Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1843 (10.1.1961)
- Date
- 1961-01-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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ann begann * 5eit einigen Jahrzehnten weisen die Historiker mit Recht dar auf hin. dass die Gcisiesströmungen. die die Renaissance kennzeichnen, viel früher, als man angenommen hatte, in verschiedenen Epoc.ien des Mittelal- ‘ers geschichtlich wirksam waren, während auf der anderen Seite Tendenzen des Mittelalters noch viel später kenntlich sind. In ähnlicher Weise bemüht sich Erich Sc'nochat in seinem soeben •erschienenen ganz besonders aufschlussreichen Buche: ..im Wandel der Zeiten: Der Beginn der Aufklärung im Deutschen Judentum" die Auflösung der mittelalterlichen Welt der deutsche« Judenheit und den Beginn der Aufklärung nicht — wie allgemein üblich — mit Mendelssohn, sondern schon zu Ende des 17. Jahrhunderts in jedem Fall aber in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu datieren. Erich Schochat ist nicht der erste, der den Beginn der Neuzeit des jüdischen. Volkes früher beginnen lässt, Professor Gerschoni Scholem, Professor Ben-Zion Dinar und der bekannte amerikanische Historiker Saio Baron, jeder von seinem bestimmten Gesichtspunkt aus, gingen ihm voran. Scholem sah den Misserfolg -der pseudomessianischen Bewegung Sabbatai Zwis mit ihren Ausläufern und die «darauf folgende seelische Reaktion — wohl übertrieben — als entscheidenden Grund für die Erschütterung der traditionellen Form. Für DLnur bedeutete neben anderen Faktoren die Alija der Chassidim im Jahre 1700 etwas wasenhaft Neues, während in Wirklichkeit diese Alija ihrer Struktur nach ganz zum Mittelalter gehört. Alle diese Historiker weisen aber auf Erscheinungen und Zusammenhänge auf verschiedenen Gebieten des jüdischen Lebens hin, die zu ergründen nun Schochat auf steh nahm. Zu diesem Zweck trägt er umfangreiches Material aus jüdischen und nichtjüdisehen Quellen au- .sammen, um diese Tendenzen aufzuzeigen und in einen grösseren Zusammenhang einzugliedern. So ergibt sieh — schon zu Ende das 17. Jahrhunderts, bestimmt aber zu Anfang des 15. Jahrhunderts und bei materiellem Aufstieg und politischer Stabilität — ein Büd des geistigen, sozialen von PIN CH AS und sittlichen Niederganges der deutschen Judenheit, ja der beginnenden und — jedenfalls in bestimmte Schichten — ziemlich weit fortschreetend-en Auflösung des traditionellen Lebensbereiches, in dem jeder Einzelne und die Gemeinde ihren Ort und ihre Aufgabe hatten. Obwohl seine Gesichtspunkte nicht neu sind, ist das so entworfene Bild in seiner Weise neu. wenn auch vielleicht etwas einseitig- Früher nahm man an. dass durch die Bewegung der Aufklärung und durch die französische Revolution neue Kräfte im Judentum ausgelöst wurden. In Wirklichkeit aber vollziehen sich, wie Schochat mit Recht zpigt. wesentliche und für die spätere Zeit als typisch angesehene Veränderungen schon vorher, allerdings wieder zum grossen Teil als Folge von Faktoren, die die allgemeine Geschichte jener Zeit bestimmten. Durch allgemeine Veränderungen, die mit der Entwicklung der Gesellschaft und des absoluten Staates Zusammenhängen, gingen die ROSENBUJETH Joden in steigendem Masse von der Beschäftigung mit Zinsdarlehen zum Handel, zum Grosshandel und zum Grossbetrieb über. Der absolute Staat war bestrebt, die bis dahin geltende Gemeindeautonomie einzuengen und zu behindern, da sie als Staat im Staate im Gegensatz zum Zentralismus des Absolutismus stand. Andererseits aber bot er dem einzelnen Ju den grössere Möglichkeiten des Aufstieges als früher. Zugleich vergrösserten sieh die Gemeinden beträchtlich durch die Ein Wanderung aus Polen, aus Wien und anderen benachbarten Ländern. Erheblichen Einfluss auf die Aenderungdes Lebensbildes dürften die portugiesischen Juden gehabt haben. Daher ist die Entwicklung in den Gemeinden Hamburg und Altona zuerst erkennbar. Diese waren durch ihren materiellen Wohlstand, ihre soziale Stellung und z. T. auch durch die Reaktion auf di« sabbattianisebe Bewegung, die sie besonders stark traf, mehr als die an- {fe-en Juden in den. aufkommenden Kapitalismus und in die moderne Gesellschaft verwoben und zeigten daher die die Tradition auffösenden Tendenzen besonders klar. Die jüdischen Quellen diese Zeit zeigen mit grosser Klarheit die innere Unsicherheit und Unfertigkeit der jüdischen Weit, die in viel grösserem Masse als bisher angenommen wurde, bei steigendem Wohlstand und verhältnismässiger Sicrerbeit bestand Eine nicht geringe Zahl der Juden neigte dazu, sich an neuen Orten anzusiedeln, unabhängig von dem Bestehen einer jüdischen Gemeinde und ihrem Herrschaftsbereich, eine bisher abgesehen von Einzelfällen nicht bekannte Tendenz. Der Reichtum wurde jetzt vielfach zum obersten Wertmasstab statt, wie bisher, die Kenntnis des Gesetze*. Man bemerkt in steigendem Masse die Neigung, das Leben zu gemessen, luxuriöse Häuser zu bauen, zum ersten Mal beschäftigen sieh deutsche Juden mit Kunst, lassen die Kinder Musik lernen und streben nach allgemeiner Bildung. Erwachsene und Kinder lernen Sprachen, vor allem — wie es damals üblich war — Deutsch und Französisch, und nicht nur um des materiellen Fortkommens willen. Man will sich der Umgebung angleichen. auch in der Kleidung, man macht Ausflüge — wohl etwas ganz Neues, jeden falls bei Juden — und geht auf die Jagd (darüber gibt es Berichte auch aus dem Mittelalter), man besucht Theater und Oper und man liest — Ende des 17. Jahrhunderts — Zeitung. Nebenbei hören wir von einer halaehisehe« Diskussion darüber, ob es angemestuwg zu lesen. Man erfährt auch von Gesellschaften und gemeinsamen Tänzen von Jünglingen und Mädchen, von jüdischer und n-i-chtjüdi scher Jugend, von Damen, die Hunde halten. Man wendet sieh, im Gegensatz zu früher, von der Askese ab und pflegt Gesellschaft auch mit Nichtjuden, und nicht nur aus Gescbäftsgründen. Mehr als früher verhält man sich tolerant gegenüber den Ifietotjuden und zu ihrem Glauben, auch seitens führender Rabbiner der Zeit, wie Rabbiner Jakob Emden u. a. Man erkennt deutlich schon damals die Tendenz, sieh an die Gemeinschaft der Umgebung zu assimilliere«. ihre geistige Kultur zu pflegen und dabei zugleich die eigenen Werte zu vemachlässi gen. Auch der Staat, in dem man lebt, ist einem nicht mehr fremd, auch ihm gegenüber wandelt sich das seelische Verhältnis. . Man steht positiver zu ihm und preist — nicht nur aus Zwang oder Konvention — die Wohltat der Regierung. Dem gegenüber ist die Autorität der Rabbanim sehr im Niedergang begriffen, auch durch die Abhängigkeit von Regierung und Gemeindegewaltigen. Man hört dauernd von inneren Streitigkeiten, das Thorastudium wird nicht geachtet, und viele Mizwot, vor allem das Verbot, den Wein von Nichtjudett zu benützen, und auch Gebote, die Sabbat und Keuschheit betreffen, werden vernachlässigt. Viele Quellen melden von MAIMONIDE! HM VERLAG OMEGA» BUENOS JURES evaitucifa@a mm — t. s* ttsm durch aile ainsohlägig«® Buifc Itandiunpen md dank Ce «nmmscscE wgchwîsckau wwwwsMmom um s» — tt» Mm: ft*:'#' äs$®s?iaÄ|ir.i SS:#*; s » ( Unser I3ild zeigt in der Mitte zwischen den Mikrophonen den P>*es«denter> der Zroni- : nistischen Organisätion Dr. Nach um Gofdmaun, links neben ihn* den Praesfdenten J 'Israels, Jrzcbak Ben Zwi, rechts neben ihm den Ministerp’raesidenten frael David'1 ( Sen Gurion. Man sieht ferner in der ersten Reihe den Justtzirvirrwibr Dr. Rosen,„auf der anderen Seite den Oberrabiner Nissim, hinter ihm rechts den Aussenminlster Frau Gold-* Metr, links den frueheren Ministerpraesidenten Moshe -Sharet und viele andere Persoenlichkerten sen ist, am Sabbat die Zei- LITERATUR * In zunehmendem Masse beginnen die Deutschen wieder sich für den Nahen Osten zu interessieren. Die Bundesrepublik und die Deutsche Demokratische Republik wetteifern um Einfluss in diesem Gebiet. Während man sich in der Deutschen Demokratisoheu Republik im allgemeinen nur für die aktuellen Fragen arabischer Länder, vor allem Aegyptens und des Irak, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Antiimperialismus interessiert, kann man in der Bundesrepublik den Wdlen zur Untersuchung und Darstellurg der historischen und aktuellen Probleme dieses Gebietes zwischen den drei Kontinenten auf einer breiten Br.sis wahrnehmen. Auch U: er- Setzungen ausländ'scher Werke erscheinen dort zahl- - reich. So erschien Steven Rur.eimans Standardwerk die „Geschichte der Kreuzzü'ge“, die der Verfasser „das g:osse zentrale Ereignis der mittelalterlichen Geschichte" nennt in der Uebersetzurg von Peter de Mendelssohn (C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München), Die durch Nassers Reden wieder in das Licht der Aktuali :it gerückte Persönlichkeit Saladins, des grossen Staatsmanns des Islams jener’ Zeit, wird jetzt in einer von Fritz Jaffé besorgten Uebarse'zung und Bearbeitung d:s Werkes voi Albert Champdor: ,,S -ladin“ (Deutsche Verlagsanstalt. Stuttgart) e:nem über das französische Sprachgebiet hinauBgeher d :n Leserkreis nahegebracht. fn die Länder des Nahen Ostens unserer Tage führt das Buch von Gustav Faber: ..Sand auf heiligen Spuren“ ( Engelhornverlag, Stuttgart). Der Verfasser gibt in Form eines Reiseberichts eine fesselnde Beschreibung nicht nur dos gegenwärtigen bunten Lebens in diesen Lät dern, sondern zeigt auch au! Schritt und Tritt die enge Verbindung mit den Tages der antiken Blütezeit. Faber hat sowohl die arabischen Länder als auch Israel besucht. und er versteht es in bemerkenswerter Weise, di« Problematik der Spannung zwischen Israel und den arabisch« Ländern herauszuarbeiten. Dabei ist seine Darstellung der israelischen Position und der kolonisatorischen. sozialen urd kulturellen Leistung sehr positiv. Hierher gehört auch „Da; heilige Land heute" der katholischen Irin Elizibets Hamilton (Verlag Paul Lis: München). Sie schildert ihr; Erlebnisse und Boobachturgen in Israel und Transjordnnien mit bemerkenswertem Eint ti hlcm-gs vermöge! und Sinn für das Wesentliche Die Plätze der christl.- chen Vergangenheit stehe: zwar Lm Vordergrund, doc: steht die Verfasserin auci dem heutigen Israel sei« aufgeschlossen ^g«'nüber. Wohl das bemerkenswert-;- ste der Bücher über den Nihen Ostte« in deutsche Sprache ist „Der Aufs'am der Araber” von Woligan: Bretholz (Verlag Kurt Desct. München- — Wien — Basel. Der Verfasser, als Korrespondent schweizerischer Blättler bekannt, ist nicht nur ein guter Journalist und Kenrer der gesciiichttlich«: Entwicklung, sondern hy. viele Jahre hindurch Geh gen hei) gehabt, die politischen und sozialen Verhärnisse in den Ländern vor Marokko bis Irak an Ort una Stelle zu studieren urd h Gesprächen mit führende Persönlichkeiten sich, authentische« Einblick in die Pr« bleme dieser Länder zu ver schaffen. Startes mdan el Kaser halte and das Prsitige form durehzufüh hat seine Chan nutzt. Sink i-ä und -Kot ¡m eizu kämpfe«, kw die üi&m* - bischen Völker. Führer seines i auf dem Feg zu und sozialer ( zu sein, trolte rer der Araber a ge zu einer Einfc vor den Augen sich ihr zu näl wie eine Fata nichts auflöst.'’ Demgegenüber Verfasser fest, i er König Hussei Jordanien vom der Vereinigten Republik sprecht seinen Worten e visse Geringscl Hess oder gar F dich »»iss Kön dsss er cen Kar Königreich bisre häufigem Auftreten von Dieben, auch von organis.erten Banden — anscheinend eine Folge der allgemeinen Verwilderung rvach dem drei ssigjä irrigen Kriege. Abtrünnige sind mehr menr nur Einzelfälle, Die Naturwissenschaften werden in jüdischen Kreisen hochgeschätzt, vor allem auch seitens der bedeutendsten Rabbiner der Zeit, wie R. Jakob Emde« und R- Jonathan Eibesch-iitz. Bildung und Aufklärung werden als entscheidende Werte betrachtet. Von Interesse dürfte die Bemerkung von R. Jonathan Eibeschütz- 3ew. dass es eine Möglichkeit gebe, Geräte zu bauen, die durch Schiesspulver die Kraft erhalten, die Schwerkraft zu überwinden und in den Weltenraum zu gelangen. Aehnlich erklärt er den Turmbau zu Babel als einen Plan, sich vor der Sintflut durch den Bau eines Schiffes zu retten, das imstande is. mit Hendelssol den Druck der Atmosphäü 'Vielmehr betont zu überwinden und «u» Monde zu gelangen. Auch die im 18. Jahrhm dert üblichen Begriffe de auf die menschlichen Ve:- hälttnisse angewandten Nr tur- und Vernunftsgeseta finden sich vielfach im jüd sehen un-d rabbinische Schriftum. Allerdings ist d:; entscheidende Bedeutung di Vernunftgesetzes für da Offenbarungsinhalt nicht eine Entdeckung Mendelssohn auch nicht R. Emdens, wi hngj j Schochat behauptet, sonder sen findet sich schon bei Gaa Aufklärsn"^ Saadja und den mittelaltert sohns e*thält r che« Philosophen. schon u U rm Gegensatz zum Jidd- Weitg^ Me* sehen und zum Talmudstr des dium betont man schon dt j, ¿ä“™’ mals die Pflege des Hebrä- . Ung sehen «ad das Lernen de kaum Bibel. Mit Reeht fasst dahe e ipoe Seboeh-at im letzten Kapit*. ier _escaic seines Buches« zusammet liiion.dk Mcme srk bestimmt, reits pflegte m «hiedsatn Kri fensiüe Bildun; * »li im Ge Aufgabe darin. 5sn§ far Sitten starker Gleichgiltigkeit dem BeLgiösen. im Gegend »erstreit öie Vorder.! Sen fe ßi dass die AufkSrung nid <*< m. VÎE*ÏS»LOCK» - MAItn ' ■ — KOMPLETTE BGtl I.,, *^*771 I» grawMw Ä««r*äÖ! •. _ - »w* meh - M»Kicea tat eajud - komplett* lpj--. «TAEWWG« SAMMLOTIGEll - WERTVOLLE VOSUlJkJIDEII - VEÄTHAU^HEWUEHDH Ufonm MORITZSON Gu*‘c