Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1802 (9.8.1960)
- Date
- 1960-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9616703-9611224-9611745--0626-9611748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Año XXI. — No. 1802 — 3 9 de Agosto de Martes Oer Prozess gegen Eichmann Wenn man für einige Zeit die USA verlässt und den Kontakt mit bedeutenden israelischen Persönlichkeiten im Ausland aufnimmt, so erhält man einen besseren Ueberblick über die Gründe, warum der notorische Kriegsverbrecher Adolf Eiehmann nur in Israel abgeurteilt werden kann. Ich kann jetzt üarriber berichten, dasä^es in den USA einige jüdische Gruppen gab, die — wenn auch nicht öffentlich — stark darauf drängten, dass das Gericht über Eichmann nicht in Israel sondern in Westdeutschland abgehalten werden müsse. Im allgemeinen kann man feststellen, dass vier verschiedene Meinungen über diesen Fall von den Juden vertreten wurden. Manche jüdischen Führer hätten es, wie gesagt, vorgezogen, Eichmann vor ein deutsches Gericht gestellt zu sejien, andere, wie z.B. Dr. Goldmann, sind der Ansicht, Eichmann solle zwar in Israel doch unter Zuziehung ausländischer Richter prozessiert werden. Eine dritte Meinung geht dahin, dass der Fall einem internationalen Tribunal nach dem Vorbild des seinerzeitigen Nürnberger Gerichts unterbreitet werden müsse. Die meisten Juden allerdings wollen, dass der Prozess in Israel von israelischen Richtern geführt wer. den soll. Diejenigen, die für einen Prozess in Westdeutschland eintraten, argumentierten, er würde dazu dienen, die jungen Deutschen zu erziehen, die schon nichts mehr von den Naziverbrechen wissen. Sie verwiesen auch darauf. dass der Prozess auf diese Weise nicht nur grössere Aufmerksamkeit erregen sondern auch zur Entdeckung vieler anderer Nazis führen würde, welche sich bisher der Strafe entziehen konnten. Auch stehe zu erwarten, das:’ die deutschen Richter unter den Augen der ganzen Welt ein von BORIS SMOLAR nicht minder strenges Urteil als israelische Richter fällen würden, und so werde in Zukunft niemand mehr behaupten können, dass die Urteilsfällung mehr durch Rache als durch Gerechtigkeit begründet sei. Die Gegenargumente derer, die sich für einen israelischen Gerichtshof einsetzen, sind überzeugend genug. Es wird betont, dass die Deutsche Bundesregierung keinen Schritt unternommen hat, um die Aburteilung Adolf Eichmanns in Deutschland durchzusetzen. Ferner machen sie darauf aufmerksam, dass, sollte der Prozess selbst in Deutschland stattfinden, seine Vorbereitung Monate in Anspruch nehmen würde und die Gefahr bestünde, dass die in Deutschland vorhandene Untergrundbewegung Eichmann während dieser Zeit möglicherweise verschwinden lassen könnte. Selbst wenn man annehmen sollte, dass alles ohne Zwischenfall verläuft, so stellt sich die Frage, was geschieht wenn Eichmann zu lebenslänglicher Haft verurteilt wird. Solange Adenauer Bundeskanzler ist, würde das Urteil vielleicht nicht geändert werden, aber Adenauer ist ein alter Mann und sein Nachfolger ist möglicherweise nicht ein so entschiedener Nazigegner wie der jetzige Kanzler. Die negative Einstellung der Israelis gegen Richter aus dem Ausland hat ebenfalls überzeugende Momente. Sie führen an, dass man, wollte man ausländische Richter zur Teilnahme am Prozess aufford'ern, Richter aus den Ländern einladen müsste, in denen Eichmann seine Verbrechen begangen hat. Eis müsste also Richter aus Russland, Polen, Ungarn, Ostdeutschland und anderen kommunistischen Ländern sein. Zugleich müsste man auch Richter aus der Deutschen Bundesrepublik, Holland, Belgien, /Mueblh _ WaWuncuinj .. j* JETZT AUCH IN BELGRANO CABILDO 774 an der Fed. Lacroze im Zentrum: SARMIENTO 1147 Restaurant »Paso ” 1^3 1 Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-9259 Unter Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten AUTO - REPARATUR . WERKSTATT „BENO" BEÑO HUTSCHNECKER Awk. CONSTITUYENTES 4902 (Me T. E. St * 2B9S Frankreich, Skandinavien und anderen demokratischen Ländern einladen. Was würde dann geschehen? Der Eichmann-Prozess würde sich in einen „kalten Krieg” ver. wandeln, bei dem die Richter aus der Deutschen Volksrepublik die der Bundesrepublik beschuldigen würden, dass Westdeutschland noch heute viele Nazis beherbergt. Auf diesen Vorwurf würden die westdeutschen Richter nicht schweigen. Die sowjetischen Richter würden ihrerseits die Gerichtssitzungen dazu benutzen, antiwestliche Reden zu schwingen... etc. etc. Soll Israel sich dazu hergeben, zum Schauplatz für Iden kalten Krieg zwischen Ost und West zu werden?, so fragen diese Leute. Die israelische Regierung sagt hierzu „Nein”, und der gleichen Ansicht sind die meisten Israelis. Sie sind überzeugt, dass Eichmann von den israelischen Richtern nicht im Geiste jüdischer Revanche sondern im Geist der Gerechtigkeit abgeurteilt werden wird, für die die israelischen Gerichte mit Recht in der ganzen Welt bekannt sind. Was ein internationales Gericht angeht, so ist die einfache Antwort auf diesen Vorschlag, dass es ein solches Gericht nicht gibt, da das Nürnberger Gericht aufgelöst wurde und» anscheinend keine internationale Körperschaft sich die Mühe nehmen dürfte, einzig un^ allein für den Fai Eichmann einen derartigen Gerichtshof zu bilden. Delegierter aus Israel Jerusalem. — Jaakow Tsur, der Präsident des Ausschusses des Jüdischen Nationalfonds und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, wird sich in Kürze auf eine Lateinamerika-Reise begeben. Am 21. August wird er an der südamerikanischen Zionisten-Konferenz in Montevideo teilnehmen und danach zur Hundertjahr - Feier der jüdischen Kollektl. vität Argentiniens in Buenos Aires eintreffen (ITA) Delegierte zum Zionisten-Kongress Jerusalem. — Das Israël- Comité des Board of Deputies der englischen Judenheit hat einstimmig beschlossen, die Entsendung einer brüderlichen offiziellen Delegation zum 25. Zionistischen Weltkongress zu empfehlen. Damit ist eine wichtige Organisation der europäischen Juden zum ersten Mal dem Verschlag des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Na. chum Goldmann, gefolgt, als nicht zionistischer Verband ohne Stimmrecht an dem nächsten Zionistenkongress teilzunehmen. Der Vorschlag stellt einen Schliisselpunkt in der von Dr. Goldmann geplanten Erweiterung der Zionistischen Organisation dar. die durch Aufnahme von Vertretungen aller bedeutenden jüdischen Gemeinschaften in der Welt herbeigeführt werden soll. Resolution des PEN-Klubs In Sao Paulo wurde der 31. Internationale Kongress des PBN-Klubs abgehalten, der eine Protestresolution gegen die Unterdrückung des jüdischen Kulturlebens in Sowjetrussland annahm. Für diesen Beschluss stimmten 30 Länder, während sich sechs der Stimme enthielten (Polen, Japan, Ostdeutschland und Westdeutschland, Ungarn, Belgien und Siam). Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Der Weltkongress des Internationalen PEN-Klubs erhebt seine Stimme zum Protest gegen die Unterdrückung der jiddischen und hebräischen Kultur und Sprache im sowjetischen Staatsverband als einem Attentat auf die Freiheit und Selbständigkeit des Geistes, der in der Kultur nationaler Gruppen und Individuen seinen Ausdruck findet. Der Internationale PEN - Klub- Kongress ersucht daher die sowjetische Regierung, dass sie die zwar nicht öffentlich ausgesprochene, doch wohlbekannte Unterdrückung der jiddischen und hebräischen Sprache' und Kultur aufhebt.“ Die Resolution wurde von den Delegierten des Jüdischen PEN-Klubs unterbreitet. Die erste Abstimmung ergab ein Resultat von ,19 Jastimmen, 6 Neinstimmen bei 6 Stimmenthaltungen. Nach erfolgter Vorabstimmung erhob sich der Repräsentant Brasiliens in der UNESCO und griff die Länder an, die gegen den Beschluss stimmten. Er sagte, wenn vsie für Unterdrückung einer so reichen Kultur und Sprache einträten, wie es die jiddische und hebräische ist, so dürften sie nicht Mitglieder des PEN-Klubs sein. Am nächsten Morgen wurde endgültig über denResolutionsentwurf abgestimmt. Ein polnischer Schriftsteller erkläste, die jüdische Delegation habe keinerlei Beweise für die Unterdiüikkung und Verfolgung der jüdischen Kultur in Russland und für eine Verhaftung jüdischer Schriftsteller. Die jüdischen Delegierten verwiesen auf die Berichte internationaler Organisationen, die diese Tatsache bestätigen. Sie unterliessen es jedoch, die Namen der Verhafteten anzugeben, weil dies womöglich deren Lage verschlimmern könne. Der hebräische Dichter S. Schalom, der Israel vertritt, erhob einen scharfen Protest und referierte über die Unterdrückung der jiddischen Sprache und der Sprache der Propheten in Russland. Seine Rede hinterliess einen einen tiefen Eindruck. Danach erfolgte die Abstimmung, bei der 30 Länder für die Resolution stimmten, während sich die sechs vorgenannten Länder der Stimme enthielten. Keine einzige Hand vargte, sich dagegen zu erheben. Soweit der Bericht über die Tagung, die der PEN- Klub abgehalten. Die Unterdriickungs . Massnahmen der sowjetischen Regierung gegen die jüdischen Schriftsteller, gegen die jüdische Kultur und die hebräische Sprache beschäftigen seit Jahren alle jüdischen Kongresse und Organisationen sowie zahlreiche nichtjüdische Konferenzen und Institutionen. Die Sowjetunion hat ihre eigene Linie antijüdischer Politik, mit der sie versucht die Juden Russlands als Volksgruppe niederzuhalten, zu bekämpfen und — wenn möglich — zu beseitigen. Ihr wichtigstes Kampfmittel ist das Verbot der Verbreitung des jüdischen Wortes, sei es in jiddischer, sei es in hebräischer Sprache. Mit Mut und Entschiedenheit ist vor allem der Vertreter Israels bei der Konferenz in Sao Paoulo für die schliesslich angenommene Resolution eingetreten. Dass die Repräsentanten der zum Ostblock gehörenden Länder keiner Resolution zustimmen wollten, die gegen die Sowjetunion gerichtet ist, wird man bei der herrschenden politischen Lage verstehen. Man muss befriedigt feststellen, dass diese Länder, unter ihnen Polen, Ungarn und Ostdeutschland, die Zivilcourage aufbrachten, sich der Stimme zu enthalten. Umso enttäuschender ist die Haltung der Bundesrepublik, die sich in dieselbe Reihe wie Polen, Ungarn und Ostdeutschland gestellt und einer Resolution dic- Stimme versagt hat, die der Freiheit des Denkens, der Schrift und des Wortes dien, te. Sicherlich ist auch .die Position Belgiens befremdend, wodurch aber keinesfalls die Stimmenthaltung Westdeutschlands verständlicher wird. Man braucht hierin durchaus keinen antisemitischen Ausdruck zu erkennen, aber ein Affront gegen die Freiheit ist es ohne Zweifel. Frachter vom Stapel gelassen Hamburg. — Das elfte Frachtschiff, das im Rahmen der Wiedergutmachungs . Lieferungen der Deutschen Bundesrepublik an Isra.x auf der Deutschen Werft in Hamburg für die Schiffahrtsgesellschaft „ZIM“ gebaut wurde, ist kürzlich vom Stapel gelaufen. Das Schiff, das den Namen „Massada“ erhielt, wurde von. Frau Lea Pincus, der Witwe des ehemaligen israelischen" Verkehrsministers, getauft. (AWZ). ’’ CARLTON- KLEIDUNG ein Begriff für Qualität und Eleganz Für diese Behauptung liefern wir füglich Beweise Carltoh-Kleidung — fertig oder nach Mass zu vernünftigen Preisen 'CatsJMvn MAIPU 484, 1. St. MAIPU 9 8 2 Tel. prov, 31-0357! Dr. Hardi Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—18 Uhr Dr. Günter Frey Asuntos Argentinos y Sudamericanos TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN BUEROZEIT: 10-12 «nd 15-18 Uhr í í í i i i t i i i $ i I í PU15YRREDON 219« esq. Av. I.AS I1ERAS — T E 8:! •'lil i í _ « t $ $ t i i $ i * t