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Jüdische Wochenschau · 1960-09-16 · 1813 (16.9.1960) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1813 (16.9.1960)
Date
1960-09-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes. 1$ de Septiembre de 1960 LA SEMANA ISRAELITA """""""" Año XXI. — No. 1813 Köln am Rhein: nicht nur Schauplatz neuester, weltweiter antijüdischer Ausschreitungen, sondern zugleich Handlungsort, an dem die bald zweitausendjährige Last der „Tötungsschuld an Jesus Christus“ von den Schultern des jüdischen .Volkes genommen wurde“, verkündet in Riesenbuchstaben die „Illustrierte Sonderausgabe“, die zum Weltkongress der Katholischen Kirche in Deutschland 1960 kürzlich im Hans Naber- Verlag, Stuttgart, Torstrasse 32 erschienen ist. Die „Illustrierte Sonderausgabe“ ist eine alle Vierteljahre erscheinende, periodische illustrierte Zeitschrift für jüdische Spezial-Themen, HERREN kaufen wertbewusst besonders Kleidung... Deshalb geben die Vorzüge der Carlton-Kleidung beim Einkauf immer wieder den Ausschlag. Beste Oberstoffe aus Eigenimport und beste nationale Erzeugnisse, sorgfältige Zugaben und gewissenhafte Verarbeitung. — Ein Carlton-Massanzug hat 18 Taschen. In Feriigkleidung die bekannte Stabiloform-Verarbei. tung mit allen ihren Vorzügen. Ständiger Kundendienst. — Auf Wunsch Anproben zu Hause oder im Büro. — Aenderungen. EINE ABTEILUNG FEINER HERREN. AUSSTATTUNG IN VORBEREITUNG. Carlton bringt unter anderem das berühmte Hemd aus Nordhorn, hergestellt aus NINO BALSA Wer etwas auf sich hält, trägt Carlton-Kleidung, die Kleidung guten Stils, sie ist meisterhaft gearbeitet und nicht teurer als gewöhnliche Kleidung. MAIPU 484, 1. St. MAIPU 982 T. E. 31-0357 von SCHALOM BEN-CHORLN für religionspolitische Probleme der Oeffentlichkeit, z. B. Beseitigung von Antisemi. tismus, erklärte der Verlag, und die Schriftleitung bemerkt: „Der Dokumentarbericht: „Nicht am Kreuz gestorben“ wird nicht zuletzt zu der von Bundespräsident, Bundestag und Bundesregierung gewünschten Versöhnung mit dem jüdischen Volke beitragen“. Der verantwortliche Schriftleiter Kurt Gerna, Stuttgart, ist der Ansicht, dass „alle an. tijüdischen Exzesse innerhalb der gesamten Christenheit, überall in der Welt, auch die heimlich geduldeten, allein religiös bedingt“ sind. Daran mag schon etwas Richtiges sein, wissen wir doch, dass die unselige Version vom „Gottesmord“ Anlass zu zahllosen Pogromen in der jüdischen Geschichte geworden ist und auch heute noch — etwa die geschmacklosen Passions- Spiele von Oberammergau — immer wieder aufputschend wirkt. Die „Illustrierte Sonderausgabe“ nun stellt sich in den Dienst des „Deutschland-Konvent für das Lihnen“. Worum handelt es sich hier? In der oberitalienischen Stadt Turin wird seit dem Jahre 1572 eine seltsame Reliquie im Dom bewahrt, das sogenannte Grablinnen Christi. Es handelt sich u>m ein Leintuch, das 4,36 Meter lang und 1,10 Meter breit ist und als „corpus delicti” von Golgatha gilt. Es wurde in der Zeit der Kreuzzüge aus Konstantinopel nach Frankreich gebracht und kam später nach Turin. Nach Konstantinopel soll es aus Jerusalem durch eine oströmische Kaiserin gebracht worden sein. Im Jahre 1931 liessen die kirchlichen Behörden in Turin das Grabtuch durch Giuseppe Enrie photographieren, und dabei stellte sich heraus, was schon vorher vermutet wurde, dass deutlich die Gestalt Jesu (Vorder- und Rückansicht) sichtbar wurde. Die „Erklärung“ für dieses Wunder war: das Tuch soll mit Aloe getränkt gewesen sein und in das Tuch wurde der Leichnam Jesu nach der Kreuzabnahme gehüllt. Es wirkte wie eine photographische Platte und nahm genauestem das Gesamtkonterfei des Gekreuzigten auf, X-' Muíblis WaleAjnoniu t Moderne Wohn- und Schlafzimmer- Einrichtungen — Sesselgarnituren Sarmiento 1147 Cabildo 774 1 WERKSTATT! *! AUTO - REPARATUR „BENO BEÑO HUTSCHNECXEB Aré*. CONSTITUYENTES Amt (Ecke Mmrae) was aber erst die Photographie 1900 Jahre später enthüllte. Nun weist dieses Grabtuch aber auch Blutflecke auf, und hier setzte nun die Forschung von Professor Dr. Theodor Hirt von der Universität Köln ein, der diesen Deutschland . Konvent zur Erforschung des Linnens gründete, von dem es heisst, dass sich an ihm katholische, protestantische und jüdische Gelehrte beteiligten. (Wer, wird nicht gesagt). Postanschrift des Konvents lautet: Stuttgart 1, Schliessfach 183. Um die Sache nun so kurz wie möglich zu machen, sei hier das Forschungsergebnis des Prof. Hirt und seiner nicht genannten Kollegen zusammen gefasst. Die Blutflecken erweisen, dass der Körper, der in dieses Tuch gehüllt worden ist, im medizinischen Sinne nicht tot war. Seine Herztätigkeit hatte nicht aufgehört. Wäre das der Fall gewesen, so wäre das Blut bereits bei Kreuzabnahme verkrustet. So aber sickerten vor allem aus den kleinen Kopfwunden, die von der Dornen herrührten, unablässig Blutstropfen aus, die nicht vom Haare aufgesaugt wurden. Bei einer Leiche undenkbar, so erklärte der medizinische Experte Professor Judica-Cordiglia, früher Gerichtsmediziner in Mailand, jetzt Professor an der Universität Turin. Genaue Blutkreislaufstudien sollen zeigen, dass die Blutspuren auf dem Linnen von einem noch Lebenden stammen. Jesus lebte also bei der Kreuzabnahme eigentlich noch, und deshalb statuiert die Sonderausgabe: „Im geschichtlichen Sinn hat das jüdische Volk aus diesen Gründen keine Mordschuld an Jesus Christus“. Der erste Jude, der mit dieser Enthüllung beglückt wurde, war ein gewisser Jakob Salomon (35), Korrespondent der „New York Daily Times“ (?), der 1935 mit seinen Eltern aus Köln nach den USA ausgewandert sein soll und Prof. Hirt vor kurzem in Rom traf, wo dieser seine Forschungsergebnisse dem Vatikan unterbreitete. (Leider fehlen in der sonst so reich bebilderten Illustrierten die Photos von Prof. Hirt und Mr. Salomon). Salomon war natürlich überwältigt und erklärte (auf Tonband): „Jetzt ist alles anders. Wir Juden in unserer Blindheit haben damals versucht, ihn umzubringen, und geglaubt, es auch fertigge. bracht zu haben. Für diese Blindheit hat er uns verstossen aus dem Lande der Väter. .. Aber weil unsere Schuld, wie sich jetzt zeigt, doch keine totale war, hat er uns nun das Land der Väter wieder geöffnet“. Im selben Sinne schreibt die „Sonderausgabe“ zusammenfassend: „Nur deshalb konnte das jüdische Volk, ein Jahr nach Preisgabe dieses Geheimnisses. ft.«1*-' T. K. SI * 3285 KINDER. GEBURTSTAGE Unterhaltung — Cotillon Kasperletheater Gesellschaftsspiele RUTH LEWINBERG 73 . 4202 wieder offiziell in das Land der Väter zurückkehren“. Das ist allerdings eine neuartige und originelle Art, die Gründung des Staates Israel theologisch zu erklären. Die Forschungen des Prof. Hirt werden nun noch durch eine „Offenbarung” unterstützt, die am 23. Februar 1947 ein 25jähriger Katholik (wer und wo?) gehabt haben soll, demgemäss ihm Jesus erklärt habe: „Höret mein Geheimnis, ich bin nicht am Kreuz gestorben“. Diese als unerhört neu angesehene Aussage in der Vision wird „wissenschaftlich“ durch den Grablinnen-Befund erhärtet. AVir haben die ungemein sensationell aufgezogene Angelegenheit nun zusammenfassend reportiert, soweit sie uns als Juden angeht, möchten nun aber doch hier noch einige Einwände anmelden. Immer vorausgesetzt, dass die ganze Sache so weit stimmt, dass Prof. Th. Hirt existiert-und tatsächlich sein riesiges Bildmaterial an der Kölner Universität zeigt, wie hier berichtet, ergibt sieh doch ein dreifach merkwürdiger Eindruck: der Prof. Hirt in den Mund gelegte Bericht gibt sich einen streng katholischen Anstrich (Audienz bei Kardinal Rillardo, Rom und Kardinal Fossati, Erzbischof von Turin), vertritt aber andererseits eine These — Jesus am Kreuze nicht gestorben —, die der .katholischen Dogmatik zuwiderläuft. (Hirt behauptet, dass der neutestamentliche Ausdruck „Er gab seinen Geist auf“ nicht Herz. Tod bedeuten müsse und der berühmte Lanzenstich, laut Linnenabdruck, nur zu einer Lungenverletzung’ geführt habe). Der Bericht gibt sich philosemitisch, reizt aber durch Schlagzeilen, wie „Ein König wurde nackt gegeisselt“ und entsprechende Illustrationen zu neuem Judenhass auf. Die Frage, ob der Nazarener am Kreuz oder etwas später gestorben ist, kann ja kaum die Gefühle antise¬ LA SEMANA ISRAELITA BISEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires - PUEYRREDON 2190, 1? irq. — T. E. 83.261: 24. Elul 5720 18. September 1960 mitisch gestimmter Christen den Juden gegenüber wirklich verändern, wie hier so laut angepriesen wird, da es ja eigentlich auf die Absicht ankommt. Endlich ist die Theorie, dass Jesus nicht am Kreuze gestorben ist, keineswegs neu. Vor über drei Jahrzehnten erregte das Buch „Der gerettete Christus“ von Werner Hegemann (Potsdam 1928, Verlag Kiepenheuer) Aufsehen, das die Theorie vertrat, dass Jesus nur scheintot war und wieder geheilt wurde. Aber auch Hegemann „enthüllte“ nichts Neues, da bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts „Wichtige historische Enthüllungen über die wirkliche Todesart Jesu“ (Leipzig 1849) anonym erschienen waren und diese These vertraten. Bei aller „Wissenschaft, lichkeit“ der Blutspuren bei der BartuchurJtersuehung ergibt sich noch eine Frage (vorausgesetzt, dass die Spuren echt und das Linnen authentisch wären): auf diesem Tuche soll die sogenannte Tahara vorgenommen worden sein, die jüdisch - rituelle Leichen . Waschung. Dabei könnten ja, gemäss dem Brauche, die Blutkru- Kassem nach Pakistan eingeladen London. — Der irakische Ministerpräsident Kassem hat eine Einladung zum Besuch von Pakistan angenommen. Der Zeitpunkt des Besuches wurde noch nicht vereinbart. (AWZ) sten aufgeweicht und abgewaschen worden sein, soduss sich die Blutflecke auch so erklären liessen, selbst wenn es sich um einen Leichnam im medizinischen Sinne gehandelt hat, einer, toten Körper, der nicht mehr weiter blutet. Aber diese Fragen überlassen wir dem „Deutschland-Konvent für das Linnen“, einer „seit 1956 bestehenden freien Versammlung von Forschern und Fachleuten, die dem katholischen, dem evangelischen und dem jüdischen Glauben angehören.“ Wir würden es sehr begrüssen, wenn die „jüdischen Forscher“ in diesem „Konvent“ den Schleier der Anonymität lüften würden, damit wir sie direkt fragen könnten, ob sie wirklich glauben, dem Judentum und dem jüdischen Volke mit dieser sogenannten Forschung zu dienen. Salude al Año Nuevo con un SOMBRERO HUEVO WATERMAN Rey del Nylon LAVALLE 650 - CORRIENTES 426 IL ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel, VIAMONTE 550, I/B — Buenos Aires, Rep. Argentina ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—18 Uhr y — - ana Dr. Gunter Frey Asuntos Argentinos y Sudamericanos TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN BUEROZEIT: 10—12 und 15—18 Uhr ~wrir _• ITI" -n"r - PUMRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS —1\ E. 83.2613 V

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