Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1802 (9.8.1960)
- Date
- 1960-08-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Wiener Juden heute und ehemals LITERA Tausende farbiger Lichter bestrahlen den Weg vom Opernring z-ur Kärrtnerstrasse hinunter bis zum „Graden“, dem Pulssehlage der im modernen Glanze wieder erstandenen Hauptstadt Oesterreichs. Unwillkürlich kam mir der Name „Or Sarua“, dessen Verfasser R Isaak ben Mosche, 1260 in der ersten Wiener Judenstadt verschied, in Erinnerung. N< :h gab ich mich der Betrachtung hin, ob dieses Licht, wie es in dem bekannten Psalmvers wertergeht nur für -die Gerechten strahlt, da tauchten kurz vor dem „Graben“ aus einer Seitenstrasse, der Weihburggasse. twe> jugendliche Gestalten auf, deren bartnmrandete Gesichter das ’Zeichen der „drei Wochen“ trugen. Sie reagierten auf Iwrit, kamen sie doch aus Petach-Tikva, der „Mutter der Morchavot“. Die zahlreichen LuxusgescV-'fte dieser Gegend verraten in den Namen vielfach den jüdischen Inhaber. In den unzähligen Cafés sitzen Sch.a er. jüdisch _r Emigranten, gut gekleidet, die sich durchwegs in ungarischer Sprache unterhalten. Vor etwa 10 Jahren bevölkerten sie das jüdische Café „Pax“ sowie das RotfesehilöspHal, beide jetzt nicht mehr in jüdischem Eesitz Ihr Aeusseres machte mit dem raschen Aufbau Wiens gleiche Fortschritte. Ungarisches Gepräge trägt auch das „Koscher-Restaurant” in der Weihburggasse 12, in dem die paprikagewürzten Speisen dem westeuropäischen Gaumen weniger behagen. Seitdem vor mehr als einem Jahrzehnt die ungarischen tind tschechischen Satellitenstaaten die geschäftlichen Betriebe kommunalisierten, flüchtete ein Teil der dortigen Juden bei Nacht und Nebel über die Grenzen und setzte sich überwiegend in Wien fest. Dazu kamen noch Flüchtlinge aus Rumänien. Von den mehr als ÍQ.OOO Juden Wiens ist der kleinste Teil von „echtem Wiener“ Ursprung. Fast alle, die sich früher vom ...Joint“ ernähren Iiessen, sind heute éaehr oder weniger gut eingeordnet. Nachfolgerin der grossen Israelitischen Kültusgemeinde aus der Welt von „Gestem“, die ln der Seitenstettergasse residierte, ist die Israelitische Kultusgemeindc am Schottenring 25, Ihr Geschäftsführer lässt sich Amtsdirektor nennen; es ist der Regierungsrat Wilhelm Krell, Die Gemeinde, die ihren Etat von den Steuerträgern nicht bestreiten kann, erhält Zuwendungen vom Joint, und der Claims-Conference. Nach einer Regierungserklärung des Bundeskanzlers Dr. Raab vom 17. Juli 1959 wurden der Kultusgemeinde angemessene Entschädigungen für die zerstörten Synad«R. Der sehr im argen liegende Religionsunterricht au den städtisches Schufen wird von jüdischen Studenten erteilt. In der Näht des Donaukanals liegt die schmale Seitenstettergasse, die mit ihrer linken Seite fast ganz der Gemeinde gehört. Ausser verschiedenen jüdischen Institutionen. die dort untergebracht sind, befindet sich dort die älteste Synagoge Wiens, die von den 17. von den Nazis zerstörten Synagogen allein erhalten blieb, weil die Gestapo hier ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Ein von de - Stadt angebrachtes Schild besagt, dass sie 1824.. .26 errichtet ISRAEL-MARKEN Im Laufe dieses Jahres werden noch folgende Ausgaben der Israel-Marken erfolgen: 1) „Taviv”, eine Erinnerungsmarke anlässlich der „Nationalen Markenausstellung in Tel Aviv", einen Postreiter darstellend. Preis 25 Agorot. 2) Gleichzeitig wird ein „Souvenir-sheet” (Erinnerungsblock) erscheinen, der nur während der Dauer der Ausstellung ausgegeben wird und zwar 1 Block pro Besucher. Preis 50 Agorot. Der Ausgabetag dieser beiden Marken ist der 9. Oktober 1960. 3) Erinnerungsmarke anlässlich des 25. Zionisten- Kongresses. Preis 50 Agorot. Die Ausgabe erfolgt lm Laufe des Monats Dezember. 4) Hundertjahrfeier der Geburt von Henriette Szold, eine Erinnerungsmarke, die auch im Lauf des Monats Dezember herausgegeben wird. 5) Eine definitive Briefmarkenserie, im Wert von 11.50 IL, welche die Bilder des Tierkreises darstellen wird. gen, Friedhöfe und verfallenen Stiftungen in Aussicht gestellt. Ebenso sollen ihr laufende Beiträge zur Bestreitung der Verwaltungsaufgaben wie dies den christlichen Religionsgesellschaften bereits zugestanden wurde, gewährt werden. Diese Forderungen berühren nicht das bevorstehende Gesetz über den 6 Milionen Dollarfonds für Entschädigungen. Nachdem das grosse Rothschild-Hospital veräussert worden is . besitzt die Gemeinde noch in der Seegasse 9, wo ehemals ein jüdischer Friedhof gelegen war, ein kombiniertes Altersheim-Spital. Sie unterhält eine vierklassige jüdische Elementarschule, ursprünglich vom Joint ins Leben gerufen, zu der jetzt zwei Klassen angebaut wur- '«e» Aaimöksdes IUI - 1*0* .ttojG«d«nkbmfc » «StL- VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA SSM — T. C. 71*70« 9m beslelMD durch alle einschlägigen Buchhandlungen und durch die JUEDISCHZ WOCHEN SCHAU ovcnwsDOM »te i* — t. a m-mes wurde. An ihr wirkte der gemässigte reformierte Rabbiner Isaak Noah füannhei-*' mer aus Kopenhagen, der alte Traditionen mit moderner Anschauung verneinte. Er verwehrter zwar der Orgel den Eintritt, gestattete aber die Abschaffung des Kol Nidre-Gebetes und verschiedener Piutim. Dort lüsss Salo-' mon Sulzer, der Neuschöpfer des jüdischen Synagogengesanges, seine Melodien ertönen, die Meyerbeer v.nd Franz 'Liszt begeisterten. Die Freiherrn von Rothschild waren ständige Besucher der Synagoge. Der gegei wärtige Rabbiner Dr. Eisenberg stammt gleichfalls aus Ungarn. Kantor Blomberg gelangte aus Israel über Köln nach Wien. Die orthodoxe Gemeinde, deren Präsident Benjamin Schreiber ist, besitzt eine eigene Talmud-Thora und hat ihre Beträume, die nicht die Würde eines Gotteshauses widerstrahlen, im Kellergeschoss in der Weihburggasse neben dem Koscherrestaurant. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, will ■der Gemeindevorstand an die Errichtung einer neuen Synagoge für die Orthodoxie herantreten, wofür das Gelände des durch die Nazis zerstörten früheren Leopoldstädter Tempels vorgesehen ist. In dieser Gegend jenseits des Donaukanals, als innere Leopoldstadt bekannt, erfolgte 1624 an der „Untere Werd” die Neuansiedlung der Juden nach ihrer wiederholten Vertreibung. Hier wohnte in einem Hause neben der Synagoge der als „Tpsfot Jomtob’’ o-kat nte Rabbiner R. Lippman Heller. Die nach der abermalige!. Austreibung der Jeden ¿m Jahre 1670 enteianete Snagoge wurde zu Ehren des Kaisers in die Leopoldskirche umgewandelt. An die erste Besiedlung der Juden, die urkundlich im 10. Jahrhundert nachweisbar ist, gemahnen noch heute die Bezeichnungen Judengasse und vor allem der Judenplatz, wo jetzt im Hause Nr. 8 der Misrachi seine Büro- und Lehrräume für seine eigene Talmud- Thora iimehat. An den Judenplatz, die Wipplingerstrasse entlang, schlossen sich die Baulichkeiten der alten Judenstadt, die Synagoge — 1224 genannt — im Hause 7 bis 8, das Judentor. Gegenüber dem Misrachi. büro, im Hause Nr. 3, das „Zum grossen Jordan” benannt ist, befindet sich in halber Höhe ein gotisches Baurelief, das die Taufe Jesus im Jordan darstellen soll. Darunter tritt eine lateinische Inschrift plastisch hervor, die in dev UeberSetzung folgendermassen lautet: „So erhebt sich der Ingrimm wütend durch die ganze Stadt, 1421, und sühnt die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Die Welt ist gereinigt durch die Fluten und wird so wieder durch das wütende Feuer die Strafe büssen.” Früher soll auch eine deutsche Inschrift vorhanden gewesen sein, lautend: Anho 1421 wurden Juden hier verbrannt. Diese Skulptur verewigt die Austreibung der Juden vom Jahre 1421, die in die Geschichte als die sogenannte „Wiener Geserah” eingegangen ist, und bei der 212 Juden, die sich weigerten fortzugehen, zwar nicht hier, aber auf der Wiese bei Erdberg verbrannt 'wurden. Ein düsteres Blatt einer glorreichen Epoche stellt auch das Haus in der Schiffgasse Nr. 8 im 2. Bezirk dar, wo sich die berühmte „Schiff. schul” befand. Hier hatte die Opposition unter R. Salomon Spitzer gegen die sich ausbreitende Reform ihr Zentrum. Auf den Trümmern der glanzvollen Synagoge sprossen Bäume und Unkräuter, während im Vorderhaus auf dem oberen Stockwerk ein arirsekges „Stübel” von versunkener Pracht kündet. In dieser Gegend haust der Plebs., der seine antisemitischen Tendenzen, die itn modernen Wien irgendwie unter der Obern" che schlummern, offen zu Tage trägt. Sammlung von. Manuskripten Die Weh Albert- Dem Thema „Die Welt AL bert Schweizers” (anlässlich seines 85. Geburtstages.! hatte Prof. Ernst Simon seinen Vortrag gewidmet, der vor kurzem im überfüllten Saal des Bet Jisrael im Rahmen der Kulturarbeit der Ortsgruppe Tel Aviv des IOME stattfand. Er schilderte anhand einer Analyse der Werke Albert Schweitzers und aufgrund persönlichen Kontaktes mit dem grossen Den. ker und Menschen die Persönlichkeit Schweitzers und seinen Ruf, der an uns in dieser Zeit ergebt. Ernst Simon gliederte seinen Vortrag in die Abschnitte: Autobiographische Elemente, vor allem Jugend- Erlebnisse, die Schweitzers Persönlichkeit formten, sein wissenschaftliches Werk mit seinem organisierten Zentrum aus den verschiedenen Gebieten von Schweitzerts Forschung in Philosophie, Theologie, Psychiatrie und Musik . Wissenschaft und schliesslich sein praktisches Werk in seinen Triebkräften und Auswirkungen. Daran schloss sich die Fragestellung nach dem Sinn der Botschaft Albert Schweitzers an die Menschheit und vor allem an uns selbst. Es gelang Ernst Simon in jedem dieser architektonisch fein una scharf gegliederten Abschnitte seines Vortrages ein Bild zu geben, das nicht nur intellektuell befriedigte und in knappen Strichen den wesentlichen Gehalt der Fragesteluung umriss, sondern vor allem auch den atmosphärischen Hintergrund zu zeichnen, aus dem heraus Denken und Handeln Albert Schweitzers allein verständlich sind und der ihm seine einzigartige Stellung unter den lebenden Menschen unserer Zeit gibt. So schilderte Simon eine Reihe von Urerlebnissen des Kindes .Schweitzer, die sein Leben bestimmt haben: Die Scham, die innere Souveränität des Menschen, die Lehre von den Zirkurzgekommenen, die Möglichkeit wirklichen Mit-Leidens, seinen frühen Entschluss, fiir sein eigenes Glück dadurch zu zahlen, dass er etwas vom Leid der Welt auf sich nimmt. So entstand .ein Bild der Persönlichkeit Schweitzers in ihren Triebkräften, eines nicht simplen, aber einfachen Charakters, bis zu seinem Entschluss, im Alter von 30 Jahren vom Lernen zum Dienen überzugehen — einen Lebensabschnitt, für dessen Fixierung Simon ei- BeErkl^ chriätf1 MUSIK IN EUE!' OS AI! ES l der i Stellung, Der zwei träges schii tische Gedankt Dissertatioi aut seiae Arbeitsgeh jneinsantfi fragestelli le des Met ist, de' ce hat, sei zen nach oben zu »l Aehnlich den späte ssen War! auf dem G Kritik, wh) zu SpengJ« erkenn tnist simist in Jahren seiner he; stung, he der ^ebet liegt, wo „ethischen Hi.r eafei wohl das eigener. H winnt ein nicht allzu den Gedai jüdischen i Von dis: ging Prof Stellung i Werkes All ./♦»♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦♦♦»♦♦♦»»»»♦♦»»♦»♦i. \ TILA UND JOHN MONTES IN "LATIUM” Das Pianisten-Duo, das leider nur viel zu wenig an der Geffentlichkeit erscheint aber eine segensreiche pädagogische Tätigkeit entfaltet und eine ganze Pianisten- Generation, darurter so manchen Meisterschüler, herangebildet hat, spielte auf zwei Eli i geln im Rahmen von „Latium“ das berühmte Vivaldi-' Konzert in d-moll“ (nach der Orgelversion von Johann Seb. Bach), die gmoll-Sonatt No. 1 von Pasquini und Cie mentís bekannte Sonate b-dur. Luis Gianneo- “Preámbulo, Fuga y Epílogo sobre Bach“ (dem Ehepaar Montes gew:dmet), ancis Poulencs „Sonata“, die Rapsodia vienesa „Antigua Viena” von Castelnuovo - Tedesco und schliesslich die koboldhaften „Pupazzetti ‘ von Casella bildeten den zweiten Teil des Programms, dessen Interpreten durch ihr vorbildliches Zusammenspiel so vielen Applaus ernteten, dass sie sich zu mehreren Zugaben verstehen muss' m. keit — sein exzellentes Debut mac-.te. Sein gebotenes Repertoire gab einen Durchschnitt durch die Gesangsliter atur, und wir hörten grossartig wiedergegebene Werke von Händel, Mozart, Gustav Mahler ,(eiin tief empfundenes „Urlieht“ aus der 2. Symphonie, „Das Irdischleben“ aus des Knaben Wunderhom) und das berückend vorgetrager.e „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (sieben letzte Lieder), Pfitzner und Verdi (magistral w edergegebenes „Eri tu“ aus Maskenball). Im zweiten Teil der Spielfolge, die durch mancherlei Zugaben gewürzt wurde, sang Boatwright ,Don Quijote a Dulcinea“ von Ravel und We ke von Aaron Copland, Dello Joio. Carpenter und schliesslich eine Reihe von Negro Spirituals, Das leider nur ganz spärlich erschienene Auditorium zollte il m und seinem vollendeten Begleiter Alfredo Rossi sehr grosser, und herzlichen Beifall. Der Direktor des Instituts für hebräische Manuskripte im israelischen Erziehungsministerium, Dr. Nehemia Allony, weilte in London, um Fotokopien wichtiger Manuskripte zu sammeln. McHENRY BOATWRIGHT ist ein Neger-Bariton von aussergt wohnlicher Schönheit und Kultur seines Organs und Expression, der im Colon — leider nahezu unter Ausschluss der Oeffentlioh- Teatro Colón j l* Israel - Marken (b grösster Auswahl: u. «. VIERERBLOCKS — MARKEN MIT PLATTE» KUM¬ MER — MARKEN MIT BAND — KOMPLETTE BOGEN (planchas) - VOLL. STAENDIGE SAMMLUNGEN — WERTVOLLE AUSGABE« - ERSTE SERIE VORHANDEN — VERTRAUENSWUEHDIGE BERATUNG AJfonso MOKITZSON Guanacache 2351, dep. 2 •aq. C ABII. DO Hoy, martes 9, a las 18 horas Primera Funció n del Abono a 3 Vespertinas. Presentación del Ballet Hindú „Ranga-Sri‘, Jira Mundial, auspiciada por el Gobierno de la India. Ballet: ,,Rumal“, „Manjira", “Ramayana”. Conjunto Instrumental im inner: Afrika ii zeigt sich nicht als e sondern al Mensch, äs vor. einer lenkt werd seiner Selb ne Tat kt für all te che Wett Afrikas an zipiert er c Kollektivs Hände rei> che Schmie in der We empfunden PetsünliAf Kr hat c tiefe Erie Anfanges seine Kill iiung gai, fe dahia selbst Hä: Gerade jn "er Darrt, markante serer eige Juden in i Positiven Hervor, diesen rt mit de» Hass dg Schweif Mittel-st* ^'Ser Uc lerSrössfe liehe Be krgenng de kttfl Hindú. — Sobrantes Abono en Venta. Miércoles 10, a las 18 horas Segunda Función del Abono a 3 Vespertinas. Actuación del Ballet Hindú “Ranga- ■Sri”, Jira Mundial auspiciada por el Gobierno ide la India. Sobrantes de Abono en venta.; Kahfc : Vp ¡von* ■ che u Pr