Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1814 (21.9.1960)
- Date
- 1960-09-21
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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n Jahr zu Jahr - 5721 füllen in die ^anchfs re Sorgen und Probleme, die e zu’ aber entschieden werden müssten, i, durch die Rivalität der gro- ’¡j le « ssen Staaten aber zu einem ln gen4ei& permanenten Gefahrenherd Mc\reter Semacht werden. i,lllan Neben dieser neuen Nuan- ,genau so ce ¿er Ost-West-Politik, die t Wf?™115 Perspektiven auf eine bewie'"eren' fh’enzte Koexistenz bietet, — t, and die dadurch einen Bruch ur f - Nirmit dem Stalinismus bedeuiet —, dürfte die afrikaninit!aiive sche Bewegung auf dem Gea r°kn i>iet der Weltpolitik des letz. n “spira. ten Jahres im Vordergründe „ e,U®n stehen. Die wenigsten haben °Chten' an die Warnungen geglaubt, zu der Ue- Serade an der „Jüdischen ',t\var, (¡jjj Wochenschau” schon vor irenenBah. Jakren an die Juden in den linternatifc afrikanischen Ländern, vor Westmäch allem in Südafrika, gerichin müssten tet worden sind. Ein neues llen Haunt Katastrophengebiet ist in «nett »Ja 4as Blickfeld des Weltgeanmutenschehens getreten. ®schwung Weisser Mann, was nur.?, chsel beob. 50 hallt es aus allen Ecken diejenigen des schwarzen Kontinents, die Sowjet! der sich jetzt erhebt, um zu und nicht eigener Grösse und eigenem die russi- Schaffen zu gelangen. Die s die inter- Ueberheblichkeit der euronfriede an. päischen Länder ist schon irten plötz. längst als das erkannt worssung und den, was aufmerksame und is Bereitkluge Beobachter wie Seundeln. Dieme schon vor langer Zeit geden westlisagt haben: hinter der Einngeschlage. Bildung steht ein technisiertvonKru- Wissen, das zu einer ¡nie wurde Verstärkung der physischen intdeckung Kräfte und damit zu einer dene west- Unterjochung und Ausbeuten sieh hing der materiellen Kräfte ichait eigeführt hat. Nirgends aber on keinem hat sich, von einigen kirchn nur von liehen Erfolgen abgesehen, inem teufdie auf dem Verständnis für Plan fest die Eigeninteressen der Einr geborenen beruhten, der europäische Geist, die europäi- Begeiste- 3Che Kultur und Tradition •ipfelkonfe- ¿urchgesetzt. ie dann ei. gs wäre eines eingehenden iterung für Studiums wert, einmal zu lt brachte, untersuchen, aus welchen lies so wo 1 Gründen die so gepriesene zufällig ein europäische Kultur nicht ordamenka- QUr ¡n Afrika an der Oberbei einem ¿¡¿che blieb, dass dagegen tappt wor. (jje europäische Technisie. :hew mit alrung und damit verbundene aen andern Imperial, und Machtpolitik t um die überhaupt beachtliche Erfoltern zu lasge feiern konnte. Vielleicht Stunde is kommt eine solche Untersuimmen, wo chung zu ganz neuen, ani Auffassun- ¿ersgearteten und erschütien u«d der ternden Ergebnissen, die er geschlosauch für die Haltung der isste. Beide lateinamerikanischen Länder noch immer, von ^ert sein würde, die als ilationen auf alte Kolonialgebiete noch t grössere immer gerade mit denen :h zu haben, sympathisieren, von denen lauben, d>e sie sich emanzipiert zu ha. :rden made ben glauben... inerlich” zj>- In dieser aufgeregten Si- Und die tuation mit Hochspannungen en sich ahnawischen den beiden Weltn hin, W machten und einer turbulendene Arberten Entwicklung in Afrika Polen ging der junge Staat Israel gestreikt Und entschlossen seinen Weg des Aufbaus und der Entwick. ung dievon *unS. In einer Atmosphäre ferenz ausv°n relativer Ruhe konnte 2st wieder sich Israel seinen eigenen ' un einmal Aufgaben zuwenden. Die au- -hnellebi6en ssenP°htischen Diskussionen ,c ne Sensaan allen möglichen Fronten, •e*t sondern 7°r allem in den UN, gingen ,ag ’ me von *hne Unterbrechung oder usC... t wird, wesentliche Variante weiter. lge.?, kann Nasser und seine Arabische * ’ sagen, setzten ihre verbale hlf GiPfe1' HetzkamPagne fort und ver- ■ Hie doch wehten, Israel nach Mög- *S'h m WeS Imhkeiten zu schaden. n solWe' Benn°ch darf mit grosser sel „heit Genuetuung festgestellt wer.;rgan.' gpulendass sich das Land wei. ernst terhin konsolidiert hat. Die asse,'\ andcinnenpolitische Lage wurde wieder « Zukunft durch den Sieg der Mapai bei den letzten Knessetwahlen stabilisiert. Die wirtschaftliche Entwicklung führte zu einem grösseren Vertrauen des Auslandes zu Israel, sodass die schwere Krise, die das Land die ersten Jahre seiner Existenz hindurch erschüttert hatte, als überwunden angesehen werden darf. Die Juden des Auslandes verstanden, dass Israel nicht nur aus sentimentalen Gründen ihrer Hilfe bedürfe, sondern dass sie sich selbst helfen, wenn sie an der Festigung Israels mit. wirken. Die Investitionen von ausländischen, insbesondere auch südamerikanischen Juden in Israel stiegen beachtlich an. — Die jüdische Welt wurde Ende des vergangenen bürgerlichen Jahres von einer antisemitischen Welle erfasst und beunruhigt, die ihren Ausgangspunkt in Deutschland hatte, sich aber überraschend schnell über viele Länder der westlichen Welt erstreckte. Allein die Länder hinter dem „Eisernen Vorhang” blieben hiervon unberührt. Die Regierung der Bundesrepublik wandte sich entschieden gegen die Hetzer, andere Regierungen folgten diesem Beispiel und nach einigen erregenden Wochen trat wieder Ruhe ein. Allerdings sind ernste Beobachter übereinstimmend der Auffassung, dass höchste Aufmerksamkeit gegenüber diesen Dekadenzerscheinungen am Platze sein dürfte. Zu einer freudigen Erregung in der jüdischen Welt und zu Reaktionen bei den Antisemiten führte die überraschende Festnahme eines der grössten Kriegsverbrecher, des früheren SS-Henkers Adolf Eichmann, der von Mitgliedern des israelischen Sicherheitskommandos in Argentinien aufgebracht werden konnte. Die Verletzung der argentinischen Souveränität durch israelische Agenten bewirkte einen energischen Protest der argentinischen Regierung, der zu einer Verhandlung des Falles vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen geführt hat. Nach dem Beschluss des Sicherheitsrates, durch den der argentinische Einspruch wegen der Souveränitäts-Verletzung als berechtigt anerkannt wurde, der aber gleichzeitig einen gütlichen Ausgleich zwischen den beiden befreundeten Ländern anempfahl, kam es zu erneuten Besprechungen, nachdem der israelische Botschafter in Argentinien als persona no grata erklärt worden war. Zur. allgemeinen Zufriedenheit wurde dann der Konflikt beigelegt, ohne dass es zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen gekommen wäre. — Die Verhaftung Eichmanns löste eine Kette von Verhaftungen anderer Kriegsverbrecher, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland aus, da die Welt durch den Fall Eichmann auf die Ungeheuerlichkeit der an dem jüdischen Volk begangenen Verbrechen erneut aufmerksam gemacht worden ist, und da die öffentliche Meinung in allen demokratischen Ländern ihren Unwil. len darüber bekundete, dass noch allzu viele Verbrecher frei herümlaufen... Das jüdische Volk war, abgesehen von der antisemitischen Flutwelle und einigen Begleiterscheinungen der Affäre Eichmann von grösseren Erschütterungen und Enttäuschungen bewahrt. — Die argentinische Judenheit konnte zwei wichtige Ereignisse feiern: 70 Jahre jüdischer Kolonisation in Argentinien und 100 Jahre des Bestehens der jüdischen Gemeinschaft in diesem Lande, in dem die Juden Freiheit und Gerechtigkeit als Bürger gefunden ha. ben. Die Organisationen unseres Sektors entwickelten sich soweit zufriedenstellend, als sie ihre eigene Arbeit weiter festigen und manche neue Initiative ergreifen konnten. Dagegen sind sie auf dem Wege einer Vereinheitlichung nicht weitergekommen, weil es an dem erforderlichen Verständnis und dem Willen zu konstruktiver Gemeinschaftsarbeit in manchen Kreisen fehlt. Hierdurch wurden sowohl materielle Mittel wie menschliche Kräfte gebunden, die zweckmässigerweise viel nützlicher angewandt werden könnten. Mit dem Heranwachsen einer neuen Generation wird — wie wir mit Bestimmtheit hoffen — auch diese Frage gelöst werden und sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die vielfach zu beobachtende Doppelarbeit keine Resultate bringen kann, wie sie der Tradition und der Lebenskraft unserer Gemeinschaft" eigentlich entsprechen würden. — Im folgenden sollen nun einige wesentliche Ereignisse des vergangenen Jahres festgehalten werden. Die Aufstellung kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. ♦ Oktober Der israelische Ministerpräsident, David Ben Gurion, erstattete einen ausführlichen Bericht über die politische Lage, wobei er die Freundschaft Frankreichs zu Israel besonders unterstreicht. — Dr. Bruno Kreisky, ein Ju. de, wird zum Aussenminister Oesterreichs ernannt. — Israel bietet seinen arabischen Nachbarn erneut Friedensverhandlungen an, die aber — wie bisher — von diesen sabgelehnt werden. — In der Bundesrepublik wird bekannt gegeben, dass einigen Richtern, die durch besondere nazistische Tätigkeit belastet sind, die Pensionen entzogen werden. — Der russische Ministerpräsident Nikita Krutschew stattet den USA einen Besuch ab, wo er es vermeidet, mit jüdischen Repräsentanten in Kontakt zu kommen. Verschiedene' Rückfragen über die Lage der Juden in Russland, die von jüdischer Seite an ihn herangebracht werden, sollen überprüft wer. den. Krutschew erklärt, dass die Juden in Russland gleichberechtigte Bürger sei. en und unter keinen Restriktionen zu leiden hätten. Der Staatspräsident Israels, Prof. Ben Zwi, stattet Birmanien (Burma) einen Freundschaftsbesuch ab, wo er mit grossen Ehren empfangen wird. — Die französischen Renault- Werke lösen, überraschend ihren mit Israel geschlossenen Vertrag, wobei sie ganz offen zugeben, dass sie dem arabischen Druck nachgeben DER AUFBAU GEHT WEITER: Ernte im Hule-Gebiel, vor wenigen Jahren noch todbringender Sumpf, PH ÜliPi t : . mm Hü mm s?; : '•'.ü’S/.Sb * müssten. Die Haltung dieser Firma tührt zu grossen Kontroversen. — Marokko macht — offen, bar ebenfalls unter dem Druck der Arabischen 'Liga — dem Postverkehr mit Israel erhebliche Schwierigkeiten, die jedoch nach einiger Zeit überwunden werden. — Israel spricht durch seinen Aussenminister Golda Meir dem nordamerikanischen Staatssekretär Herter sein Beileid zum Ableben des Generals George C. Marshall aus. — Bei der Suche nach Petroleum im Negew werden überraschend erhebliche Gasvorkommen in Israel festgestellt. — Die Grenzzwischenfälle finden durch neue Schiessereien an der syrisch-israeli. sehen Grenze ihre Fortsetzung. Ein israelischer Óffizier wird erheblich verletzt, die Ruhe jedoch von den israelischen Truppen sehr bald wiederhergestellt. — Die isarelisch _ argentinische Handelskammer veranstaltet unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Don Alfredo Korn, eine Feierstunde, die dem Abschluss neuer Vereinbarungen über die Handelsbeziehungen zwischen den beiden befreundeten Nationen gewidmet ist. Der israelische Botschafter in Argentinien, Dr. Arie Levavi, und der argentinische Botschafter in Israel, Dr. García Arias, ergreifen das Wort. — Die Jüdische Wochenschau beklagt den Tod ihres verdienstvollen Mitarbeiters Don Arturo Kroll, der sich als Vizepräsident der Achduth Jisroel und als Mitglied vieler zionistischer Comités grosse Verdienste um den Aufbau unserer Gemeinschaft erworben hatte. — Zum zehnten Male jährt sich der Todestag des hoch verehrten Herrn Rabbiners Dr. Fuchs (früher Chemnitz), der als Gemeinderabbiner der Nueva Comunidad Israelita und als ständiger Mitarbeiter der Jüdischen Wochenschau seine Tätigkeit bis in die letzten Lebensjah re erfolgreich fortgesetzt hatte. Chail (auch Jail geschrieben) wird als neuer Fonds der Zionistischen Weltbewegung in Argentinien ins Leben gerufen, um neue Freunde der israelischen Sache zu gewinnen. — 70 Jahre jüdischer Kolonisation in Argentinien werden in einer Festversammlung der AMIA mit einer grossen Festrede des Präsidenten, Don Emilio Gutkin, gefeiert. Dieses wichtige Dalum wird auch von der argentinischen Oeffentlichkeit entsprechend gewürdigt. — Die grösste unserer Gemeinden, die Nueva Comunidad Israelita, kann auf ein zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. In einer Reihe mit besonderem Erfolg durchgeführter Veranstaltungen wird der Bedeutung dieses Tages gedacht. — ♦ November Die Weltlage wird durch ein Attentat im Irak erschiit. tert. Neue Unruhe herrscht im Nahen Osten, als der irakische Staatspräsident, Gene, ral Kassem, von einer Kugel getroffen und schwer verletzt wird. Wieder einmal tritt in Erscheinung, dass der politische Mord eine gefährliche Waffe der um die Macht rivalisierenden arabi. sehen Kräfte ist. Die Vermutung Aegypten habe bei diesem Attentat die Hand im Spiele, wird von verschiedenen Seiten offen ausgesprochen. — Die Wahlen zur Knesset, dem israelischen Parlament, erbringen einen überraschend hohen Wahlsieg der Mapai, der Partei Ben Gurions. Die Knesset bietet die Möglichkeit der Schaffung einer breiten Koalition unter Führung der Mapai. — Die „Internationale des Hasses” tritt unter der Leitung des berüchtigten schwedischen Hetzers Aberg zusammen. Die Folgen dieser Zusammenkunft sollten einige Wochen später zu einer alarmierenden antisemitisehen Schmutzflut führen. — In Hannover werden Gefängnisstrafen für antisemitische Exzesse verhängt. — In den Vereinten Nationen beginnt die Debatte über die Flüchtlinge, die den arabischen Ländern neue Möglichkeiten für unqualifizierte Angriffe gegen Israel bieten. — Das neue Kabinett Ben Gurion wird als breite Koalition gebildet und erhielt in der Knesset eine gewaltige Mehrheit. — Deutsche Pfadfinder besuchen israelische Kibbuzim im Rahmen einer „Reise des guten Willens”, wo sie herztlieh empfangen werden. Die Pfadfinder äussern sich begeistert über das, was sie in Israel gesehen und gelernt haben. — Im Sicherheitsrat und Plenum der UN findet eine scharfe Debatte über die UN-Truppen statt, die an der israelisch-ägyptischen Grenze bei Gaza stationiert sind. Den Sowjets wird vorgewor. fen, dass sie sich an dieser Friedensarbeit finanziell nicht, beteiligen wollen., Die VAR (Vereinigte Arabische Republik Aegypten- Syrien) gibt ihre Absicht bekannt, den israelischen Schiffsverkehr durch den Suezkanal auch weiterhin zu verhindern. Eine Reaktion auf diesen Beschluss, der gegen das Völkerrecht verstösst und sich im Widerspruch zu verschiedenen Beschlüssen des Sicherheitsrates befindet, konnte be* den Grossmächten aus den bekannten Gründen nicht beobachet werden. — Erzbischof Kardinal Antonio Caggiano besucht den Tempel der Congregación Israelita en la República Argentina (Libertad-Synagoge), wo er vom Oberrabbiner Dr. Wilhelm Schlesinger, dem Rabbiner Marshall Meyer und dem Präsidenten dieser Gemeinde, Herrn Max Mazar Barnett begriisst wird. Die DAIA, die Dachorgani. sation der argentinischen Juden, kann auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. In einer schlichten Feierstunde wird dieses Ereignisses gedacht. — Das zentraleuropäische Co. mité des KKL unter der Leitung seines aktiven Präsidenten, Herrn Werner Rosenberg, führt das bereits .traditionell" gewordene Kinderfest durch, das wiederum ein besonders anerkennenswerter Erfolg ist und viele Kinder mit dem Gedanken des Jüdischen Nationalfonds und der Arbeit in Israel vertraut machte. — Das Leo Baeck-mstitut, ge. schaffen, um die Tradition des ehemaligen deutschen Judentums der Geschichte zu erhalten, intensiviert seine Tätigkeit in Argentinien durch eine breite Publizistik in der Jüdischen Wochenschau. Neue Mitglieder werden gewonnen — Im oonaerenser Stadtteil Belgrano wird das neue, prächtige Gebäude der David Wolffsohn-Schule (in der Strasse Amenabar) in Anwesenheit des israelischen Botschafters und dei gesamten Kollektivität eingeweiht. Dieses Werk stellt die Krönung einer langen Arbeit unter der Leitung des bekannten Arztes Dr. Bernardo Goldstein dai und darf als vorbildlich bezeichnet werden. — Der frühere Senator und bekannte argentinische Politiker, Dr. Alfredo Palacios, hält einen viel beachteten Vortrag über Israel, in dem er seine grosse Begeisterung über die im Lande gewonnenen Eindrücke und über den Aufbauwillen Israels kundtut. — (Fortsetzung in der , nächster). Ausgabe)