Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1792 (5.7.1960)
- Date
- 1960-07-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Marie«, 5 de Julio de 1960 LA SEMANA ISRAELITA Añ» XXI. — No 1792 Nicht nur ein steinernes Denkmal Amsterdam, diese alte Hafen. und Handelsstadt, deren einmalige Atmosphäre jährlich Tausende von Touristen bezaubert, ist um eine Sehenswürdigkeit reicher geworde1; eine Sehenswürdigkeit allerdings, die zu ernster Besinnung mahnt und gleichzeitig ein modernes Zeugnis darstellt für die jahrhundertealte" Tradition der Stadt, Verfolgt n Zuflucht zu bieten. Es ist das Haus der Anne Frank! Am 3. Mai 1960 wurde es in einer schlichten Feierstunde wieder fr r Besucher freigegeben. Der Giebel ist restauriert.doch „het achterhuis“ (das Hinterhaus), in dem die Familie Frank während der deutschen Be. Setzung Zuflucht vor den Jude iverfolgungen gefunden hatte, wurde in seinem ursprünglichen Zustand gelassen, so wie es Millionen Menschen in der ganzen Welt durch das Tagebuch und das Theaterstüc’" „Anne Frank'“ kennen. Die Räume sind leer. Denn so war das damals: Wenn die Menschen deportiert waren, dann kam der „Einsatzstab Rosenberg“ und plünderte den Hausrat. So sieht man heute nur noch das, was die Räuber nicht der Mühe wert fanden mitzunehmen. An de.. Wänden die kleine Landkarte, auf der die Untergetauchten mit farbigen Stecknadeln dfe Front der Alliierten markierten, die aus Zeitungen ausgeschnittenen Fotos, die die 13jährige Anne an die Tapeten geklebt hatte, der rostige Notofen mit einer alten Bratpfanne — das sind die spärlichen Zeugnisse 'der Not. der Angst und der Hoffnung. Im Vorderhaus, das früher Geschäftsräume beherbergte, wurde ein grosser Versammlungsraum eingerich. tet, der für die Veranstaltungen des „Internationalen Jugegdzentrums der AnneiTrank - Stiftung“ verfügbar ist. ★ soll. „So wird", sagte der Bürgermeister, „das Anue- Frank-Haus nicht zu einem steinernen Denkmal. Es erhält seinen Platzmitten im pulsierenden Leben.” Herr Otto Frank war gemeinsam ,mit „Elly" und ..Miep", die die Familie Frank und ihre Schicksalsgenossen während der schwersten Zeit ihres ’Lebens versorgten, bereit, anschliessend an die Feierstunde in aller der ganzen Welt eine Vielzahl von Anne-Frank-Klubs. die mir schreiben", erklärte Otto Frank. „Sie setzen sich zusammen aus Jugendlichen, die dem Gedanken der Toleranz dienen wollen. Das liess bei uns den Gedanken reifen, diese verschiedenen Gruppen miteinander in Kontakt zu bringen.” In einer Welt, in der der Terror gegen Wehrlose einer py *i - *-n ein^s a*v eigenes Leben eingesetz“, um Verfolgten z-u helfen. Beispiele über Beispiele gingen mir durch den Kopf, welche Taten damals durch einfache Menschen vollbracht wurden, um der Vernich ung und der Entwürdigu g eme Schranke zu setzen. Aus tausend kleinen Dingen, die jede für sich den „Tä'er” Freiheit und Leben kosten konnten, setzte sich „der Widerstand“ zus-~merr, d LITERATUR Vor ANNE FRANKS ZIMMER in Amsterdam, Prir.zengiv.chl 263, ist heute geistig—- _ -ielpurakt der Jugend, die sich gegen Unterdrückung, Verfolgung, und Völkerhass wendet. Am selben Vormittag wurde neben dem Haus Prinsengracht 263 durch den Bürgermeister der Stadt Amsterdam, Van Hall, der erste Pfahl für *■> Fundament eines grosses Studentenheims eingeramm^ das ebenfalls :swei Monate im Jahr der internationalen Begegnung der Jugend im Sinne des Anne- Frank , Gedenkens dienen Stille mit mir durch „het achterhuis” zu gehen, das Hinterhaus, das man über eine stelle Treppe erreicht, nachdem ein Bücheregal, das seinerzeit den weiteren Aufgang gegenüber den Kunden und den Angestellten der hier tätigen Firma tarnen musste, wie eine Tür zur Seite gedreht wurde. „Schon jetzt besteht in MAIMONIDE« T? 114-S . Iif '0 4 Hiy.G«d«Bkbncli 5 650.— deren Glaubens trota der grauenvollen Lekionen des Faschismus immer wieder aufflammt, will das „Internationale Jugendzentrüm” dazu beitragen, dass unter der Jugend der Gedanke der Toleranz, des Miteinander- und nicht des Gegeneinander-leben-Wollens greifbare Gestalt annimmt. Worte blieben mir im Gedächtnis, die „Miep” mir sagte, als ich sie fragte, warum sie den Journalisten untersage, ihren Namen zu nennen: „Was hier und durch uns getan wurde”, antwortete sie, „ist mit Tausenden Menschen durch Tausende Miaps und Ellys und Nels, Ans oder Greets geschehen. Wir sind nichts Besonders, und wenn wir uns notgedrungen in der Oeffentlichkeit zef- Widerstand, der unter der Bevölkerung ein festes, unzerreissbares Band bildete. Dieses Band hält heute noch, 15 Jahre nach der Befreiung. Sichtbarer Ausdruck dafür war die Totenehrung, die, wie in jedem Jahr, auch diesmal am Abend des 4. Mai in den Niederlanden begangen wurde. Punkt 18 Uhr wurden auf fast allen Häusern der Riesenstadt Amsterdam die Fahnen auf halbmast gehisst. „Begreifen die es nun Fast unbemerkt ist ein Gedenktag vorübergegangen, der wert gewesen wäre, weiteren Kreisen eirgeprägt zu werden, zumal sie, ohne es zu wissen, noch heute, nach fast tausend Jahren, in ihren Lebensentschlüssen ■ bisweilen sogar entscheidend beeinflusst werden. Man denkt an Grössen, die vor 100 oder 150 Jahren das Licht der Welt erblickt haben oder gestorben sind. In seltenen Ausnahmefällen denkt man auch an Ereignisse vor 200 oder 300 oder gar 500 Jahren. Was aber vor tausend Jahren geschah, wird kaum gelegentlich eines Gedenktages beachtet. Und da ist nun, jetzt vor tausend Jahren, der erste deutsche Jude von überragender Bedeutung geboren worden, der seiner Generation und auch manchen folgenden noch das Gepräge gab, und dessen Entscheidungen sich noch heute auswirken. Die Jahrhunderte vorher auf deutschem Boden lebenden Juden waren Bürger des Römerreiches, und auch in den Zeiten nach der Völkerwanderung waren es nur die Ueberreste und Nachkommen dieser römischen Bürger. Ein eigentliches deutsches Judentum hat sicfi’ noch nicht einmal in (Ter KaroJingerzeit herausgebildet, sondern erst in der Zeit der Ottonen, also in der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts. Ihr Exponent ist der Mainzer Rabbiner Gerschom Ben Jehuda, der dort (oder nach anderer Version in Metz) geboren wurde. Man gab ihm nicht nur den Titel Rabbenu, un. ser Meister, sondern den einmaligen Ehrentitel Meor Ha. golah, „Leuchte des Exils, und wenn von den Grossen Lothringens die Rede ist, so versteht ein alter Schriftsteller unter ihnen Rabbenu Gerschom und .reine Zeitgenossen. Als das Karolingerreich im Vertrag zu Verdun 843 geteilt wurde, entstand als eine Art Pufferstaat zwischen Frankreich und Deutschland das Land Lothars, der dieses Gebiet erhielt und ihm den Namen Lothringen gab. Dieses Gebiet wurde noch einmal im 1000 Jahren von Rabbiner Dr, endlich?” oder: „Die begrei- Vertrag zu Meersen 87^zwicfssen u VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA 2289 — T. E. 71-6708 Xu b*zi«h«n durch alle einschlägigen Buch, handlunfen nd durch die JUEDISCHE WOCHENSCHAU PVKYRREDON 2196 1? — T. E. 83 2611 gen, so tun wir es stellvertretend für sie alle; und nur deshalb, weil wir glauben, dass wir auch heute noch — leider — dazu beitragen müssen, dem Rassenwahn und der Unduldsamkeit eine Barriere von Toleranz, Menschenliebe und Hilfsbereitschaft entgegenzustellen.” Und „Elly” fügte hinzu: „Vielleicht ist es gerade für die deutsche Jugend gut, zu wissen, dass der Faschismus nichts als Elend und Leid gebracht hat, dass aber Taten der Menschlichkeit die Schuld tilgen können.” ★ Hunderte Frauen und Männer haben in den Jah. ren der Menschenjagden ihr fen es doch nie!” In solch scheinbar belanglosen Be-' merkungen in leicht geringschätzigem Ton reagierte die Bevölkerung auf die Nachricht, dass das deutsche Konsulat den deutschen Touristen empfohlen hatte, in diesen Tagen entweder gar nicht nach Holland zu kommen oder aber besonders zurückhaltend zu sein. Man hat offenbar keine hohe Meinung von dem Takt deutscher Touristen. (Aus einer deutschen Zeitung) von Frankreich wie von Deutschland. Die vielen Gelehrten, die in diesem Gebiet wirkten, werden als Gelehrte Lothiers, Chachme Lothier, bezeichnet. Ihnen zu Ehren, und damit auch den Juden aus Deutschland zu Ehren, hat die Stadt Tel Aviv eine der neu angelegten Strassen Chachme Lothier genannt. Zu den Chachme Lothier gehört die überagende Persönlichkeit Rabbenu Gerschoms. Worin liegt seine Grösse? Bis um diese Zeit lag das geistige Zentrum des jüdischen Volkes im Orient, vornehmlich in Babylonien. Dort, im Zweistromland, war der babylonische Tal. mud entstanden und ungefähr um das Jahr 500 abgeschlossen worden. Dort wirkten die geistigen Nachkommen der Talmudverfasser weiter, die Geonim, die im Sinne des Talmud ihre religionsgesetzlichen Entscheidungen trafen. Wenn Juden in den westlichen Ländern irgendwelche religionsgesetzlichen Zweifel hatten, sei es in Spanien, sei es im Karolingerreich, so wandten sie sich an die Gelehrten im fernen Orient. Die Leiter dieser Städte im Zweistromland waren stosä gegen sie int' ¡¡ca,-erein Bann Rabbenu Gersc sehen Karl dem GrcEsin und seinem Neffen Ludwig dem Deutschen in Ober- und Nie. der - Lothringen aufgeteilt. Der Begriff Lothringen blieb aber bestehen, mindestens als kulturelle und in gewisser Hinsicht als wirtschaftliche Einheit. Dieses Mittelgebiet erstreckte sich von den Alpen bis ungefähr zur Nordsee und war im Westen durch Maas und Schelde, im Osten im wesentlichen durch den Rhein begrenzt. Die jüdischen Autoren unterschieden Lothier sowohl mit fast königlichen Ehren ausgestattet, man nannte sie Gaon, Exzellenz, und ihre weltlichen Führer nannte man Resch Galuta, Fürsten des Exils. Aber der Glana dieser Führer verblasste allmählich im zehnten Jahrhundert, und die geistige Führung ging auf die neugegründeten Pflanzstätten in Spanien und in Deutschland über. Rabbenu Gerschom war der erste, der kraft seiner Gelehrsamkeit und seiner Führerpersönlichkeit selbständig und unabhängig von Babylonien Entscheidungen von weittragender Bedeutung treffen konnte. Freilich traf er diese Bestimmungen nicht eigenmächtig, sondern berief die bedeutendsten Gelehrten dieser C egend, eben diese Chachme Lothier, und unter seiner Leitung wurden diese Verordnungen, Takanoth genannt, getroffen. Am bekanntesten von ihnen wurde das Verbot der Vielweiberei. Diese war bekanntlich nach dem biblischen Gesetz erlaubt. Sie war und ist noch heute bei vielen orientalischen Völkern üblich, aber in die westlichen Länder passte sie nicht recht hinein und war daher auch schon vor dieser Zeit nur selten bei Juden des Westens anzutreffen. Um aber diese Verordnung recht wirksam zu gestalten, wurde sie für die Juden des Westens auf die Dauer von tausend Jahren Israel - Marken tu grösster Auswahl: u a. 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Di gen hat Rab wesentlich ir dert, als di ■uehr gezwi : MUS '/♦♦mm “LA BOHEM Der pucc die meistgesj aber Welt, gi losen Regie ’ ®ito wieder f Bretter. pucc sermusik, die 0011 rührse uach Henry l Tränend wurde von “'«vollen E ^Uio Marti “"•stellend ®s. Colön-0r e‘"germasseu Star» ''r> die a? Mes Niv D* An 838 «'es her ^weisen j 7 war sie, öJ^autatiscl % tep] Wa: kerc ^íunds - Parcel toll ™Vw* ida . «rs píela,