Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1812 (13.9.1960)
- Date
- 1960-09-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Zeugen eines Schicksals LITERATUR A. BERICHT EINES KATALOGS von Dr. E. G. Lowenthal, Frankfurt a. M. Weiche Bedeutung die beträc! 'liehe, in ihrer Gestaltung einzigartigen Buch-, Dokumenten., Berichts-, Archiv. und Zeitschriftenbestände der „Wiener Library“ in London, der Sammlungs- und Forschungsstätte für Fragen zeitgenössischer Geschichte. haben, bewies in allerjüngster Zeit die Tatsache. dass, hervorgerufen durch den „Fall Eichmann“, dieses Institut von vielen Stellen, vom Rundfunk und Bildfunk, von Behörden und Einzeibeauftragten konsultiert und lebhaft in Anspruch genommen wurde. Es war bekannt, dass hier insbesondere diejenige Fachliteratur systematisch gesammelt, sorgfältig bearbeitet, kurzum: leicht zu finden und somit — greifbar ist, die sich auf Antisemitismus im allgemeinen und namentlich auf alles das bezieht, was mit der Verfolgung. generell renform erschienenen und mit der weitgehenden Ausrottung der Juden durch das n5*' ■■■> -’sozialistische Regime ausammenhängt. Es ist ein Zufali, dass ge. rade in diesen Wochen der 1. Band der „Wiener Library“.Katalogserie in 2. Auflage herausgekommen ist. (Die Bände 2 und 3 gelten den hhemen „From Weimar to Hitler“, London 1951. und „German Jewry, its History, Life and Culture“, London 1958h Gegenüber der 1., w1949 bescheiden in Broschürenform erschienen und 1953 etwas ergänzten Auflage von Band 1 ist die Neuftuflage. ein in Leinen gebundenes Buch von etwa 200 Seiten mit etwa 2000 Einzeltiteln, kaum wiederzuerkennen. Sie nennt sich „revidiert und erweitert“; aber in Wirklichkeit kommt sie einem kleinen, neuen bibliographischen und Nachschlagewerk gleich, das. man muss es unter Hinweis auf die erregenden Vorgänge der letzten Monate aussprechen: leider seinen Zweck voll erfüllen wird. Der Titel des Verzeichnisses (Verlag Vallentine, Mitchell. London 1960) lautet, ähnlich wie früher, „Persecution and Resistance under the Nazis“ (Verfolgung und Widerstand unter den Nazis). „Aehnlich deshalb, weil der Inhalt nun nicht mehr allein auf Nazi- Deutschland beschränkt ist, sondern sich auf „Nazi-Europa“ bezieht, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einschliesst und andere dazugehörige Komplexe berücksichtigt. Je eine Liste in Deutschland und anderwärtig illegal unter Decknamen erschienener Broschüren und Zeitschriften und von vertriebenen Deutschen im Ausland herausgegebener Zeitschriften ist angeführt. Alle diese 2000 „Nummern“ des Katalogs, genau genommen weit mehr, sind in der „Wiener Library“, der im londoner Westend (4, Devonshire Street, W. 1) gelegenen Spezial , Präsenzbibliothek. erhältlich. Aber keineswegs alles einschlägige Material, das sie in ihren Regalen und Schränken birgt, konnte in dem Katalog bibliographisch verzeichnet werden. Sicher hat die Ueberlegung. was hier einzubeziehen und was, auch aus Raumgründen, auszuschliessen war, manches Kopfzerbrechen gemacht. Wie dem auch sei: wenn er in die richtigen Hände gelangt, wird der, „altneue“ Katalog die Lehre von dem „Nie wieder Verfolgung und Terror!” verkünden und verbreiten helfen und für den Gedanken menschlich anständigen, hilfreichen Tuns werben. DIE TOTEN SCHWEIGEN MAIMONIDCS 0,.. 11 i * -110* gln^C«ö«nkbMdi 4 $50.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA 2289 — T. E. 714708 Zu bezieh«) durch alle einschlägigen Buchbandlungen und durch die JUED ISCHE WOCHENSCHAU PVETRREDON 21M 1» » T. E. 83 281* April 1945 hingerichtet wurden; von Jad Waschern (Jerusalem) aus den Beständen des früheren „Jewish Central Information Office” (Amsterdam) Listen von im November 1938 verhafteten deutschen Juden (darunter 300 Rabbiner); von der Polizeidirektion Worms ein namentliches Verzeichnis der in Worms wohnhaft gewesenen Juden, die mit einem Transport am 23. September 1942 aus dem Stadtkreis Worms nach Theresienstadt Zeugen eines Schicksals deportiert wurden; vom Landgericht Nürnberg-Fürth ein Auszug aus der Totenliste des KZ-Sachsenhausen (Jahrgang 1938. jüdische Häftlinge, 24 Namen). Um den Umfang der Auskunftstätigkeit des Internationalen Suchdienstes anzudeuten, sei darauf hingewiesen. dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 1960 der ISD über 150.000 Bescheinigungen (Suchanträge, Todesbescheinigungen, Bescheinigungen im Zusammenhang mit Wiedergutmachung) ausgestellt und etwa 100 Berichte historischer und statistischer Natur angefertigt hat. C. STIMMEN VON UEBERLEBENDEN Vom „Archiv des Grauens” wie das vom Internationalen Suchdienst (International Tracing Service) des Internationalen Roten Kreuzes in Arolsen (Waldeck) in jahrelanger Arbeit gesammelte und ständig ergänzte Material zuweilen genannt wird, liegen die Tätigkeitsberichte für die beiden 1. Quartale des Jahres 1960 vor. Aus ihnen geht hervor, dass die KZ-Dokumenten - Abteilung des ISD neuerdings zur Verfügung gestellt worden sind: vom Innenministerium des Landes Rheinland _ Pfalz (Mainz) Gestapokarteien jüdischer Personen in Luxemburg;. vom Sonderstandesamt Arolsen eine Liste von 92 Häftlingen des Konzentrationslagers Neuengamme, die durch die Gestapo in der Zeit vom 22, bis zum 24. chen den Leser nicht allein mit dem Stand der Arbeit der Gründerorganisationen in England. Israel und USA. und nicht nur mit allgemein interessierenden Wiedergutmachungsproblemen vertraut, sondern enthalten, jeweils aus der Feder sachkundiger Mitarbeiter, eine Reihe von Beiträgen, die die Einordnung der aus Deutschland vertriebenen Juden in ihre jetzigen Wohnsitzländer und die von den einzelnenn Gruppen geleistete Sozialarbeit namentlich zugunsten der älteren kennzeichnet. Namen wie die von Dr. Walter Breslauer. Dr. Werner Rosenstock und Ernst Berent (’London) Dr. Kurt Alexander, Dr. L. G. Reissner und Dr. Kurt Herz (New York), von Dr. Hans Tramer. Heinz Gerling und Thea Nathan (Israel), von Dr. C. Lang (Paris), Hans Schoemann (Brüssel), Rudolf Hirschfeld (Montevideo) u. a. m. bürgen für die Quali- Seefahrt tut not'1 -CflOKtt tat der in der „Coucil Correspondence” veröffentlich, ten, meist kurzen Berichte über die Entwicklung, die Aktivität und das Ergehen der einzelnen Gemeinschaften und über ihre geistigen Bestrebungen und Intersesen. Noch in der neuesten Ausgabe des Reiseführers meines Freundes Theodor F. Meysels findet sich unter Ramie ein Hinweis auf eine Zisterne aus der Zeit Suleimans. die so gewaltig ist, dass sie vierzig Kamelen zugleich Raum zur Tränke bot. Hier machten die Karawanen halt, bevor sie zum grossen Gebirgszug gen Jerusalem ansetzten, wo der Mensch und das Tier sich erst wieder in Abu Gosch zu laben vermochten. Inzwischen hat nun die rührige Stadtverwaltung von Ramie diese seltsame unterirdische Zisterne selbst entdeckt und zu einer Touristik- Sensation ausgebaut, von der aber auch die einheimische, romantische Jugend gern Kenntnis nimmt. Die Zisterne, die in ihren Ausmassen ihresgleichen im ganzen Lande nicht hat, stellt ein Unikum dar. Man steigt zwanzig Meter hinab unter die Erdoberfläche, auf alten ausgetretenen Stufen, die der Herr Bürgermeister von SCHALOM Seit etwa einem Jahr erscheint in vervielfältigter Form die „Council Corres, pondence“ (Jerusalem/London); sie nennt sich im Untertitel „Internes Korrespondenzblatt des Council of Jews from Germany”, der Dachorganisation aller von jüdischen Nazi-Fliichtlingen aus Deutschland in den verschiedenen Einwanderungsländern gebildeten Interessenvereinigungen. Die grössten sind die „Association of Jewish Refugees -in Great Britain“ (London), die „American Federation of Jews from Central Europa” (New York) und der „Irgun Olej Merkas Europa” (Tel Aviv). Der „Council”-Vorsitzende. Dr. Siegfried Moses (Jerusalem), erläutert in einer Einführung die Aufgaben dieser Spitzenkörperschaft; einmal die Wahrung der Interessen der aus Deutschland ausgewanderten Juden auf juristischem, wirtschaftlichem und sozialem Gebiet (wozu wesentlich die Wiedergutmachung gehört) und, zum andern.- die Pflege des kulturellen Erbes des deutschen Judentums, wie sie vom „Leo Baeck Institute“, einer Gründung des „Council“, geübt wird. Die „Council Correspondence” als zusätzliches Bindeglied zwischen den Landesorganisationen solle dazu dienen, einem weiteren Personenkreis ein Bild von der Tätigkeit des „Coucil“ zu geben, den Austausch von Erfahrungen und Informationen zu fördern und das Gefühl der Zusammengehörigkeit der deutsch-jüdischen Auswanderer zu stärken. Die ersten drei Ausgaben der „Correspondence“ ma¬ MUSIK IN BUENOS AIRES! Gustav Mahlers 100. Geburtstag THEODOR FUCHS DIRIGIERT NATIONALES SYMPHONIE-ORCHESTER Theodor Fuchs verdient den Titel eines besonderen Mahler-Kenners und Liebhabers. Viele seiner früheren Proben zeugen hiervon. Es ist ihm zu verdanken, dass seit vielen Jahren wieder einmal die liebliche 4. Symphonie des grossen Tonschöpfers aufgeführt wurde, wohl die einzige, die völlig problemlos Steifziige durch den Melodienreichtum seines mährischen Geburtslandes veranstaltet, aber auch die erste, die in den letzten Satz „molto commodo” ein Sopran - Solo, nämlich die reizvollen Verse „Aus des Knaben Wunderhorn“ über „das himmlische Leben” hineinsingen lässt. Die Trägerin dieser kurzen und dankbaren Partie war Mirtha Garbarini, die sich ihrer Aufgabe gewissenhaft und mit solider Musikalität entledigte. Fuchs brachte das im allgemeinen sehr sauber spielende Orchester zu wohlausgewogenen und sorgsam durchdachten Klangkontrasten, und sein liebevolles Musizieren wurde mit sehr grossem Applaus quittiert, den er bescheiden, wie immer, auf Solistin und Orchester übertrug. Das Konzert, in dessen Mittelpunkt eine von grossem kontrapunktlichem Können zeugende kurze Komposition Guillermo Grätzers “Danza de Ia Muerte de la Niña” stand, wurde von dem Concerto Grosso No. 6 g-moll (nicht, wie im Programm irrtümlich als No. 3 angegeben) eingeleitet. Beide Werke hatten unter der gewissenhaften Leitung von Fuchs den gleichen Erfolg wie die Mahlersymphonie. „DAS LIED VON DER ERDE" Als vorletztes Abonnements-Konzert der „Amigos de la Música” ging unter den Auspizien der Oesterreichischen Botschaft die Aufführung jener wundervollen „Symphonie für Tenor, Alt und Orchester“ von Gustav Mahler vonstatten, die der Nummerierungen nach eigentlich seine „Neunte“ hätte werden müssen. Israel - Marken En grösster Auswahl: u a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTEN NUM¬ MER — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) - VOLL. STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN - ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUERDIGE BERATUNG Alfonse AfORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 Mq. CABILDO -1*- -jyn—i ir ~ »> Ol >>>Vn jetzt mit einem sicheren Drahtgeländer geschützt und mit buten Lämpchen illuminiert hat. Freilich konnte man früher zwar halsbrecherisch, aber dafür kostenlos in die Unterwelt steigen, jetzt muss man ein Pfund Eintritt oder besser gesagt „Abstieg“ erlegen... allein es lohnt. Eine Wunderwelt tut sich auf. Fast gotisch wirkende Bögen, getragen von Backsteinstrebepfeilern, umschliessen e*nen Raum von dreissig Metern im Quadrat, und das ist noch lange nicht alles. Denn eine Wand, in die nur ein „Probeloch“ gebohrt wurde, schliesst diesen kühlen Riesenkeller ab, aber diese Wand ist nicht endgültig. Ingenieure und Archäologen werden hier demnächst vorsichtig durchstossen, um zu erkunden, was sich da noch weiter an unterweltlichen Geheimnissen verbirgt. In achtzig Zentimeter Höhe ist der Fliesengrund des Gewölbes mit Wasserfluten bedeckt. Aber dieses Wasser ist nicht mehr Original-Regenwasser der Zisterne, deren Zuflüsse versandet sind. Die Stadtverwalturig liess frisches Leitungswasser einfliessen und «Setzte unter der berühmten Losung „Schifffahrt tut not” zwei allerliebste Kähne ein, sozusagen eine Synthese von venezianischer Gondel und Lohengrin. Barke. Auf kleinen weissen .rjtiilikh® wa ^er5i5 der hier, Schv/an ,1-ird moäl! (Wir schrieben anlässlich des Spiels seiner wirklichen 9. Symphonie am Anfang dieser Saison über die Schicksalszahl „Neun“ im Leben vieler Komponisten.) „Das Lied von der Erde”, die Gustav Mahler nach der Lektüre der „chinesischen Flöte“ in der Nachdichtung von Hans Bethge konzipierte und sechs ihrer schönsten Gedichte von Li-Tai-Po, Tschang-Tsi, Mong-Kao-Jen und Wang-Tschang-Ling zu jener einzigartigen Komposition zusammenstellte, schrieb er 1908 nieder. Er selbst durfte sein Werk nicht mehr hören. 1911, sechs Monate nach seinem Tod, wurde es von seinem Jünger Bruno Walter zum Lau sein pasal hatte - deä streng^ Wa? tes, statt desj Nun sei bedat hold« Schwankens Offecbaehs le“ (-da® ertönen würde. od£ mantische Gitarredavon: gröhlt. und bricht sich furch® alten G-’.mäuef- Man mos ün S Tor wartet, bis n:a Seihe ist. Hü®r ea|umschluBleI1 ei Hamle-Paar. Die A Mädchens ruhen ' loten auf der azur ¡¡¡des d* dazugehö chur den Fährma chen will ihn a ¡eher Schön* d Unterwelt rudern i Aber das gibt es n nopol bleibt M< ms kann nur mit < ms der Irija tos durch diese Fluten Mein Begleiter bli< süchtig auf das jiu ^schlanke Mädel ihr wäre er so gern gestochen, und miss mir die Fahrt antre Der offenbar hi sehe Fährmann m phantastische Gesch rai Quelle ich nirg iffl konnte: Erklingen gebracht, und tatsächlich ist Walter trotz seines vorgeschrittenen Alters noch bis in unsere Tage hinein die unbestrittene Mahler-Autorität. Das Opus ist eine Mischung von Heiterkeit, Besinnlichkeit, Optimismus und Abgesang. Den lieblichsten Teil stellt zweifellos „Von der Jugend“ dar, die Verse von jenem „Pavillon aus grünem und aus weissem Porzellan, mitten in dem kleinen Teiche“, und ans Herz greift uns „Der Abschied“ (aus „In Erwartung des Freundes” und „Der Abschied des Freundes“ zu einem Ganzen vereinigt), ein bitteres, melancholisches Ade-Sagen an die Wrelt. von der sich der Dichter durch seinen Freund unsäglich wehmütig verabschiedet, und mit seinen letzten Worten „ewig, ewig“ schlummert Gustav Mahlers Geist, eigentlich schon drei Jahre vor seinem Ableben, in die Ewigkeit hinüber... Die unter dem authentischen und könnerischen Taktstock Felix Prohaskas stehende Aufführung des „Lied von der Erde”, der sich für uns zum ersten Mal als grosser Mahler-Kenner zeigte, und der freilich zuweilen die Sänger etwas „zudeckte“, war ein in dieser Saison an musikalischen Höhepunkten wahrlich nicht armen Saison ein ganz besonderes Ereignis, und es ist nur zu bedauern, dass soviel Opfer an Zeit und Geld für nur eine einzige Wiedergabe verschwendet wurde. Zwei Solisten machten bei dieser Gelegenheit ihr Debüt in Buenos Aires: der österreichische Tenor Waldemar far.il der in au jfla Verfassung lenser der Mater Trinklied vom Jam fa", »Der Trunl Frühling" und n\ hgend" sang und si *reits verabschiede fe nofdamerikanisi Ä Altistin Grar aa' deren wun Mnussig fliessö bdbvierte, alle!*fen Alt bis ® fczzosopran »wältigende Stimr >ren Gewi0 kommende S0I> darste ach fe” Hert* r «konheif ur, mí u-a, „ : iri « «.hrdruek. e«Jiche Gust*v 1erte “ *0 Vor* , h ] »»S'*“ ■««fe# i die Teati 10 Coló on 'Drei ^■OHO-A Jo^Hnte,?*%& À ' Ho; 05 J.; 9.30; öm0fttrt ¡¡;