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Jüdische Wochenschau · 1960-10-25 · 1822 (25.10.1960) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1822 (25.10.1960)
Date
1960-10-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Martes, 25 de Octubre de 1960 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Año XXI. — No. 1822 — 3 Eine schöpferische Pause Ist es das Schicksal von uns Menschen, dass wir, wie bei jedem Geburtsakt erst durch Schmerzen hindurchgehen müssen, um zu lernen? Ist es das Schicksal der Welt, erst durch das Chaos hindurchgehen zu müssen, um wieder aufzubauen? Ist es unser Schicksal, dass die Zerstörung eine Pause ist, aus der neue Schöpfung entsteht? Viele Kräfte sind daran, Bestehendes, mühsam Aufgebautes zu zerstören. Ein grosses Erschrecken geht durch die Welt, die vielfach hilflos zusieht, wie zerstörende Kräfte am Werk sind. Wie schwer ist es da zu entscheiden, ob nicht das oder jenes, das im Begriff ist, zerstört zu werden, nicht mit Recht zerstört werden soll, um etwas Besserem Platz zu machen. Vielleicht gibt es sogar den Nährboden ab für etwas Gutes? Wenn aber das, was bisher dem Zusammenhalt der Menschen diente — von der Familie bis zur weltumspannenden Organisation — angegriffen wird, dann dürfen wir nicht tatenlos Zusehen, dann müssen wir uns wehren in unserer aller Interesse. In diesem Sinne müssen wir diese Pause eintreten lassen, aus der heraus Kräfte sich schöpferisch entwikkeln können. Die Welt hielt den Atem ®n, als ein einzelner Mann, von GEORG KUENSTLINGER, Wien der unumschränkte Herrscher eines grossen Teiles der Welt, drohte, er und seine Vasallen würden aus einer schwierig erbauten Or. ganisation, die dem Weltfrieden und damit der Erhaltung der Menschheit dient, austreten. Die Idee eines Völkerbundes wurde seinerzeit damit charakterisiert, er ¡werde oft zerstört werden, um wieder neugegründet zU werden. Der Völkerbund irn Sinne einer Völkergemeinschaft müsse entstehen und i schliesslich ganz einfach da ' sein, da ja seine Existenz garnicht diskutiert werden kann, sonst müssten ja wir Menschen unsere eigene Existenz diskutieren. War es ein Theaterdonner, den Krutschew vor den Delegierten der Vereinten Nationen erschallen liess, dem kein Blitzschlag voranging und dem keiner folgen wird? Wir wissen es nicht. Die Gefahr aber, in der sich die Menschen befinden, wenn sie wieder nur in einzelne Nationen zerfallen, wurde grell beleuchtet. Ist denn dann nicht der Ausdruck „Vereinte Nationen’’ ein Widerspruch in sich selbst, wenn i die Nationen nicht einig ¡sind? Sollen wir wieder | durch das Chaos hindurchge.!hen, das aus der Errichtung 1 von Nationalstaaten entstand,! deren Aufbau als so „kon- Teppichbaus - M. Hochbergj UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKNÜPFTEN 1 TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. 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Haben die Menschen denn nicht die handgreiflichsten, schmerzendsten Beweise dafür gehabt, dass der Weg von der Nationalität zur Bestialität ohne Umweg führt? Schmerzlich beobachten wir, wie in Afrika der Aufbruch der Völker zur „eigenen Nation” durch Blut hindurchgeht, durch ihr eigenes Blut. Wir können es mit j Schmerz betrachten, aber wir dürfen nicht erstaunt ■darüber sein. Haben wir denn diesen Völkern nicht das Beispiel gegeben? Haben wir denn in Europa vor Jahrhunderten (deswegen behaupten wir, die anderen seien „rückständig”) es nicht ähnlich gemacht? Wie können wir aber die Lehre aus unseren eigenen Erfahrungen weitergeben, wenn wir selbst aus ihr nicht gelernt haben? & I Dennoch wagen wir als Beispiel, dass man aus Er- * Ifahrungen lernen kann, die man auch wieder weitergeben kann, Israel zu nennen. Selbstverständlich sind wir uns bewusst, dass Israel keineswegs das Ideal ist, das irgendeinem Menschen als Staat vorschweben kann. Wohl war unser Ideal, einen Judenstaat zu errichten — wir haben dieses Ideal verwirklicht, aber es ändert sich jedes verwirklichte Ideal, denn es ist ja eine idealisierte Idee. Da es unreal ist, die Existenz von etwas i Vollkommenen zu behaupten, so ist eben Israel auch nicht vollkommen. Hat sich 'doch so viel entwickelt, womit man nicht „rechnete”. So hat der Zionismus als eminent politische Richtung, sein politisches Hauptziel erreicht und muss dennoch erkennen, dass er das „alte” 'Judenproblem nicht lösen kann durch die Errichtung ides „jungen” Israel.Im letzjten Jahr hat sich gezeigt, dass Antisemitismus nicht an eine Nation gebunden ist. In den Jahren seit der Gründung ist auch die Existenz einer arabischen Aggressivität bewiesen worden, die I mehr „anti-israelisch” als „anti-semitisch” ist. Ganz ab- I gesehen von manchen wirtj schaftlichen Schwierigkeiten | innerhalb des Landes, konnte der Staat Israel die vorher genannten Probleme nicht lösen, ist also keineswegs ein „Ideal”. Wenn wir dennoch Israel als beispielgebend bezeichnen, so liegt das in der Tatsache, dass dieses Volk schon in seinem Keim den Ansatz zeigte, über die Nation hinauszuwachsen. Israel hat nicht nur bewiesen, dass Menschen verschiedener Naj tionen (denn stand nicht imj mer auch der „Nationalisjmus” des deutschen Juden | gegen den des französisehen?) verbunden durch das Judentum in kürzester Zeit Produktives schaffen, es hat sofort, noch stehend auf schwankenden Füssen einer unsicheren Wirtschaft, anderen Völkern bei ihrem Aufbau geholfen. Deshalb bezeichnen wir auch die anti - israelische ■Stimmung der arabischen j Staaten und die chaotischj feindlichen Akte an der ¡Grenze als eine „schöpferische Pause”, aus der sich tauch bei den jetzt noch feindlichen Nachbarn das Bewusstsein entwickeln könne, dass das Beispiel Israels nutzbringend angenommen werden kann. Nasser und die durch ihn beeinflussten Völker mögen noch so oft den schon so vielfach gebrauchten Satz des „Ausradierens Israels von der Landkarte” verwenden — sie wissen doch, dass das nicht möglich, ja vollkommen unreal ist. Auch diese feindlichen Nachbarn brauchen eine Pause, die schöpferisch zur Zusammenarbeit drängt und führen muss. $ Das Bild der „schöpferischen Pause” drängt sich uns auch auf, wenn wir ein für die Welt nicht sehr wichtiges, für uns Juden in Oesterreich aber sehr brennendes Problem betrachten, das der Wiedergutmachung. Man hat sicherlich be rkt, dass die Glückwünsche der höchsten Funktionäre Oesterreichs anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes, die durch die Veröffentlichung an die österreichischen Juden weitergeleitet wurden, weit über den Rahmen der bei einem solchen Anlass üblichen Gratulationen hinausgingen. Sie sprachen deutlich aus, dass Sozialisten und Volksparteiler, Menschen, die nicht Juden sind und die nicht Gefahr laufen, Antisemiten könnten behaupten, sie seien von „Juden abhängig”, den produktiven Anteil der österreichischen Juden am Wiederaufbau des zerstörten Landes anerkennen. Darin liegt sehr viel, denn dadurch wird eingesehen, dass wir in einem Land für dieses Land bauten, dessen Menschen uns so viel antaten. Damit haben auch wir ein gutes Beispiel gegeben. In den persönlichen Glückwunsch - Schreiben standen sehr offene Worte über unser Recht auf endliche Wiedergutmachung. Es wurde darüber berichtet, dass sich der Koalitiomausschuss darüber einigte, innerhalb von drei Jahren 600 Millionen Schilling zur Budgetierung von Wiedergutmachungsgesetzen und von Novellierung der Opferfürsorgegesetze bereitzustellen. Wenn auch gegenwärtig die Oeffentlieh- Sie haben ni Salzburg. — Ungarische Flüchtlinge und die aus Ungern stammenden Volksdeutschen sind gegenwärtig Gegenstand einer Propaganda in Form eines Buches, das in München erschienen ist. Das Buch heisst „Viläghoditök” (Welteroberer). Der Autor ist ein gewisser Lajos Marschalko. Als Herausgeber zeichnet Jozsef Siili, 81, Fulham Park Gardens, London SW 6; gedruckt wurde das Buch bei Oliver Ledermüller, München, Püttrichstr. 3. Das in ungarischer Sprache geschriebene Buch ist 263 Seiten stark. Darin kann man lesen, dass die Vernichtung und Verfolgung der Juden durch Hitler Greuelmärchen sind und die Krematorien in den Konzentrationslagern dazu bestimmt waren. Personen, die eines natürlichen Todes verstarben, zu verbrennen. Stalin, Roosevelt und Churchill waren jüdische Marionetten, das Kriegsverbrechergericht in Nürnberg war eine jüdische Einrichtung, denn von 3.000 Beamten des Nürnberger Gerichtshofes waren 2.400 Juden. Das Buch ist gegen die Wiedergutmachung gerichtet und beruft sich auf seinerzeitige Aeusserungen des früheren deutschen Finanzministers Dr. Schäffer, die dieser in einer damaligen Rede in Plattling gemacht 'hat. keit nicht weiter informiert wird und der Anschein einer „Pause” besteht, so darf doch gesagt werden, dass gerade diese Pause „schöpferisch” ist. Insoweit nämlich, dass alle Vorbereitungen getroffen werden. In der Zwischenzeit haben sich neuerlich besonders sozialistische Mandatare für die Behandlung der Wiedergutmachungs-Gesetzung ausgesprochen. Gewiss, wir sind ungeduldig — wir alle. Gewiss, wir wurden oft enttäuscht — wir alle. Dennoch erlauben wir uns zu sagen — aber sogar uns zu sagen —: warten wir diese Pause ab. Stören wir nicht den schöpferischen Ge_ setzesakt. Wir werden nachher darüber sprechen! (Aus „Neue Welt”) In den Augen des Autors sind die UN eine jüdische Spitzenorganisation, da auch die UN-Flagge der israelischen Flagge sehr ähnlich ist. Krutschew wird von den Juden kommandiert. Das Buch endet mit der Prophezeiung, dass in 20 Jahren vier Milliarden Menschen als Sklaven von 15 Millionen Juden — einer jüdischen Weltmacht — regiert werden. Es wäre Sache der österreichischen Behörden, die Einfuhr und Verbreitung dieses Machwerkes auf Grund des Schmutz- und Schund-Gesetzes zu untersagen. (IPN) CARLTON- KLEIDUNG TRAEGT SICH STETS GUT! Es ist keine Seltenheit, dass Carlton-Kunden Kleidungsstücke tragen, die sie vor vielen Jahren kauften und die heute noch tadellos aussehen. Mit Carlton-Kleidung verbindet jeder den Begriff von Qualität und unbeding. ter Zuverlässigkeit. Das gilt für alle unsere Angebote. Fertigkleidung in Stabiloform- Verarbeitung Masskleidung in' allerfeinster Ausführung Herren - Bekleidung in der ganzen Linie: MAIPU 484, 1. Stock. T.E. 31-7845. Herren-Wäsche in der ganzen Linie: MAIPU 982. T. E. 31-0753. -HF _ Herrenbekleidung: Maipú 484 1. 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