Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1814 (21.9.1960)
- Date
- 1960-09-21
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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von SCHALOM BEN-CHORIN M Das Staatswaispen Israels ist geiiennzeichr.ei durcn jenen berühmten sicbenarmigen Leuchter, die Menora, ueren Abbild last zwei Jahrtausende aut aem Titusbogen m Rom bewehrt wurde. Janrnundertelar.g haben es die Juuen Roms und jeder June, der ir. die ewige Stadt kam, vermieden, den Titusbogen zu durchschreiten, und docn wart jeder sehnsüchtige Blicke auf jene entschwundenen Heiligtümer des salomonischen und heroaianiscnen lempels die Titus im lriumph durch Rom tragen liess, um den Fall Judas vor aller Welt zu demon. sirieren. Unter den aus dem Tempel geraubten Heiligtümern gait der smbenarmige Leuchter stets als das allerheiligste. Denn der Tradition gemäss geht er noch auf den Kunstscnn.ied zurück, auf jenen Sezatel, der die Kultgeräte des Suftszeltes angefiertigt hat Nach der Thora »ent Moses selbst das Urbild des Leuchters in einer Vision air Berge Sinai und beschreibt dem kunstfertigen Bezalei dieses Gesicht. Die Darstellung auf dem Relief des Titusbogens st.mmt mit den bilblischen Angaben weitgehend überein, jedoch der Fuss der Menora bildet ein Problem besonderer Art, mit dem sich gerade in letzter Zeit Kunsthistoriker und Theologen be. fasst haben. Die LeuchterdarstePung auf dem Titusbogen, welche das Vorbild für unser Staatswappen lieferte, wird gekennzeichnet durch einen zweistufigen Sockel, welcher hellenistische Reliefs mit Drachendarstellungen aufweist. Ungeprüft wurde diese Darstellung von unseren Heraldikern v-om Titusbogen ins Staatswappen übernommen, was aber den geharnischten Protest des verewigten Oberrabbiners Dr. Herzog s. A. auslöste. In dem Gedenkbuch für den Präsidenten der Gemeinde Mailand, Sali Mayer, wies Oberrabbiner Herzog darauf hin, dass gemäss den Angaben des Maimonides, der sich wiederum auf talmudische Quellen beruft, der siebenarmige Leuchter einen Dreifuss hatte. Insbesondere lösten natürlich die figürlichen Reliefdarstellungen am Sucirel der Menora vom Titusbogen den theologischen Protest Dr. Herzogs aus, der es für ausgeschlossen hielt, dass ein so eklatanter Verstoss gegen das Zweite Gebot mit dem Tempelleuchter verbunden sein sollte. Hierbei liess Dr. Herzog allerdings unbeachtet, dass ja auch die Cheruben über der Bundeslade, streng genommen, einco Verstoss gegen den Dekalog darstellen, und ebenso der Nechuschtan, die Kupferschlange, die allerdings, wenngleich von Moses persönlich angefertigt, in der Königszeit zerstört wurde, um so der Gefahr des Götzendienstes vorzubeugen. Nun ergibt sich aber die Frage: Wie konnte der römische Künstler, der das Relief schuf, der Menora einen Sockel anfügen, der zwar dem hellenistischen Zeitgeschmack entsprach, aber im Original nicht vorhanden sein sollte Dr. Herzog erwägt als Antwort folgende Konstruktion: Er hält es für möglich, dass der echte Fuss des Leuchters auf dem Transport von Jerusalem nach Rom in die Brüche ging und von einem römischen Künstler ersetzt wurde. Selbst in diesem Falle ist allerdings kaum anzunehmen, dass die Rekonstruktion sich so weit vom Original entfernen sollte, dass anstelle eines Dreifusses ein zweistufiger massiver Sockel gesetzt wurde. Der jerusalemer Kunsthistoriker Dr. Heinrich Strauss hat dem Problem des Leuchters und seines Fusses eine Sonderuntersuchung gewidmet, wobei er durch Vergleich mit anderen Darstellungen ebenfalls zu dem Er. gebnis kommt, dass fast alle uns bekannten Mer.ora-Abbildungen und Rekonstruktionen aus hellenistischer Zeit den Dreifuss aufweisen und nicht den massiven Sokkel des Reliefs vom Titusbogen. Reiche Illustrationen dieser Art bietet das bekann. te Buch von A. Reifenberg, „Denkmäler der jüdischen Antike“ (Schocken-Verlag, Berlin 1937). Auf Sarkophagen, Gläsern, Mosaiken (zuletzt das Synagogen-Mosaik aus Nirim) finden wir immer wieder in verschiedensten Variationen den siebenarmigen Leuchter mit einem dreiteiligen Fussgestell. Vor allem aber wird diese Darstellung auch auf Tonlampen verwendet, die an den heiligen 'Leuchter erinnern sollen. Nirgends finden wir den geradezu einmaligen Prachtsockel vom Titusbogen. Sowohl Oberrabbiner Herzog wie auch Dr. Heinrich Strauss unterliessen es allerdings, die Frage zu stellen, woher denn der dreiteilige Leuchter stamme, dessen in der Bibel nicht Erwähnung getan wird. Wenn wir mit der Methode der „Entmythologisierung“ den Exodus-Bericht der Bibel (25, 40) „Und siehe zu, dass du es machst nach dem Bilde, das du auf dem Berge gesehen hast“, lesen, so werden wir wohl annehmen dürfen, dass ein Strauch, wie er noch heute im Sinaigebirge zu beobachten ist, das Urbild des Leuchters darstellt. Den dreiteiligen Fuss dürften die teilweise über der Erde hinkrieehenden Wurzeln des Strauches symbolisieren. Wie dem auch sei, bleibt es ein Rätsel, wieso auf dem Titusbogen der Leuchter einen. völlig anders gearteten Fuss oder Sockel erhielt als ihn die rabbinische Tradition beschreibt, und wir ihn andererseits auf vielen authnetischen Darstellungen finden. Was die Akribie der Gelehrten wohl nie zu lösen vermag, hat die Intuition eines Dichters vorweggenommen. ln seiner Legende „Der begrabene Leuchter“ hat Stefan Zweig den Weg der Menora von Jerusalem nach Rom nachgezeichnet. Wenngleich diese etwas weitschweifige Erzählung manchen Anachronismus aufzuweisen hat, so etwa die Vermutung, dass unser Leuchter im Hause Salomos mit Kerzen besteckt war. so hat der Dichter mit der Wünschelrute des Herzens wohl doch die Stelle des Geheimnisses angedeutet. Stefan Zweig schildert, wie der siebenarmige Leuchter von Jerusalem durch Titus nach Rom verschleppt wird, bei der Plünderung Roms durch die Vandalen unter Genserich aus Rnm überführt wird, dann nach Karthago gelangt und von dort durch Beiisar nach Byzanz gebracht wird. In Byzanz beschliesst der christliche Kaiser Justinian, den Leuchter wiederum nach Jerusalem zurückschicken, nicht aber, um ihn seinen le_ gitimen Besitzern, den Juden, zu übereignen, sondern um ihn in der ersten christlichen Kirche Jerusalems, der Hagia Zion, aufzustellen, die von seiner Gemahlin Theodora erbaut wurde. Stefan Zweig folgt so weit den mehr oder minder verbürgten Stationen der Menora, denen auch Heinrich Strauss in seiner Darstellung folgt. Nun aber vermutet die schöpferische Phantasie des Dichters, dass aus Byzanz gar nicht mehr der echte Leuchter nach Jerusalem zurückgeschickt wurde, sondern bereits eine Imitation während das Original in jüdischer Hand verblieb und schliesslich im heiligen Lande vergraben wurde (ungeahnte Chancen für die israe. lischen Archäologen), um so der Schändung entzogen zu werden. Es ist vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass schon der von Titus erbeutete Leuchter nicht mehr das wahre Original war, sondern bereits eine hellenistische Nachahmung oder Variante. Und daraus könnte sich nun jener rätselhafte Sookel erklären, der im Gegensatz zu allen Zeugnissen steht, die wir über die Urgestalt der Menora besitzen. Dennoch liegt eine tiefere Logik der Geschichte darin, dass wir, im Gegensatz zur Kritik des Oberrabbiners, gerade jene Darstellung des Leuchters ins Staatswappen übernahmen, die vom Titusbogen allein uns überkommen ist. Dieser Bogen war zum Triumph Roms und zur Schmach Judäas gedacht. Die heiligen Beutestücke sollten nie mehr nach Jerusalem zurückkehren. Und doch haben es Vorsehung und Geschichte anders gewendet. In Rom ist nur noch ein verwittertes Stück Antike zu sehen. In Jerusalem strahlt im Wappen des Judenstaates die Menora wieder, das Licht der Freiheit versinnbildlichend, das neue Licht, das über Zion aufstrahlt. USA-Büro der El Al Miami. — El Al errichtete ein Büro in Miami Beach, Florida, unter der Leitung des früheren El Al-Kapitäns Leo Gardner. Es handelt sich um das sechste Büro in Nordamerika. (AWZ) I 2. maimonipes ) MIHI . $ 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA 2289 — T. *. 714708 Zu beziehen durch alle einschlägigen Buch. Handlungen und durch die JUJCDISCHE WOCHENSCHAU rwn&tboN 218t 1* T. E.18*8018 5720 H. Sw. — Seit Jahren bewegt sich das Leben, die Spannung und das Interesse der Völker zwischen Erwartung und Enttäuschung. Seitdem das Dritte Reich zusammengebrochen ist, hofft die Menschheit auf Frieden. Aber trotz aller Versprechen sind diese Erwartungen bis heute nicht in Erfüllung gegangen. Vielleicht ist es überhaupt nicht möglich, ein Fazit über den letzten Jahresabschnitt zu ziehen; zu viele und widersprechende Tendenzen mussten beobachtet werden. Wenn wir dennoch . diesen Versuch wagen, so in dem Bemühen, uns Klarheit über die eigene Position zu schaffen, eine Klarheit, um die alle Menschen guten Willens ringen, die aber nur selten ins Bewusstsein tritt. Denn zu viele und immer neue Eindrücke dringen auf uns ein, weil immer neue Bewegungen und Erscheinungen uns gegenübertreten und wir deswegen stets von neuem bemüht sein müssen, uns belehren zu lassen und zu orientieren, um in diesem stürmischen Prozess geistiger Umgestaltung und materieller Zusammenstösse den eigenen Standort und den unseres jüdischen Volkes zu finden. Die Grundtendenz des politischen Lebens hat sich im letzten Kalenderjahr durchaus nicht geändert. Der schon „traditionelle” Ost- West-Konflikt hat neue Triumphe gefeiert. Man darf nicht sagen, dass dieses letzte Jahr eine spiegeltreue Kopie des vorhergehenden gewesen sei. Durchaus nicht! Ueberhaupt kann sich unsere Generation nicht darüber beklagen, in einer eintönigen Zeit zu leben. Das uns umgebende Panorama der Weltpolitik ändert sich in einem einzigen Jahr heutzutage schneller als vordem in Jahrhunderten! In atemloser Spannung könnte man diesen revolutionären und gewaltigen Bewegungen und Entwicklungen zusehen, wenn man eben nicht doch unmittelbar beteiligt wäre und die Nervenanstrengungen selbst für die stärksten Naturen mitunter zu grosse werden. Ja, wir leben in einer ungewöhnlich interessanten Zeit. Welche Kräfte werden eines Tages den Triumph davontragen? Werden wir von einem Gehirntrust regiert werden, der seinen Sitz in Moskau oder in Peking haben wird? Sind die westlichen Ideen stark genug, um den wachsenden Materialismus zu überwinden und die Menschheit zu einer Lösung zurückzuführen, die den humanistischen Gedanken als Leitmotiv unserer Gesellschaft akzeptieren wird? Wir wissen es nicht. Die ungeheure Spannung über die ungewisse Zukunft gibt neue Impulse, steigert die Rastlosigkeit, die Unruhe, die Ungewissheit über ein Morgen, das in gleicher Weise über 'Leben wie über Untergang der Menschheit entscheiden kann. Trotz der anhaltenden Spannungen zwischen Ost und West war im letzten Jahr eine absolut neue Note zu beobachten. Der russische Diktator Krutschew, der den Thron Stalins bestieg und mit einer erstaunlichen Sicherheit verteidigt, hat mit der alten stalinistischen Linie endgültig gebrochen. Krutschew hat vielleicht im Vertrauen in Laufe des Jahres manches Prozellan zerbrochen, aber niemals die Brücke zum Westen abgebrochen, die er selbst mehr als irgendein anderer Staatsmann unserer Zeit gebaut hat. McMillan oder Nixon sind genau so weit in ihrem Enthusiasmus zum Ausgleich der Differenzen gegangen, wie Krutschew sie geführt hat. Nirgends war auch nur der Ansatz einer eigenen Initiative zu spüren, nur beim roten Zaren konnte man Inspiration und Mut zu neuen Entscheidungen beobachten. i Sorg® und Pro] werdet entSCSaRivalitä Als Krutschew zu der Ueberzeugung gelangt war, dass die alten, ausgefahrenen Bah. nen der bisherigen internationalen Politik der Westmächte verlassen werden müssten, konnte man in allen Hauptstädten der Welt einen gerade ungeheuerlich anmutenden Meinungsumschwung und Stellungswechsel beobachten. Selbst diejenigen, die bisher gegen die Sowjet. Union wetterten und nicht müde wurden, die russischen Politiker als die internationalen Störenfriede anzuprangern, änderten plötzlich ihre Auffassung und priesen Moskaus Bereitschaft zum Verhandeln. Diese neue, von vielen westlichen Grössen eingeschlagene, in Wirklichkeit von Krutschew diktierte Linie wurde als eine neue Entdeckung gefeiert. Verschiedene westliche Politiker stritten sich um die Vaterschaft einer Idee, die von keinem von ihnen, sondern nur von Krutschew in einem teuflisch ersonnenen Plan festgelegt worden war. dUtClSten aber St ln Gei P^terden. gen1fht dieser net Neben dies»1 „ ce der Ost-West-Po Perspektiven au£ grenzte Koexisten Ld die dadurch ei SdemStfus le, __ durfte die cehe Bewegung f te5 Jahres im Vor stehen. Die veai^ an die Warnungen die gerade in der,, 'Wochenschau sc Jahren an die Jud afrikanischen La” allem in Südafnk tet worden sind. . Katastrophengebiet daä Blickfeld de getreten. Mit steigender Begeisterung wurde die Gipfelkonferenz propagiert, die dann eine heftige Ernüchterung für die westliche Welt brachte, weil Krutschew dies so woll. te. Wäre nicht zufällig ein unglücklicher nordamerikanischer Flieger bei einem Spionageflug ertappt worden, hätte Krutschew mit aller Sicherheit einen anderen Grund gezaubert, um die Konferenz scheitern zu lassen. Denn die Stunde ist noch nicht gekommen, wo Frieden nach den Auffassungen der westlichen und der östlichen Politiker geschlossen werden müsste. Beide Blöcke hoffen noch immer, mit ihren Spekulationen auf die Unsicherheit grössere Chancen für sich zu haben. Die Russen glauben, die Amerikaner werden müde werden und „innerlich” zusammenbrechen. Und die Amerikaner geben sich ähnlichen Träumen hin, weil einmal unzufriedene Arbeiter in Ungarn, Polen oder Ostdeutschland gestreikt und rebelliert haben. Die Enttäuschung, die von der Gipfelkonferenz ausging, wurde längst wieder vergessen, weil nun einmal in unserer so schnellebigen Zeit nicht nur eine Sensation die andere jagt, sondern auch eine Enttäuschung von der nächsten abgelöst wird. Wenn man so will, kann man ganz beruhigt sagen, dass die gescheiterte Gipfelkonferenz in Paris, die doch ein Markstein auf dem Weg zum Weltfrieden sein sollte, längst der Vergangenheit angehört, ohne ernste Spuren zu hinterlassen. Die Welt ‘hat schon wieder andeschehens Weisser Mann, so hallt es aus al des schwarzen I der sich jetzt erhi eigener Grösse ur Schaffen zu gela Überheblichkeit päischen Länder längst als das eri den, was aufmer kluge Beobachter ne schon vor lang sagt haben: hinte bildung steht ein des Wissen, das ■Verstärkung der Kräfte und dam Unterjochung ui tag der materie geführt hat. Uh hat sich, von ei: liehen Erfolgen die auf dem Ver die Eigeninteress geborenen beruh' ropäische Geist, sehe Kultur um durchgesetzt. 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