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Jüdische Wochenschau · 1960-08-23 · 1806 (23.8.1960) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1806 (23.8.1960)
Date
1960-08-23
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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iri- ■ 1 go FRANQJEOPAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Ano XXI BUENOS AIRES, MARTES 23 DE AGOSTO DE 1960 No. 1806 EL EJEMPLARI en toda la República j Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 . 2613 1 Zwischen Opposition und Angst Massgebend für die Beurteilung der Lage in Syrien ist die Tatsache, eviss Schukry Kuatly. der ehemalige Präsident der unabhängigen syrischen Republik, der den „Anschluss“ an Aegypten sanktionierte, heute der bestgehasste Mann in Syrien ist. Er wurde unter der fran- «ösischen Verwaltung wegen nationalistischer Tätigkeit zwei Mal zum Tode verurteilt und konnte nur dank starker ausländischer Intervention in Paris dem Galgen entgehen. Er wurde als Nationalheld gefeiert und nach Abzug der Franzosen zum ersten Präsidenten der syrischen Republik gewählt. Heute wird er nur noch als ein Verräter betrachtet. Er hat fast gar keine Freunde mehr. Einsam, verlassen und verachtet, lebt er heute in seiner prachtvollen Villa in Damaskus. Die wenigen Freunde, die ihm noch treu geblieben sind behaupten vergeblich, Kuatly sei nicht allein für den „Anschluss“ verantwortlich. Er hätte nur dem Druck seiner Umgebung und der politischen Parteien nachgegeben, überall bekommen diese Freunde dieselbe Antwort: „Aber Kuatly war Präsident der Republik. Er hätte die syrische Unabhängigkeit bis zum letzten Augenblick verteidigen müssen". In der Tat, Kuatly war, nicht der einzige Politiker, der in einem „Anschluss“ an Aegypten den einzigen Ausweg aus dem inneren Wirrwarr in Syrien sah. Die einflussreiche „Bass“-Partei die sozialistische Tendenzen hatte, war ebenfalls für diese Lösung, in der Hoffnung, diese Vereinigung würde den angeblich sozialistischen Kurs Nassers stärken. Akram Horani, der Sozialisten- Führer, erklärte wiederholt, die Vereinigung mit Aegypten „auf brüderlicher Bavon NACHUM WILENSKY sis“ sei aus innen- und aussenpolitischen Gründen dringend notwendig. Das erste nach dem „Anschluss' ernannte syrische Kabinett zählte sieben „Bass“-Minister. Heute sitzt dort kein einziger mehr. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Es hat sich nämlich inzwischen herausgestellt, dass die syrischen Voraussetzungen für die ägyptische Lösung falsch waren. Und nun will niemand dabei gewesen sein. Der einzige Schuldige bliebt Schukry Kuatly. UNTER AEGYTISCHER HERRSCHAFT Die meisten Politiker Syriens sind in französischen Schulen und im französischen Geist erzogen worden, d. h. dass sie Individualisten mit ausgesprochenen oppositionellen Neigungen sind. Hätten Nasser und seihe Freunde dieser psychologischen Situation Rechnung getragen, so wäre es ihnen vielleicht gelungen eine gewisse Stabilisierung für einige Jahre zu schaffen. Aber sie besassen dieses Verständnis nicht und deshalb begannen die Zwistigkeiten, gleich nach dem „Anschluss“ Aegyptische Militärinstruktoren und Verwaltungsbeamte sind nach Damaskus geschickt worden, wo sie sich als Herren der Lage fühlten. Das gefiel den stolzen Syrern nicht, umso weniger, als die ägyptischen Offiziere eine geschlagene Armee repräsentierten, die im Sinai-Feldzug so kläglich versagte. In den Augen der -mehr, raffinierten Syrer sind die lachen“ geblieben. Die syrischen Offiziere wurden aufs tiefste verletzt als ägyptische Generalstäbler versuchten, ihnen in Fragen der Taktik und der Strategie Israels Botschafter in Zypern Jerusalem. — Die zyprische Regierung hat ihre Zustimmung zur Ernennung von Neew 'Levin, dem israelischen Generalkonsul in Nicosia, zum Botschafter Israels in Zypern gegeben. Levin wird in dieser Woche dem Präsidenten, Erzbischof Makarios, seine Beglaubigungsschreiben überreichen. Diese Ankündigung bedeutet zumindest ein teilweises Scheitern der Bemühungen der VAR, die guten Beziehungen, die seit langem zwischen beiden Länd_.ru bestehen, zu untergraben. Diese Beziehungen datieren, wie unterstrichen wird, seit den ältesten biblischen Zeiten und wurden nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufger.ommen, als sich die „illegale Einwanderung“ nach Israel bis Mai 1948 vollzog. Damals liehen die Zvprer den jüdischen Führern ihre uneingeschränkte Mitarbeit und halfen den Einwanderern nach Palästina, die in Zypern in Lagern interniert wurden. . Nach 1948 gestalteten sieh -die Beziehungen zwi sehen d.-r Insel und dem jüdischen Staat freundschaftlich. Die Konstruktionsfirma der Ilistadrut, Solei Bone, besitzt in Zypern ebenso wie die ZIM ein Zweig. unWr.<'hmen. Zypern ist auch ein beliebtes Reiseziel der israelischen T mristen. ITA) Lektionen zu erteilen. Mehrere von ihnen — die wohlhabenden —► demissionierten. Andere wurden aus Gründen der inneren Sicherheit entlassen. Die besten Offiziere der syrischen Armee sind heute nicht mehr im Dienst. Die Ernennung des ägyptischen Oberkommandierenden Marschall Abdel Hakim Amr zum syrischen Diktator hat der „ägyptischsyrischen Waffenbrüderschaft“ den letzten Stoss versetzt. Dieselbe Lage entstand auch auf dem Gebiet der Verwaltung. Wie seinerzeit die Deutschen die „österreichische Schlamperei“ bekämpfen wollten, so versuchten auch die nach Damuskus entsandten «ägyptischen Verwaltungsbeamten in den syrischen Ministerien „Ordnung zu schaffen“. Nur besassen sie das dazu nötige Prestige nicht, denn die Misswirtschaft der ägyptischen Administration in allen arabischen Ländern ist gut bekannt. Massenentlassungen und freiwillige Demissionen waren das einzige Ergebnis des ägyptischen Druckes. Heute steht die gesamte syrische Verwaltung unter strenger ägyptischer Kontrolle. und die Syrer klagen bitter darüber indem sie behaupten, unter den Franzosen hätten sie mehr* Freiheit gehabt. Zwar fungiert noch Oberst Sarraj als Innenminister der Provinz Syrien, aber seine wirklichen Machtbefugnisse sind stark zusammengeschrumpft. Er darf keine wichtigen Angelegenheit Ohne Zustimmung seiner ägyptischen Ratgeber regeln. Und in Syrien fragt man überall: „Wie lange wird noch dieser letzte Mohikaner der Bande, welche Syrien an Aegypten auslieferte, auf seinem Posten verbleiben?“ WIRTSCHAFTLICHER UEBERDRUCK Auch auf wirtschaftlichem Gebiet wird der ägyptische Druck immer schwerer. Kairo hat die vielversprechende syrische Baumwollkultur fast vollständig zerstört, um die nicht unbedeutende syrische Konkurrenz loszuwerden. Der „gemeinsame“ Minister für die nationale Wirtschaft, Kassiuni, bestimmte vor einiger Zeit, dass Geschäfte in syrischer Baumwolle nur an der Baumwollbörse in Alexandrien getätigt werden dürfen Diese Einschränkung hatte einen dauernden Rückgang dieses wichtigen syrischen Wirtschaftszweiges zur Folge. Dann kamen noch andere Schläge gegen Syriens j Wirtschaft. Der Se^trans. | port nach dem syrischen mit Sowjethilfe gebauten Hafen Latakia wird jetzt fast ausschliesslich von ägyptischen Schiffen besorgt. Dadurch sind viele syrische Seeleute arbeitslos geworden. Die syrischen und ägyptischen Industrien ergänzen sich nicht, sie machen sieh gegenseitig Konkurrenz. Der Industrieaufbau ging‘in beiden Ländern denselben Weg, und heute kann daran nicht viel geändert werden. Selbstverständlich versucht jetzt Aegypten durch administrative Massnahmen die syrische industrielle Konkurrenz aus der Welt zu schaffen. Die Folge davon ist eine grosse Arbeitslosigkeit in den Industriestädten wie Damaskus, Horns und Hama und besonders Aleppo. Der wirtschaftliche Niedergang Aleppos wird jeden Tag deutlicher. Die Einwohner dieser grössten Stadt Syriens sind deshalb auch als die bittersten Gegner des „Anschlusses“ bekannt. ZWISCHEN OPPOSITION UND ANGST Man kann ohne Uebertreibung sagen, die gesamte syrische Bevölkerung sei heute „Anschluss-müde“. AL le Syrer weinen jetzt der verlorenen Unabhängigkeit nach. Alle wünschen den sofortigen Abzug der ägyptischen „Brüder“. Es soll dabei nicht gesagt werden, dass panarabische Ideal sei dadurch erledigt. Dieses Ideal lebt noch in Syrien trotz der schlechten Erfahrung der letzten drei Jahre. Aber die Entwicklung hat den Syrern gezeigt, dass das panarabische Ziel nur im Rahmen einer Föderation von selbständigen Staaten aber nicht durch technische -Vereinbarung erreicht werden kann. Das alles ist aber Zukunftsmusik. Das dringendste Problem ist heute die Befreiung vom ägyptischen Joch. Hier aber zeigt sich die Macht der Angst vor Nassers Unterdrückungsmitteln. In Syrien weiss man genau, dass über 4000 politische Gefangene in den ägyptischen Kozentrationslagern in der Wüste schmachten. Amr und Sarraj sorgen schon dafür, dass die Syrer über die schrecklichen Zustände in diesen Lagern genau informiert sind. Deshalb wagen es die Syrer noch nicht, sich offen gegen Nasser aufzulehnen. Aber die inneren Schwierigkeiten werden immer grösser, dre Wirtschaftskrise immer schärfer. Man braucht kein Prophet zu sein und Voraussagen, dass die Aigst eines Tages versehwfrden Wird, um einer Revolution Platz zu machen. Singman Kirne und Minderes waiin nicht weniger -grausam als Nasser. Juristischer Sachverstaendiger In Ansbach in Bayern fand kürzlich zum dritten Mal der Prozess gegen den SS-General Simon und seine Untergebenen Gottschalk und Otto statt, die drei unschuldige Bürger des Dorfes Brettheim, darunter den lokalen Vorsitzenden der NSDAP, wegen „Verrats der kämpfenden Nation“ hängen Hessen. Der NS-Mann hatte versucht, die Exekution seiner beiden Mitbürger zu hintertreiben und war deshalb von Simon gleich mitgehängt worden Das Urteil in diesem Prozess, dessen Ausgang Deutschi land mit Spannung erwartete, nachdem die drei Verbrecher zweimal von den Gerichten ferigesproeben worden waren, und die obersten Justizbehörden das freisprechende- Urteil zweimal aufgehoben hatten, hat zu einem dritten Freispruch geführt. Aber die Staatsanwaltschaft hatte vor dem Prozessschluss mit einer kleinen Sensation aufgewartet. Sie verlas ein Gerichtsurteil des ehemaligen Leiters des Gerichtswesens der SS. Dr. Günther Reinicke, das er als Vorsitzender eines SS-Feldgerichts gefällt hatte. Ein SS-Mann stand unter der Anklage, „die Liquidierung eines Juden unter Bedingungen durchgeführt zu haben, die der Ehre der SS zuwiderlaufen.” In seiner Urteilsbegründung sagte Reinicke, man mache dem SS-Mann keineswegs die Tötung des Juden zum Vorwurf. Diese Tötung sei voll berechtigt und nur zu begrüssen gewesen. Das jüdische Volk müsse bis zum letzten Mann ausgerottet werden. Nur die unnötige Grausamkeit der Prozedur bei diesem unbedingt notwendigen Vernichtungsprozess verstosse gegen die Ehre der SS... Der Unmensch, aer diese schrecklichen Worte in einer Urteilsbegründung gesagt hat, lebt zur_Zeit ruhig und unangefochten in der Bundesrepublik. Schlimmer noch, der Unhold Reinicke, der die physische Vernichtung der Ju. den bis zum letzten Mann als eine unbedingte Notwendigkeit ansah und sie begrüsste, durfte in diesem Prozess als Jurist und juristischer Sachverständiger zu Gunsten der Mordtaten der drei Angeklagten auftreten. Im Jahre 1960 und im elften Jahre der demokratischen Republik Bonn. Ohne dass man ihn mit Peitschen aus dem Saale gejagt hätte. Es gibt mancher’ei Beunruhigendes im öffentlichen Leben der deutschen Bundesrepublik. Aber doch wohl seit langem nicht etwas so Schockierendes und Alarmierendes wie diesen von einem bundesdeutschen Gericht akzeptierten juristischen Sachverständigen, der vor 12 Jahren die „Ausrottung der Juden bis zum letzten Mann” als eine unbedingte Notwendigkeit bezeichnet hatte. KURT KAISER-BLUETH Eine Konferenz der Intellektuellen Paris. — Im September soll in Paris eine Konferenz abgehalten werden, welche die Aufgabe hat, sich mit dem Schicksal der Juden in Russland zu befassen. Sie soll unter Leitung von Dr. Nahum Goldmann stehen, der erklärte, dass nur Freunde Sowjetrusslands eingeladen werden oder doch solche, die dem Kalten Kriege fernstehen. Die Konferenz wird keinen antirussischen Charakter tragen, die russischen Behörden sollen nur darauf aufmerksam gemacht werden, dass auch die Juden in Russland das Recht haben, als eine or. ganisierte Gemeinschaft zu leben und eine eigene kulturelle Tätigkeit zu entwickeln. „Ich glaube nicht“, erklärte Dr. Nahum Goldmann, „dass die Behörden Russlands antisemitisch sind oder dass die Juden in Russland verfolgt werden. Aber es ist doch klar, dass sie einer gewissen Art der Diskrimination ausgesetzt sind und dass ihnen die Freiheit mangelt, ihre religiösen und kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen". Ihre Teilnahme zugesagt haben bisher Mendes-France, Daniel Mayer, Francois Mauriac, der amerikanische Oberrichter Douglas. Prof. Schlesinger, Richard Grossmann, Eleanor Roosevelt und weitere Akademiker aus Italien, der Schweiz, Belgien und den skandinavi. sehen und afrikanischen Ländern. Dazu stellt das Genfer Büro des Weltkongresses fest, dass die für den Herbst vorgesehene Konferenz, an der sich eine Anzahl prominenter nichtjüdischer Intellektueller beteiligen werden, nicht vom Jüdischen Weltkongress einberufen worden ist, sondern der Initiative einer Gruppe nichtjüdischer Persönlichkeiten entspringt. — (AWZ) Einberufung der Knesset Jerusalem. — Die Einberufung des israelischen Parlaments, die von einigen Parteien der Opposition in der vergangenen Woche verlangt wurde, ist jetzt eine Gewissheit, denn der betreffende Antrag ist schon von über 30 Abgeordneten unterzeichnet worden. Die Forderung nach Einberufung der Knesset wurde aufgestellt, als die Regierung die Verhängung neuer Steuern auf verschiedene Artikel ankiiudigte. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 65Ö.63& Impreso en la Impronta POLIGLOTA —- Corrientes 3)1*

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