Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1794 (12.7.1960)
- Date
- 1960-07-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Marie*, 12 de Julio de 1960 LA SEMANA Año XXI. — No. 1794 — 3 Was die Israelis denken Gewisse Folgerungen — nicht alle tröstlich — lassen ßich wohl jetzt schon aus den gedanklichen und gefiihlsmässigen Aeusserungen ableiten, die die Aufspürung und Ergreifung von Adolf Eichmann in Argentinien durch jüdische Freiwillige und seine bevorstehende Aburteilung in Israel in der ganzen Welt hervorgerufen haben. Es war zu erwarten, dass das allgemeine Interesse zu den verschiedenartigsten Reaktionen und Beurteilungen führen würde. Hier haben wir schliesslich einen Fall, der in ganz ungewöhnlicher Weise atavistische Vorurteile aufrührt, aber auch die besseren Instinkte erweckt, ein Fall, der leider die krankhafte Neigung fördert, Israel im Unrecht zu finden, jedoch auch den tiefen, aber selteneren Sinn für rechtsmässige Vergeltung erregt, wir werden noch weiteren Witterungsänderungen gewärtig sein müssen; hinter dieser Unbeständigkeit aber kann man schon die Unbehaglichkeit gewisser Kreise spüren, die eifrig bemüht sind, ihr Schuldbewusstsein durch formalistische Anklagen gegen ungeladene Vertreter einer elementaren Gerechtigkeit zu besänftigen, die sie selbst nur zu lange ausser acht gelassen haben. ALLGEMEINE BEFRIEDIGUNG Zunächst herrschte eine fast ungeteilte Befriedigung darüber, dass ein Massenmörder, ein Meister des Verbrechens, zur Strecke ge bracht worden war. Man war voll des Lobes für die Juden im allgemeinen und Israel im besonderen; man beglückwünschte sie für die unglaubliche Geduld und Geschicklichkeit, womit diese unbarmherzige Verfolgung durchgeführt worden war. Der Rest der Gesellschaft, die zwar in der Vergangenheit einiges, aber durchaus nicht alles für eine endgültige Bestrafung getan hatte, die Endaufgabe engstirnig weiter vermied, von MAX NUROCK, Jerusalem wobei man das jüdische Märtyrertum unter Hitler wohlwollend erwähnte und es für unbedingt richtig hielt, dass die Juden in Israel Justiz an Eichmann üben. Es fehlte auch nicht an Einsicht in die Unerbittlichkeit und Unablässigkeit des inneren Zwanges, der die jüdischen Freiwilligen dazu trieb, sich endlich Eichmanns zu bemächtigen, eines inneren Zwanges, der bei diesen Männern, denen das grimmige Vorhaben einer ganzen Nation anvertraut war, wohl viel eher zu entschuldigen ist als eine formalistische Haltung, wie sie ganz unpersönliche Detektive in der Frage der Beeinträchtigung territorialer Rechte eingenommen hätten. Dann kam eine neue Wendung. Es erfolgte das unverhältnismässig starke Betonen der Entführung, der Verletzung der argentinischen Souveränität. Es kam die scharfe und überraschende Note Argentiniens an Israel. Nunmehr wird viel dialektische Mühe an die Gegenüberstellung von nationaler und internationaler Rechtsprechung gewandt; immer mehr rät man dazu — aus ehrlicher Sorge für Israel, möchte man hoffen — Eichmann in einem anderen Land vor Gericht zu stellen. Manche lassen durchblikken, dass Israel zu sehr Partei sei, um unparteiisch zu richten. Sicherlich ist Israel Partei. Wie hätte man sonst das Aeusserste getan, um Eichmann vor ein israelisches Gericht zu bringen? Viele haben auch behauptet, dass selbst der Tod für den schuldig gesprochenen Eichmann nicht die gebührende Strafe wäre, so armselig sei sein Leben, um alle die Leben zu vergelten, die er auf dem Gewissen hat. Aber wenn selbst sein Tod keine völlige Gerechtigkeit darstellt, was braucht man dann zu befürchten! Welches Unrecht mag Israel ihm antun, wenn er tatsächlich der Organisator dieses gewalti- Mu£BL*S Walefcmaniv JETZT AUCH IN BELGRANO CABILDO 774 an der Fed. Lacroze im Zentrum: SARMIENTO 1147 Restaurant »Paso Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-9259| Untar Aufsicht des Vaad Harabonim der Kehllla ': MITTAGS, und ABENDTISCH Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten AUTO . REPARATUR . WERKSTATT „BEÑO* ¿EHO HUT5CHNECFER * vda. CONSTITUYENTES mi (Ecke Monroel T. E. 51 2205 gen Märtyrertums gewesen ist? ZEITGEMAESSE MAHNUNG Ben Gurions edle Botschaft an den Präsidenten Frondizi war eine zeitgemässe Mahnung daran, was dieser Schlusspunkt für die ge. samte Menschheit bedeutet. Kann es angesichts der sechs Millionen erbarmungslos hingerichteter Menschen, angesichts der stillen, tiefen Trauer von Millionen Angehöriger — kann es da sub specie aeternitatis wirklich eine andere als eine grossmütige Auffassung des Bruches internationaler Normen geben, die nicht für derartig beispiellose Fälle aufgestellt worden sind? Die Wunde, die Eichmanns teuflischer Auftrag der jüdischen Seele zugefügt hat, wartet auf verständnisvolle Linderung. Argentinien wird bestimmt die Aufopferung jener Männer erfassen und verzeihen, die es sich vorgenommen haben, Eichmanr, vor jüdische Richter im jüdischen Staat zu führen. Es wird sicherlich den hohen ethischen Wert ihrer Aufgabe und den unbezwinglichen moralischen Drang, der sie bewegte, anerkennen. GERICHTSBARKEIT STRENG BEWAHRT Soweit wir es in Isarel der Weltpresse entnehmen können, ist dieses der Wunsch der öffentlichen Meinung. Die Art, wie man Eichi-anns habhaft geworden ist, rechnet überhaupt nicht im Vergleich zu der unsagbaren Ungeheuerlichkeit seiner Verbrechen. Im übrigen wird die These der israelischen Gerichtsbarkeit durch eine ganze Reihe kompetenter Entscheidungen auf dem Gebiet des internationalen Rechts unterstützt. Es war vorauszusehen, dass der Ausgang der Debatte im Sicherheitsrat, die Argentinien verlangt hatte, und die wohl von den Grossmächten als recht unerwünscht und unnötig betrachtet wurde, diese weitverbreitete Meinung widerspicgeln und eine richtige Einschätzung des so wesentlich gerechten und so leich. zu rechfertigenden Verhaltens Israels und seiner Beweg: ünde mit sich bringen würde. So ist es auch gekommen, zweifellos zur un erhohlenen. Erleichterung der Bühne wie des Publikums. Jetzt ist die Möglichkeit gegeben, der verletzten Würde Argentiniens auf normalem diplomatischen Wege Genüge zu tun. Die Worte, mit denen der argentinische Delegierte seinen formalen Protest einreichte, geben zu der Hoffnung Anlass, dass die schöne und wertvolle Freundschaft, die so schnell zwischen Argentinien und Israel aufgebläht ist, unberührt bleibt, und dass Israels vitale Interessen auf dem weiten südamerikanischen Kontinent keine - Schaden erleiden wer. den. Vor neuen Nazi-Aktionen? "Wien. — Die IPN berichteten in einer ihrer letzten Ausgaben (Nr. 159 vom 17. Juni) über einen anonymen Drohbrief mit der Parole „Rache für Eichmann”. Die Drohung galt dem Stadttempel in der Seiienstettengasse. In den Abendstunden des 1. Juni wurde in kurzen Abständen das Spital der Kultusgemeinde in der Seegasse sechsmal angerufen: „Das Haus geht in zehn Minuten in die Luft.” Bei der Kultusgemeinde sind in letzter Zeit ausserdem mit nazistischem Agitationsmaterial reichlich ver. sehene Drohbriefe angekommen. In einem dieser Briefe heisst es: „SS Obersturmbannführer Eichmann ist und wird immer unser Kamerad bleiben. Wir sind gewöhnt, Kameraden nicht im Stich zu lassen oder schwer zu rächen. — Denkt daran, wir sind nicht to'! Wir kommen wieder! — Wir warten nicht mehr lange!” Unterzeichnet sind die Drohbriefe von einem „internationalen SS - Geheimbund”. Einer der Briefe weist den Abdruck eines anscheinend alten Nazirundstempels aus. Ein Sprecher der Kultusgemeinde sagte zu den verschiedenen Drohungen: „Da wir ziemlich genaue Kenner der Methoden der Neonazis sind, glauben wir nicht, dass es sich um „dumme Strei¬ DIE RICHTIGEN BEISAMMEN Linz. — Der „Ring volks- und heimattreuer Verbände in Oestereich” bildete eine Aktionsgemeinschaft. Es ist interessant festzustellen, welche Mitglieder diesem Ring angehören. Neben der „Freiheitlichen Partei Oesterreichs” (FPOe) stellt die „Wohlfahrtsvereinigung der Glasenbacher”, die „Kameradschaft IV” (SS) und der „Schutzverband ehemaliger Arbeitsdienstangehöriger” (RAD) sozusagen den inneren Kern des Ringes dar. Daran gliedern sich: „Akademikerverband Oberösterreichs”, „Allgemeiner Turnverein Linz”, „Heimkehrerverband”, „Heimatgruppe der Riesengebirgler”, „Linzer Singakademie Frohsinn”, „Neuer Bund Wandervogel”, „Oberösterreichischer Landeslehrerverein”, „Ruderverein Ister”, „Landesdelegierten- Konvent der freiheitlichen Mittelschul . Korporation”, die .Kärntner Landsmannschaft’ und die „Arbeitsgemeinschaft selbständiger Kameradschaftsverbände”. Die lange Liste der Mitglieder dieses Ringes, unter welchen sich Lehrer und Schüler neben den „Glasenbachern” und der Kameradschaft der SS befinden, sollte zu denken geben, insbesondere, wenn man berücksichtigt, welchem Einfluss ein Teil der Jugend ausgesetzt ist. - So kann es auch nicht wunder nehmen, dass Seinerzeit in Linz gegen die Aufführung des Stückes „Das Tagebuch der Anne Frank” demonstriert wurde. (IPN) che” handelt Dies ist vielleicht der Beginn neuer gelenkter Aktionen unter cer Parole -„Rache für Eichmann”. Die über unsere offiziellen Mitteilungen hinausgehenden, sensationsartig aufgemaehten Meldungen in der ..Kronen-Zeilung” vcm 16. Juni und der „Welt am Montag” vom 20. Juni entsprechen in keiner Weise den Tatsachen. (IPN) Restposten in Herrenkleidimg in den letzten Tagen unseres Ausverkaufs mit 50 Prozent Rabatt. Weitere Posten Herrenkleidung mit 35 Prozent Rabatt. LAVALLE 870, T. E. 35-1110 INDUSTRIAS YUVENA S. A Fábrica de calzado y zapatillas mA ANDONAEGUI 1270 Buenos Aires T. E : 51 - 4810 m & Uebertritt zum Judentum Tel Aviv. — Eine junge Holländerin, deren Eltern durch die Nazis getötet wurden, weil sie Juden Schutz gewährten, befindet sich seit seit Jahren im Kibbuz Lave, einer von der Bachadgruppe begründeten religiösen Siedlung. Sie stellte jetzt den Antrag auf Konversion, der vom zuständi. gen Rabbiner befürwortet wird, jedoch noch der Zustimmung des Oberrabbiners bedarf. Ihre jüdischen Kenntnisse sind sehr gross. (AWZ) ESTUDIO JURIDICO INTERNAC10M1 Dr. Har dl Swarsensky Asuntos Europeos exclusivamente Sprechstunden: Dienstag, Mittwoch u. Freitag v. 15—19 Uhr Dr. Günter Frey Asuntos Argentino« y Sudamericano« TESTAMENTE - ERBSCHAFTSSACHEN VERTRAEGE - VERWALTUNGEN SUEROZEIT: 10—If und 15—18 HJIYRREDON 2190 m Ar. LAS HERAS Uhr - T. I. §8-261S