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Jüdische Wochenschau · 1960-12-16 · 1836 (16.12.1960) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1836 (16.12.1960)
Date
1960-12-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 16 de Diciembre de I960 LA SEMANA ISRAELITA Aflo XXI. — No. 1836 — » v _ Jüdisches Leben in Pakistan ' ln Karachi, der^grössten Stadt Pakistans, leben unter zv/ei Millionen Einwohnern rund 500 Juden, Bis zur Teilung Britisch-Indiens (1947) ■waren es immerhin 2.000. Recht interessant ist die Geschichte dieser kleinen seiardisehen Gemeinde. Als die Juden Spaniens durch die Inquisition vertrieben worden waren, strandeten ein paar Schiffe in der Nähe von Bombay. Ein grosser Teil, der Passagiere ertrank Die wenigen, die sich schwimmend an Land retten konnten, wurden von den (Hindus freundlich aufgenom- ■rnen. Man schenkte ihnen Land und Pflüge. Bald lautete ihr Beiname Schabbat Delies — die, die nicht am Schabbat arbeiten. Während der britischen Herrschaft genossen die Juden im grossen indischen Kolonialreich Sonderrechte. Wegen ihrer weissen Hautfarbe wurden eie gerne in die Armee aufgenornmen. Damals gab es viele jüdische Militärärzte, hohe Offiziere und sogar einen General. Und vor etwa ß©0 Jahren zog ein Teil dieser Bombayer Juden nach Karachi und setzte sich auch dort durch. Englisch ist heute die Umgangssprache ihrer jungen Generation, während die ältere unter sich noch Marati, «tinen Bombayer Hindu-Dialekt bevorzugt. Spaniolisch, dem die Juden des Balkans und. grosse Teile Arabiens treu blieben, beherrscht hier niemand mehr. Unter den Mitgliedern der - jüdischen Gemeinde von Karachi befanden sieh nicht nur bekannte Aerzte, sondern auch viel gesuchte Architekten und Ingenieure. So erbaute Rüben Clifton das schöne elegante Strandviertel, in dem sich heute das pakistanische Aussenamt. befindet. Er wurde zum Gernindepräsidenten gewählt vor ALFRED JOACHIM FISCHER und beteiligte sich führend an der Errichtung der stilvollen Synagoge von Karachi. Pakistans Juden sind traditionsbewusst. Vom Vater vererbte sich das Gemeindepräsidium auf den Sohn, und vermutlich wird es eines Tages der Enkel übernehmen. Der heute 61jährige Simon Abraham Rüben, dem 11 Gc meinderatmitglieder zur Seite stehen, ist eine markante Persönlichkeit von robustem Aeusseren und starkem Mut. Jahrelang war er Stadtverordneter und Vorsitzender des Erziehungsausschusses. Die Engländer ernannten diesen Ingenieur der BOAC der später der pakistanischen Zivilluftfahrt diente, zum Friedensrichter. Vor einiger Zeit wurde sein Name aus der Liste gestrichen, dann aber machten die Behörden diese Streichung mit. Bedauern wieder rückgängig. Als Indiens Delegierter Pakistan yor den Vereinten ten Thorarollen zerstört. Rüben sprach beim Gouverneur vor, der aufrichtig entsetzt war, alle Hilfe versprach und als Muselmane erklärte: „Nicht die Thora ist geschändet worden, sondern der Koran.“ Dennoch machte sich eine gewisse Nervosität bemerkbar. 1500 Juden wanderten aus. Der grösste Teil ist auf Umwegen nach Israel gelangt und hat sich dort gut eingelebt. Einige Gemeindemitglieder befinden sich nach wie vor in guten Staatsstellungen. Sehr vielt der jüngeren Männer sind Beamte, Handels. und Bankangestellte. Die Mädchen arbeiten als Stenotypistinnen. Vom Bne Israel-Hilfsfonds wird den Armen geholfen; dank eines aus Deutschland eingewanderten Arztes ist auch ihre medizinische Betreuung kostenlos. An den hohen Feiertagen erhalten Nationen j schlechter Behandlung der greift Leuten unter d)e Ar. Minderheiten angegriffen . me, die verschuldet sind. hatte, schickte Ruhen dem damaligen pakistanischen Aussenminister Zaftuila Khan nach Lake Suceess ein Ergeberheitstelegramm. Dar. in wu.de ausdrücklich festgestellt, dass die Juden seines Landes trotz des Kriegs zwischen Arabern und Israel glückliche Menschen seien. Diese Geste trug reiche Früchte. Wenn Ruhen später bei pakistanischen Behörden im jüdischen Interesse intervenierte, fand er immer offene Türen und sehr oft auch offene Ohren Schon 1948 war eine solche Intervention dringend notwendig. Wie . die Synagoge in fast allen islamischen Ländern, wurde auch die von Karachi beschädigt und ein Teil der viele Generationen hindurch sorgfältig gehüte-;UNERRE1CHTE AUSWAHL AN HANDGEKFÜPFTEN <, TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN ° FUER JEDES GEMUETL1CHE HEIM. <1 Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterimgen;; MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus 4 Quader vor Station Urquizs :0US — Wfllennijnnñ) MODERNE WOHN. EINRICHTUNGEN - Sarmiento 1147 UND SCHLAFZIMMER- - SESSELGARNITUREN AUTO - REPARATUR . WERKSTATTi „BENO* Avda, »SSO HUTSCHNECKEft CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Mßswrmt) T. E, Sl - 2205 Darlehen erfolgen zinslos, obgleich die finanzielle Situation der immer kleiner werdenden Gemeinde das Gegenteil von günstig ist. Einen Rabbiner können sich die Juden von Karachi nicht leisten, immerhin aber einen Chasan mit schöner Stimme. Grosses Interesse herrscht für die hebräische Sprache. Mit Unterstützung von aussen glückte es, einen Iwritlehrer aus Istanbul zu verpflichten. Nach einem Jahr fehlten die Mittel, und er musste zum Leidwesen der Gemeinde, vor allem aber der Jugend, zurückkehren. Pakistans Juden sind durchwegs orthodox. Be sebneidungen finden immer am siebenten Tage statt. Zweimal wöchentlich erfolgen rituelle Schichtungen im Gebäudekomplex der Synagoge. Da ein beträchtlicher Frauenüberschuss herrscht, haben in Karachi bereits zwanzig jüdische Mädchen Muselmanen geheiratet. Der Islam erlaubt seinen Anhängern Ehen mit Christen und Juden, da sie den Religionen des Buches angehören, wäh. rend sie sich mit keinen Hindus, Buddhisten, Parsen, etc. vermählen dürfen. Zur Synagoge gehören schöne, behaglich eingerichtete Räume des jüdischen Sportklubs, einer Organisation praktisch aller Gemeindemitglieder. Die beiden Geschlechter silzen während der Klubveranstaltungen wie das die Tradition dieser Gegend verschreibt, voneinander getrennt. Jedoch geht hier die Emanzipation schon so weit, dass man am Schluss munter tanzt, was bei Gesellschaften unter Muslims wohl nur sehr ausnahmsweise der Fall ist. Aus der „deutsch-jüdischen E rngration” leben u.a. , ein vielbeschäftigter Arzt in Cabildo 774 (Karachi, ferner eine bekannte Pianistin, die auch im Rundfunk eine führende Position übernahm, und mehrere Vertreter grosser Handelsfirmen. Allen geht es materiell gut, und keiner beschwert sich über Irgendwelche Schikanen. Auch ist es zu gesellschaftlichen Kon. takten dieser kleinen Emigrantengruppen mit den Pakistanern gekommen. Noch andere Symptome sind ermutigend. Bei Verwirklichung der sogen. „Basic Democracy“ mit Lokalparlamenten die aus gewählten und bis zu 50 % ernannten. Abgeordneten bestehen werden, ist die jüdische Gemeinde nicht umgangen worden. Vielmehr hat man aufgelördert, zwei Kandidaten zu nominieren. Von der Regierungsseite wird alles Erdenkliche getan, um auch nur den Anschein einer Diskriminierung zu vermeiden. Delikat ist dar Pslästina- Probiem. Zionistische Tätigkeit ist diesen Juden untersagt. Bis zu den höchsten Spitzen hinauf hat man aber Verständnis und Sympathien für das Gefühl jüdischer Verbundenheit mit dem Staat Israel. Andererseits betont man aber die islamische Solidarität. Jedenfalls haben die Judenmassaker der Nazis zumindest unter den gebildeten - Pakistanern Abscheu erregt, obgleich sie sonst ausgesprochen deutschfreundlich eingestellt sind. Es herrscht eine gewisse Bewunderung für Israel und seinen Aufbau, aber es bestehen bekanntlich keine dij plomatischen Beziehungen. Ja, man kann nicht mit einem israelischen Pass nach Pakistan reisen. Eins jedoch wünschen die Männer, auf die es in Pakistan ankommt, eine Befriedung der Mittelostregion. In ihren Erklärungen sind sie sehr zurückhaltend, solange noch die Leidenschaften und Temperamente hohe Wellen schlagen. Sicherlich stellen sich die fühlenden Pakistaner eine endgültige Regelung für Israel v/eit ungünstiger vor als die Israelis selbst. Hingegen rechnet im offiziellen Pakistan wohl niemand mehr mit einem vöiligen Verschwinden des Staates Israel. LA SEMANA ISRAELITA BISEMANARIO INDEPENDIENTE B*. Aires — PUEYRREDON 2190, 1’ itq. — T. E. 83-2613 2'/. Kisiew 5721 16. Dezember 1960 d DIE JUDEN IN DER TUERKEI Ankara. — Dip türkische Regierung hat der hiesigen jüdischen Gemeinde einen neuen Status aufgezwungen, der neue Probleme schaffen wird. Auf Verordnung des Innenministeriums sind alle Gemeinderäte in Stambul aufgelöst worden. Jede Synagoge, Woblfahrts- oder Hilfsorganisation, ja sogar die Friedhöfe sollen unabhängige administrative Ausschüsse bekommen. Die Gemeinderäte haben bisher in jedem Viertel die religiösen und sozialen Fra. gen der betreffenden Bezirke geleitet. Der sogenannte Laienausschuss im Grossrabbinat koordinierte alle diese Angelegenheiten. Das israelische Krankenhaus, das Waisenhaus, das Altersheim, die Studentenhilfe und ähnliche Institutionen waren in einem Comité zusammengeschlossen, das die Sammlung von Fonds durcbfiibrte. Dieses Comité ist nunmehr ebenso wie der Laienausschuss aufgelöst woiden. Die neue Verordnung be- »orgt die Gemeindef ¡ihrer zutiefst, denn sie befürchten die Auflösung einiger Institutionen. Die gleichen Anweisungen ei gingen an die griechischen und armenischen Institutionen in d^r Türkei. (ITA) Marokkanischer Vorschlag Casablanca. — Der ehemalige Aussenminister Abdalla Ibrahim, der jetzt an der Spitze der grössten Oppositions-Partei steht. machte den Vorschlag, dass die Frage des Postveikehis zwischen Marokko und Israel durch Vermittlung des internationalen Roten Kreuzes und des marokkanischen Halbmonds gelöst wert! n1 solle. (ITA) llllllllllllllllllllllllllltnilllllllllllllllllllllllllllllllllllHUHHIIIH; MASSKLEIDUN6 7 Ausdruck der Persönlichkeit' Für eilige Käufer Carlton-Fertigkleidung, stabiloform verarbeitet, die gesamte Linie; besonders grosse Auswahl in federleichten Anzügen, Hosen und weissen Sakkos.? Einladung angenommen Johannesburg — Der südafrikanische Board of Deputies beschloss, die Einladung anzunehmen, die Dr. Nachum Goldmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation ausgesporchen hat, und eine brüderliche Delegation zum bevorstehenden Zionistenkongress zu entsenden. (ITA) 1 Varí ton f IHR. KLEIDERBERA.- Maípú 484 I. MÄJPÜ 982 31-7845 31-0357 Geöffnet: Wochentags durchgehend von 8 bis 21 Uhr. Samstag von 8—13 Uhr i Dr. Hardi Swarsensky ¡ i t Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—18 Uhr - __ «mw w Dr. Günter Frey Asuntos Argentinos y Sudamericanos TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAECE - VERWALTUNGEN BUEROZEIT: 16—19 Uhr $ t t % « * i t $ - 0 0PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS — T. E. 83.2613 0 _ 0 070826920297519443^51685398776

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