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Jüdische Wochenschau · 1960-08-23 · 1806 (23.8.1960) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1806 (23.8.1960)
Date
1960-08-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Sir Moses Montefiore Vor 75 Jahren, am 28. Juli 1885. starb Sir Moses Mon. tefiore in 1~ nmsg.ite, England. im Alter vun über hundert Jahren. Ais '"arkämpfer jüdischer Emanzipation und Verfechter der Juden in allen Liin. dem war Sir Moses Montefiore ein Vorläufer der nationalen Renaissance-Bewe. gung: er befasste sich per. sbnüeh mit der Aufgabe praktischer Kolonisierung des Heiligen Landes. Er besuchte Palästina sieben Mal, erstmalig im Jahre 1827 und zuletzt 1875. im Alter von 90 Jahren. Man muss sich vor Augen halten, dass eine Reise nach Palästina zu jener Zeit mit grossen Gefahren verbunden war, wie Piraten auf hoher See, Erkrankung an Cholera etc. Die Bedingungen, unter denen man Anfang des 19. Jahrhunderts eine Reise unternahm, kann man aus der Tatsache ersehe«. dass cir Montefiore und seine Frau Judith acht volle Monate dazu brauchten, bis Sie Jerusalem «reichten, um •cht Tage in der Heiligen Stadt zu verbringen. von Dr. S. U. NAHON warteten auf das Aufgehen des Mondes, und 20 Minuten nach 11 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Jerusalem... Zwei Beduinen stürzten eilig hinteT einigen verborgenen Felsen auf uns zu." Dies verursachte Sir Moses Montefiore einen angstvollen Moment, von dem er jedoch sofort erlöst wurde, als sie mit den Worten ,,Sha!om Aleichem, und eine so .schon wie die in Europa sind. Sicherlich, rief ich aus, ist die Zeit näher gerückt, in der wir Zeuge dessen sein werden, dass sich Gottes geheiligte Versprechen an Zion verwirklicht.'’ Das ..Entzücken'’ von Sir Moses Montefiore ist verständlich. Er selbst war der Gründer des neuen Jerusalems. Er selbst war massgebend an der Errichtung des <■ VON JAFFA NACH JERUSALEM Sir Moses Montefiore hat tms eine Erzählung hintertessen „Geschichte eines vierzigtägigen Aufenthaltes im Heiligen Lande", worin er seinen letzten Besuch in Palästina während der Monate Juli und August 1875 beschreibt. Der Neunzigjährige benötigte nicht weniger als vier Tage, um von Jaffa nach Jerusalem zu gelangen. Er und seine Begleiter ver- Hessen Jaffa an einem Mittwoch. Innnerhalb von drei Stunden erreichten sie Ramie und blieben dort über Nacht. Am Nachmittag des folgenden Tages fuhren sie nach Bab.el-Wad fShaar Hagai). Der Weg war so schlecht, „dass wir manchmal das Gefühl hatten, aus dem Wagen geschleudert zu werden.” In Ba-el-Wad verbrachte die Gesellschaft den Freitag und Schabbat. „Wir - -•; T ’ - Moskau bestellt Bücher Sowjetbehörden haben 800 Exemplare der „Geschichte des Warschauer Ghettos“ von B. Marks, dem polnischjüdisch^fl Schriftsteller, bestellt. Öas Buch erschien zuerst ya jiddischer Sprache tmd dann in polnischer Uebersetzung. glückliche und gesegnete Woche” begrüsst wurden. Es stellte sich heraus, dass die „Beduinen” Abgesandte aus Jerusalem wäre», welche die hohen. Gäste begrüssen sollten. Sir Moses Montefiore war hoch erfreut, als er in die Stadt kam. „Grosswar mein Entzücken, als ich sah, dass nur wenige Jahre verstrichen waren, seit der Zeit, da nicht eine jüdische Familie ausserhalb der Mauern Jerusalems lebte, nicht ein eineinziges Haus gesehen werden konnte, während ich jetzt fast ein neues Jerusalem erblickte, mit Gebäuden, von denen einige fast «sten Viertels ausserhalb der Stadtmauern im Jahre i§69 beteiligt — Mishkenot- Shaananim. später zu seinen Ehren Yemin Moche genannt. Er war Testamentsvollstrecker von Juda Touro, eines amerikanischen Juden, der 5.00&-Pfund„ für den Bau von Armenhäusern in Jerusalem hinterlassen hatte — zu jener Zeit eine grosse Summe. In seinem Tagebuch verzeichnet Sir Mcntefrore, dass ihn diese 5.000 Pfund sehr viel kosteten, denn er legte von seinem eigenen Geld dazu und sammelte ausserdem noch Beträge für die Durchführung dieses- Projektes. ¡»a». MAIMONIDE* » PIONIER AUF VIELEN GEBIETEN î»» pn U4 S - 1t** VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES ©URRUCHAGA UN — T. E. 71-9708 Swt bMiefecn durch alle einschlägigen Buch bandlungen und durch die JUNDISCHE WOCHENSCHAU PVETXIUEDON UM 1* — T. B. K M» l-«»i sich auf viele Länder. In England, wo Sir Moses Montefiore über 40 Jahre lang Präsident des Board of Deputies für die englischen Juden war, kämpfte er für die Beseitigung der letzten Hindernisse, die noch der völligen Gleichberechtigung der Juden entgegenstanden. Sir Montefiore war ein Pionier auf vielen Gebieten. ®r war es, der die ersten jüdischen Orangenpflanzungen anlegte. Seiner Initiative war es zu danken, dass die ersten Häuser im neuen Jerusalem gebaut wurden. Er errichtete die erste Handelsschule der Stadt sowie die erste Druckerei und eine Windmühle (heute noch ein Wahrzeichen Jerusalems). Sein Einfluss reichte indessen weit über die von ihm durchgeführten Projekte hinaus. Seine wiederholten Besuche über ein halbes Jahrhundert hindurch, seine lebhafte Korrespondenz, die aus seinen eigenen Mittein und aus den von ihm gesam. melten Fonds in Zeiten der ¡Not zur Verfügung gestellten Beträge — all dies bedeutete eine Quelle der Ermunterung für die kleine jüdische Gemeinde in Palästina. Die Sorge um die Juden Palästinas war einer der Grundzüge seiner politischen und sozialen Tätigkeit. Diese Tätigkeit erstreckte VERFECHTER JUEDISCHER RECHTE LITERATUR« i Auf dem internationale.! Forum finden wir Sir Moses Monteiiore im Jahre 1840, als er gemeinsam mit Adolphe Cremieux nach Aegypten, Syrien und der Türkei fuhr, um die Juden von Damaskus gegen die Ritual- Mord-Verleumdung zu verteidigen. Er hatte Erfo'g. Er erhielt ein Dokument von Mohammed Ali, dem Herrscher Aegyptens, über die Befreiung der Juden, die in Syrien im Gefängnis waren, und ein anderes, vom Sultan an ihn gerichtetes Schreiben, in dem die Verleumdungen in den strengsten Ausdrücken verurteilt wurden. 1846 besuchte Moses Monte, fiore Moskau. Der unmittelbare Zweck seiner Aufgabe war, die Aufhebung eines Befehls zu erreichen, aufgrund dessen die Juden von einer gewissen Grenzzone ausgewiesen werden sollten. Diese Reise bedeutete keine geringere persönliche Gefahr als die vorherige in den Orient. Ein Mitglied seiner Umgebung starb beim Ueber queren eines zu gefrorenen Flusses. Als 1881 in Russland eine Welle von Pogromen ausbrach, war Montefiore, damals fast ein Hundertjähriger, bereit, eine weitere Reise nach Russland zu unternehmen. Auf die Vorhaltungen seiner Freunde erwiderte er: „ W enn es notwendig ist, werde ich dorthin getragen werden. Man kann mich in meinem Wagen an den Zug bringen, dann an Bord des Schiffes, dann wieder zum Zug, und - St. Petersburg werde ich dann zum Kaiser gebracht werden. Nichts soll mich daran hindern, meinen unglücklichen Brüdern zu helfen, wenn ich ihnen nützlich sein kann.” Im Jahre 186. übernahm er eine Aufgabe in Marokko. Unterwegs hatte er eine Audienz bei der Königin Isabella von Spanien, und auf seiner Rückreise wurde er von Kaiser Napoleon III. in Audienz empfangen. Der Sultan von Marokko veröffentlichte ein kaiserliches Edikt, das in unzweifelhaften Ausdrücken eine gerechte Behandlung der Juden vorschreibt. 1867 war er in Bukarest, um den Prinzen Karl von Hohenzollerr. zu sehen und sich zu bemühen, die Lage der Juden in Rumänien zu verbessern. In dieser Stadt wurden Montefiore und seine Begleiter offen mit Mord bedroht. <A>r seinem Hotel stehend, sagte er: „Feuert, wenn Ihr wollt. Ich kam im Namen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit hierher, um die Sache von unschuldig leidenden V cnschen zu vertreten.” Prinz Karl empfing Sir Moses Montefiore Vor kurzem machte ein grosser, leic.it nach vorn gebeugter älterer Mann, den man mit seiner kurzärmligen Hemdbluse über seinen Dacron - Hosen für einen Amerikaner hätte halten können, die Runde durch die Buchhandlungen Jerusalems. der Hauptstadt Israels. „Haben Sie zufällig Lord Russells Buch ,Die Geissei des Hakenkreuzes’?”, fragte er in unverkennbarem Oxford-Akzent. Die Antwort war stets negativ, denn dieser Bestseller des Jahres 1955 war seit langem ausverkauft, und die wenigen übrig gebliebenen Exemplare waren von den staubigen Regalen verschwunden. als sie in den ersten Tagen nach der dramatischen Ergreifung Adolf Eichmanns und seiner Inhaftierung in Israel stürmisch verlangt wurden. „Ich weiss nicht recht, ob ich mich daraüber freuen oder traurig sein soll”, sagte der vermeintliche Kunde schliesslich zu einem der Verkäufer, der auf seine Frage hoffnungslos die Schultern gezuckt batte, „ich bin nämlich selbst der Verfasser dieses Buches.” von HAIM MASS ZWEI BUECHEJ* UEBBR EICHMANN Hätte irgend jemand Lord Russell aus Liverpool gesagt, dass er eine Woche später vergeblich versuchen würde, in der Hauptstadt Israels ein Exemplar seines Buches zu bekommen, würde er diese Behauptung glatt abgelehnt haben. Erst drei Tage vor seiner Ankunft in Jerusalem hatte die Israel- Botschaft in London ihm vorgeschlagen, ein Buch darüber zu schreiben, was die Gestapo während der Naziherrse,.aft mit dem so harmlos klingenden Ausdruck „die Endlösung der Juden frage” bezeichnete. Lord Russell, der vorher bereits von dem bekannten Verlag Vallentine and Mitchell beauftragt worden war, ein Buch über das Eichmann.Verfahren zu verfassen, sagte im Prinzip zu und flog sofort nach Lud, wo ihn Vertreter des Auswärtigen Amtes empfingen und ihn ins King David-Hotel nach Jerusalem brachten. Bereits am nächsten Morgen" ging er durch Regale von Mikrofilmen von Dokumenten über die Massenmorde an der europäischen Judenheit in den Archiven von Jad Waschern, Isra*Ls massgebender St Je für die Dokumentierung des zweifellos dunkelsten Kapitels menschlicher Zivilisation. „Dies Buch über die Nazihölle in Europa wird eine allgemein-verständliche Beschreibung des Hintergrundes für das bevorstehende Gerichtsverfahren bilden”, erklärte Lord Russell. „Ich persönlich glaube, dass es ein Akt historischer Gerechtigkeit ist. den Prozess in Jerusalem zu führen, trotz aller tegalistisehen Redereien, durch die die Gerichtsbarkeit der Israel-Regierung bestritten wird. ER OPFERTE SEINE KARRIERE Es gibt wenig Beispiele, die so überzeugend die dynamische Fähigkeit des geschriebenen Wortes beweisen, wie Lord Russells Anti- Nazi-Bestseller. Zu einer Zeit, als man versuchte, das englische Volk die Grausamkeiten der Nazis vergessen zu lassen, zog es dieser mutige Aristokrat vor, sein Amt als „Assistent Judge Advocate General”, eine der höchsten Positionen im Zivildienst, aufzugeben und / höflich und schrieb ihm einen Brief, mit verschiedenen Versprechungen, die aber leider nicht eingehalten wurden. 1864 wurde Sir Moses Montefiore Ehrenbürger der Stadt London, in Anerkennung seiner ständigen Bemühungen, der schweren Opfer und der schwierigen Reisen, e er unternahm, um die .eiten der Juden sowie Menschen jeglichen Glaubens uni jeder Nationalität zu lindem. „JERUSALEM“ Sir Mose- Montefiore ist in die Geschieht' als Philanthrop seltener Grosszügigkeit eingegangen, als Pionier jüdischer Diplomatie und als Zionsfreund. Auf seinem Waffenrock war in hebräisch der Name der heiligen Stadt „Jerusalem” zu lesen. An Schabbatur d Festtagen trug er gewöhnlich einen besonderen Ring, auf dem der Name Jerusalem eingraviert war. Seine Hauptsorge galt dem Wohl der Bewohner des Heiligen Landes, und Palästina stand stets im Mittelpunkt seines Denkens und war da Hauptziel seiner Bestrebungen. Eine Sammlung von Bildern und Reliquien von Sir Moses Montefiore'ist jetzt in der italienischen Synagoge in Jerusalem ausgestellt (in der ein kostbarer von einer seiner Ahnen gestickter Toravorhang aus dem Jahre 1620 aufbewahrt ist). Hier kann man, von der kleinen jüdischen Gemeinde Korfus geprägt, eine Medaille mit einer italienischen Aufschrift nden, in der die Persönlichkeit Sir Moses Montefiores zutreffend in den Worten zusammengefasst ist: „Vollkommene Synthese des Judentums”. ISRAEL - AN WIEDEBVERKAEUFER — ALLE REUAUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel, VIAMONTE *90, I/B — Baraoi Aires, Rep. Argentina Juedische Buchhandlung TALESSIM, MACHSO¬ RIM (span. Uebersetzg.) LUACH 5721, Neujahrs- Gliiekwrrnschk arten G. KAPLANSKY Corrientes 2883 T. E 87-8753 sein Gewi-« drücken zu fentüchte Se sten Gebe: Buch und ei ■ jachen, mit .das Buch wurde, aber hervorrief i che Meinun, freien weS^' der ansteck befreite. Ver ben sein zu Da wir die seiner ,.Geis» kreuzes” k‘ wir davon i 'Lord Rüssel: die Personifii zi-Hasses. scheu Gefühl offenen Konf Regierung g seine antidei. beibehalten t Aber als * schattigen Ga: King Davidvon wo aus n and das Hi blicken konn ser lebhafte völlig andere scheint dass vielseitig ist. „Ich kam v nat aus Deu zweiwöchentli halt dort viel zurück, ais glaubt hätte ,.Es werden strengungen die deutsche erziehen, die der Eltern! nicht versteht die Eltern wahnwitzigen hinreissen ls welche die men setzte D ritlt der D< aufrichtig un nationalen Sc sehen Volk vollem Austr, Professor ( ^r sozialder rer> sagte zu »Es gibt kei Deutschland, srch selbst n mei> bezeichi um den fra druck zu | vleux Nazis' sowohl dem Ausblick nai kegrüssl s'tern. Estombcj ff -vaitun» . 10 0|%do 3

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