Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1813 (16.9.1960)
- Date
- 1960-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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I — Viernes. IS de Septiembre de I960 L S S E MA H ISRAELITA Año XXI. — Ne. lilt ristlich -\M\ von Dr. CONRAD N. ROSENSTEIN Gab es jemals ein. Zwiespracne? Selten! Meistens wurde nur “disputiert", in der Absicht, wenn nicht durch die Kraft der Argumente, so doch durch den „Arm der Gerechtigkeit ‘ die Juden von der Nichtswürdigkeit ihres Daseins zu überzeugen, um sie dann — vernichtet — an Christi Brust wieder aufzurichten! Gewiss gibt es auch heule no.n viele Christen, die aufricit'g. auch ganz naiv „Mission“ treiben, überzeugt, ein wohlgefälliges Anliegen zu praktizieren, da sie uns „Erlösung“ bringen! Welches die alleinseligmachende Kirche ist, das ist natürlich schwer herauszufinden, da uns jede christliche Glaubensgemeinschaft klarzumachen sucht, sie sei die eigentliche und die mit höherem Aufträge begabte... Das sind bekannte Dinge Efir uns. Indessen sei man sich darüber klar, dass die Skepsis auch im christlichen Lager sehr gewachsen ist! Die Hekatomben von Opfern, die der letzte Weltkrieg forderte, lässt manch einen ■irre werden. Konnte man die eigenen, die Bekenner des Gottes der Liebe, nicht zurückhalten, so fragt man sich, was berechtigt einen heutzutage moralisch, in anderen Kreisen um Anerkennung zu werben? Was sollte Uns eher „fehlen“, dass wir der Unterweisung bedürfen? Oft. so deucht es uns, bedürften die Missionare sehr viel Unterweisung durch die ¿Söhne des alten Bundes“, damit ihnen klarwerde, dass! Se zu Christus nur zu kommen vermögen, wenn sie! Joses, wenn sie die Prophe- &n Israels begriffen ha- >en!... Aber wir fühlen uns i licht verpflichtet, vor andeen Türen zu fegen, und lachen uns gewiss nicht anle'schig, ihnen Traktätchen n die Hand zu drücken... Und doch gibt es echte Überraschungen. In Deutschland erscheint ein umfangeiches Heft, die „Freibur-;er Rundbriefe“, herausgei feben vom Deutschen Cariesverband, an deren Spitze *rof. Thieme und Frau Dr. Jertrud Luckner stehen.Das : itnliegen ist ein „Gespräch“, j ’in echtes, ohne missionari- , sehe Absicht Die innere ¡Wahrheit wird jedem Partner zugestanden, das Ge-; meinsame wird betont, das ¡Trennende wird keineswegs j verheimlicht, das Andere im : anderen als Wunder einer von Gott gewollten Vielfältigkeit gegrüsst. Bedeutende j katholische und protestantische Theologen kommen zu j Wort. Von jüdischer Seite j findet man Beiträge von Prof. Hugo Bergmann, Prof. Martin Buber, Prof. Ernst Simon. Die Aussprache und Berichterstattung aus Versammlung, Synagoge, Kirche ist fair, würdig, mehr noch: bedeutend. Breite Kommentare werden Schallplatten aus der Nazizeit — zur Dokumentation hergestellt — gewidmet. Eine umfangreiche Bibliographie behandelt das Thema „Judentum“. Reportagen gelten dem Thema „Antisemitismus“ in aller Welt. Die Einstellung des Papstes, der Geistlichkeit wird kundgetan. Neben rein theologischen Betrachtungen widmet man sich auch sehr aktuellen Theimen. Die unbewältigte Vergan. genheit ist wahrscheinlich das wichtigste Aussprachegebiet. Fragen der Erziehung werden aufgeworfen, des Religionsunterrichtes, des Anteils der Juden am Bau einer abendländischen Kultur. Ueber Israel wird berichtet. Weite Kapitel jü. discher Geschichte — ehedem deutschen Christen ein beinahe unbekanntes Territorium — werden vor den Lesern ausgebreitet. Tätigkeiten von Archiven, wissenschaftlichen Gesellschaften werden dargestellt. Eine vielseitig - fruchtbare Leistung! Wer sind die Leser? In erster Linie wird an den Religionslehrer, den Jugenderzieher, den Sozialbeamten, den Theologen appelliert. Das Echo ist bedeutend! Pfarrer, Weihbischöfe, Studienräte melden sich zum Wort. Welches sind die Wirkungen? Dass Knaben und Mädchen „umgeworfene Grabsteine“ wieder aufrichten, mit Besen und Harke jüdische Friedhöfe reinigen, in würdigen Zustand versetzen; dass Jugend Ausspr3f# Heute, um 19.45 Uhr im .Teatro Odeon WAS IHR WOLLT" das unsterbliche Lustspiel von W. Shakespeare Regie: Jacques Arndt Weitere Vorstellungen:; Sonnabend 20 Uhr u. Sonntag 15.30 Uhr Eintrittskarten an der Theaterkasse, Esmeralda 367 Tel: 45-3591, werktags von 10—12 u. von 15—20 Uhr cheabende wünscht — besonders in studentischen Kreisen —, ja, dass reges Interesse besteht, Israel zu besuchen, vorurteilslos, mit eigenen Augen zu sehen. Gewiss: der Mann auf der Strasse spricht nicht im Ton der „Freiburger Briefe“, und möglicherweise interessiert die Ewig - Gestrigen auch nicht, was man da heute anstrebt, aber die Kreise, an die sich die Freiburger Rundbriefe wenden, sind keine sektiererischen Zirkel, da die Zeitschrift in Bibliotheken ausliegt, Seminare und Kurszentren erreicht. Frau Dr. Luckner besuchte „ihr“ Israel bereits zum fünften Male, letztlich von der IsraeLmission in Köln offiziell eingeladen. Die alte Dame, die während der Zeit der grossen Verfolgungen unter Einsatz ihres Lebens zu helfen suchte, wo sie es vermochte, um dann selbst grausige Jahre im Konzentrationslager Ravensbrück „zu büssen“, darf überzeugt sein, dass wir die Anstrengungen um das Verständnis des „Anderen“, im Geiste beider Testamente, voll zu würdigen wissen, ja, dass wir im Bewusstsein unserer eigenen Tradition ihre Ueberzeugung — einer gläubigen Katholikin — aufrichtig zu schätzen wissen. Tabak-Konsum in Israel Jerusalem. — Die Israelis haben im vergangenen Jahr viel mehr Tabak als in der vorhergehenden zwölf Monaten verraucht. Der Tabakkonsum stieg yi der angegebenen Zeit um 6 Prözent, während die Bevölkerung nur um 2 Prozent zugenommen hat. Die Raucher bevorzugten teure Zigaretten, und der grössere Verbrauch machte sich besonders bei Filterzigaretten bemerkbar (ITA) Finanzielle Schwierigkeiten Jerusalem. — Das israelische Schatzamt plant, 20 Millionen IL rund 100 alten Kolonien zur Verfügung zu stellen, um frühere Schulden zu begleichen, die diese bei privaten Gläubigern haben. Das Finanzministerium hat die Gelder einbehalten und verlangt, die Kolonien sollen zuerst die Namen ihrer Gläubiger bekanntgeben. Dies wollen die Kolonien nicht tun, weil sie befürchten, ihre Geldgeber könnten bestraft werden, weil sie höhere Zinsen als die gesetzlich erlaubten genommen haben. Die Vertreter der Kolonien geben zu, dass sie höhere Zinsen bezahlt haben, doch sie möchten vermeiden, dass die Verleiher Unannehmlichkeiten haben könnten. (ITA) ,Was ihr wollt” im Deutschen Theater Neue Briefmarken Fast vierhundert Jahre (1564 ist sein Geburtsjahr) sind vergangen, seit William Shakespeare das Licht der Welt erblickte. Ungeheure politische und soziale Umwälzungen hat unser Erdball seither erlebt, und technische Erfindungen haben das bürgerliche und wirtschaftlijche Leben auf eine völlig- | veränderte Grundlage gestellt; doch Europas grösster dramatischer Dichter hat ¡durch sein Werk die Zeiten- .'stürme überdauert, und er I belehrt uns noch heute dar- J über, dass menschliche Lei : denschaf ien an keinen Raum I und keint. Epoche gebunden ¡sind, dass hinter den Masken ¡welche die Sterblichen tra- ¡gen, die gleichen Triebe ¡wohnen, gute und schlechte. ¡Sich mit Shakespeare zu be-! schuftigen, heisst deshalb, aus einer unerschöpflichen Hand das tausendfältigspiegelnde Abbild der 'Leidenschaften dankbar entgegenzunehmen und sich dar aus das ewige Antlitz der Menschheit zu formen. Jugendlich-übermütig ist der Dichter in seinen ersten Lustspielen, wie in der „Komödie der Irrungen“, wo er sich geradezu austobt; dann wird er reifer und reifer und gelangt über Königsdramen und Komödien zu einer seiner schönsten, zu „W'as ihr wollt“, in der bei aller Heiterkeit ein ernster Ton mitschwingt. Ein englischer Kritiker nannte dieses Werk das „Lebewohl an den Scherz“; dies trifft auch darin zu, dass der Dichter alle Geister der guten Laune, alle Regungen des Uebermuts, die in ihm lebten, in dieser jauchzenden Komödie angesammelt hat. Diese hat in ihrem raschen Fortschreiten der Handlung und in ihrem durchwürzten Dialog nicht eine einzige schwache Stelle. In richtigem Tempo gespielt, muss „Was ihr wollt“ den Zuschauer in lustige Stimmung versetzen. Jacques Arndt, der Regisseur des Abends, sorgte für dieses Tempo, liess auf der Drehbühne, deren Aufbauten und Requisiten sich auf die notwendigsten Andeutungen beschränkten, die Szenen rasch aufeinander folgen, nahm nur geringe Textkürzungen vor, verstand es, uns aus dem Grau der “Wirklichkeit in ein Phantasieland zu versetzen und die besten komischen Wirkungen herauszuholen. Nicht einmal versagt der szenische Apparat, und Beleuchung, Zwischenvorhänge, sowie Umrahmungsmusik bilden den Hintergrund für die strahlend" Anmut der Liebesszenen, die Weisheit der Narren und di: Heiterkeit der berühmten Rüpelszenen. Wer von den älteren Theaterbesuchern vielleicht noch das Possenspiel der Zechbrüder Tobias und Bleichenwang. einst bei Max Reinhardt durch Wilhelm Diegelmann und Hans Wassmann mit unnachahmlicher ¡Komik gestaltet, in Erinnerung haben sollte, kann trotzdem sein helles Vergnügen an Hans Peters und .Karl Ewald haben, welche diese beiden Junker trefflich verkörpern. Den sauertöpfi- ' sehen „Haushofmeister Malvolio“, ein eitler und aufgeblasener Geselle, eine läjcherliche Figur, gibt Victor Parlaghy, und seine grossartige Charakteristik der Rolle wird auf offener Szene bejubelt. Auch das ganze übrige Ensemble hält sich auf , dieser Höhe: Da ist der verliebte „Herzog Orsino“, durch Gert Haucke dargesteiit, dem man seine ernsthafte Werburg glaubt, der junge Edelmann „Sebastian“, Mein Frank Nelson sein gros. ¡ses Können leiht, obwohl man diesen hochbegabten Schauspieler noch lieber im modernen Drama sehen möchte, und der selbstlose I„Seemann Antonio*, dessen Biederkeit durch die Kunst Max Wächters glaubhaft .wird. Ein Kranz guter Frau- 'enrollen: allen voran die reizende „Viola“ vor. Renate Garden (eine der berühmten Bergnerrollen), die sich ¡schelmisch und anmutig in cter „Hosenrolle“ zu bewegen weiss. In der „Gräfin Olivia“ — die Schauspielerin Tosca Dohrke bietet auch einen lieblichen Anblick — findet die verkleidete „Viola- ¡Cesario’’ die ideale Gegenspielerin. Vor allem aber ¡muss der „Narr“ von Bruno lArno hervorgehoben werden, eine glänzend gelungene Erscheinung deren Wahrheiten und Weisheiten sich Geihör verschaffen. J Maria Böhmberger als „Kammermädchen Maria“, die zu lustigen Streichen aufgelegt ist, sowie Friti Geismar und Rolf Molden’ in kleineren Rollen ergänz ten das gute Zusammensple’ an einem Abend, der dem Genius Shakespeares gewid met war, und mit dem das „Deutsche Theater“ Ehre einlegte. C. W. ONrfTtf»«. ,Am 9. Oktober erscheint diese Gedenkmarke anlässlich .der Eröffnung der philaleli. jstischen Ausstellung in Tel : Aviv. Das Motiv dieser Ausgabe stellt den jüdischen PostreUer in Prag dar (alte Gravüre). Teatro Colón Hoy, viernes 16, a las 21.30 Octava Función de Gran Abono. En homenaje al 150' aniversario de la República de Chile. Presentación del Ballet Nacional Chileno. Bal. lets: “Milagro en la Alameda” de Uthoff, Carvajal-Bayer; “Calaucan” Chavez- Bunster. Orquesta Filarmónica de Buenos Aires. Director: Víctor Tevah. — Sobrantes de Abono en Venta. Hakenkreuze auf der Kirchentür Düren. — Mit roter Lackfarbe haben unbekannte Täter kürzlich nachs vier Hakenkreuze auf die Eingar.gstür der katholischen Pfarrkirche tn Niederzier (Kreis Düren) geschmiert. In die Ermittlungen wurde auch der Verfassungsschutz eingeschaltet. Die Bevölkerung Ist aufgerufen worden, bei der Fahndung nach den Tätern zu helfen. Diese Schmiererei ist die erste grössere seit den Ausschreitungen Anfang dieses Jahres. (AWZ) GEBETBÜCHER; d ’ für die hohen Feiertage \ mit Uebersetzungen in \ zwei Bänden $ 400.—- ] Neujahrs-Ausgabe ' Lamroth Hakol $ 158.— i Neujahrs _ Glückwunsch- ] karten ^sprachig: Hebräj isch. Spanisch, Deutsch ] Bücher aller Gebiete in grosser Auswahl Alle Neuerscheinungen vorrätig AUFBAU _ Abonnemente und Anzeigen . 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Oktober Donnerstag, den 6. Oktober Freitag, den 7. Oktober Sonnabend, den 8. Oktober Mittwoch, den 12. Oktober Donnerstag, den 13. Oktober Freitag, den 14. Oktober Erew Rosch Haschono 5721 Rosch Haschono 5721 2. Tag Rosch Haschono Schabat Schuwoh Zorn Gedaljah Erew Jom Kipur Jom Kipur Erew Sukot 1. Tag Sukot 2. Tag Sukot L Tag Chol Hanaoed Hoschano Rabo Schemini Azeret Simchat Tora