Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1800 (2.8.1960)
- Date
- 1960-08-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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ISRAELS PHUhARMONIE - ORCHESTER Die Mitglieder des Orchesters standen applaudierend auf. die Geigenspieler hielten ihren Bogen in unisono und grössten den französischen Dirigenten, Paul Paray. . ich kenne Ihre Qualitäten, ich kann von Ihnen unmögliche Dinge erreichen... die Disziplin de/ Durchführung — mit Ihnen ist es möglich...” Und so sprach Paray abwechselnd französisch und englisch, während er die Probe für das Abendkonzert mit Voll-, dampf leitete. Dieses Konzert fand unter Teilnahme einer anderen musikalischen Berühnr.heit aus dem Ausland statt, dem Violinisten Nathan Milstein. BERUEHMTE NAMEN Die Konstellation fremder Künstler erhellt die Geschichte des Orchesters seit 1938, als Toscanini eingeladen wurde, das Eröffnungskonzert zu dirigieren. Von den Mitgliedern des Orchesters bis zu der langen Liste vor Gastdirigenten und Künstlern (Heifetz, Menuhin, Stern, Piatigorsky, Rubinstein, Serkin. Peerce, ToureL, Francescatti. Arrau, Firkustiy, Tortelier, Primrose, Fourier, Fricsay, Molinari, Munch, Rankl, Malko, Koussevitzky, Solomon, Dohrowen, Weingartner, Szenkac, Steinberg, Busch, Markevitch, Sargent, Martinon, Fournet, Gould, London, Corena, Moisevitch, Leinsdorf, Mitropoulos, Bernstein, Ormandy, Giulini, Milstein) besteht vielleicht kein Orchester aus Mitgliedern so vieler Nationen und so vieler Sprachen. Gleichzeitig ist das Israel- Orchester eine einheimische Schöpfung, die in erster Linie durch einen politisch eingestellten Musiker, Bronislaw Huberman, in^ Leben gerufen wurde, der dem Hitler-Regime mit Besorgnis, aber nicht mit besiegtem Geist entgegensah. Er hat in den dreissiger Jahren in Palästina gespielt und die Passion der Zuhörer für Musik erkannt; er erfasste auch die Situation jüdischer Musiker, die aus ihren Orchester-Stellungen in Europa entlassen wurden, und so sah er einen ideologischen Nutzen darin, ein jüdisches Orchester auf palästinensischem Boden zu gründen. Wenn ein Mann wie Hubeiman das Podium betrat, so wirkte er genau so wie Herzt von GILBERTE ALTBAUER auf einer politischen Platt form. Wahrend der ganzen Zeit seines Bestehens bat das Orchester die Spannungen und politischen Stürme widergespiegelt, die über den Erdball gingen. Zunächst waren bei Gründung in den dreissiger Jahren die arabischen Unruhen; dann kam die Zeit des zweiten Weltkrieges und schliesslich die Periode vor und nach Israels Befreiungskrieg. AUFGABEN WAEHREND DES KRIEGES Kaum hatte das Orchester bei der Feier der Unabhängigkeits-Erklärung im Jahre 1948 die Nationalhymne gespielt, als die Kriegstrompete ertönte. Aus dem in der Hand der Araber befindlichen Jaffa bei Tel Aviv kamen Schüsse, begleitet von Luftangriffen und Verdunkelungsbefehl. Die Verbindungen mit Jerusalem waren abgebrochen. All dies tat dem Willen und der Fähigkeit des Orchesters, Vorstellungen zu geben, keinen Abbruch. Anscheinend sah auch die Regierung die Wichtigkeit der Musik für die Aufrechterhaltung der nationalen Moral ein, denn sie schickte Musiker nicht an die Front. Es gab zahlreiche Sonderkonzerte in den Armeelagern und in Mi. litär - Krankenhäusern, die mit grösster Hingabe durchgeführt wurden. Sooald der Burma-Weg Tel Aviv mit dem belagerten Jerusalem verband, kamen die Musiker in Panzerwagen in achtstündiger Fahrt über den rauhen und improvisierten Weg nach Jerusalem und verpackten die Instrumente in besonders dafür angefertigten Holzkistcn. Einmal, als sie von Haifa nach Tel Aviv zurückfuhren, hagelten Kugeln, und die Musiker mussten aus den Wagen flüchten und sich in einen Graben ■werfen, bis das Feuer aufhörte. Die Konzertbesucher strömten veiter in di= Säle, und der stürmische Applaus und der grosse Enthusiasmus, der sowohl Orchester wie Zuhörerschaft erfasste, machen die Konzerte zu einem unvergesslichen Ereignis. GESELLSCHAFTLICHES EREIGNIS Es ist keine Uebertreibung, wenn man sagt, dass MAIMONIOES ry- 11Jf - «>««* IjnJitAMMKh i 650.— VERLAG OMEGA. BUENOS AIRES QURRUCHAGA 2186 — T. E. 71-6706 Xu beziehdurch alle einschlägigen Buchhandlungen und durch die JUXD1SCHE WOCHENSCHAU PVETRREDON 11N 1* — T. E. tt-Mlt die Konzerte in der Saison von Oktober bis Juli das grösste kulturelle und gesellschaftliche Ereignis im Lande bilden. Ein Beweis dafür sind die über 22.008 Abonnenten. Konzert-Abonnements sind kostbares Erbgut, das von einer Generation auf die nächste übergeht; teilweise ist es dem im Oktober 1957 eröffnelen Mann . Auditorium in Tel Aviv zu danken, das 3.000 Plätze fasst, dass immer weniger Abonnementsbewerber abgewiesen werden müssen. Trotzdem ist ihre Anzahl noch erheblich, und es wurde deshalb eine Volksabonnementserie ausgegeben, um die regulären Abonnementsserien zu ergänzen. Für das Orchester, das auch in Jerusalem und Haifa spielt, bedeutet dies etwa neun Konzerte in zwei Wochen, Opernaufführungen mit all dem dazu gehörigen Glanz von „Falstaff’ und „Figaros Hochzeit” unter dem Dirigenten Carlo Maria Giulini zogen in dieser Saison grosse Zuhörermengen an. Eie dritte begehrte Opernaufführung ist “La Forza del Destino” in dieser Saison mit einer newyorker Rollenbesetzung, die Erich . Leinsdorf dirigiert, mit Richard Tucker als Tenor. — Da die Opern bisher nur in Tel Aviv aufgeführt werden, gehen spezielle Busse von Haifa und Jerusalem für die Besucher dieser Vorstellungen nach. Tel Aviv. Auch Nachmittags-Jugend- Konzerte mit Israel-Komponisten finden statt. Einmal im Monat spielt das Philharmonische Orchester für die Armee; ausserdem gibt es Aufführungen während der Sommersaison in landwirtschaftlichen Siedlungen im Freien. Ein anderes „Extra”-Konzert wurde vor kurzem unter freiem Himjnel in Elat auf Anregung von Isaak Stern veranstaltet, das von 2.000 Menschen besucht war. Dass man Musik nach dem kulturhungernden südlichen Punkt brachte, ist dem Verteidigungsministerium und der Stadtverwaltung von Elat zu danken, auf deren Kosten die Musiker dorthin flogen. Ein Ereignis bildete auch das Konzert in Beer Schewa mit Leonard Bernstein, das für die Armee gegeben wurde. Das IPO war niemals e;a sehr kleines Unternehmen. Von Anfang an zählte das Ensemble 72 Mitglieder, die aus 14 verschiedenen Ländem kamen. Zur Zeit gehören ihm 102 Instrumentalisteu au, vou denen viele in Israel geboren sind und israelische Musikakademien besucht haben. Ebenso kann man Namen ven israelischen Pianisten, Regisseuren und Komponisten wie Penina Salzman, David Barenboim, Ronit Amir, Sigi Weissenberg, George Singer, Michael Taube, Yahli Wagman, Joseph Kaminski, Oedeon Partos, Menahem Avidom, Paul Ben-Haim und Marc Lavry auf Konzerlprogrammen und Ankündigungen zusammen mit berühmten ausländischen Namen finden. TOURNEEN DURCH AMERIKA UND ASIEN Heute reicht der Ruhm des Orchesters über aile Koniinente, denn wenn es nicht unterwegs Konzerte gibt und nicht ir. Vorstellungen zu hörei. ist, kann es auf den „Columbia H.M.V.”- Platten und bei Dekka unter den Dirigenten Paul Kletzki, Joseph Krips, Rafael Kubelik, George Solti etc. gehört werden. 1951 machte das Orchester eine Tournee von Küste zu Küste uurch die Vereinigten Staaten, und vier Jahre später eine Tournee durch Europa, wo es in 40 verschiedenen Städten spielte. Jetzt will das Orchester im Oktober nochmals eine Tournee durch die Vereinigten Staaten unter den Auspizien der America - Israel CuRural Foundation unternehmen. Unter Organisierung durch Sol Hi rok wird das Orchester in Washington, Hartford, Boston, Rochester, Detroit, Kansas City, Houston, Minneapolis usw. unter dem Stab von Krips und Ormandy zu hören sein. Es will die Tournee mit einer Wohltätigkeits . Veranstaltung in den Madison Square Gardens in New York am 29. November abschlressen. Auf der Rückreise wird das Orchester in Indien, Manila, Japan unter dem Protektorat des Aussenministeriums Konzerte geben. Als ein Werkzeug des guten Willens, als ein bevorzugter Exportartikel — und man wird erinnert an Russlands Bolshoi-Ballett, Frankreichs Comédie Française, Amerikas’ Porgy and Bess- Truppe — bildet das israelische philharmonische Orchester nach den Worten eines früheren USA . Diplomaten einen überzeugenderen Faktor als jeglicher Repräsentant der Regierung, denn es erwirbt Prestige für sich und das von ihm vertretene Land. ISRAEL - BRIEFMARKEN AN WIEDER VERKAEUFER — ALLE NEU AUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS ( Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel, VIAMONTE 550, I/B — Bumos Aire«, Rep Argentina LU ACH (Ktleader] Dienstag, den 2. August 9. Aw Tisch’a b’Aw Mittwoch, den 3. August 10. Aw Donnerstag, den 4. August 11. Aw Freitag, den 5. August 12. Aw Sonnabend, den 6. August 13. Aw Schabbat WA’ETCHANAN Haftara: Yeschayahu XL 1 — 26 Sonntag, den 7. August 14. Aw Montag, den 8. August 15. Aw Dienstag, den 9, August 16. Aw Mittwoch, den 10. August 17. Aw LITERATUR! Geschichte der ft'i"1 Der berühmte alte jüdische Friedhof in Fürth gibt in ganz unvergleichlicher Weise von den geschichtlichen Erinnerungen der Jüdischen Gemeinde in Fürth Kunde. Zahllose berühmte Geschlechter haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Hier ruhen ans vielen Jahrhunderten Männer und Frauen, die der Stadt Fürth Ruhm und Ansehen verliehen haben. Durch mehr als vier Jahrhunderte floss hier der Strom ihres individuellen Lebens. Die in der Ge. schichte der Juden in Bayern so bekannten Vertreibungen fanden hier wunderbarerweise — bis auf die Wunden des dreissigjährigen Krieges und der Verbrechen des 3. Reiches — keinen Einzug. Fürth war die Muttergemeinde Bayerns in geschichtlich schwerer Zeit, ein „Ir weam beisrael.“ Am Ende des 18. Jahrhunderts ist Fürth die gefeierte Stätte des Talmudstudiums, zu der die jüdische Jugend hinstrebt. Neben Hamburg und Frankfurt/Main birgt Fürth eine bedeutende talmudische Lehrstätte. Inmitten jener Epoche, die den Juden von 1500 bis 1550 aus ganz Bayern vertrieb, entsteht in Fiirth in allmählichem Wachstum eine jüdische Gemeinde, die, von starken Traditionen getragen und zusammen gehalten, zu hoher Blüte gelangt und auch die Entwick’jng ter Stadt selbst ausserordentlich befruchtet. Die Stadt Nürnberg, die d.'e Juden im Jahre 1499 vertrieben hatte, verliert an Bedeutung und übergibt schliesslich die Führung Fürth. Die Familienzahl ist in Fürth nich. beschränkt, ein Hindernis seitens des Staates gibt es nicht. Das berühmte „Tekunoth Büchlein“ d ir Gemeinde Fürth von 1728, das Rabbiner Kurt Wilhelm nicht nach dem jiddisch-deutschen Original „Takanot Fürda“, sondern nach der interessanten Ausgabe von Andreas Würfel aus dem Jahre 1754 ausgewählt hat, die Fürther Minhag . Bücher und die dompröbstlic -bambergischen Juden - Reglements geben Aufschluss über die internen Zustände irder Fürther Gemeinde, die im 17. und 18. Jahrhundert eine so grosse Rolle spielten. Wie es für die Gemeinden Spe>er, Worms, Mainz oder die Gemeinden Hamburg-Altona, Wandsbeck oder in Bayern fiir die vier berühmten Gemeinden Otensoos, Schnaitach, Forth, Hüttenbach eine gemeinsame Jurisdiktion mit einem rabbinischen Oberhaupt mit weitgehender Eigengerichtsbarkeit Tab, so galt das gleiche für Furch. Den Rivalitäten und Streitigkeiten der markgräflL chen, dompröbstlichen und reichsstädtischen Obrigkeiten in Ansbach, Nürnberg verdankte die Fürther Gemeinde nach der Vertreibung der Juden aus Nürnberg ihren Aufstieg und ihre Blüte seit ihrer ersten Zulassung durch den Markgrafen von Ansbach im Jahre 1528. In diesem Jahre erwirkte Männel (Mendel), Sohn des Weinschenken Symelin aus tMmberg, wm Haus Branvtm Dipl.-Ing. Stefan Sd10**' Si denburg-Ansbach die Erlaubnis, sich in Fürth nie. derzulassen, und so könnte W des man die Gemeinde Fürth als die Fortsetzung der alten Gemeinde Nürnberg betrachte«. Natürlich musste dep Kan •echtig' mit i in Baf““ in Fu yerfa jitäcd« ' Si besassen ' und« „ld durfte» Ortsb’ in d die fürstliche Gnade Geld erkauft werden. Unzählige Geldopicr und Abgaben der Juden in Fürth haben dazu beitragen miis. sen, „die fürstliche I aur.e immer aufr; chtzuerhalten“. Bereits im Jahre 1617 wurde in Fürth die Haup synrgoge eingeweiht und im Jahre ¡ö 1692 einer Umgestaltung unterzogen. Die Gemeinde Fürth w:.r bereits am Ende des 17. Jahrhunderts von 21 Familien im Jahre 1601 auf 150 Familien argsstiegen. Einen weiteren Zuwachs, vor allem an hervorragenden Fer- P®* sönlichkeiien, erfuhr die ‘a*e1, aufblühende Gemeinde um das Jahr 1670 als ein Teil der wiener Exulanten in Fürth ein Heim fand, so , dass sich auch der Reichtum der Gemeinde mehrte, l*™1 Hier ist die hervorragende ®eM ^J11 Persönlichkeit des R. Bär Frankel zu nennen. Er iosira ‘ stiftete die Klaus-Synagoge ^e” Deputierte Oaneindeverwa Sie to og i® rtchtsachen w venralh»! » und ¿ie ‘ Polizeiute ® >eo Ungehorsa ckriitli ie 0 jie Religio® ¿is Recht der Sie w1 durch einen in Fürth, die er wertvoll während di< ausstattete. Berühmt wurde Namen des II das wieder Memor-Buch, Ganz besor das er mach Fiirth mitdie weitbek brachte -und hier weitergeschule gesorj führt hat. Die Eintragungelehrte von gen in Wien datieren von ich eine E 1633—1679, und in Fiirth Oberrabbina' wurden sie von 1691 bis 1921 zu erhalten, weitergeführt. Lüning des Die Memorbvioher der Altbunden war schul, der Neuschul, der derlith, da Waisen schul und der Manndem gar.-ec heimcrsrhul ergänzten sich weither na< und waren ein aufschluss. um hier a reiches und unschätzbares Talmud-Au Materiad zur Familiengeballen, um schichte Fürths. Sorge für Die Juden :n Fiirth besasder Schule sen Privilegien, die im 17. sten Aufga und 18. Jahrhundert in an. Juden zäh deren Teilen des Bayeri- Hau gereg sehen Staate unbekannt Dr, Beh w~ren, und sie kämpften re 1323 a auch um ihre BeibehaFung, Fiirth ber weil sie weitgehender und schrieb besser waren selbst dann, Einordnui als Edikte zur Besserung sen: 78 s< der Lage der Juden in gewählt Bayern nach vielen und Häusern langjährigen Bemühungen, dem Rec zu denen Fürth auch einen von vie angesehenen Beitrag beifreie Ve steuerte, erlassen werden re best sollten. erhieltet Es war Henle Elkan aus Semeste Fürth, der als erster in Bagung w yern eine Broschüre über diger S die Emanzipatiotnsfrage im war sei Jahre 1811 veröffentlichte: traten < „Ueber Verfassung der Julenkassi den in Königreich Baiern Selbst und die Verbesserung dermussten selben zum Nutzen des grenzter Staates“, die jr dem Mini. Werden, ster Graf Montgelas wid- Schüler mete, wo er als aufgeklärter bräl^ Jude die Verhältnisse der gründet. Juden im apologetischen Sinne sowohl nach der reliein giösen wie auch nach der einzige A politischen Seite zu beleuch- Bayeni ten versuchte. {Siehe; Rabb, sö scj,uf Dr. Eckstein über die Emangenartiges zipation auf Grund der Akinteressan ten der Fürther Gemeintiefg^j» de). tüsches q In dem 50jährigen Kampf gegen das sogenannte Matribringend kelgesetr, der noch heute in 3 ö der Perspektive imponie- ® ALT rend wirkt, Ährte und r‘EDho zeichnete sich die Gemeind« Atu ga Fürth besonders aus. Be- Aitst^t kennt und unvergessen sind