Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1794 (12.7.1960)
- Date
- 1960-07-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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A T$Ä A e if I T A Año XXI. — No. .1734 — 7 Ste. ihm im gen :rug en als bnt, Prä. dad Iere Theodor HeirZl PUEYRREDON 21901. St. T. E. 83 2613 .j Fünfundzwanzig Jahre Naharia Im Spätherbst 1934 unternahm ich mit einer Anzahl von Freunden die erste Fahrt nach Galiläa. Als wir ungefähr fünf Meilen von Akko entfernt waren, machte uns .unser Chauffeur auf ein links von der Chaussee liegendes, mit Disteln und Dornen bewachsenes riesiges Gelände aufmerksam, auf dem wir deutlich die üblichen Zeichen des beginnenden Baues von Häusern wahrnahmen. Dies war der Platz der neuen Siedlung Naharia. Dr. SOSKINS PLAN Das neue landwirtschaftliche Siedlungssystem nach den Plänen von Dr. Soskin wär uns als alten Zionisten nicht unbekannt. Der Gedanke hatte unter den von der Naziherrschaft bedrohten und zur Auswanderung getriebenen mittelständischen Schichten der deutschen Juden ein grosses Echo gefunden. Man fragte sich, wie eine neue isolierte Siedlung in einer rein arabischen Gegend, kilometerweit , von jeder Verbindung mit anderen Juden entfernt, bestehen sollte. Zwei oder drei Jahre später traf ich Dr. Soskin in Haifa. Ich kannte ihn bereits von verschiedenen zionistischen Kongressen her, und er forderte mich auf, ihn in sein Haus nach Naharia zu begleiten. Der Anblick: des Dorfes war zunächst so wie überall in Erez Israel, wo Juden das Land zu erschliessen begannen. Zu beiden Seiten der schnurgeraden Dorfstrasse standen schmucke, saubere Häuschen, umgeben von Blpmen- und Gemüsegärten. Alles schien in bester Ordnung, und Dr. Soskin versuchte, mich davon zu überzeugen, dass Naharia ein Erfolg war, und dass sei. ne Siedlungspläne Wirklichkeit geworden seien. Es stellte sich jedoch bei Gesprächen mit den Siedlern heraus, dass diese es schwer fanden, zu einem ausreichenden Auskommen zu gelangen. Es war unmöglich, mit den Preisen von arabischem Gemüse zu konkurrieren. Es schien auch zweifelhaft, ob die Grösse der von den Siedlern bearbeiteten Bodenflächen nach den Plänen Soskins für den Unterhalt einer Familie aus. reichte. Bald hörte man auch im ganzen Lande von den wirtschaftlichen Sorgen der Siedler Naharias und von der Absicht vieler von ihnen, die Landwirtschaft aufzugeben oder sogar den Platz zu verlassen. Die Gefahr lag umso näher, als Naharia besonders fortdau- «rnden Unruhen und Angriffen auf jüdisches Leben tind Eigentum ausgesetzt war. SOMMERFRISCHE Da aber geschah das grosse Wunder. Die meist aus akademischen Berufen oder der gehobenen Schicht kaufmännischer Berufe stammenden Siedler von Naharia hielten durch. Sie zeigten Mut und Stärke: sie klamvon Dr. GEORG HERLITZ merten sich an den Boden; den sie in einem halben Jahrzehnt aus Wüste und Sumpf in blühendes und fruchtbares Land verwandelt hatten. Sie fanden auch eine Wirtschaftshilfe für sich, an die noch nie jemand in dem zu neuem Leben erwachten Palästina gedacht hatte. Sie fanden heraus, dass Naharia in eine Sommerfrische für Sommergäste verwandelt werden könnte. Und warum nicht: Naharia hatte einen schönen Meeresstrand. und die Zeit war für den neuen Wirtschaftszweig günstig. Der zweite Weltkrieg machte es damals den Juden Palästinas unmöglich, ihre Sommerferien im Ausland zu verbringen. Warum sollte man sie nicht einladen. sich in Naharia zu er. holen? DIENST AM KUNDEN So entwickelte sich Naharia zu einem Sommer-Kurort. Jedes Haus verwandelte sich i:i ein Gasthaus. Nicht nur Juden kamen nach Naharia; auch hunderte und vielleicht tausende ausländische Soldaten, Mannschaften und Offiziere, die während des zweiten Weltkrieges vorübergehend hier waren, suchten Erholung. Alle Einrichtungen wurden getroffen, um dem Feriengast den Aufenthalt in Naharia so angenehm wie möglich zu gestalten. Jedes Haus, jeder Siedler, selbst die kleinen Kinder Naharias wurden in den Dienst der Gäste gestellt. Das war eine grosse Neuerung im Lande, wo der Begriff „Dienst am Kunden” bis dahin fast völlig unbekannt war. Die Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit Naharias w'urden sprichwörtlich. Jeder Sommergast wusste, dass er sich auf das, was ihm versprochen war, verlassen konnte. So ist Naharia bis heute der beliebteste israelische Sommeraufenthalt für alle diejenigen, die die Nähe des Meeres lieben, wenn es auch als landwirtschaftliche Siedlung an Bedeutung verloren hat. INDUSTRIALISIERUNG Dies ist aber noch nicht die letzte Stufe der Entwicklung Naharias. Die Zeit nach der Gründung des Staates Israel brachte neue Menschen nach Naharia. mit neuen Ideen und einige von ihnen mit neuen Mitteln. Und so ist ein drittes Gebiet wirtschaftlicher Tätigkeit in Naharia erschlossen worden. Naharia ist heute nicht nur eine landwirtschaftliche Siedlung und ein beliebter Erholungsort, sondern es ist auch eine Industriestadt geworden. Die schon in den Gründungsjahren entstandene Molkerei hat sich zu einem Unternehmen für Milchprodukte grössten Umfanges entwickelt, dessen Erzeugnisse im ganzen Land gesucht sind. Ausserdem gibt es aber Textil-Fabriken, cin Röhrenwerk, eine Fabrik für Gummiwaren, eine andere für Werkzeuge und Ersatzteile sowie viele andere Unternehmungen. Sie geben Hunderten von Arbeitern Beschäftigung. Naharia, das im Jahre 1935 wenige hundert Einwohner zählte, ist jetzt eine blühende Stadt mit etwa 20.000 Einwohnern, deren Wirtschaft durch Akkerbau, Fremdenverkehr und Industrie gesichert ist. Was ursprünglich als ein Fehlschlag angesehen wurde, hat sich in einen Erfolg verwandelt. Dies alles hat eine kleine Gruppe von aus Mitteleuropa stammenden Juden erreicht, die bereits im vorgerückten Alter standen und der Landwirtschaft, dom Fremdenverkehr und der Industrie wahrlich ferner waren als akademischen Berufen und grossen kaufmännischen Unternehmungen. Naharia hat den Erweis erbracht, dass die Notwendigkeit, Hingabe an eine Idee und Erfindungsgabe alle Schwierigkeiten zu überwinden imstande sind. neue o; Ohne Rücksicht auf Berge, Täler, Klüfte und Wadis zieht sich von Beer Schewa nach Elat eine neue Oelleitung, fast der Luftlinie, d.h. der kürzesten Entfernung zwischen diesen beiden Städten folgend. Die Rohrlinie hat einen Durchmesser von 16 Zoll und ist damit doppelt so stark wie die bisherige, welche die beiden wichtigsten Zentren des Landessüdens verband. Als der Seeweg nach Elat gleich nach Beendigung der Sinai-Kampagne wieder offen war und also die Möglichkeit bestand, neben vielen anderen Produkten auch Petroleum durch das Rote Meer nach Israel zu bringen, ohne den Suezkanal berühren zu müssen, beschloss man sofort den Bau einer „Pipe-line”, die den Treibstoff von Elat nach Haifa pumpen lassen und damit einerseits dem Eigenverbrauch Israels eine bequeme und billige Versorgungsquelle andererseits auch für eventuelle spätere Entwicklungen Ausfuhrmöglichkeiten von Petroleum und dessen Nebenprodukten schaffen und schliesslich auch die volle Ausnutzung der NACHRICHTEN AUS ISRAEL „RESCHET" IN HAIFA Die Eisendraht-Fabrik „Reschet“ in Haifa wrird die Erzeugung auch auf Draht aus anderen Metallen ausdehnen. Sie beschäftigt 50 Arbeiter und erzielte im Jahre 1959 einen Umsatz von einer Million IL. Im letzten halben Jahr exportierte sie für den Betrag von 50.000 Dollar. Es ist geplant, jetzt auch Kupfer, und Aluminiumdraht herzustellen, der bisher importiert werden musste. Diese Ptoduktions- Erweiterung wird die Neueinstellung von Arbeitskräften zur Folge haben. PHOSPHAT BACH JAPAN Eine Sendung von 5.000 Tonnen Phosphat, im Rahmen einer Bestellung von 30.000 Tonnen, ist vor kurzem von Israel nach Japan abgegangen. Dieser Auftrag Morgen Mittwoch, den 13. Juli, 21 Uhr, spricht auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit der AC1BA (IGK), Herr r. Nleir Rosenberg über das alle interessierende Thema ifkiiclM Die Mitglieder der beiden veranstaltenden Organisationen sind herzlich eingeladen Auch Gäste willkommen. wurde erteilt, nachdem bereits mehr als 20.000 Tonnen israelischer Phosphate vom japanischen Markt aufgenommen worden sind. Es sind Verhandlungen hinsichtlich weiterer Ausfuhr von Phosphaten nach Japan im Gange. DIE HEBRAEISCHE UTIIVERSITAET Während der 35 Jahre ihres 1'Standes ist die Hebräische Universität in Jerusalem zu einem äusserst wichtigen Fakte im Leben des ganzen jüdischen Volkes geworden. Im Jahre 5719 hat die Lahl der akademischen Arbeiter an der Universität (Professoren, Dozenten, Assistenten, Instrukteure, usw.) 880 erreicht. Dieses Jahr haben 6875 Studenten inskribiert, hiervon 5050 in Jerusalem. FRACHTSCHIFFE FUER "ZIM" Das neue Frachtschiff „Natania“, das in Deutschland auf Wiedergutmachungs konto für die Gesellschaft „ZIM“ geballt wurde, ist vor kurzem in Haifa eingetroffen. Die „Natania“ wurde besonders für den Transport von Zitrusfrüchten eingerichtet und ist mit Anlagen zur Luftkühlung und Verminderung der Feuchtigkeit ausgestattet. Sie hat einen Gehalt von 5 600 Tonnen und ihre Besatzung zählt 34 Mann. AUSFLUGBOOT AUF DEM KINERETSEF Auf der Werft „Ha/ama“ in Haifa wurde ein weiteres Motorboot für Ausflüge auf dem Kineretsee mit einem Aufwand von 75.000 IL gebaut. Das Schiff kann auf einmal 120 Passagiere befördern, hat ein Buffet und legt die Strecke von Tiberias nach Ejn Gew in nur einer halben Stunde zurück. haifaer Raffinerien gewährleisten sollte. Inzwischen stellte es sich heraus, dass die Erwartungen hinter der Wirklichkeit zurückblieben. Die 8 Zoll- Oelleitung konnte den An. forderungen nicht mehr gerecht werden. So kam es, dass die Finanzgruppe, an deren Spitze d Baron de Rothschild steht, den Beschluss fasste, die 16 Zoll- Linie zu bauen. Die Gruppe beschloss daher, etwa 20 Millionen Dollar zu investieren, allerdings gegen eine Konzession von 49 Jahren, von der erwartet wird, dass sie gute Verdienste bringen wird. Die Gesamt- Verbindung zwischen Elat und Haifa wird jetzt vollendet werden. Anfang August wird die Rothschild-Gruppe den Betrieb der Oelleitung beginnen, wenn nunmehr der schwierigste Abschnitt der Linie, der Teil zwischen Beer Schewa und Elat errichtet sein wird. Die jährliche Kapazität der neuen Oellinie wird am Anfang 1.700.000 Tonnen betragen, soll abe: in ständiger Entwicklung, durch Hinzufügung neuer Pumpstationen und technischer Verbesserungen, langsam bis auf mehr als 7.600.0C0 Tonnen ansteigen. Das Petroleum, das durch diese Linie gepumpt werden soll, nach. -~m es in grossen Tankschiffen nach Elat gebracht werden wird, soll der haifaer Raffinerie wieder ihre volle Betriebsfähigkeit s'- chern. Die Raffinerien hatten seit dem Ausbruch des Befreiungskrieges noch nicht mehr als etwa 5>. Prozent ihrer Arbeitskapazität zuriiekgewonnen, nachdeuj sie längere Zeit fast voMstär.dig still gelegen hatte. Dann könnte Israel auch wieder beginnen, Petroleum und seine Nebenprodukte als Ausfuhrartikel in den Export einzuschliesscn. Um diesem ehrgeizigen Ziele näherzuKommcn, hat man sich auch entschlossen, im Haien von Haifa eine LTnter - Wasser - Oellinie zu bauen, die dazu bestimmt ist, an Tanker, auch der neuesten und mächtigsten Bauart, angeschlossen zu werden. Diese Urnerwasser- Linie wird etwa dreieinhalb Kiloa:eter lai _ sein und 1.25 Millionen IL Kesten. Sie wird einer so grossen Durchmesser haben, dass sie imstande ist, allen Anforderungen gerecht zu werden, die sich rus der Inbetriebnahme der neuen Linie Elat-Beer Sehewa-He fa ergeben. Die ausserordentliche Bedeutung der neuen Oelleitung, ..uf deren Vollendung in diesen Wochen in der Presse nur vereinzelt hingewies-n worden ist, da die politischen Ereignisse alles überschatteten, bedarf keines weiteren Kommentars. Hier handelt > sich wieder um ein Aufbauwerk ersten Ranges, das sich würdig an all du Errungenschaften anschliesst, die Israel in der verhä-tnisnälssig kurzen Zeit seit dem Beginn seines Aufbauwerkes erreicht hat.