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Jüdische Wochenschau · 1960-08-12 · 1803 (12.8.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1803 (12.8.1960)
Date
1960-08-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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4 — Viernes, lí de Agosto de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI Na IMS MUSIK m BUENOS AIRES "LA GIOCONDA" IM COLON Die Oper vea Amilcare Ponc-nelii, deren Inhalt auí dem Drama „Angelo" von Victor Hugo fusst, und als dessen Textdichter kein Ge. ringerer als Arrigo Boito. Librettist von Verdis „Othello" und ..Falstaff" sowie selbst erfolgreicher Komponist (siehe „Mephistopheles1 ) zeichnet, ist weiten Kreisen unbekannt. T/i Buenos Aires wurde sie seit 35 Jahren nicht mehr gegeoen, sodass ihr Wiedererscheinen im Colón als Neuheit gewertet werden muss.Die in Mailand im Jahre 1876 uraufgefünrte Oper hat zwar viel von ihrer Frische eingebüsst jedoch ist auch heute noch ihre Musik gefällig, melodiös und dramatisch und geht leicht ins Gehör ein. Diese Art von „Italianadas“ ist heutzutage nur erträglich, wenn sie in erstklassiger Besetzung gestartet wird. Diese Vorausset- Sung wurde voll und ganz erfüllt. Ein auserlesenes Vokalsextett. welches sich szenisch und stimmlich gleich auszeichnete, sorgte für ein ganz vorzügliches Niveau. Lucille Udovic in der Titelrolle (Met), Mignon Dünn als Laura (Met), Norman Scott in der Rolle des Alvise (Met) der uns bereits als Calaf und Radames in ausgezeichneter Erinnerung haftende Flaviajk» Labó in der Verkörperung des Enzo (Scala), sein Gegenspieler Bamabá, der Inquisitionsspitzel — Aldo Protti (Scala) und die Argentinierin Luisa Bertoletti als die blinde Mutter — *ie aüe waren schlechthin vollendet. Kleinere Rollen wurden durch nationale Künstler zufriedenstellend besetzt. Störend waren die nun 35 Teatro Colón Hoy, viernes 12, a las 21 toras. Quinta Función de Gran Abono. “La Fuerza del Destino’’, de Verdi. Director de Orquesta: Fernando Prevital. Nota: Para esta función es obligatorio el traje de etiqueta para damas y caballeros en plateas y palcos. Jahi’g alten Bühnenbilder, die für unseren Geschmack nur schwer erträglich sind, und uninteressant die statische Regie von Felipe Romito. Zwiespältig die Choreographie von Nicolas Zvereff, und grossartig die Direktion von Carlos F. Cillario. der endlich nach vielen Jahren wieder am Pult des Colón stand, Orchester und Sänger mit sich riss und für einen Ablauf der Vorstellung von hoher Kategorie sorgte. Ein Sonderlob Tullio Boni und seinem prachtvollen Chor, der auf und hinter der Bühne schwere und lange Arbeit zu bewältigen hatte und vorbildlich und hinreissend sang. Er kann nie genug gelobt und anerkannt werden. Es gab rauschenden Beifall und unzählige Vorhänge. CLAUDIO ARRAU IM COLON UND "ASOCIACION WAGNERI ANA" Claudio Arrau am Flügel — das heisst eine Stunde der Meditation, des Insichgehens, des Erlebnisses. Der chilenische Pianist ist zur Zeit einer der grössten, wenn nicht der grösste selbst. Seine Ausdeutungen, seine Facetten, seine Ziselierungen, sein stets stilgetreues, frei von Allüren stehendes Spiel machen seine Konzerte zu Erlebnissen, die nachhaltig wirken und nur schwer »der Vergessenheit anheimfallen können. Bewunderungswürdig ist seine Vielseitigkeit, und verwundert und unermüdlich lauscht man den Tönen des begnadeten Künstlers, unter dessen Anschlag die Klaviatur Magie ausstrahlt. Während man von den meisten seiner Kollegen sagen kann, sie seien Spezialisten für diesen oder jenen Komponisten, oder sie seien Fachleute für einen bestimmten Zweig der Musik, sei es Klassik, Romantik oder die Moderne, Claudio Arrau umfasst alle diese Gebiete. Für ihn gibt es keinen Vorzug, er lebt mit jedem Tonschöpfer, und unter seinen Händen nimmt jeder Komponist 'Leben an. Sei es nun Beethoven, von dem wir die 32 Variationen I rb Thomas Mann Deutfttics Theater Montag, den 22. August 1960, im Teatro Odeon Kennen Sie die Milchstrasse? von KARL WITTLINGER ' Regie: GERT HAUCKE Rolf Mölders und Hans Peters Eintrittskarten an der Theaterkasse, Esmeralda 367 Tel: 45-3591, werktags von 10—12 u. von 15—20 Uhr Es gab eine Zeit bedriikkender Leere im Leben Thomas MarTns, die Periode des Umbruchs, nach den Buddenbrooks; kleinere Werke, die wir nicht missen mögen, wurden freilich konzipiert, aber „das“ Werk liess auf sich warten: der Zauberberg! Thomas Mann litt unsäglich unter dem quälenden Gefühl, sich jung erschöpft zu haben, nach den Buddenbrooks, dem Tonio Kröger, dem bitteren Bekenntnisbuch: Betrachtungen eines Unpolitischen, in dem der A-utor von „Friedrich und die grosse Koalition“ das Kaiserreich verteidigte, gegen den „Zivilisationsliteraten“ seinen eigenen Bruder Heinrich, polemisierte. Nicht ganz wohl fühlte er sich in seiner Haut, denn im Grunde: warum grade „er”? Sein Vater war Senator in Lübeck gewesen, und Lübeck hatte eine gewisse weltweite Demokratie als freie Hansestadt, als Guckaus in die Welt! Hoffnungsvolle Welt, Künstlervölkchen — garnieht duckmäuserisch —, dem Morgen verbunden, gab es in den Kreisen des Münchener Simplizissimus, an dem Thomas Mann mitarbeitete, weiss Gott, genug. Von Mutters Seite war er romanisch „belastet“, denn seine Mutter stammte aus Südamerika! Geheiratet hatte er^ Katja, die Tochter des jüdischen Mathematikers Pringsheim. Kleinbürgerlich war die Sphäre ganz bestimmt nicht, denn nicht nur hatten die Pringsheims ein aristokratisches Milieu, sonin c-moll, die Sonaten d-dur op 10, Nr. 3, es-dur, op 27, Nr. 1 (Quasi una Fantasia), oder seine letzte, in völliger Taubheit entstandene op. •411, Nr. 32 c-moll erwähnen, ob Schumanns „Carneval’’, ob Liszt, ob Impressionisten; Debussy (Estampas) oder Ravel (Gaspar de la Nuit), kein Lob ist zu hoch, um die ausser der künstlerischen Reife schön rein physische Leistung Arraus anzuerkennen und zu würdigen, der stets über zwei Stunden am Flügel wie für sich selbst unermüdlich musizierte und auch dieses Mal die Auditorien zu vergessen schien, die ihm Beifallsovationen darbrachten, wie wir sie nur selten zu hören bekommen. von Dr. CONRAD N ROSENSTEIN LUACH (Kalender) Freitag, den 12 August Sonnabend, den 13. August Schabbat EKEW — Haft.: Yeschayahu IL 14 Sonntag, den 13. August Montag, den 15. August Dienstag, den 16. August Mittwoch, den 17 August Donnerstag, den 18. August Freitag, den 19. August Sonnabend, den 20 August Schabbat RE'E — Haft.: Yeschayahu LTV 11 Neumondsankündigung BLUL 19. Aw 20. Aw — Lll 21. Aw 22. Aw 23. Aw 24. Aw 25. Aw 26. Aw 27. Aw — LV 5 Morgen, Sonnabend, den 13. ds. Mts. findet um 22 Uhr ein Klavierkonzert der bekannten Pianistin Flora Nudelman statt, das Chopin gewidmet ist und Scherzos, Nocturnos, Balladen und Estudios bringen wird. Das IFT-Ensemble unternimmt zur Zeit eine Tournée in der Provinz Buenos Aires und wird „Alto Perú”, einen der grössten Erfolge dieser Spielzeit, aufführen. Es finden augenblicklich keine Aufführungen statt. Ein Gastspiel des bekannten montevideaner Theaters „El Galpón” ist für den kommenden Monat vorgesehen. Weitere Mitteilungen folgen. dern im Hause verkehrten auch die grossen Maler der Epoche, und der Professor selbst war Sammler herrlicher Majoliken, Wagnerenlhusiast. Es war also unerfindlich, warum Thomas Mann grade für Kreise die Stimme erhob, die es nicht verdienten, dass dieser eminente Schriftsteller für sie wirkte! Hatte er sich selbst die Riegel vorgeschoben, s'ch vor einer weiteren, helleren, demokratischen Welt desavouiert? Es nagte an ihm. Er glaubte, nicht sehr alt werden zu können. Er spielte mit dem Begriff der „Todesvagabondage“. Und dennoch gab es Kräfte, die den Künstler dem Leben erhielten. Sein 'Leben war „hermetisch“ diszipliniert. Der Tag war präzise organisiert. Lärm und Gäste suchte Frau Katja von ihm fern zu halten. Das Haus war voller Kinder uhd so von Jugend und Uebermut erfüllt. Die Gattin versah die Hausfrauenpflichten in ganz vorbildlicher Art, ohne, wachen Geistes, das Werk, das an ihrer Seite wuchs, aus den Augen zu lassen. Seine glänzende Kritikerin! Thomas Mann, der universale, der ironische Meister stand mit dem „Zauberberg'’ an der Spitze der modernen Litera, tur: doch hatte, wie gesagt. — nach dem grossen „Wurf“ der Buddenbrooks —, dieser Roman fünfundzwanzig Jahre auf sich warten lassen. Die Eingebung war „^fällig“, auf kleine Dimensm. nen zugeschnitten, als Frau Katja einer kleinen Lungenaffektion wegen, oben, in Davos, weilte, im „Sanatorium Berghof'... So'lehe Schnippchen spielte ihm das Leben oft, so dass kleme Vorhaben ins Gedächtnis wuchsen... Ständige Arbeit, ein unfehlbares Gedächtnis, ein bohrender Kunstverstand entwickelten ungeheure Manuskripte. Um sie zu vollenden. musste Thomas Mann alt werden. Er war durchaus davon überzeugt, man stürbe nicht, ehe man dazu „ja“ gesagt habe. Seine Entelechie hatte ihm geboten, sich' in weitem Kreise zu vollenden d.as kanonische Alter gar zu überschreiten. Die Wegsteine? Glanzvolle Essays über Wagner, Nietzsche, Schopenhauer — die geistigen Ahnen — zu Goethe und Siegmund Freud! Politische Stellungnahmen. die sich aus den Zeitereignissen ergaben, als der Emigrant Thomas Mann, (er liebte das Wort „Emigra tion“ nicht, er sprach von seiner „Nicht-Wiederkehr“) als er — Freund des grossen Roosevelt — nach den Vereinigten Staaten übersiedelt war, um dort „den“ anderen Deutschen zu repräsentieren, längst mit Heinrich Mann ausgesöhnt, nun selbst gar nicht wenig „Zivilisations- Literat“! Die literarischen Essays, die zeitgeschichtlichen Korrespondenzen, die grossartigen Briefwechsel — ich erinnere etwa an den jüngst erschienenen — mit Karl Ker4nyi, dem Mythenforscher — hätten ganz und gar ausgereicht, ein bedeutendes Leben zu füllen. Und dennoch sind »Ile diese. Kundgebungen eines wachen Geistes nur „Nebenprodukte“. Da sollte noch die Josephstetralogie geschrieben werden, sollte er tief in den „Brunnen“ steigen, um den Tammuz - Joseph . Adonismythos, we.thingespon nen, zu zelebrieren; er sollte einen Goethe „ Roman schreiben: Lotte in Weimar, einen modernen „Doktor Faustus“ in der Gestalt des Tonsetzers Adrian Leverkühn, dem das Schicksal Nietzsches und Hugo Wolfs zugedachi, war. in der Selbstvernichtung Deutschlands. Wrie der alte Verdi „die“ grosse humoristische Oper mit dem Falstaff beschloss. nahm Thomas Mann sein Jugendfragment den Felix Krull auf um diesen Schelmenroman um ein grosses Stück voranzutreiben, freilich leider, ohne ihn vollenden zu können! Grade in ihm scheint die schwermütige Stimmung ganz überwunden, die Schwüle der Lagune, der Tod in Venedig... die letzten Produktionen: der Erwählte, und die Erzählung vom Hochstapler Felix Krull sind die ausgelassensten! Seit dem Tode des grossen Dichters wächst die Interpretation. Auf das entzükkend persönlich gehaltene Erinnerungsbiiehle’n seiner Tochter Erika „Das letzte Jahr”, folgte die Interpretation des Werkes von Anna Hellersberg-Wendriner „Mystik der Gottesferne”, nicht minder bedeutend wie das erk von Jonas üjessec „Thomas Manu in der Epoche seiner Vollendung", das der greise Dichter noch selbst hatte studieren kötu nen. ln Kilchberg, bei Zürich, wurde Thomas Mann zur Ruhe gebettet, unweit des Grabes von Conrad Ferdi. nand Meyer, nach kurzem, ganz unerwartetem Leiden, auf der Höhe seines Ruhmes, denn wie der alte Voltaire, von Ferney aus, nach; jahrzehntelanger Abweseo. heit noch einmal sein geliebtes Paris sehen wollte, wo ihn die Feiernden auf Hän. den trugen, so hatte Thomas Mann gerade die SSkularfei- (ern für Friedrich Schiller in Deuschland verlebt, im Westen und im Osten gleichermassen empfangen, geehrt als der grosse Abtrünnige und Zugehörige, als der Deutsche und Europäer, der Kritiker und der Liebende, | der Mahner und der Voran-! leuchtende in eine geistige j Welt, die von eisernen Vor-; hängen nichts weiss, die aber repräsentiert wird durch ein ungeheures Erbe, das wir nicht verraten dürfen. wenn wir dem Leben dienen woLen, in dem ein jeder seinen Rechtsstand hat! Thomas Mann, der na-'h Europa-Heimgekehrte, war Mitglied des Pen-Clubs und besass die Ehren der Légion d’honneur, liebte Prag, wie er in Zürich „zuhause'’ war. Alle guten Traditionen gingen mit ihm. deshalb Tess er sich von keinen Parteigrup. pen missbrauchen. ' Ein deutscher Weltbürger. Ob es noch viele dieser Art gibt, geben wird? Die BAR MIZWA unseres Sohnes BERNARDO HORACIO findet s. G. w. am Sonnabend, den 13. August, um 9 Uhr in der Synagoge der Congregación Israelita, Libertad 785, statt. SIGFRIDO RECK und Frau RUTH geb. SCHON Pasteur 594, 1. St. B. n " 2 LIDIA RENEE NOWOSIOLSKI MENI MENACHEM WAJSBEKIER VERLOBTE San Blas 2421 x Aguirre 1549 Empfang: Sonntag, 21. August I960, von 17 bis 20 Uhr in Aguirre 1540 Zum 75. GEBURTSTAG unseres lieben Opas, * Herrn GUSTAV KÖNIGHEIM (Las Palmeras) gratulieren herzlichst KINDER und ENKELKINDER Tjinftnmi,avi********»■■■■« ■■ ■«««»* Am 21. August 1960 feiert s. G. w. Herr GUSTAV TOBIAS seinen 80. GEBURTSTAG. Empfang: von 17—20 Uhr, Confiterfa Danubio, Pampa 2451

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