklärung gab Finanzminister Levi Esbkol 'bei einer Konferenz in Tel Aviv ab. Er gab bekannt, dass die Bewässerifbg der Wüstenzone des Negew ca. 400 Millionen IL kosten dürfte. Die südliche Region werde sieb auch in ein grosses industrielles Zentrum verwandeln, sobald das natürliche Gas ausgenutzt sein und grosse petrotechnische Unternehmen errichtet werden. Der Minister fügte hinzu, dass, trotzdem die arabischen Märkte für die israelische Industrie verschlossen seien, das Land grosse Möglichkeiten habe, seinen Handel mit den verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas auszudehnen. Des weileren betonte er die Notwendigkeit, die Produktivität zu erhöhen, um auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein. SCHLOMO S. TANGER name gesehen haben. Die Hoffnung, Menschen noch am Leben zu finden, wurde aufgegeben. Diese Katastrophe hat in der französischen Presse, ebenso wie in politischen Kreisen zahlreiche Kritiken hervorgerufen. Mit Schärfe wurde gegen jedes Fehlen einer menschlichen Regelung bei den marokkanischen Behörden protestiert. Den Marokkanern wird vorgeworfen, sie seien allein dafür verantwortlich, dass wieder einmal eine Situation geschaffen worden ist, die zu einer heimlichen Auswanderung führt. Der Tod dieser Juden, so sagt die Zeitung „Le Monde ', sei j das Ergebnis der Verweigerung von Pässen an die marokkanischen Juden, die das Land verlassen wollen. Auch andere Zeitungen beschäftigen sich mit den antijiidischen Massnahmen in Marokko. Man nimmt an. dass diese Kritiken bei den engen politischen und kulturellen Beziehungen Frankreichs zu Marokko die Haltung der dortigen Regierung beeinflussen wird. Ein Sprecher der marokkanischen Botschaft in Paris erklärte dem Korrespondenten der ITA, es sei für die nächsten Tage eine Besprechung über die durch die Katastrophe entstandene Situation vorgesehen. jüdischen Häftlings - Arztes Dr. Hirsch gegeben. Sie seien sofort tot gewesen. Dr. Kirsch habe ihm auch das Injektioflsmittel gegeben, das nach Karbol roch. Als Todesursache habe der Arzt dann in den Totenscheinen Altersschwäche angegeben. Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten vor, dass er in bisher fünfzehn Vernehmungen noch nichts von Dr. Hirsch gesagt habe. Jetzt falle ihm plötzlich ein, dass dieser als der böse Geist bei den Todesspritzen hinter ihm gestanden habe. Es sei wohl bekannt, dass Hirsch der übelste Kollaborant aus den Reiben der Häftlinge mit der SS gewesen sei, doch habe ihn Muzikant noch nie in dieser Form belastet. Der Staatsanwalt teilte in diesem Zusammenhang mit, dass der Lagerfiibrer Ludolf, der SS- Axzt Dr. Krebsbach und andere verantwortliche SS- Fiihrer des Lagers Mautha.usen und seiner Nebenlager hingerichtet oder rechtskräftig verurteilt worden seien. Gegen Dr. J-Iirseh werde ein Verfahren eingeleitet. Muzikant stritt auch ab, im August 1944 in Melk 42 Häftlinge durch Giftspritzen getötet zu haben. Wie schon am Vortage, widerrief er frühere Aussagen, verwickelte sieh dabei aber in Widersprüche und gab n\ir zögernd und stockend ausweichende Antworten, wenn ihm sein früheres Geständnis vorgehalten wurde. Er gab aber zu, dass er möglicherweise zu dem Lagerarzt Dr. Sohra auf dessen Vorhaltungen über die Behandlung der Häftlinge gesagt habe: „Das sind doch keine Menschen, die muss man anders anpacken.” Es sei in den Belehrungen den SS-Lagermannschaften immer erklärt worden, die KZ-lnsassen seien die Feinde des Staates. Auf die Frage des Staatsanwalts: „Glauben Sie, dass Staatsfeinde keine Menschen sind?” antwortete Muzikant mit einem Achselzucken und fragend erhobenen Händen: „Ja, das winde uns immer gesagt.” Er fügte mit geschlossenen Augen hinzu: ..Es wurde uns nur gesagt: Die Staatsfeinde sind nicht als Menschen zu behandeln.” j Muzikant verwaltete nach : seiner Aussage auch das! Zahngold. das den ioten j Häftlingen auf Befehl abge- I nommen mul dann dem SS- : Zahnarzt in Mauthausen abj geliefert wurde. i Im März und April 1945 will Muzikant auf Befehl des Lagerleiters Lndoll' sechs bis acht Häftlinge durch Einspritzen einer Karbollösung ' gelötet hauen. Er sagte: j „Ich habe bei weitem nicht die Zahl erreicht, die Lu-! doli forderte.” Die Namen j und Nationalitäten der Ge-; löteten wusste Muzikant nicht mehr. Für ihn waren damals „nur die Nummern massgebend”. Der früher« KZ-,.Sanitäter” handelt geradezu mit Richtern und Staatsanwälten um die Zahl der getöteten Häftlinge. Er sagte, er habe nur „die schlechtesten und am meisten heruntergekommenen Kranken abgespritzt und deren Erkennungsmarken dann beim Lagerleiter abgeliefert.” Auf die Frage „Was sagten die anderen Mithäftlinge?” antwormte er: ,Es hat sieh keiner geäussert.” Die Todeskandidaten hätten sieh nicht zur Wehr gesetzt, sondern apathisch „den Arm zur Spritbe gereicht.” I.andgerichtsdürektor Vasters, der Vorsitzende des Schwurgerichts, hielt Muzikant vor, dass er im Vorverfahren kein Won von den Todesprifzen auf Befehl gesagt habe, sondern nur alte und unheilbare Kranke aus Mitleid getötet haben wollte, um ihnen weitere Qualen zu ersparen. Muzikant antwortete: „Es war aber tatsächlich auf Befehl! Was ich früher angab, war nicht wahr.” Er bestritt, unmittelbar vor der Räumung des Lagers Melk za hl ••eiche kranke Häftlinge '.¡mgebraebt zu haben. Ej ..Es lagen damals viel Tote im Revier herum. ' Er habe sich aber bei dem grossen Durcheinander nicht um ihre Todesursache k.im- ( Schluss Seite