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Jüdische Wochenschau · 1960-12-13 · 1835 (13.12.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1835 (13.12.1960)
Date
1960-12-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Literatur und Politik in Persien LITERATUR TCi* ist pin lUTprlcmnl ri or er-«» T„ 1 , ■ , .. . -, , _ —.. .. _ .. Es ist ein Merkmal der sogenannten „Entwicklungsländer", dass in ihnen die Schriftsteller — sei es in revolutionärem, sei es in mehr konsekutiv bewahrendem Sinne , — die politischen Entwicklungen in oft entscheidender Weise beeinflussen und mitbestimmen. Im uralten Kulturland Persien oder Iran, das nächstes Jahr das 2500jährige Bestehen seiner Monarchie feiern wird, ist zudem der „homme de lettres", der schriftstellerr.de Politiker und politisierer.de Gelehrte und Künstler, klassische Tradition. Seit 1931 wurde Persien bei verschiedenen internationalen Organisationen in Genf immer wieder von einem Mann vertreten der Mohammad Ali Djamalzadeh heisst, aus Isfahan stammt, „Selyed“ (das heisst Abkömmling des Propheten), Diplomat, Jurist, Historiker und vor allem der Begründer der modernen persischen Prosaliteratur und der berühmteste lebende Schriftsteller seiner Heimat ist. Irans beim „Internationalen Arbeitsamt*- nach Genf berufen, wo er heute noch lebt und auch in seiner Wahlheimat hohes Ansehen geniesst. Am 2. Februar 1921 marschierte der damalige Oberst und spätere Reza-Schah (1925—1941), Begründer der herrschenden Pahlawi-Dynastie, mit seinen persischen Kosaken nach Teheran und stürzte die völlig korrupte Kamarilla um den unfähigen letzten Kadjarenkaiser, der einige Jahre darauf, 1925, endgültig abdanken musste. Dies ist die Geburtsstunde des „neuen Iran“. Reza- Schah baute die transiranische Eisenbahn, die ‘‘ieheraner Universität, Akademien und Schulen nach westlichem Vorbild, die modernen Viertel der Hauptstadt, er schaffte die Verschleierung der Frauen ab, setzte die Trennung von Staat und Religion durch und gab den so verschiedenen Völkerschaften des weiten Reiches ein gemeinsames Nationalbewusstsein. Das Leben dieses Mannes ist abenteuerlich genug. Sein Vater war hoher schiitischer Geistlicher und einer der Vorkämpfer für die Einführung eines parlamentarischen Regimes in Persien: dafür wurde er 1908 auf Befehl des tyrannischen Kadjarenschahs im Gefängnis umgebracht. Damals besuchte sein Sohn ein Kind noch, eine katholische Missionsschule' in Beirut. Später reiste er über Aegypten nach Europa wo er in Lausanne und Dijon Jurisprudenz studierte. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges weilte er in Berlin, Schloss sich dort einer nationalpersischen Emigranten- Organisation an, wurde als deren Agent und Vertrauensthann mit geheimen Aufträgen nach Bagdad, Kerman- Shah und Teheran gesandt, musste vor den in Persien bin rückenden Russen die Flucht ergreifen und kehrte endlich über Istanbul nach Berlin zurück. Nach Kriegsende wurde er Kulturattache der dortigen Botschaft seines Landes und Mitarbeiter am persischen Berliner Verlag „Kaw^h“, wo er u. a. auch eine brillante historisch-politische Studie über die russisch-persischen Beziehungen Veröffentlichte. Im Jahre 1921 wurde er aL Vertreter 1921, das Jahr von Reza- Schahs Staatsstreich, war aber auch das Erscheinungsjahr von Djamalzadehs heute schon klassisch gewordenen Novellenband „Yaki bud yaki na-bud* (Es war einmal.-..), der in persischer Sprache in Berlin herauskam, bei seinem Bekanntwerden in Teheran eine Sensation ersten Ranges bedeutete und einen Riesenskandal hervorrief. Das Buch wurde öffentlich verbrannt, sein Autor verdammt; Regierung, Geistlichkeit und Polizei befassten sich mit dem Skandal. Was war geschehen? Zum ersten Mal hatte ein persischer Schriftsteller gewagt, in sechs glänzend geschrie- Englische und Russische benen Novellen — die inzwischen ins Französische, übersetzt wurden (eine deutsche Ausgabe ist in Vorbereitung) —! in seiner Heimat den Spiegel vorzuhalten. Das Bild in diesem Spiegel ist geprägt von schwermütiger Ironie und einem tiefen Wissen um die Vorder- und Hintergründe der persischen Politik und des Volkscharakters. Die Kritik war denkbar scharf, aber gerecht. Korruption, Heuchelei, Nepotismus, Analphabetentum, geistige und soziale Misere, das Elend der Massen Feig¬ WAtMONIDES \ UH «HO* linjCtdtnkbudi 65Ü.- VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES 6URRUCHAGA 2**9 — T. C. 71-C708 2ti beziehen durch alle einschlägigen Buchhandlungen und durch die JUEDISCHE WOCHENSCHAU PlfEYRREDON 218« 1« — T. E. M-H18 heit, Käuflichkeit und Snobismus der Gebildeten: sie wurden hier mit schonungsloser Offenheit dargestellt — in einer Sprache (auch d es war ein absolutes Novum), die nicht nur ganz bewusst das moderne Umgangspersisch wiedergibt, sondern auch Dialekt und „Argot“ ausgiebig miteinbezieht. Noch entscheidender aber war, dass Djamalzadeh diesem Buch ein Vorwort mitgab, das einerseits zum Manifest der modernen persischen Prosaiiteratur werden sollte und das andererseits die so enge Vertlechiuug von Politik und Literatur in Pex-sien nochmals galt al'er Deutlichkeit demonstriert. Dekadenz, Stagnation und literarisches Epigonentum, die sich seit Jahrhunderten in der monotonen Nachahmung der grossen klassischen Dichter (1000—1500) gefallen hatten, seien — so schrieb damals Djamalzadeh — die direkten Folgen der politischen Tyrannei, des religiösen Fanatismus und der sozialen Misstände, unter denen das Volk in stumpfer und dumpfer Resignation dahindämmerte. Dagegen seien die modernen literarischen Formen des Romans und der Erzählung die besten Mittel zur Heranbildung eines allgemeinen Verantwortungs- Und Zusammengehörigkeitsgefühls. Städter und Nomade, Reicher und Armer, Jurist und Mystiker, Mazederaner und Belutsche, Moslem, Zarathustrier und Beha'i — sie alle könnten sich in solchem Spiegel gegenseitig erkennen und besser verstehen lernen; aber auch weit entfernte Völker, wie selbst beispielsweise die Isländer und die Perser, würden durch ihre Romane und Geschichten erst miteinander bekannt werden. „Hätten etwa die Algerier“ — so schrieb Djamalzadeh 1931 — „einige gute Romanschriftsteller, so würden deren Bücher Regimenter von Soldaten und Hunderte von Reden aufwiegen, weil sie dadurch die Weltöffentlichkeit in ihrem Sinne beeinflussen könnten.. .“ Es ist also keineswegs ein Zufall, dass in einem 1957 erschienen persischen Buch mit dem Titel „Pioniere“ der gegenwärtige Herrscher, Schah Mohammed Pahlawi, und Seiyed M. A. Djamalzadeh gemeinsam die Biographien ihrer Väter erzählen: die politische und literarische Revolution marschierten in Iran Hand in Hand. In den letzten 35 Jahren tragen eine ganze Reihe zum Teil sehr talentierter Schriftsteller mit Romanen, Memoiren und Erzählungen in die literarische — und damit immer auch politische Arena Persiens. Es haben sich Lager und Fronten gebildet. Am rechten Flügel stehen Traditionalisten und politisch ausgesprochen konservative Köpfe, wie die beiden Senatoren Ali Dashti — seiner erotischen und psychologischen Themen wegen auch „der Stefan Zweig Persiens“ genannt — und Mohammed Hedjazi, der s ch ganz an die klassische Ueberlieferung eines Hafez oder Saadi anlehnt, vom Hof 1957 mit dem „Staatspreis für Prosa“ ausgezeichnet wurde und für die Revolution den Ausdruck geprägt hat sie sei „ein bequemes und schnelles Mittel, ohne vorangegangene Ausbildung, Dienstleistung und moralische Qualitäten zu Geld und Rang zu gelangen“; auch nennt er sie „ein Glücksspiel von Leuten, die glauben, sie hätten nichts zu verlieren dabei...“ Dashti wiederum, der unter Reza-Schah entweder hohe Staatsposten bekleidete oder aber im Gefängnis suss (in Persien nur ein Schritt), ist mit seinem Buch „Tage der Haft*' auch zürn inteiessanten politischen Chronisten des modernen Iran geworden. Der neben Djamalzadeh talentierteste moderne Erzähler, der tragisene Sa-eq Hedayat (1903—1951) entstammte einer der herrschenden Familien des Landes. Der von rel’giösen Fanatikern 1951 ermordete Ministerpräsident Genei al Razmara war sein Schwager. Hedayat hat sich politisch niemals endgültig festgelegt. Den Islam und die Araber, „diese barbarischen Zerstörer von Glanz und Macht des alten Persiens“, hasste er tief und fühlte sich demgemäss zu den Zaratustriern hingezogen. Er entdeckte Kafka und Sartre für Persien, war eine Zeitlang extremer Nationalist, stand vorübergehend dem Marxismus nahe, dann dem Buddhismus und schied endlich, „von Kind an in den Tod verliebt“, als ein innerlich Gebrochener in Paris freu willig aus dem Leben. Bozorg Alawi, Saoeq Tschubak, Shin Partu und Seiyed Endjawi, die alle vier zum Kreis um Hedayat gehörien, gingen später verschiedene Wege. Alawi ist, literarisch gesehen, in seinem ausgezeichneten Zeit- und Künstlerroman „Ihre Augen“ und in seinen zarten Liebesgeschichten ein Vollblutromantiker — steht aber politisch extrem links. Unter Reza- Schah während vier Jahren eingekerkert, wurde er 1941 durch die einmarschierenden Engländer und Russen befreit und lebt heute als Emigrant und Professor in Ostberlin. NilLDtlE II I Der diesjährige Kongress der Israel Exploration Society führte eine Programmänderung insofern ein, als er diesmai nicht wie sonst dem Studium einer bestimmten Landschaft Israels gewidmet war. Der diesmal gewählte Ort war Jerusalem, und zwar die schönen Hörsäle der Hebräischen Universität; die allgemeine Stimmung war im wesentlichen glücklicher als diejenige des vor vier Jahren abgehaltenen Kongresses, als, wie noch erinnerlich sein mag mehrere Teilnehmer beim Besuch der Ausgrabungen von Ramat Rahe’ durch feindliches Feuer verwundet und tödlich getroffen wurden. 2SJAEHRIGES JUBILAEUM Tschubag, der in seinen Novellen die Unterwelt Teherans in drastischer Waise schildert, stand früher ebenfalls links, ist aber seit er zum Bibliotheksdirektor der „Nationalen Erdölgesellschaft* ‘anvancierte. p:lit sch verstummt. Ebenso der etwas flache, aber sehr gewandte Unterhaltungsschriftsteller Partu dei heute im Teheraner Aussenrninisterium arbeitet. Endjawi endlich, der in der Aera Mossadegh (1951—1953) mit dem jungen, hochbegabten Dariusch Siassi zusammen die kulturpolitische Zeitschrift „Fackelträger“ herausgab, entgeht der Tagespolitik und ihren Türken durch einen pessimistischen Individualismus mystischer Prägung. Gänzlich unpolitisch ist dagegen sein Freund der Teheraner Telephondirektor und unverwüstliche Humorist Rasul Parwizi, während der ehemalige Marineoffizier Beh-Azin, der im Krieg einen Arm verlor, in seinen naturalistischen Erzählungen, wie der von ihm übersetzte Romain Rolland, einen Das letzte Treffen bedeutet ebenfalls den Beginn des 25. Jahres des Bestehens dieser Gesellschaft. Während der Kongress also diesmal enger gespannt un 1 die Teilnehmerzahl auf die Mitglieder der Gesellschaft beschränkt war, trug er einen mehr wissenschaftlichen, tiefer greifenden und umfassenden Charakter. Eine Reihe W;ssenschaftler aus Japan, den Vereinigten Staaten und Italien befanden sich unter den Gästen. Im Laufe der letzten zwölf Jahre wurden viele wichtige Stätten durch Israels Archäologen erforscht, in einigen Fällen mit Hilfe ausländischer Wissenschaftler, wie z. B. Bet Schearim, Haz-or, Beer Schev/a, Massada. Cäsarea und die Höhlen des Toten Meeres. Es wurde dem Boden wichtiges Material abgerungen, und bisher dunkel gebliebene Probleme konnten durch positive Beweise gelöst werden; es von HANN iH pETOR Wurden viele erstaunliche Tatsachen zu unserer Altertumsforschung kinzugefiigt. All dies stellt das Rohmate rial dar, aus dem die Wissenschaft aie vielen Aspekte jüdischen Lebens auf diesen Boden rekonstruiert und vrt allem einen Hintergrund zs den Bibelgeschichter schafft. In diesem Sinne bemerkte Israels Erziehungsiministe- Abba Eban auf der Schlusssitzung: „Dieses Land iä klein in geographischer, doci gross in historischer Hir. sicht.’’ Die israelischen Wissenschaftler betonten mit Ge nugtuung, dass nunmehr je de Region des kleinen Lardes durchforscht wurde uni Beweise der verschiedene: historischen Zeitalter v« prähistorischen Zeiten b; zur arabischen Erobernd vorliegen. Ein weiteres wie! tiges Moment war die Tatst che, dass Absolventen dt Hebräischen Universität df jüngeren Generation bereis über ihre Arbeit referier« konnten. INTERESSANTE REFERATE Prof. Stekelis sprach üb: prähistorische Funde im Je. dantal und Dr. Jean Perm über die Höhlenbewohm von Bier Schewa; die Re* rate waren chronoLgisch gordnet und berührten ß Grabungen an der Philiste Stadt Gat, der Hafenstadt i der Stätte von Tel Mor ud dem geheimnisvollen Knigspalast auf der Höhe v: Ramat Rachel. Danach e hielt man einen Einblickdie Forschungen am gn chiseh - römischen Amptheater in Beth She'an u: der Nabatäerst Prof, über die antike ¡e Stadt chitekt A- Du" d:e letzten Fund< kropoüs von Bet. I,i vergangene: den üe Forsch Hilfe der See-. Luftstreitkrafte So hörte man ein te3 Referat von Gattin und Mitar prof Edwin A. L genwiirtig Unter schlingen in den römischen Hafer für mehrere nort sehe Universitäte dies ist das erste men dieser Art a küste des Mitteln für ein HM To speziell naen An Prof. Link geba Hubschrauber dei und Pioniergru: Landarmee nahn gewagten Expedi Professoren Jadin roni in die öden des Toten Meeres Ergebnis die Auff elf Bar Kochba-1 der Allislandszeit 135 d. g. Z. war. Wichtigkeit der machten Entdeck in den Schriften den Bar Kochba-E feiten, wurden we angelegte Exped diese Gegend für Zukunft beschloss ALTES BIBEL. MANUSKRIPT sehr humanen Sozialismus vertritt — was auch für die bekannten Gelehrten und Schriftsteller Nafisi, Khanlari und Ha.midi mehr oder weniger zutrifft. Unter den hier genannten Schriftstellern gibt es keinen, der nicht Djamalzadeh, dem Altmeister und Begründer der modernen persischen Prosa, in dieser oder jener Weise entscheidend verpflichtet wäre. Noch immer steht er, der Träumer und Täter, Weltmann und Mystiker, in seinem Leben und Werk vereint, in seinem Genfer Refugium in einsamer Höhe allein und bisher von keinem seiner jüngeren Zeitgenossen auch nur annähernd erreicht. Seit 1921 hat er seinem Erstlingswerk noch über 25 weitere Bände — Romane, Novellen, Uebersetzungen (darunter auch Schillers „Wilhelm Teil“ und „Don Carlos“) — folgen lassen. Er ist der „grand old man“ c persischen Literatur, dess Stimme auch dm führend: Politiker nicht überhör können oder wollen; de: jedermann weiss, das D malzadeh zw'ar die vieh eben Misstände in sein Heimat heute wie dam; furchtlos kritisiert, dass t dabei aber nur der Stirnr* seines Gewissens und niq irgendeiner politischen 1teressengruppe folgt. Er, e einst gegen hundert Wido stände seine literarische R volution — gemeinsam h der politischen Reza-Schai — zum Sieg führte, w, heute seine persischen Lea und vor allem die Juge; „an die eigene Vergang« heit erinnern, sie auf die v teil Sitten und guten Tra<- tionen hinweisen und ihn: zur Erkenntnis bringen, d;< würdeloses Aneignen frei den Gutes am Ende zur E schämung und zum m ralischen Zusammenbru führt.“ Campar COMIT SARMIENTO |ÂB 1. DEZ ¡neue ¡»«nlajbis Fr, Israel - Marken tn grösste/ Auswahl: u a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTENNUM- MER - MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (plar.chas) - VOLL- STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN — ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWÜRDIGE BERATUNG Mfonsws MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 Mg. CABILDO h *och , ShJ? 1. fthu I8, den Sfr1 Hta»?de« : V S 2. J Ä’; *

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