Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1791 (1.7.1960)
- Date
- 1960-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes, 1“ de Julio de I960 LA SEMANA ISRAELITA Año XXI. — No. 1791 — 3 f¡ Viesen und Ende eines Antisemiten Dass er Ministerialdirektor im ehemaligen Reichspropaganda-Ministerium und Geschäftsführer der früheren Reichskulturkammer war, wurde in der deutschen Presse notiert, als Hans Hinkel Anfang Februar in Göttingen starb. Nicht aber dass er als „Kommissar zur besonderen Verwendung“ das Amt des Sonderbeauftragten Reichskulturwalters mit dem Zusatz „betr. Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet“ innehatte und in dieser Eigenschaft eine höchst unerfreuliche, wenn auch doppelgesichtige Rolle spielte, auch nicht, dass er, als „alter Kämpfer“ mit der Parteinummer 287, im April 1943 zum SS-Gruppenführer avancierte. Bezeichnungen wie „Ministerialdirektor* und „Geschäftsführer“ sind anscheinend tragbar und gelten, unabhängig von der Art des geltenden Regimes, noch als salonfähig. Solche „amtlichen“ Bezeichnungen werden betont, während — was der gerade letzthin so ©ft als notwendig erklärten Aufklärung der Aelteren und der jungen Generation widerspricht — das wahre Gesicht des Objekts eines Nachrufs „zu kurz kommt.“ Hinkel war seit dem 4. Oktober 1921 Nationalsozialist, nachdem er sich vorher als Mitglied und Mitkämpfer des Freikorps Oberland betätigt hatte. Er wurde Be- NUR NOCH 14 TAGE sind wir in der Lavalle 870! Nützen Sie diese letzten Tage zu überaus billigen Einkäufen 35 % Rabatt bei Barzahlung 15 % Rabatt bei Zahlungserleichteruug. Zweireihige Anzüge (alte Produktion) ab $ 1.500.— Sportsakkos (kleine Grössen) . . $ 550.— Mäntel ab .... $ 650.— Restposten Kostüme (kleine Gr.) $ 750.— Ohne jede Ausnahme Winter-, Uebergangs- und Sommerkleidung Von den guten bis zu den besten Qualitäten im Preis stark reduziert. Herzlich willkommen in unserem neuen Lokal M aip ü 9 8 2 T. E 31-0357 von Dr E. G, LOWENTHAL richtex-statter von nationalsozialistischen Presseorganen, Schriftleiter entsprechender Zeitungen und brachte es 1930 zum Mitglied der berliner Redaktion des „Völkischen Beobachters“. Von dieser Zeit an war er auch Reichstagsmitglied. Vor 1933 stand er in der Leitung des „Kampfbundes für deutsche Kultur“, später war er Präsident der „Gesellschaft für deutsche Kultur“. Nach der sog. Machtübernahme wurde er Staatskommissar im Preussischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und wirkte eine Zeitlang als Leiter des amtlichen preussischen Theaterausschusses. Danach fand er ein Amt im Reichsmini, sterium für Volksaufklärung und Propaganda, und der „Kommissar z. b. V.“ wurde der Sonderbeauftragte Reichskulturwalter für die „Ueberwachung“ der kulturell tätigen Juden. Dabei spielte sich Hinkel, als grosszügiger „Protektor“ der im Bereich von Theater, Musik, Presse, Schrifttum, Film und bildender Kunst tätigen Juden auf. In Wirklichkeit bedeutete das aber ein immer stärkeres Zusammendrängen dieser Menschen auf den sachlich und personell eng abgegrenzten jüdischen „Sektor“ den der Rkw. einer ständig zunehmenden Kontrolle, Zensur und Einengung unterwarf. Nach aussen und gerade dann, wenn neue antijüdische Massnahmen der Verfolgung und Unterdrückung durch die Gestapo erfolgten, erschien der Rkw. als eine Art offizieller Förderer der jüdischen Kulturarbeit, die in der Bewegung der jiidi- I sehen „Kulturbünde” den von ihm gewünschten, ja befohlenen, einzigen und zentralen Exponenten fand. Sechs Tage nach der „Kristallnacht”, am 15. November 1938, machte Hinkel im V. B. „aufschlussreiche Ausführungen” über das „kulturelle Leben der Juden in Deutschland”, um einmal aufzuzeigen, „in welch grosszügiger Weise der NS-Staat dem Eigenleben der Juden selbst nach der Ermordung Wilhelm Gustloffs noch Rechnung getragen hat und selbst heute noch Rechnung trägt... Auch heute noch können sich die Juden, nach, dem das dreitägige Verbot aus Anlass der Ermordung des Gesandtschaftsrates von Rath abgelaufen ist, wie bisher in ihren Organisationen betätigen”. Es mag genau am Tag dieser Veröffentlii** LAVALLE 870. T. E. 35-1110 Malerarbeiten Sektion MAURERARBEITEN $ Alfredo Stern ¡¡Virrey del Pino 2639!;! T. E. 76-7281 ¿MVVMWHVUHWMUwt AUTO - REPARATUR . WERKSTATT! „BENO“ BöfO HUTSCHNECKER Arda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Mwurae) T. E. 51 - 2206 chung gewesen sein, dass Hinkel dem „Jüdischen Kulturbund Berlin” den Befehl gab, mit denjenigen jüdischen Schauspielern, die nicht im K.Z. sassen, Kabarettvorstellungen zu geben — in Tagen und Wochen also, in denen es den berliner Juden gewiss nicht nach solchen Darbietungen zumute war! Zwei Jahre vorher, im September 1936, fand in Berlin eine „Kulturtagung” des „Reichverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland” statt, an der auch Hinkel teilnahm. Er ergriff mehrfach zu kurzen Erklärungen das Wort. Die jüdische Presse konnte und durfte, wollte sie nicht Gefahr laufen, sofort verboten zu werden, gassentonartige Bemerkungen des Rkw. beispielsweise über Juden, die nach seinen Worten „die Eierschalen der Assimilation noch nicht abgestunken haben”, nicht wiedergeben. In ähnlichem Ton gestaltete er später, 1938, seinen bei Knorr & Hirth, München erschienenen, seinen Söhnen Rheinwart und In-fVed gewidmeten, der deutschen Jugend zur Lektüre empfohlenen Erlebnisbericht „Einer unter Hunderttausend”. Hier beschäftigt sich der Autor in einem mit „Rosinkes mit Mandlen” übersehriebenen Kapitel mit dem hamburger „Israelitischen Familienblatt” und glossiert einzelne seiner Meldungen in übler Weise. Ueber Walther Rathenau heist es auf S. 72 ff. u. .a: „... Der Judenstaat, Deutschland genannt, bildet das vergiftete Herz Europas, Rathenaus Rasse ist ihrem Ziel nahe...”. Was 1937 die „Zulassung” jüdischer Zeitungen in Deutschland und die Erlaubnis jüdischer Autoren, sich in der jüdischen Presse zu betätigen, in Wahrheit bedeutete und zum Ziel hatte, zeigt ein Bericht des „'Lektorats” des „Sonderreferats Rkw Hinkel” vom 21. November 1937, in dem es u.a. heisst: „Die Tätigkeit des Lektorats im Sonderreferat besteht in der Ueberprüfung der ... jüdischen Presseerzeugnisse ... Das gesammelte Material bietet z. B. Stoff für Veröffentlichungen der Sachberater des Sonderreferats bzw. des Ministeriums, für Veröffentlichungen des Instituts zum Studium der Judenfrage, für Veröffentli- | chungen des Reichsinstituts für die Geschichte des Neuen Deutschland, Abtl. Judentum...”. Alles das war auf den „Kampf gegen das Judentum” abgestellt. Wir wollen uns auf diese wenigen Bemerkungen über das wahre Gesicht des Rkw beschränken, der nach seiner Rückkehr aus polnischer Kriegsgefangenschaft 1952 in Hildesheim als „Minderbelasteter” eingestuft wurde, und würden auf eine Andeutung des wahren Wesens des „alten Kämpfers” und LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE Bo. Aires — PUEYRREDON 2190, 1» i*q. - T. E. 83-26K 6. Ta mus 5720 1. Juli 1960 nationalistisch _ antisemitischen Propagandisten völlig verzichtet haben, wäre er nicht in der deutschen Presse „zu kurz gekommen”. Ob dies absichtlich geschehen ist oder nicht, mag dahingestellt bleiben. Immerhin, cs berührt höchst peinlich, wenn „nur” der Ministerialdirektor erwähnt wird und nicht gleichzeitig auch das, was dieses Amt eigentlich bedeutete. Hier kann eine Einschaltung nicht unterdrückt werden: man empfindet einen noch bitteren Beigeschmack, wenn in der deutschen Zeitungs. und Zeitschriftenpresse mancher Persönlichkeiten jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung bei 1 Geburtstagen, Ehrungen, Todesfällen, gedacht wird und dabei der Grund ihrer Verdrängung aus dem Amt, ihrer Geschäftsaufgabe, ihrer Auswanderung in den Jahren ab 1933 mit Bemerkungen wie „musste im Zuge der Entwicklung...” oder „infolge der politischen Umwälzung, die an ihm nicht spurlos vorüberging'’, oder „im Zusammenhang mit den Ereignissen zwischen den beiden Weltkriegen...” geflissentlich vei'brämt wird. Dass diese Menschen, nur weil sie Juden waren, verfolgt, verdrängt, verjagt, deportiert wurden, wird vielfach, ja allzu oft nicht gesagt. An diese Erscheinung erinnert die Behandlung, die ,,Rotterdam” legte in Haifa an Haifa. — Der grösste Dampler, der je in Haifa anlegte, ist die „Rotterdam” der Hollani’.-Amerika-Linie ein Dampfer mit 39.090 Tonnen. Er setzte kürzlich 500 amerikanische Touristen an Land, die sich auf einex; Kreuzfahrt befinden. Haifa wird auf allen Mittelmeer- Kreuzfanrten der Hoiland- Amerika-Linie besucht werden. Auch der schwedische Luxusdampfer „Gripsholm“ (27.000 Tonnen) hielt mit 400 Passagieren in Haifa. (AWZ) dem Nachruf auf den „Ministerialdirektor” zuteilgeworden ist, der in Wirklichkeit ein ausgesprochener Judenhasser war und sich als solcher öffentlich betätigt hat. Ist es Angst, ist es Furcht^ dass man das Kind nicht’ beim Namen nennt, nicht die jüngste Vergangenheit, die doch „bewältigt” una „aufgearbeitet” werden soll.' richtig und offen erwähnt? Auch die deutsche Pressef gerade die kultivierte, sollte sich ihrer erzieherischen Aufgabe bewusst sein, die darin besteht, objektiv und vollständig zu berichten, und nicht darin, Unangenehmes wegzulassen und somit den „Verdrängungsprozess’' zu fördern. 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