Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1811 (9.9.1960)
- Date
- 1960-09-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes, 9 de Septiembre de I960 LA SEMANA “I SR A "E LITA Año XXI. — No. 1811 — 3 Adolf Eichmanns Komplizen Um unseren Lesern eine allseitige Information über den Fall Eichmann zu ermöglichen, drucken wir einen Beitrag von Michael Manstein ab, der in der Monatszeitschrift „Die Kultur“ .veröffentlicht wurde. Der Artikel wurde gekürzt. * Die Tatsache, dass Eichmann in die Falle ging, ist beruhigend. Beklemmend jedoch bleibt der Gedanke, dass es einen Adolf Eichmann überhaupt geben konnte.Im zwanzigsten Jahrhundert, in einem Staat, dessen Bürger Christen beider Konfessionen sind, konnte ein „Hauptreferent für Mord“ jahrelang tätig eein. Auch das ist ein erstaunliches Phänomen. Es war ja nicht so, dass Adolf Eichmann eigenhändig die Gasöfen baute und persönlich dorthin ein paar Millionen Juden brachte, um dann — nur mit Wissen seines Chefs Himmler — den Gashahn aufzudrehen. Eichmann hatte Mittäter und Mitwisser. So weit sie nicht der Justiz — oft nur durch einen Zufall — in die Hände gerieten, oder eines natürlichen Todes starben, leben die Mittäter und Mitwisser Eichmanns heute noch unter uns. Schon vor Beginn des Krieges wurden in Deutschland jüdische Mitbürger ihrer Rechte, ihrer persönlichen Freiheit, ihres Vermögens beraubt. Alles „von Gesetzes wegen“ — und diese Gesetze „nebst anliegenden Rechtsverordnungen“ wurden von deutschen Beamten ausgearbeitet, gefeilt, in präzisen Formulierungen auf den Verwaltungsweg geschickt, abgezeichnet und mitgezeichnet von Referen¬ KINDER. GEBURTSTAGE Unterhaltung — Colillon Kasperletheater Gesellschaftsspiele RUTH LEWINBERG 73 . 4202 ten und wissenschaftlichen Mitarbeitern, alles hatte seine Ordnung, wie das in Deutschland nun mal so ist. Dann waren die jüdischen Mitbürger vogelfrei. Als der Krieg begann, begann auch schon in Polen — unmittelbar hinter der Front — das grosse Morden. Mit ganz wenigen Ausnahmen tat das höhere deutsche Offizierskorps, als gingen diese Verbrechen es nicht an. ,Im Balkanfeldzug und schliesslich in Russland ging die schaurige „Arbeit“ der Einsatzkommandos weiter. Diese Einsatzgruppen unterstanden versorgungsmässig den Heeresgruppen. Wenn nicht aus eigenem Augenschein, so mussten höhere Wehrmachtsoffiziere schon aus diesem Grund wissen, was diese Einsatzgruppen taten. Die Einsatzgruppen sandten Berichte. Diese „Geheimen Reichssachen“ wanderten durch die Ministerien in Berlin. Jeder Abteilungsleiter konnte sie einsehen. Zum Zeichen dafür, dass er diese Mordstatistiken gelesen hatte, zeichnete er sie ab,gab sie manchmal sogar noch an seinen Untergebenen weiter. Bis zum Ende des Jahres 1941 gab es schon Tausende von deutschen Beamten, Richtern und Offizieren, die Mitwisser und zum Teil Mittäter geworden waren. In dem damals gültigen Strafgesetzbuch sind die einschlägigen Paragraphen zu finden. Das geht von der Unterlassung der Hilfeleistung bis zur Beihilfe zur einfachen und schweren Freiheitsberaubung von der Beihilfe zur schweren Freiheitsberaubung mit Todesfolgen bis zur Beihilfe zum Todschlag bzw. zum Mord. Aus diesen Möglichkeiten ' kann sich jeder der damals j Beteiligten heraussuchen, j was zutrifft. Kann er? Die Verbrechen sind zum grossen Teil verjährt. Die i Mitwisser und Mittäter sind zum grössten Teil wieder in Amt und Würden, oder be- I ziehen Pension — nach Ar- Mu£BL« _ WaieAmcuui JETZT AUCH IN BELGRANO CABILDO 774 an der Fed. Lacroze im Zentrum: SARMIENTO 1147 AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO“ BEÑO HUTSCHNECKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Moturoe) T. E. 51 2205 tikel 131 des Grundgesetzes des Bundesrepublik Deutschland. Zurück zur Historie. Erst im Januar 1942 trat Adolf Eichmann in Aktion. Am 20. Januar 1942 wurde er auf der sogenannten Wannseekonferenz von Heydrich den Vertretern der Ministerien als der beauftragte „Chefmörder“ vorgestellt. Gewiss, der Ausdruck „Mord“ fiel nicht, es ist nur von „Endlösung“ die Rede, aber den Anwesenden im Range von Staatssekretären musste nach der damals schon bekannten Vorgeschichte der Judenverfolgung klar sein, dass hier Massenmord beschlossen wurde. Nach dem Krieg erklärten sie allerdings alle einstimmig, sie hätten es nicht gewusst. Dann müssten sie 1942 Analphabeten gewesen sein, was wiederum ihrer geschickten Verteidigung nach dem Kriege widerspricht. Soweit die Teilnehmer an dieser Konferenz den Krieg überlebten, erkämpften sie sich ihre Pension nach dem 131er-Gesetz. Der Vertreter Rosenbergs wollte sogar wieder im Auswärtigen Amt aktiv werden, das wurde gerade noch verhindert. Am 6. März 1942 folgte die sogenannte „kleine Wannseekonferenz“. Jetzt wurde auf der Ebene der Oberregierungsräte der Mordplan in Einzelheiten durchgesprochen. Soweit die Teilnehmer an Berichte dementiert London. — Die Vertretung des Jemen in London hat kürzlich alle Berichte dementiert, dass die Regierung des Jemen ihre Vertretung in Kairo zurückgerufen habe. Entsprechende Berichte, die vor kurzem in Aden kursierten, waren von Beobachtern als Beweis gewertet worden, dass sich das Verhältnis des Jemen zur Vereinigten Arabischen Republik in der letzten Zeit! merklich abgekühlt habe. (AWZ) Erst verhaftet, dann ausgezeichnet Wien. — Der bekannte russische Arzt Dr. Miron Semenovich Vovsi, der im Jahre 1953 im Zuge der sogenannten Aerzteverschwörung von den Sowjets verhaftet worden war, ist jetzt im Alter von 62 Jahren verstorben, wie die Regierungszeitung „Iswestija” kürzlich bekanntgab. Dr. Vovsi war zusammen mit anderen jüdischen Aerzten verhaftet und wegen Spionage und „Unterminierung der Gesundheit des russischen Volkes“ angeklagt worden. Drei Monate nach dem Tode Stalins wurde Vovsi, wie 14 andere Aei'zte, wieder entlassen und anlässlich seines 60. Geburtstages im Jahre 1957 mit dem . Lenin-Orden ausgezeichnet. (JTA) Israel - Marken U *• VIERERBLOCKS - MARKEN MIT PLATTENNUM- I •*** — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (plancbas) — VOLL % STAENDIG2.SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABEN - ERSTE SERIE 1 VORHANDEN — V1RTRAUENSWUERDIGE BERATUNG 5 AlfoiiM» MORITZSON Guanacachc 2351, dep. t l «N. CABILDO } dieser Sitzung nach dem Kriege fassbar waren, erklärten sie im Chor, das Protokoll der ersten Sitzung nicht zu kennen. Sie wussten alle von nichts. Es ist mehr als unglaubwürdig, dass deutsche Behördenchefs ihre Untergebenen auf eine Sitzung schicken, ohne sie von dem „Vorgang“ zu unterrichten. Ausserdem ist der Dienstweg in deutschen Behörden ein Tabu. Zwischen den Staatssekretären aber und den Oberregierungsräten lag ja ausserdem noch die Schicht der Ministerialdirektoren und Ministerialdirigenten. Eines der gefundenen Exemplare des Wannseeprotokolls weist die Paraphe des LA SEMANA ISRAELITA BISE.M AN ARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYRREDON 2190, 1’ izq. — T. E. 83.261; 17. Elul 5720 S. September I960 den Ministerialdirektors auf — er hatte das Protokoll zur Kenntnis genommen. Von den Teilnehmern an der „kleinen Wannseekonferenz“, die sicher noch alle irgendwo leben, legte sich einer allerdings selbst die Schlinge um den Hals. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes, der jahrelang behauptet hatte, von den Morden an den Juden nichts gewusst zu haben, hatte 1943 eine Dienstreise nach Serbien unternommen. Die Abrechnung der Kosten dieser Reise fand man nach dem Krieg. Der ordentliche Beamte hatte geschrieben: Zweck der Reise: Liquidation von Juden! Dieses Einzelbeispiel aus dem Auswärtigen Amt wird hier nur erwähnt, weil es gerichtsbekannt ist. Wer sich die Mühe machen würde, die Akten des Reichsjustiz- und Reichinnenministeriums durchzusehen, wer sich der Aufgabe unterzöge, die Akten des Reichsverkehrsmisteriums und der Reichsbahn die ja für die Transportzüge der Juden zuständig waren, durchzukümmen, würde sicher auf ähnliche Dokumente deutschen Ordnungssinnes stossen. Der Kreis der Mitwisser war nicht so klein, wie man heute glauben möchte. Am Rande sei noch erwähnt, dass der Vertreter des Reichsjustizministeriums bei der „kleinen Wannseekonferenz“ — Spezialist für „arisches“ Familienrecht — nach dem Krieg in Bonn im Justizministerium tätig wurde: Inzwischen war er Spezialist für christliches Familienrecht geworden. Dass das Auswärtige Amt vom Reichssicherheitshauptamt in allen Fragen, die Deportation und Vernichtung ausländischer Juden betrafen, befragt wurde, ist bekannt. Deshalb wurde Staatssekretär von Weizsäkker trotz hartnäckigen Leugnens von den Amerikanern verurteilt. Die Akten hatten betreffen- | ihn überführt. Als er nach seiner Haftentlassung 1950 starb, legte das neue Auswärtige Amt, das fast vollzählig die Beamten des alten übernommen hatte, namens der Bundesregierung einen Kranz nieder... Bei den beiden Wannseekonferenzen befand sich jedoch auch ein Vertreter des Bevollmächtigten des Vierjahresplanes. Die deutsche Industrie, allen voran die IG-Farben, wurde gleichfalls in das Vernichtungsprogramm eingeschaltet. Das IG-Farbenwerk Buna-Monnowitz lag neben dem Vernichtungslager Auschwitz. Solange die Juden noch arbeitsfähig waren, arbeiteten sie für die IG. Dann verschwanden sie in Gasöfen. Der Geruch der Krematorien hing über dem Buna- Werk... Jahre nach dem Kriege verlor die IG einen Zivilprozess, den einer der Ueberlebenden auf Schadenersatz gegen sie angestrengt hatte. Die Zeugenaussagen der IG. Direktoren in diesem Prozess ähnelten peinlich denen der Diplomaten, Juristen, Verwaltungsbeamten vor den alliierten Gerichten und den deutschen Spruchkammern. Aber Adolf Eiehmann hatte auch eine Skelettsammlung. Sie wurde an der Universität Strassburg von deutschen Akademikern „angelegt“. Der dafür zuständige Professor gilt als „verschollen“. Ist er vielleicht nur so verschollen wie jener Euthanasie . Professor in Schleswig-Holstein, der jahrelang unter falschem Namen leben konnte, weil hohe Beamte ihn deckten? Aus Feigheit und Opportunismus wurden bis dahin ehrenwerte Männer mitschuldig, Männer, die wahrscheinlich nicht einmal überzeugte Nazis waren. Das Etikett bleibt Einkaufskompass für Herren- Kleidung Wo Sie bei Herrenkleidung ein Carllon-Elikeil sehen, ist es für den Träger bei der Vielfalt der Herrenbekleidungslinie die Qualitätsgarantie für den inneren und äusseren Wert des Kleidungsstückes. ' Carlton führt die vollständi ge Bekieidtingslinie für Herren vom feinsten Massanzug* aus engl. Spitzenqualität und importierten Zutaten, zur Mass - Konfektion und Fertigkleidung. Eigene Abteilung für Aenderung und Modernisierung. 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