Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1960-11-22 · 1829 (22.11.1960) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1829 (22.11.1960)
Date
1960-11-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9611224-9612004--0889-9612011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Martes. 22 de Naviembre de ÏS68 t. a êwf$ Ifff ft ï fi R A E R f T h Anö 5CXT. — Me. 1828 — 7 Theodor PliEYRREDON 21901. St. •« 4 •*> W»r T.E. 83- 2613 r ress im Was seine rechtliche Grundlage. Zusammensetzung und Organisation anbelangt, w.rd der 25. Zionistenkongress in vielen Dingen seinen Vorgängern ähneln in n ancher « ins-cht jedoch wird er von ihnen verschieden, ja sogar einz g - dastehend sein. Er basiert wiederum auf den Schekelzahlern, auf Juden und Jüdinnen, die älter als 18 Jahre sind und den Schekel erworben'haben der von der Verfassung der Zionistischen Weltorganisation als „Symbol der zionistischen Mitgliederschaft, das seinen Besitzer mit der zionistischen Bewegung verbindet“' — bezeichnet wird. DIE SCHEKEL-AKTION Die Schekelzahler sind berechtigt. Kandidatenlisten für die Kongresshallen einzureichen und zu wählen. Die Schekelaktion wurde diesmal m 54 Ländern abgehalten — praktisch überall, wo eine merkliche Zahl von Juden in Freiheit lebt, von Norwegen bis Basutolaod, von den Philippinen bis .¡Ekuador. Die meisten Länder haben bereits das Ergebnis der dort durchgeftihrteri Schekel-Kampagne gemeldet. Obwohl die Gesamtzahl der auf der ganzen ¡Welt verkauften Schekalim noch nicht feststeht, ist anzunehmen, dass die Zahl von 1.950.000 erreicht, vielleicht sogar überschritten ten wird. Sie kann sich neben, denn Jahresdurchschnitt vor dem letzten Kongress von 1.855.944 Schekalim wohl sehen lassen, insbesondere, wenn man in Betracht zieht, dass 1954 auch in Tunis und Marokko der Sch. kel ver breitet werden konnte, während inzwischen diese Län* der von der Landkarte des organisierten Zionismus leider verschwunden sind. Die folgenden Schekelzahlen einiger Länder mögen von Interesse sein: Israel 699.G91, USA 874.310, Grossbritannien 63.390. Kanada 71,540, Südafrika 42.949, Frankreich 33,026, Oesterreich 4.289, die Bundesrepublik 4.208, Australien 6.258, Brasilien 7.950. “WAHLEN UND WAHLABKOMMEN Während vor dem letzten Kongress im Jahre 1956 nur in vier Ländern (Belgien, Dänemark, Bolivien und Ku. ba) eine Abstimmung stattgefunden hat und sonst xiberail die Kongressdelegierten aufgrund von zwischenparteilichen Wahiab ..kommen bestimmt worden Sind, werden diesmal in einer weit grösseren Zahl von Ländern die Schekelzahler fcur Wahlurne schreiten. Das wichtigste unter ihnen ist G-rorsbritannien: Wahlen mit (Abstimmung wird es wahrscheinlich auch in Belgien, Ocr.t rreich, Schweden Kolumbien, Chile, etc. geben, Wählend in Kanada, Südafnka und Australien wiederum Wahlabkommen gevon Dr. A. ZWERGBAUM schlossen werden. Es ist si- ,cher, dass auch diesmal in ¡den USA keine Abstimmung stattfinden wird. Da man allgemein der Ansicht war. dass eine Wahl mit Abstimmung in Israel eine Vergeudung von Geld und Energie bedeuten würde. da die Wähler von Israel, -die ja zum grössten Teil mit dem Schekelzähler ident'sch sind, erst am 3. November 1959 bei den Knessetwahlen ihre Stimmen abgegeben haben, wurde , beschlossen, die 190 Mandate unter , den zior nistischen Parteien Israels ¡gemäss ihrer Stärke in der (Knesset zu verteilen. ..ANGESCHLOSSENE ¡DELEGIERTE- UND 1 „BRUEDERLICHKEITS- DELEG ATIONEN" j Die Teilnahme von „aftge- ¡schlossenen Delegierten" und ¡„Brüderlichkeits _ Delegationen" bedeutet eine eini schneidende Aenderung. Laut der neuen Verfassung können territoriale und zwischenstaatliche jüdische Kör_ perschaften. die das zionistische Programm akzeptieren, ohne dass alle ihre Mitglieder individuell organisierte Zionisten sind, der Zionisti- ' sehen Weltorganisation als '„angeschlossene Mitglieder” beitreten und zum Zionistenkongress Delegierte mit beratender Stimme entsenden. Es ist zu erwarten, dass etwa 20 solche Delegierte beim Kongress die Verbände der : jüdischen Gemeinden von Oesterreich. Argentinien. Brasilien, Chile und Uruguay, sowie jüdische Jugendorganisationen von Skandinavien und Italien vertreten werden. Ausserdem wird;ei- .ne Anzahl von jüdischen Organisationen aus verschiede- I nen Ländern, die mit den ¡Zielen der zionistischen Bewegung sympathisieren, ohne ihr formell beitreten zu wollen, sogennante „brüderliche Delegierte” zum Kongress entsenden. Besonders ¡zu erwähnen sind hier der ¡Board cf Deputies in England, der Amerikanische und ¡Kanadische Jüdische Kongress Bne Brit, die Weltföderation der sefardischen Juden, der Repräsentative Ausschuss der Juden Frankreichs und der Verband der Kultusgemeinden in der Schweiz und Italien. WI'ZO In die frühere starre Partei-Struktur des Kongresses ist noch eine andere Bresche geschlagen worden: der Wf ZO, die unpolitisch ist und sich an den Kongresswahlen in den einzelnen Ländern nicht beteiligt, wurde das Recht eingeräumt, zum Kongress sechs Delegierte mit Stimmrecht und vier mit be ratendei Stimme zu entsenden. Die WIZO hatte viele Jahre um eine gleichberechtigte Vertretung im Kongress gekämpft, und nun wurde der Wunsch dieser .wichtigen Organisation in ih- ¡r«n vierzigsten Jubiläumsjahr erfüllt. I ZUSAMMENSETZUNG jDES KONGRESSES | Der 25. Zionistenkongress ,wird sieb von den beiden ¡Kongressen, die seit Staatsgründung stattgefunden haben, noch in einer Richtung unterscheiden; die Vertretung Israels wurde reduziert und die der Diaspora heraufgesetzt. Während Israel lim Jahre 1951 von 446 Delegierten 185 erhielt und im 'Jahre i955 von einer' Ge- ¡samtzahi von 498 sogar 208,' werden diesmal die israelischen Mandate 38 Prozent ausmachen, nämlich 190. Die Delegation der USA wurde von 122 auf 145 erhöht. Die Rolle, die die lateinamerikanischen Zionisten in der Bewegung spielen, wird immer wichtiger; dieser Umstand ¡kommt darin zum Ausdruck, : dass von dem bei diesem Kongress vertretenen 34 Ländern 11 in Mittel- oder Südamerika liegen und zusam. men 52 Delegierte haben, ¡während ihre Vertretung ■ beim 24. Kongress nur 43 Delegierte betragen hat. Eime bemerkenswerte Zunah- ¡me ist bei der britischen Dellegation zu verzeichnen. Sie zählt jetzt 19 Mitglieder geigen über von 12 im Jahre! 1955. I DAS KONRESSGERICHT Die oben angeführten Zah. Jen sind provisorisch und können noch Aenderungen erfahren, da alle Mandate noch vom Kongressgericht bestätigt werden müssen. Wenn dieses Gericht die Legalität und Lauterkeit der Wahlen und Wahlabkommen einer Prüfung unterzieht, kann es die Grösse der verschiedenen Delegationen und ihrer Zusammensetzung abändern. Es ist anzunehmen, dass in den meisten Ländern gegen die von den Landes-Wahlkommissionen festgesetzten Ergebnissekein Anspruch erhoben werden wird, aber so wie bei den früheren Kongressen wird es apch diesrr.l ohne Zweifel einige Fälle von Berufungen geben, und diese wird das Kongressgericht behandeln und entscheiden. Dieser obersten Rechtsinstanz der zionistischen Bewegung stand jahrzehntelang bis 1946 einer der ältesten und verdientesten Zionisten Mitteleuropas. Sammy Gronemann, vor. Sein Nachfolger wurde der bekannte Jurist und W irtschaftler Dr. Aron Barth. Nach seinem Tod im Jahre 1957 wurde Dr. S. G. Cheschin. Vizepräsident des obersten Gerichtes von Israel, zum Vorsitzenden des Kongressgerichts gewählt. Leider hat er es nicht erlebt, den Vorsitz bet der Eröffnung des kommenden Kongresses zu führen und das Zionistische Aktions-Comite wird jetzt für ihn einen passenden Nachfolger finden Welthistorisches Geschehen AUS ISRAEL AUFTRAEGE FUER "NIGERSQL Die Gesellschaft für Bäuunternehmungen „Nigersol“, au der die Regierung von West Nigeria und Sole! Borne beteiligt sind, führt im Jahre 1960 Arbeiten im Wer. I te von etwa vier Millionen ¡Pfund Sterling aus. Es handelt sich hauptsächlich um :den Bau von Strassen, Wohnjhäusern und öffentlichen Gebäuden. Die Gesellschaft hat die Konstruktion von 1100 km Strassen in Angriff genommen, die bis Mitte 1961 fertiggestellt werden sollen. Unter den Bauvorhaben wäre die Errichtung des Gebäudes der Universität von Ibadan, der Hauptstadt des Staates, besonders zu erwähma segelnde „Lovito“ nahm 7.500 Tonnen Zement 'für Ghana auf; jeden Monat fährt nach Ghana ein Schiff mit derselben Menge Zement. Das griechische Schiff „Evangelina“ hat 2.600 Tonnen Phosphate für Ungarn geladen. Die „Egyptian“, ein englisches Schiff übernahm Zitrussaft und Sperrplatten für England im Gewicht von 160 Tonnen, „Egyptian Printe“, ebenfalls ein britisches Schiff das Rindvieh von England Eine Welle der Begeisterung und der Freude überflutete die jüdische Welt und erfasste weite, sonst allem Jüdischen fernsthende Kreise, als die „United Nations” am 29. November 1947 mit 33 gegen 13 Stimmen, bei 10 Stimmenthaltungen, durch die Generalversammlung die Entscheidung über die Errichtung eines unabhängigen jüdischen Staates in einem Teil des Mandatsgebietes Palästina traf. Ein langes Kapitel jüdischer Geschichte — die Epoche seit der Zerstörung des Zweiten Tempels und 'dem Untergang des Staates — war aum Abschluss gelangt, und ein neuer Zeitabschnitt jüdischer Geschichte wurde vom jüdischen Volke selbst zu schreiben unternommen. Nach zweitausendjährigem Leiden, nachdem Juden ununterbrochen „Objekt der Geschichte”. Spielball der Nationen, gewesen waren, traten sie nunmehr in den Kreis der unabhängigen Völker; jüdisches Leben erhielt einen neuen Sinn, und neue Hoffnungen taten sich auf. Aus dem Schatten trat man hinaus in die Helligkeit eines neuen Morgens, in ein Lichtermeer, das im ersten Augenblick überwältigte. Und! alle Erwartungen, auch wenn /sie noch so hochgespannt “waren, sind übertroffen worden durch das. was dter wenige Monate -danach proklamierte Staat Israel in diesen dreizehn Jahren vollbracht hat zur Bewunderung auch der Besten auf Seiten der nichtjüdischen Welt. Für die zionistische Weltbewegung, die man einst den „Judenstaat unterwegs” nanu, te, war eine andere Situation entstanden. Die Frage nach der Bedeutung des organisierten Zionismus ist im Laufe dieser neuen Epoche viel diskutiert worden. Ehr Wort Chaim Weidmanns, an dessen 8. Jahrzeit in diesen Tagen erinnert werden soll, auf dem 16. Kongerss von 1929 in Zürich gesprochen, hat nichts von seiner Aktualität eingebiisst: „Wir Zionisten waren stets davon überzeugt, dass nach hergebracht hatte, nahm Fracht nach England, darunter ebenfalls Fruchtsaft mit Auf der ,,Alit“ wurden 750 , Tonnen Pottasche für Italien verladen. AUSFUHR-ZIFFERN Vor kurzem wurden im Hafen von Haifa Exportwaren auf fünf Schiffe verlajladen. Die „Har Knaan“, die der Gesellschaft „Et Jam“ j gehört, lud 14.000 Tonnen ¡Zement, die für die USA ¡bestimmt waren. Das ist ein ¡Teil eines amerikanischen ¡Auftrages von insgesamt! 50.000 Tonnen Zement Die ¡unter der Flagge von Pana- '\jr 4^ Dia THEODOR HERZL GESELLSCHAFT ladet alle Mitglieder und Freunde €»n, an der am Mittwoch, den 30. November 1960, 21 Uhr abend» gemeiosm mit der GEMEINDE BET ISRAEL, im Saal Conde 1345 stattfindenden Veranstaltung anlässlich des 13. Jahrestages der UN-Entscheidung teilzunehmen. Die Bekanntgabe weiterer Einzelheiten erfolgt demnächst. Erreichung unseres politischen Zieles unsere Funktion sich ändern muss. Ein jüdisches Nationalheim, das wirklich besteht, ist nient nur eine zionistische Angelegenheit. Es ist eine zentripetale Kraft, Welche die jüdischen Energien aus der ganzen. Welt anzieht. Schon durch seine blosse Existens bewirkt es Vereinigung und Zusammenschluss der Juden um einer gemeinsamen Sache willen.” Jener Begriff des „Jewish National Home”, auf den Weizmann sich damals beziehen rriusste,.verwandelte sich unter schweren Opfern des Jischuw von Erez Israel in einen unäbhärgigeöTjüdischen Staat, der schweren Gefahren ausgesetzt war und es noch ist. Von jenen äusseren, an den Grenzen, soll hier nicht gesprochen werden, doch davon, dass jüdische Menschen unserer Zeit oftmals nicht mehr ■ jener grossen Tage der Selbstbefreiung gedenken, Israels Sorgen nur denen überlassen möchten, die dort im Lande selbst die ganze Schwere der Verantwortung auf sich genommen haben. Hier hat die überzeugende Kraft der zionistischen Bewegung einzusetzen; sie ist es gewesen, die einst dem Judentum Entfremdete zu jüdischer Selbstbesinnung zuriiekgeführt hat. In die auseinanderstrebenden Teile des jüdischen Volkes noch um die Jahrhundertwende, als man von einer nationaljüdischen Gemeinschaft in Osteuropa und einem nurreligiösen Judentum im Westen zu sprechen pflegte, bat der Zionismus das Element der Zusammenfassung gebracht und an die geschichtliche Kontinuität, die im Zeitalter der Emanzipation abgebrochen war, wieder an- 1 zuknüpfen sich bemüht. Die aktive jüdische Politik, ¡durch’die zionistische Bewe- | gung realisiert, führte zur j Wiedergewinnung des jüdischen Staates, weil nur ein Volk, das sich stolz als solches fühlt, seine wahre Emanzipation erreichen kann. Je stärker die zionist ische Bewegung in der Galut aufzutreten veimag, desto wirksamer wird ihr Einf'uss auf den Staat Israel durch den Zionistischen Weltkongress sein. Je mehr Chaluzim den; Weg ins Land antreten, je tiefer rtss Verständnis für hebräische Sprache und Kultur. desto inniger wird die Bindung zwischen den beiden Teilen des einen Ganzen sein, zwischen Israel und dem jüdischen V’nlk ausserhalb seines Landes Die Zionistische Organisation hatte sich innerhalb eines haioeo Jahrhunderts vor der.Staatsgriindung wunderbar bewährt. Bleibt sie auf der Hö_ he ihrer historischen Aufgabe, dann wird sie eines Tages das ganze Volk, sofern dieses fest an seine Zukunft ¡-glaubt, in ihren Reihen finden Auf diese Stunde muss sich der Zionismus vorbereiten. Nichts Schö neres kann man ihm am Tage des historischen Ereignisses vom 29. November 1947 wünschen. C. W.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.