Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1814 (21.9.1960)
- Date
- 1960-09-21
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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14 — Miércoles. 21 de Septiembre de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1814 Der Historiker Simon Dubnow Der grosse Historiker Simon Dubnow, dessen 100. Geburtstag sich am 10. September (nach der jüdischen Zeitrechnung am 2. Tage Rösch haschana) jährt, ist den Juden im allgemeinen als der Verfasser der zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“, der ersten Gesamtdarstellung nach Heinrich Graetz, bekannt. die zwischen 1925 und 1929 in Deutschland erschien. Weniger bekannt sind der Lebenslauf und der geistige Werdegang dieses Gelehrten und Forschers, der im Alter von 83 Jahren auf so tragisch - grausame Weise als Märtyrer seines Volkes in Riga umkommen sollte. Seinem Kampf innerhalb der Strömungen im einstigen russischen Judentum. seinem Ringen um jüdische Gleichberechtigung seien diese Gedenkworte im besonderen gewidmet. In Mstislawl, einem kleinen Städtchen Weissrussvon CURT WILK methoden mit ihrer Einseitigkeit des Erziehungswesens über alles geliebt hat. Er selbst erzählte später in seinen „Erinnerungen“, wie vor allem das erste Buch der Thora die kindliche Phantasie bezaubert habe, sogar die leichteren, erzählenden Teile der Mischna ihn noch tief beeindruckt hätten, dass aber das eigentliche Gemarastudium seinem kindlichen Gehirn, das hierfür noch nicht reif war. eine Folter bedeutet habe. Und nur Sabbat und Feste mit der entsprechenden biblischen Lektüre schufen dem heranwachsenden Knaben einen gewissen Ausgleich für den damals noch harten Zwang des Cheders, dessen Werte Dubnow jedoch immer wieder anerkennt. Doch das gründliche Studium von Bibel und Talmud sind nicht wegzudenken, wenn man der Entwicklung Jands, ist Simon Dubnow zur I Dubnows folgen will, dessen -+- „Und an jenem Tage wird die grosse Posaune geblasen...” Schofar-Bläser in den Mauern Jerusalems Welt gekommen. Der Name Dubnow weist auf die Herkunft der Familie hin, die nachweislich von der Mitte des 17. bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in der wolhynischen' Stadt Dubnow gelebt hat. Unter den Vorfahren gab es bedeutende Rabbiner und Gemeindevorsteher; der Grossster war ein hervorragender Talmudist, der sich stolz •ls einen Schüler des berühmten Wilnaer Gaon be. leichnen durfte. Unter den Flügeln dieses erhabenen Geistes verging Simons Kindheit, Spuren hinterlassend, die eine andersartige geistige Entwicklung später niemals zu verwischen vermochte. und hinter dem Einfluss der Persönlichkeit des Grossvatcrs trat die des Vaters weit zurück, der ein schlichter Ilolzhändler war, dessen Einkünfte niemals ausreichten, um den Anforderungen eines eilen Haushalts nachzirkommen. sodass die Mutter, eine echt jüdische Frau alten S.-blngs. ein klein, s Ladenjugendliche Seele sich nach grösserer geistiger Freiheit sehnte, und dem als 10-Jährigem zum ersten Male ein Buch der neuen sogenannten Aufklärungsliteratur. der „Haskalah“, in die Hände fiel, jene verbotene Literatur, gegen die alle Frommen und Ueberlieferungstreuen heftig zu Felde zogen. Je mehr das Kind heranwuchs, desto klarer wurde ihm die Ueberzeugung von der Anormalität der damaligen Erziehung, die eben nur aus der Zeit heraus zu erklären war. Naturgemäss musste in dem jungen Menschen ein Vorurteil gegen den Rabbinismus entstehen, nachdem der Drang, sich verbotener Bücher, also moderner weltlicher Literatur zu bemächtigen, immer stärker geworden war. Es war die damalige Publizistik in der hebräischen und' jiddischen Spraemanzipation tut den Juden not?“ Hier sollte der Gegensatz der Anschauungen zu der kurz vorher erschienen berühmten Broschüre Pinskers „Autoemanzipation“ angedeu.et werden, welche die Geister damals i:. Bewegung gesetzt hatte. Er gibt in seiner Lebensdarstellung zu, damals, nach drei Petersburger Wintern, als er das Heimatstädtchen wieder besuch, te, ein „Acher“, ein anderer geworden zu sein, ein „Freidenker“, der sogar an den höchsten Festen der Synagoge fernblieb, sehr zum Leidwesen der frommen Familie. Dubnow hat dann einige Jahre danach zu seinem Volk und seiner Kultur zurückgefunden. Er wrar nach Warschau gereist, wo ihn besondere Studien über das Wesen des Chassidismus fesselten, und wo er. 1888, den schon damals stark beachteten hebi-äischen Schriftsteller Nahum Sokolow kennenlernte, den späteren grossen Führer im Weltzionismus. Doch erst in Odessa, diesem Zentrum jüdischen Lebens mit einer zahlreichen Intelligenz, liess er sich als nunmehr 30-Jähriger für längere Zeit nieder. Er war verheiratet mit einer feinfühlenden, verständnisvollen Frau und entfaltete eine umfangreiche literarische Tätigkeit. Auseinandersetzungen mit Achad Haam, mit Mendele Mocher Sforim, diesen Leuchten der Literatur, förderten seine Aktivität. Zu jenem Zeitpunkt begann die eigentliche historische Arbeit Dubnows, indem er eine riesige Anzahl von Akten, die in Hunderten von Publikationen verschiedener russisch - wissenschaftlicher Institutionen verstreut waren, in eine systematische Ordnung brachte und anfing aus Protokoll-Sammlungen der Gemeinden, aus öffentlichen und privaten Archiven bedeutsames Material herauszu ziehen und die Grundlage für eine grossangelegte Geschichte der russischen Juden zu schaffen. Im Jahre 1892 sagte Dubnow bereits vor. sich, dass das Ziel seines Lebens die „Verbreitung der historischen Kenntnis des Judentums” sei und er sich als „Missionar der Geschichte” betrachte. Damals stand er unter dom Zauber der Gestalt des kurz zuvor verstorbenen Heinrich Graetz, dem er in einem umfassenden Essay „Der Geschichtsschreiber des Judentums-', ein Denkmal setzte. In Heinrich Graetz’ Gesamtwerk schien ihm zym ersten Mal die Idee der Judenheit als „geistiger Nation“ einen Ausdruck gefunden zu haben. Bald darauf übersetzte er die populäre dreibändige Geschichte von Graetz in die russische Sprache. Und die letzt« n Jahre des 19. aus dem von Feinden belagerten Judentum“, und seinen zionistischen Freunden gegenüber hob er das historische Anrecht der jüdischen Diaspora auf europäischem Boden hervor. Zugleich ist damals Dubnow ein Streiter für „natior le Rechte“ als integrierenden Bestandteil der Gleichberechtigung geworden. Hierzu trat nun auch noch seine Mitarbeit an der seit 1898 in Amerika erscheinenden „Jewish En. cyclopedia“. Wissenschaftliches und publizistisches Wirken füllten ihn aus in einer Epoche, die durch Ereignisse wie die russische Revolution von 1905. den russisch. japaniscr.en Krieg und zuvor das Kischinewer 'Pogrom wiederholt, jäh un.! terbrochen wurde. Dennoch brachte erst der Weltkrieg mit seinen' Auswirkungen für die Juden Russlands cij ne völlige Lebensverände-; rung: Er hat der. russischen Zusammenbruch und die Juli- sowie Oktoberrevolution aus nächstei Nähe und unter persönlichen Gefahren miterlebt und erst im Jahre 1921 Russland verlassen dürfen, wobei es ihm gelang, die Tagebücher, die gross-n Wert besassen. sowie das Riesenmanuskript seiner zehnbändigen ..Geschichte des jüdischen Volkes“ unter unsäglichen Schwierigkeiten aus der Sowjetunion nerauszubringen. In Berlin erwarteten den Gelehrten zehr, relativ ruhige Jahre, dener. die Nazih rrschaft ein furchtbares Ende bereitete. Beim Verlassen Russlands schrieb Si- Dn Dubnow die heute so wehmütig klingenden Worte: „Das Feuer der Jugend wurde zu einer Flamme des Alters, auf welcher der kalte Abglanz der Ewigkeit liegt. Manches Abendrot ist frei, lieh noch schöner als die Morgendämmerung. Wird das Schicksal mir einen solchen Abend am Ende eines bewegten Lebens schenken? Werde ich mich von den Schlägen der letzten Jahre wieder erholen, um das angefangene Werk zu Ende führen zu können?“ So schrieb ei im Jahre 1922. Er führte das Werk zum glücklicher. Abschluss; doch das Leben selbst endete unter den blutbefleckten Händen der Nazimörder, das Leben eines der Grössten unseres Volkes in neuerer Zeit. ... che, welche den Bildungskinderrci-! hunger der Jugend zu bej Jahrhunderts waren ausgel'riedigen schien. Und als | füllt mit tLr russ’schvn Aunder IC-Jährige eine Löher' j gäbe der populären jüdi- Schule besu-hen durfte, was I sehen L" tont * u rg ->sch1 eh to oftmals nicht zu erreichen von Brunn 'Brirku' un 1 rçuSL* ' ält fuhren musste. um : war. begann für ihn g.le eh- 1 Bat-ek 'L-S»r. d'"i. V..' n -. *j* i Kindi r mdziu’i u;ihi zoilig das Studium der ros ¡ R-bb. i - P- ’ÍV7. ZU rK siechen K'ass'k' r sowie Zeit i ks 1. Ba-’cr Zdini ]; d;:'.. es, Stil:- . vor? c’-ar.knnscher i:> d e 'gl s' h r sten ,„ .. h' JV - ■ P-'ovinzstädtchon. ZYVi- S-'- :'Meller. Du'” * * .»- . Ire O'Vh' Fc> Sch :i Fichten- und BI: ‘ TJ't dum .1 'hrc 108:1. der j nreh ' ,-d u r.-'f-' x:i'.L vrn gelegen, ist Simon 1 ersten Re:*e ks jurg-" : d.-r ,.V> t. - r « ' ' " C1 ’» T);i; * now immer wieder 7X1- ■ Mannes von 20 J'i’'r> n in di' ¡mit c1'' ■r u. f, rrikh. , iciu.'ii'f, wenn er von russische R ksh'iu :! 't -1 : i} C C’ , .. ■> ’-i Kir' - ' den Stüimcn des Lebens, d eaufreibenden Kämpfen in len gr-ssen Städten Frieden und Zuflucht suchte, in dies: Heimat, die er trotz d'-r Enge der' Lebensverhäll- . Pet«r=bur:;, v.dlz.'g sich d:e ¡kr>">••••■ n. Wende in seinen. Leben. F.r i D:a io' fing an alles zu publizieren, ‘sah D-br. , was seinen unermüduchen ' "egen as 1 Geist beschäftigte. Sv.ncr . deny.cn: in ersten Veröffentlichung gab ’ erblickte .L'.i-.-z ' als Kär-n- ■'ktori-e-L. Te' d« r As-ün-”' einen -e. oer; .wpaSfctefiT I'-i'tel'-; SH bst- nflanlei fiiidie Fahnerfhu PUBLIKATIONEN DES I.E0 BAECK INSTITUTES Soeben erschienen: VEROEFFENTLICHUNG DES LEO BAECK INSTITUTES Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 11959» SELMA STERN JOSEL VON ROSHEIM BEFEHLSHABER DER JUDENSCHAFT IM HEILIGEN ROEMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION Die Geschichte des klugen und mutigen Führers und Anwalts Trösters und Helfers der deutschen Judenheit in ihrem Kampf um Recht uno Freiheit gegen Kirche, Kaiser und Volksaberglauben zu Beginn der Neuzeit (280 Seiten) VEROEFFENTLICHUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TU EBINGEN LEO BAECK AUS DREI JAHRTAUSENDEN Wissenschaftliche Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens MIT EINER EINFUFHRUNG VON HANS LIEBESCHUETZ in deutscher Sprache SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1940 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN, DIE SIE BETREU¬ TEN, MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MOSES Eine matertalreiche sozialpolitische Studie über das Wanderschicksal einei jüdischen Gruppe im Schatten-des Antisemitismus und zweier Weltkriege. -★- % ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUEDISCHE ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER WIDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutsenen Juden urr Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesichts der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. 3 MARGARETE Sl’SMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels Eine \Vütoigur.g ur.a Leitung des allzu #enig oeKanuien ücaansenguts Oe» Metapny? «er« jesernent^pniiosopnen unc Soziologen — zugie er em De"““" rr.a. ii*i gre.ser Srb’T-rrm unc Freundin für S;mm«i WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-lnstituts Anmeldungen im Büro der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU, Pueyrredon 2190, 1° izq. (83 2813)