Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1829 (22.11.1960)
- Date
- 1960-11-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Nechama, wie sie liebevoll genannt wird, fängt ihre Standen nicht damit an, ihren Studenten etwas in der gewohnten akademischen Art vorzutragen, sondern sie stellt Fragen und hält sie an, au denken und für die Probleme, die 3ich aus dem Text ergeben, selbst eine Lösung zu finden. AKTUALISIERUNG DES TEXTES Sehr oft finden die Zuhörer, dass sie mitten in einem Problem stecken, von dem sie glaubten es sei ein modernes, und sie wetteifern mit talmudischen Rabbinern, Maimonides und anderen be_ rühmten alten Gelehrten und modernen Kommentatoren, um es zu lösen. So berichtet z. B. die Bibel andeutungsweise, wie Moses „einen mizrischen Mann sah, wie er einen hebräischen Mann von seinen Brüdern schlug. Und er wandte sich dahin und dorthin, und als er sah. dass kein Mensch da war, erschlug er den Mizri und verscharrte ihn im Sande.” (Ex. 2, 11—12). Was waren seine Gründe? Waren sie berechtigt? Jedes Wort des Textes wird gewogen. „Kein MensCh war da.” Bedeutet dies einfach, dass er sich versicherte, ob niemand ihm zusah. oder vielleicht, dass er sah, dass niemand da war, der die Knüppel zugunsten des geschlagenen Juden ergriff und er so das Gesetz in seine eigene Hand nahm? Dies führt uns in das Problem des Mordes, des Pazifismus. des Krieges. Die Klasse debattiert das Verhalten von Moses, und Nechama bringt geschickt die Ansichten jüdischer klassischer Kommentatoren, alter und moderner, über diesen Text zum Ausdruck, die auffallend jenen entsprechen, welche von den Studenten geäussert wurden. Plötzlich erwacht der alte Bibelband mit dem heiligen Text zu neuem Leben. Rabbi Akiwa, Talmudgelehrter, Märtyrer t BAR-MßWOH unseres Sohnes SAMU E L [ w am 25- Nwomber in der Synagoge isroel, Moldes 2«9, statt. Leo-Hess und Frau Hanna, geb. De Levie Sonntag, den 27 November, von 16.30 bis 19 30 Uhr, Zapiol* 2359 Dep. 1. JEGEN DIE FEIERTAGE? Erew Chanuka 1. Tag Chanuka 2. Tag Chanuka V. Tag Chanuka 8. Tag Chanuka Chamischa Asar B’Schwat (Neujahrsfest der Bäume) Fasten Esther Purim Erew Pessaeh 1. Tag Pessaeh 2. Tag Pessaeh 7. Tag Pessaeh 8- Tag Pessaeh und Nationalist, debattiert mit dem mittelalterlichen Staatsmann Abarbanel, Maimonides, Philosoph, Arzt und Jurist des 12. Jahrhunderts, mit Franz Rosenzweig, dem Denker des 20. Jahrhunderts. Durch einen sorgfältigen Vergleich der Texte werden die Studenten unmerklich auf die feineren Punkte und N uaneen der biblischen Sprache aufmerksam. Moder, ne literarische Kritik befasst sich damit, die Bedeutungen zu analysieret!, die in guter Poesie und Prosa jeglichen Zeitalters und jeder Zunge zu entdecken sind; aber nichts kann den Reichtum der Bedeutung in einem biblischen Text übertreffen, der die Botschaft des lebendigen Gottes an Generationen von Studenten, Gelehrten und Heiligen übermittelt. STUDIUM DURCH KORRESPONDENZ Was für eine Erfahrung bedeutet es für einen Studenten. ob er ein Hochschulstudent oder ein hoher Armeeoffizier ist. wenn er feststeilt, dass er die gleiche Antwort für ein Problem vorgeschlagen bat, die ein Talmudgelehrter vor 2.000 Jahren gegeben hat! Eine Brücke des Verständnisses ist zwischen dem Text, dem modernen Studenten und der ewigen Kette jüdischer Tradition geschlagen. Diejenigen. die mit Nechama durch die vervielfältigten Blätter oder den Rundfunk lernen, tragen zu dieser Debatte durch Korrespondenz bei. Während des Sinaifeldzuges war es Nechama möglich, ih_ re Radioansprachen mit den Meinungen der jüdischen Soldaten, die lebendigen Aegyptern gegenüberstanden, über die Frage der Erschlagung des historischen Aegypters durch Moses zu beginnen. Oft schlagen ihre Korrespondenten, unter denen manche sehr jung sind, vollkommen neue Antworten für jahrtausende alte Probleme biblischer Auslegungen vor, die von der frischen An. näherung einer hebräisch sprechenden Nation herrüh. ren, die im Lande der Bibel lebt. Nechama L&ibowitz ist zu einer israelischen Einrichtung geworden. Kein Student, der sich auf einer Pilgerfahrt zum Studium des Heiligen Landes befindet, be. trachtet sein Programm als abgeschlossen, wenn er nicht eine ihrer Klassen besucht hat, genau so wie niemand, der seine Kenntnisse der Bibel in der Diaspora erweitern will, verfehlen wird, ihre Studien über den Wochenabschnitt zu lesen. Jubiläum einer Jeschiwa Anlässlich des 85-Jahr-Jubiläums der Telser Jeschiwa in Wiekliffe, Ohio, fand unter grosser Beteiligung eine eindrucksvolle Feier statt, zu der Rabbiner Simon Schwab von der Khal Adas Jeschurun in New York als Gastredner geladen war. Rabb. Ch. M. Katz, Rosch Jeschiwa. begrüsste die Gäste. Weitere Redner waren Rabb. M. Gitter und Rabb. Ch. D. Keller, Oberkantor Avraham Oppenheimer trug mit Gesangsvorträgeu zur würdigen Feier bei. Goldenes Jubiläum Rabbiner Dr. Georg Salzberger. der in London den Ruhestand in täglichem Studium verbringt und kürzlich auch in Berlin zu den Hohen Feiertagen gastierte, beging sein goldenes Rabbiner- Jubiläum. Dr. Salzberger absolvierte die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, amtierte fast 30 Jahre in Frankfurt und weitere 17 Jahre in London, wo er eine zumeist aus Flüchtlingen bestehende Gemeinde begründet hatte. Torarollen als Geschenk 70 Torarollen sind von der Jüdischen Gemeinde von Hongkong als ein Geschenk nach Israel gebracht worden. Stipendien Die Ford Foundation in New York hat einen neuen Fonds für Israel für 42 Forschungen aut den Gebieteu Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Industrielle Untersuchung, Landwirtschaft und Sozialwissenschaften bewilligt. Prof. David Baumgardt 70 Jahre alt Der in Amerika lebende Philosoph Professor David Baumgardt beging in diesen Wochen seinen 70. Geburtstag. Der bekannte Gelehrte stammt aus Erfurt, dozierte von 1925 bis 1935 in Berlin und wirkte dann zunächst in Birmingham, England. 1939 übersiedelte er in die Vereinigten Staaten, wo er am Swarthmore College seine Forschungen fortsetzte und auch als Dozent tätig war. Von 1941 bis 1954 war er an der Kongressbibliothek in Washington Berater für Philosophie und politische Ideologie. In den letzten Jahren wirkte er an der Columbia Universität. Berühmter Maler Die „Maccabees“, eine englisch-jüdische Gesellschaft, feiert den hundertsten Geburtstag des Malers Solomon J. Solomon, der 1891 zusammen mit Elkan Adler, Israel Abrahams und Israel Gollancz die Gesellschaft begründete, um das jüdische Selbstbewusstsein zu bewahren. Schon früh interessierte Lie ßüchepstub WEGEN ABRISS DES GESCHAEFTSLOKALSt Eingeführten Lesezirkel LEIHBIBLIOTHEK SAEMTLICHE LAGERBESTAENDE AN NEUEN UND GEBRAUCHTEN BUECHERN SCHAUFENSTER MIT UNTERBAU UND TUER Reconquista 424 Buenos Aires Ae Motiven sich Solomon, zusammen mit seinem. Schv/ager Herbert Bentwich, für Theodor Herzl. Kunst und Judentum waren die beiden Hauptthemen, die ihn interessierten. Er war der zweite Jude, der in die Royal Academy aufgenorn» men wurde. HERBST Der Wald steht schweigend in gedämpfter Trauetf Und Nebel sinkt wie müdes Fahnentuch. Ein welkes Blatt, wie ein gebeimei Fluch, Weht sterbend über eine Gartenmauer, Die Seiten bLätlerh in vergilbtem Buch... An matten Gräsern perlen stille Tränen, Das ist der Nebelten' mit seinem Tau, Verschleiert kommt der Tae in müdem Grau Und scheint sich heimlich von uns fort/.usennen, Ein letzter Vogel klagt in seinem Bau. Habima Die Habima wird in der kommenden Saison ihre Pläne zu verwirklichen suchen, in einem kleinen Saal neben dem Haupt . Repertoire regelmässig avantgardis>sche Theaterwerke aufzuführen. Als erstes soll ein Stück von Christopher Fry „Pnsoners dream” und anschliessend ein Werk von Samuel Bekket aufgeführt werden. Die Bäume schmücken sich in Fieberglut, Der Wald in Flammen fühlt die Todesscbatteu, Und während hier, n seligem Ermatten, Die Blätter leuchten wie geronnenes Blut, Fällt erster Schnee auf ferne Alpenmatten... Den stillen Weiher betten Schildgewinde Aus denen langsam die Verwesung steigt, Die letzten Blumen, schon zutn Grab geneigt, Färb tu pfen gleich, erschrecken vor dem Winde, Der unterbittlich sein Finale geigt. — KURT KAI8ER-BLUETH Das Leo Baeck Instituí sucht folgende Jahrgänge der Allgemeinen Zeitung des Judentums 38. Jahrgang. 1874 49. Jahrgang. 1885 50. Jahrgang. 1886 52. Jahrgang. 1888 53. Jahrgang.. .. .. 1889 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredön 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES IF0 BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES i C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1940 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN. DIE SIE BETREU¬ TEN, MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MOSES Eine matenalreiche sozialpolitische Studie über das Wanderschicksal einet jüdischen Gruppe im Schatten des Antisemitismus und zweier Weltkriege. -★- % ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUEDISCHE ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER WIDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutsenen Juden um Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesichts der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. -w- 3 MARGARETE SUSMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels Eine Würdigung und Deutung des allzu wenig bekannten Gedankenguts de* Metaphysikers, Geschichtsphilosophen und Soziologen — zugleich ein Denkmal der greisen Schülerin und Freundin für Simmel WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU Pueyrredta MW, 19 i*q. (83-2613) '