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Jüdische Wochenschau · 1960-07-26 · 1798 (26.7.1960) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
21 (1960)
Issue
1798 (26.7.1960)
Date
1960-07-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Einst eine blühende Gemeinde LITERATUR Der Dänenkönig Christian IV. '1588/1648* gründete aus wirts-hafls-polii-schen. Erwägungen im Jahre MM7 unweit Hamburg eine Stadt und gab ihr den bezieh un gsreiehen Namen Glückstadt. Der geschäftstüchtige Herrscher 'beabsichtigte nicht mehr und nicht weniger, als den Handelsvei rehr von Hamburg wegzuziehen und ihn in dänisches Gebiet zu lenken. von Dr. S. BRAUN Freilich, mit der Errichtung von Häusern und Befestigungswerken war es nicht getan; es mussten auch Menschen gewonnen werden, welche die Stadt bevölkerten und die Gewähr dafür boten, dass wirklich besonders Erspriessliehes auf dem Feld von Handel und Gewerbe geleistet werde. Dem König war die Niederlassung von „Portugiesen“ — so nannte er die Marranen — in Hamburg und Amsterdam wohlbekannt. Mit einer Reih» tüchtiger Fi-ianziers und Kaufleute stand er längst in Verbindung. Es lag nichts näher, als die ihm geeignet erscheinenden Sepharden einzuladen, die neue Stadt «1 besuchen und sich dauernd darin niederzulassen. Seine Bemühungen hatten Erfolg; bereits zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten übersiedelte eine Anzahl Hamburger „Portugiesen“ nach Gliicksstadt. Einer von ihnen errichtete eine Zukkerraffinerie, eine Oelmühle und eine Seifenfabrik; ein zweiter eine Salzsiederei und eine Gerberei. Andere Wieder befassten sich mit Schiffahrt und den dazu gehörigen Nebenaweigen. Kriegerische Verwicklungen und der Ausbruch der Pestkrankheit führten zu einem Stillstand, ja zu elftem Rückschritt ir der Entfaltung des jungen Stadt- Wesens. Erst im Jahre 1630 ging es wieder aufwärts. Christian IV. bot den Sepharden besonders weitgehende Privilegien an, wenn eie Bürger der Stadt wur. jlen. Sie durfter Häuser hauen und Böden erwerben auch war ihnen jede gewerbliche Betätigung im Bereich Dänemarks gestat- Bt. Weitgehende Autonomie Erlaubte es der Gemeinde, ire kultischen und allgemeinen religiösen Einrichtungen ohne Einmischung der Behörden zu ordnen. Ausser einer Synagoge und einer Schule verfügte sie über einen Friedhof vor den Toren der Stadt. Eine eigene Druckerei versorgte die Sepharden mit hebräischen Büchern. 25 Jahre lang blieb die Gemeinde von allen Steuern und Abgaben befreit, und lediglich Zollgebühren waren zu entrichten. Niemand wurde gezwungen, Christ zu werden; die Taufe war nur jenen gestattet, weiche das 15. Lebensjahr erreicht und mindestens 40 Tage lang den Uebertritt überlegt hatten. Es ist bemerkenswert, dass all diese Vergünstigungen lediglich für die „Portugiesen“ galten und nicht auch für „hochdeutsche“ d. h. aschkenasische Juden. Sie waren lange Zeit hindurch „unerwünscht“. In Parenthese sei bemerkt, dass nicht nur Juden das Verbot der Niederlassung traf, sondern auch Protestanten. Sie waren z. B. in Köln zu bestimmten Zeiten nicht zugelassen, und ebenso ab 1780 nicht in Aachen. Die Privilegien waren verlockend genug, und es liess sich wirklich eine Reihe von Juden in Glückstadt nieder, unter ihnen namentlich Vermittler aller Art. Gabriel Gomez z. B. kam als „Zolltaxadeur, Finanzkommissar, Hofprovisor und Generalfaktor“. Hinter diesen anspruchsvollen Titeln verbarg sich nichts anderes als jener, der uns aus der Geschichte der in deutschen Landen tätigen Hoffaktoren vertraut ist. Gomez zog eine Reihe Verwandter nach Glückstadt. Er selber hatte anfangs wenig Erfolg in seinem Beruf. Nicht, weil er untüchtig gewesen wäre, sondern infolge politischer Wirren, in die der Dänenkönig verwickelt war. G6mez veriiess denn auch Glückstadt und kehrte nach Hamburg zurück. Von hier aus diente er d i Nachfolger Christians IV., Friedrich III. als Hoflieferant. Bemerkenswert ist die Liste der Waren, die Gomez dem König zu beschaffen hatte: Juwelen, Perlen, Silbergeschirr, Stoffe für Livreen, MAIMONIDES i tinJSsdenfcbaicb » &5C.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA »8» — T. E. 714788 Xu beziehen durch alle einschlägigen Buch. headlungrti uad durch che JUEDISCiOC WOCHENSCHAU FVEYIWEDOIV 8188 I* — T. E. 88-18(8 Papier, Bücher, Zucker, Gewürze, Konfitüren, Wein, alte Münzen, Medaillen, Raritäten aller Art, Waffen und Pulver. Daneben beförderte Gomez die königliche und Hofpost und befasste sich mit Wechselgeschäften. Der Ausbruch der Pest im Jahre 1676 bewog ihn, wieder nach Glückstadt umzu. ziehen. Dort verstarb er als ein wohlhabe ider Mann im Jahre 1680 Eine andere bekannte Persönlichkeit aus Glück- Stadt ist Gabriel Milan. Auch er war eine Art Hofagent, dem freilich nicht zu allen Zeiten das Glück hold gewesen. Er erlebte es, dass ihm die Mittel in Ueberfluss zuströmten, aber auch, dass eine völlige Verarmung ihn der Verzweiflung nahe brachte. Abenteuerlich und am Ende tragisch wurde sein Leben, als ihn der König zum Gouverneur der dänischen Antillcninsel St. Thomas ernannte. Die kleine Insel hat — das sei hier angemerkt — ei*1® trübe Rolle in der Geschichte der Mar. ranen gespielt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts liess der König Joao II. von Portugal alle Kinder der Marranen im Alter von drei bis zehn Jahren gew.ü^am den Eltern wegnehmen und sie auf San Thomas verschlep. pen, (wo im Jahre 1830 der von Marranen abstammerde Maler Camille Pissarro geboren ist) — Gabriel Milan wurde wegen seines strengen Regimes und infolge übler Unregelmässigkeiten in seiner Verwaltung abgesetzt und vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Nicht nur als Faktor mit weltweiten Verbindungen, sondern auch als Arzt und Gelehrter, erfreute sich Dr. Mussaphia, Milans Schwiegervater, hohen , Ansehens bei Hofe. Er lebte freilich nur wenige Jahre in Glückstadt, wanderte dann nach Hamburg und weiter nach Amsterdam. Vermutlich hat es kein anderer ihm gleichgetan in der Beschaffung wichtiger Informationen aus ■len Ländern dieser Erde. Sie waren sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur. Durch seine Vermittlung entwickelte sich ein lebhafter Warenverkehr nach Dänemark hin. So brachte ein Schiff aus Ostindien u.a. folgende Dinge: Lacke, Borax, Salpeter, Pfeffer, Ingwer, Safran, Nelken, Aloe,Chinaholz, Kokosnüsse, Galläpfel, Bisman, Weihrauch, Ambra, exotische Gewänder, Kämme, Tapeten, Porzellan, Hausgeräte und Edelsteine; Wüssten wm nichts von einer jüdischen Gemeinde in Glückstadt, so erführen wir es durch einen Beinamen, den sich sephardische Bürger der Stadt beilegten. Es waren die Henriques aus Portugal, deren erster namens Rüben mit seinem Bruder Josua 1646 in Gliickstadt Bürger wurde. Rubens Sohn Michel legte sich den Beinamen Glückstadt zu und ist unter dem Namen Rüben Glückstadt bekanntgeworden. Daneben nannte er sich auch Rüben Portugies und Rüben Henrichs. Durch die Uebertragung des mecklenburgischen Tabakmonopols gelangte er' zu grossem Reichtum und Ansehen. Die Nachkommen finden wir als Agenten am mecklenburgischen Hof in Schwerin. Sie nahmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Zulegung eines Familiennamens gesetzliche Pflicht wurde, den Namen Hinrichsen an. Ihn trugen bis in unsere Zeit hinein jüdische und nichtjüdische Nachkommen sowohl in Deutschlands Norden als nucl in Dänemark und Schweden. Doch kehren wir zur Geschichte der Sephardengemeinde in Glückstadt zurück. Die weitgehenden Privilegien verhalten der Stadt nicht dazu, dauernd Juden in ihren Mauern festzuhalten. Es war der Wirkungsbereich doch zu enge im Vergleich zu den grösseren Zentren Hamburg, Antwerpen. So ergab es sich, dass am Ende Glückstadt nur noch zu einem vorläufigen Asyl von Juden wurde. Sobald sich eine günstige Gelegenheit zeigte, übersiedelten sie in eine der hier genannten Städte. Zu Beginn der 90-er Jahre des 17. Jahrhunderts gab es nur noch zwei oder drei „Portugiesen“, die für die Dauer in Glückstadt wohnten. Da war es denn auch, dass sich der Magistrat geneigt zeigte, endlich auch aschkenasische Familier aufzunehmen, allerdings mit minderen Rechten ousgestattet als die Sepharden. Es fiel ihnen schwer, sich in das von ihnen geformte jüdische Leben einzufügen. Konflikte brachen aus, weil der Gottesdienst „nach teutscher Manier“ abgehalten werden sollte. Erst allmählich trat Friede ein. Er brachte eine Annäherung innerhalb des kaum mehr als ein Minjan zählenden Kreises zustande. nicht nur in geschäftlichen Angelegenheiten, sondern auch im gesellschaftlichen Leben. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts spielte ein angesehener aschkenasischer Kaufmann namens Joseph Wessely eine nicht unwichtige Rolle in der Gemeinde. Er empfahl dem Magistrat, mehr „hochdeutsche“ Juden zuzulassen, da sich unter ihnen honorige und tüchtige Die Münze als 1 Das Landesrr.useum in Tel Aviv zeigt gegenwärtig eine schöne Ausstellung seltener antiker Münzen. Diese Schau ist die Vorhut des Pavillons für Numismatik. der im April nächsten Jahres eröffnet werden soll. Er vird der zweite von vierzehn Pavillons sein, die im Rahmen des Landesmuseums zu errichten beabsichtigt ist. Es sind hier 132 Münzen zu sehen, die ihrer besonderen Schönheit wegen aus den Sammlungen des Herrn Dr. Walter Mose* und des Herrn Dr. Leo Kadmon ausgewählt wurden, die diese dem Museum schenkten. Eine Münze ist wie viele an. dere Dinge ein Symbol der Zeit, in der sie geprägt wurde, besonders aber ein Spiegel des künstlerischen Niveaus jener Epoche. Bekanntlich schwankt die technische Ausführung stark zwischen den einzelnen Zeitaltern. Die Münzprägung blühte in hellenistischen Zeiten, in den friedlichen Tagen Griechenlands nach dem Sieg über die Perser Damals war die Ausführung sehr sorgfältig; die Zeichnung war klar und fein ISRAEL - BRIEFMARKEN AH WIEDER VERKAEUFER — ALLE NEU AUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel, VIAMONTE 550, I/B — Buenos Aires, Rep Argentina WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE DER JUEDISCHEN JAHRE 5720/21 Montag, den l. August Erew Tischa b’Aw Dienstag, den 2. August Tischa b’Aw Mittwoch, den 21. September Erew Rosch Haschono 5721 Donnerstag, den 22. September Rosch Haschono 5721 Freitag, den 23. September 2. Tag Rosch Haschono Sonnabend, den 24. September Scbabat Schuwoh Sonntag, den 25. September Zorn Gedaljah Freitag, den 30. September Sonnabend, den 1. Oktober Mittwoch, den 5. Oktober Donnerstag, den 6. Oktober Freilag, den 7. Oktober Sonnabend, den 8. Oktober Mittwoch, den 12. Oktober Donnerstag, den 13. Oktober Freitag, den 14. Oktober Erew Jom Kipur Jom Kipur Erew Sukot 1. Tag Sukot 2. Tag Sukot 1. Tag Chol Hamoed Hoschano Rabo Schcmini Azeret Simchat Tora von hannah P£T0 und erzielte einer reizvollen kameenartigen Effekt. Die in der Ausstellung gezei jteai Münzen umfassen griechische, römische, phönizische und auch jüdische Stücke; sie machen etwa fünf Prozent der gesamten Schätze des Museums aus. Doch selbst im künftigen Museum werden nur etwa zwanzig Prozent ausgestellt werden können. comf1 legt Sc! üngwai«1 * S» W musst®’ jjjPKOMMEI DAS NEUE MUSEUM p¡e erstem bekannten « wahrscbeinlic dia ia H*®3 Goldvorkomn Linde, £«* im l Jahri« erschien*11 der grieebisc Aegina. Der Männer befinden, welche der Stadt nur nützlich sein könnten. Die Bemühungen blieben ohne Erfolg. Selbst Wessely zog ab. Am Ende waren nur noch eine Handvoll „armer deutscher Juden“ — wie sich ein Historiker ausdrückt — vorhanden. Ab 1732 wurden die Privilegien nicht mehr erneuert. Das Ende der Portugiesengemeinde war gekommen. Im Jahre 1925 zählte Glückstadt bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwa 7000 Seelen noch sechs Juden. Lange vorher, im Jahre 1895, liess der Magistrat die Synagoge abbrechen und den Erlös aus den Ueberresten zur Errichtung einer Friedhofsmauer verwenden. Die Stdhau enthält ebenfalls das Modell des neuen Pavillons. Der Entwurf stammt von den Architekten Witkower und Baumann. Der Bau wurde durch die Stiftung von 60.000 IL durch die Familie von Dr. Kadmon ermöglicht. Zu dieser Summe fügte die Stadtverwaltung von Tel Aviv einen weiteren Betrag hinzu. Das Gebäude wird in Form eines Pavillons erstehen, ähnlich wie das bereits auf diesem Gelände existierende Museum für antikes Glas. Er wird in keiner Weise dem üblichen Museumsstyl gleichen, in dem man von Raum eu Raum wandert, wod reh der Besucher unnötig ermüdet und die Wirksamkeit des wertvollen Materials abgeschwächt wird. Der Münsenpavillon wird einzelne Glaskästen haben, die frei im Raum stehen und drehbar sind, sodass die Stücke mit Leichtigkeit von allen Seiten betrachtet werden können. Jeder Münze wird eine vergrösserte Fotografie zum genaueren Studium be-gegeben sein. Das Spiegelsystem sol1 hier keine Verwendung finden, denn die Erbauer sind der Meinung, dass die Deutlichkeit der Münzen durch verzerrte Spiegelungen beeinträchtigt Wlri* Regierung tabiiis ge Kupferstii ner des jU die damals Handel* sie Norden u*1 dienten sic Geldes erst, aa: Zeit d*s über ito 1 Später lern stenz persischen fangene so nen uni ® sie ihre G Heimatland Auch « Jahrhusdei keine Mir, dischen I Im Lande Geldstück« Aegypten benutzt ( senden 1 hereinkan Zeiten no gab, miss emd mit man in t vergrub -i der Erie. Grund t Münzetfo ge an aal z, B. Ask gemacht v Die erst« Teatro werden würd-t. Im allgemeinen gibt es in den Ländern des Nahen Ostens, und damit auch in Israel, eine grosse Menge antiker Münzer Jn den Zeiten der Bibel waren Münzen jedoch nicht so gang und gäbe, und. es konnte grosser Wert auf ihre Ausführung gelegt werden. Eine Münze blieb Jahrhunderte hindurch in Gebrauch; ihr Handelswert wurde manchmal durch Schmucksachen ersetzt. Die in der Bibel erwähnten Münzen stammten nicht aus yenta 4e; den Prägeanstalten des jüj4 dischen Reiches. Juden waren vornehmlich ein Acker- Nocturmo bau treibendes Volk, das Vieh und Schafe aus Tauschp Objekt benutzte. Später waabop0et) Jueves Función 36. fee Mchearv no Alfret Händel, Hitzner, Horn®. Carpeate: -- -— IIWWIIWANWWIWI'IIWNNNWNi 1f Zur Eröffnung sei^ begrüsst * 44 WOLFGANG S, alle Freunde und Bekannt, für die herzlichen Auf^

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