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Jüdische Wochenschau · 1960-08-19 · 1805 (19.8.1960) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1805 (19.8.1960)
Date
1960-08-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes. 19 de Agosto de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No, 1805 Versprechen wurde gebrochen Das österreichische Parlament hat seine Frühjahrssession geschlossen, ohne die .Wiedergutmachungs-Gesetze für die Opfer des Nationalsozialismus zu beschliessen. Erst vor zwei Monaten haben die Obmänner der beiden Koalitionsparteien und leitende Mitglieder der ■Österreichischen Regierung dem Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses Dr. Nahum Goldmann, der auch Präsident des Comités für jüdische Ansprüche an Oesterreich ist, bindende Erklärungen abgegeben, dass der ganze Fragenkomplex der Wiedergutmachung noch vor der Sommerpause des Nationalrates erledigt werde. Das Versprechen der Regierung auf Erledigung ist also gebrochen worden. Die von GEORG KUENSTLINGER, Wien Folge ist, dass das Vertrauen zu Oesterreich schwer erschüttert wurde. Es ist sehr traurig, dass wir Recht behalten hatten, als wir unsere schon geäusserten Zweifel mit der Frage begannen: „Sollte es wirklich das letzte Mal sein, dass wir die endliche Regelung der noch ausständigen Fragen der Wiedergutmachung und Entschädigung für Opfer des Nationalsozialismus urgieren müssen?” Als ob wir schon damals gefühlt haben, uns wappnen zu müssen, setzten wir hinzu: „Vielleicht ist es wirklich so!“ Nun, es ist aber nicht so. Es war, diesem damaligen Gefühl folgend, selbstverständlich, dass wir hinzusetzten, wir wollten den Optimismus nicht übertreiben, denn zu oft wurden wir bereits enttäuscht. Und wenn wir dennoch von fundierter Hoffnung sprachen, so folgten wir ähnlichen Worten Dr. Goldmanns, der bei einer Herzl-Kundgebung im Wiener Konzerthaus als Redner auftrat. Auch er sagte damals, er habe das Gefühl, dass eine gewisse Wendung zum Bessern in Aussicht stehe. Er betonte, er glaube sich zu begründeter Hoffnung berechtigt, dass grossen Vorteil”' das Werk der Gesetzgebung Kommen Sie bitte bald, um endlich unter Dach und Fach die „leicht Gedrückten” in ,£<*««** werde. Es sei zu Augenschein zu nehmen. ko^en> dass in sehr kurzer Wir sagen „bald”, weil sie 1 Zeit etwas Entscheidendes natürlich nur in sehr beschränkter Anzahl zur Verfügung stehen — wird doch unsere Kleidung stets mit Liebe und Sorgfalt behandelt! Aber auch ein Blick auf die leicht angestaubten Stücke lohnt sich, um sie jetzt für weniger Geld zu kaufen. Jetzt passt es! Jetzt ist die (günstige Gelegenheit gekommen! Unter den „leicht Gedrückten” befinden sich herrliche, modische Sachen, die Ihnen bestimmt gefallen werden. Wie wär’s? Kommen Sie in den nächsten Tagen mal vorbei, um die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Wir erwarten Sie!: MAtpu 484. 1. Stock «GtvuMten MAIPU 484, 1. St. MAIPU 982 T. E. 31-0357 Die „leicht Gedrückten" bitten um Ihre freundliche Aufmerksamkeit: Kleidungsstücke aller Art, die in den letzten Wochen, beim Umzug, etwas ins Gedränge gekommen sind. Die „leicht Gedrückten” sind tadellos in Zuschnitt und Qualität. Nur eben viel billiger — ein „kleiner Fehler” wird für Sie zum geschehe. Es ist tatsächlich eine tragische Enttäuscnung, dass Sie Versprechungen der österreichischen Regierung und der Leiter der Parteien nicht gehalten wurden. Das Thema des Mangels an Wiedergutmachung wurde schon so oft besprochen, dass es keine neuen Formulierungen gibt. Denn die 'Wahrheit war und ist, dass Oesterreich überhaupt noch nichts an Wiedergutmachung für die Naziopfer getan hat und dass alle die phantastischen Beträge, die als angeblich bereits geleistet, genannt werden, entweder Rückgaben gestohlenen Vermögens beziehungsweise Unterstützungen in Notfällen, wie bei jedem Invaliden sind oder nur an im Ausland lebende Naziopfer gezahlt wurden. Das in Oesterreich lebende Naziopfer hat nichts, garnichts bekommen, mit Ausnahme einer sehr kleinen Haftentschädigung. Im letzten Mimsterrat hat Unterrichtsminister Dr. Drimr-el einen Gesetzentwurf über finanzielle Lei. AUTO . REPARATUR . WERKSTATT i „BENO“ I RENO HUTSCHNECKER } Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Moiuroe) T. E. 52 - 2205 stungen an die israelitische Religionsgemeinschaft unterbreitet. Laut Entwurf ist eine einmalige Zuwendung von 30 Millionen Schilling in fünf Jahresraten zu sechs Millionen vorgesehen. Mit diesen Summen sollen die zerstörten Synagogen und Friedhöfe wiederhergestellt und vernichtete oder geraubte Kultgegenstände neu angeschafft werden. Im Entwurf ist auch vorgesehen, der Israelitischen Kultusgemeinde eine jährliche Zuwendung von 900.000 Schilling zu machen und die jeweiligen Gehälter von 23 Angestellten zu ersetzen. Im amtlichen Communiqué des Ministerrates ist überhaupt nicht erwähnt, ob diesem Entwurf zugestimmt wurde. Ist das ein Zufall oder steckt schon wieder etwas anderes dahinter? Denn, bei den Anträgen in derselben Sitzung wegen Gewährung eines vorläufigen Betrages von 50 Millionen Schilling für die Durchführung der Olympischen Winterspiele 1964 in Innsbruck von 100 Millionen für die Austrian Airlines und für noch einige andere Sachen, steht im Communiqué immer, der Ministerrat habe das beschlossen. Sollte der Mangel einer ähnlichen Veröffentlichung gerade bei dem Entwurf fiir Zahlungen an die Kultusgemeinde, wirklich nur ein Fehler sein, nun dann muss dennoch darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich um kein Gesetz sondern um einen Gesetzentwurf handelt. Auch dieser kann bestenfalls erst im Herbst behandelt werden. Besonders unterstrichen muss aber werden, dass für andere Religionsgemeinschaften ähnliche Beschlüsse (allerdings über weit höhere Beträge) bereits gefasst wurden. Es ist also von einer Ausnahme keine Rede. Im Gegenteil, für die jüdische Religionsgemeinschaft wird erst nachgehinkt — und das erst im Herbst! Nun sind es also mehr als 15 Jahre nach Kriegsende, eineinhalb Jahrzehnte, dass das nationalsozialistische Regime zusammenbrach und Oesterreich wieder selbständig wurde. Es sind immerhin auch mehr als fünf Jahre, dass die Besatzungstruppen abzogen und dass ein Staatsvertrag unterschrieben wurde, der einen Artikel 26 enthält. Dieser Artikel wurde erst kürzlich wieder eifrig zitiert: als es nämlich um die Wiedergutmachung an Otto Habsburg ging. Er war ein Angelpunkt, dieser Artikel 26, um zu beweisen, dass Oesterreich nicht nur moralisch, sondern rechtlich (und noch dazu im Staatsvertrag, hört, hört!!!) verpflichtet ist, den durch nationalsozialistische Gesetzgebung vollzogenen Raub wiedergutzumachen. Es ist doch wirklich seltsam, dass etwas für den einen recht, für uns nicht einmal billig sein darf. Obwohl es doch gerade für uns wesentlich billiger wäre — denn für den anderen ist es viel teurer! Sollen wir sagen, es sei erstaunlich, was da geschieht oder vielmehr nicht geschieht? Es ist eine Schande, eine vielfache Schande! Es ist erst wenige Monate her, dass wir konstatieren durften, wie führende Regierungsmitglieder es als eine Schande für Oesterreich bezeichneten, dass das Jubiläum des 15. Jahrestages der Befreiung gefeiert werde, während die Opfer der vorhergegangenen Unfreiheit nicht einmal materiell entschädigt wurden. Das waren mannhafte Worte, über die wir uns freuten. Und es war erst im Mai dieses Jahres, dass das Versprechen gegeben wurde, die Volksvertretung werde noch vor der Sommerpause die Wiedergutmachungsgesetze beschliessen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die grösste Schwierigkeit in den Besprechungen eines Koalitionscomites, nämlich die Verknüpfung der Wiedergutmachungsgesetze für Naziopfer mit Entschädigungsgesetzen an andere Geschädigte, überwunden wurde. Man habe sich endlich geeinigt, die Wiedergutmachungsgesetze zugunsten der Opfer nationalsozialistischer Verfolgung allein zu behandeln. Das sagte man, und wir haben es auch geglaubt. Kaum,ausgesprochen, war es schon wieder nicht wahr! Denn die neuerliche Verschiebung der parlamentarischen Behandlung der Wiedertgutmachungsgesetze ist einzig und allein darauf zurückzuführen, dass verlangt wurde, alle Gesetzeskomplexe, die irgendwie mit irgendeiner Wiedergutmachung oder Entschädigung zu tun haben, gleichzeitig zu verabschieden. Das ist ein solches Konvolut, dass allein das Papier, auf dem die Entwürfe geschrieben sind, viele, viele Kilogramm wiegt. Es sei hinzugesetzt, dass in dem Koalitionscomite, das über die Wiedergutmachung an Naziopfer verhandelt oder verhandelte (denn sie sind LA SEMANA ISRAELITA BISEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYRREDON 2190, 1’ izq. — T. E, 83.2613 26. Aw 5720 19. August 1960 1 Israel - Marken! (m gross*« Auswahl: u a. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTFW wtim MER - MAHREN MIT BAND - KOMPLETTE BOGEN Zch , vnn' , STAENDIOE SAMMLUNGEN _ WERTVOLLE AUSGABEN - ERBTE SMIE * VORHANDEN - VERTRAUENSWÜRDIGE BERATUNG 5 Alfonso MORITZSON Guanacache 2351, dep. 2 \ mg. CABILDO t ..WWWV? KZ-Instruktor als Schulrat .Karlsruhe. — Der karlsruher Regierungsrat Kurt Knittel wurde vom badenwürttembergischen Kultusministerium vom Dienst suspendiert, weil gegen ihn der Vorwurf erhoben wird, die zur Ermordung der Auschwitz-Häftlinge eingesetzten SS-Männer ideologisch geschult zu haben. Knittel war SS-Oberscharführer. Er soll den Bewachungsmannschaften beigebracht haben, auch die Ermordung von Frauen und Kindern sei im Interesse des deutschen Volkes notwendig. Knittel soll seit Februar 1941 mit der Schulung der Auschwitz-Mörder betraut gewesen sein. Nach dem Krieg trat er als Leiter einer Jugendbühne, als Geschäftsführer der Volksbühne und als Gemeinderatskandidat der FDP auf. (AWZ) alle auf Urlaub gegangen) ei. nige Naziopför sitzen.... Diese Betrachtungen haben wir mit Zitaten aus Feststellungen Dr. Goldmanns über seine Verhandlungen mit Regierungsmitgliedern begonnen. So wollen wir abschliessend auch daran erinnern, dass er damals hinzufügte: „Sollte jedoch nichts geschehen, dann wird das Weltjudentum stärker reagieren müssen, als dies bisher der Fall wai.“ Es ist wahrhaft höchste Zeit! Als SS-General entlarvt Bonn. — Der Oberste Polizeichef des ehemaligen Warthegaus, der SS-Obergruppenf (ihrer Wilhelm Koppe, wurde in Bonn entlarvt. Koppe, der unter dem Namen Lohmann eine Schokoladenfabrik leitete, wird die Mitschuld an der Ermordung von mindestens 106.000 Juden zur Last gelegt. Er war für die Vernichtungslager Kulmhof unu Belcec zuständig und wurde von Himmler als Vorbild bezeichnet. In Bonn war Koppes Sohn ebenfalls unter dem Namen Lohmann, als Rechtsanwalt tätig. Koppe befindet sich bereits seit einem Vierteljahr in Haft. Ermittlungen gegen seine Familienangehörigen sind eingeleitet worden. REISEN leicht gemacht lurch Via jes Globus Alsina 1418, 6? piso T. E. 38-5860 - 38-1447 - 38-8304 Mûmes Wafeimanii JETZT AUCH IN BELGRANO CABILDO 774 an der Fed. Lacroze im Zentrum: SARMIENTO 1147 STUDIO JURIDICO INTERNACIONAL î t 0 0 0 0 0 % 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 PUEYRREDON 2190 esq. Ar. LAS HERAS — T. E. 83.2613 Í Dr. Har dl Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15_18 Uhr Dr. Günter Frey Asuntos Argentinos y Sudamericanos TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN BUEROZEIT: 10—12 und 15—18 Uhr

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