Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 21 (1960)
- Issue
- 1784 (7.6.1960)
- Date
- 1960-06-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE WOCHEmCHAO Año XXI. No. 1784 — 5 Martes. 7 de Junio de I960 Tin and KUNST 0$SE MAGGID Ul,ar]^u Levin zur 25. Jahrzeit) 211 Anfaag da Jabre in der I für Wissen- Judenhass'' zu Männer wie La- Thal und Mayleue Rabbinerge- ■anbilden. Audi Universität und von Königsberg ‘ starke Anaeauf den jungen JS, den wir als Mitbegründer des ersten nationaljüdischen Studentenvereins zu Berlin kennenlernen. An diese fünf Jahre in Deutschland denkt Levin dann im dritten Bande seiner Memoiren mit Anhänglichkeit zurück und erzählt uns eiter von der Rückkehr nach Russland, seiner amtlichen Tätigkeit als „Kronrabbiner” in Grodno und Wilna und führt den Leser zu dem grossen Augenblick, da er als jüdischer Abgeordneter in die erste russische „Duma’ einzieht. Doch abermals, nach der Niederschlagung der Revolution von 1905, muss Levin das Land verlassen, und wiederum wird Deutschland sein Aufenthaltsland, und hier, in der Epoche nach demt Tode Theodor Herzls, wird Schmarjahu Levin einer der Erneuerer der zionistischen Bewegung und der hebräischen Sprache. In dieser Zeit bis zum ersten Weltkrieg wirkte er bahnbrechend für die Idee der seelisch-geistigen Vorbereitung für die Verwirklichung des Zionismus und arbeitete unermüdlich an der geistigen Volkserziehung. 1911 gelangte er in die höchste Leitung, die damals unter Otto Warburgs Führung stand. Während der Jahre 1914 bis 1921 in Amerika zionistisch - propagandistisch tätig, danach etwa ein Jahrzehnt in Deutschland und anderen jüdischen Zentren für den Keren Hajessod schaffend, spannte er seine Kraft aufs äusserste an, um der Gefahr eines mechanisierten Organismus zu begegnen und die nationale Renaissance mitzugestalten. Nur ir wenige Jahre ist es ihm dann vergönnt gewesen, im Lande seiner Sehnsucht in Ruhe zu leben. In Haifa, am Schawuotfeste, als die Jugend von den fröhlichen Bikurimfeiern heimkehrte, hörte ein Herz zu schlagen auf, das in gleicher Liebe allen Teilen seines Volkes zugetan war. Es war ihm leider nicht beschieden, die Verwirklichung des jüdischen Staates mitzuerleben, für den er gekämpft hatte wie nur wenige, und unter diesen ist er einer der Allerbesten gewesen. Curt Wilk dte war herausmit ihr der Naassers. Auf dem ssenen Rücken einiges Wort es kannte die — und das watokolle. Sie waind sie waren es t. Es gab da Unn” hiess es in dösen Büchlein Statt „Wir, hiess es „Der nd anstatt, dass;endwelche „Weiion’1 und Grossin Freimaurerlonander unterbietes 24 ZwiegespriU limniel zwischen mischen Philoso- Politiker Machiajem französischen n Montesquieu! aar Vergleiche. nysteriösen Díalo- Achiavelli zu Mon- „Was hält ä;! die man Itent davon jur«* inzufalten? Brutammte Gewalt® Stadium ¡eres lieh auf sehen Feldherrn Sulla, den die bemerkenswert ungebildeten „Weisen von Zion” immer wieder Silla nennen. In den „Dialogen”, Seite 159, heisst es: „Nachdem Sulla ganz Italien mit Blut bedeckt hatte, tauchte er wieder in Rom auf, als schlichter Bürger, und niemand wagte es, ein Haar auf seinem Haupt zu krümmen.” — In den „Protokollen der Weisen von Zion”, Seite 51, heisst es: „Vergiss nicht, dass ganz Italien von Blut strömte, aber niemand berührte ein Haar auf Sillas Kopf. Und dabei war er es gewesen, der dieses Blut zum Strömen brachte!” Nun, der Name Sulla ist schliesslich Gemeinbesitz aller Schuljungen in Europa, und Machiavelli mag ebenso intim mit seiner Geschichte vertraut gewesen sein wie ein Weiser des Dreiunddreissigsten Grades der Alljüdischen Weltverschwörung. Wie aber steht es mit Wischnu, dem so viel weniger populären hundertarm igen Hindugott In den „Dialogen”, Seite 141, sagt Machiavelli: „Wie der Gott Wischnu, wird meine Druckerpresse hundert Arme haben, und diese Arme werden allen Schattierungen der öffentlichen Meinung im Lande die Hände reichen” — man verzeihe die Metapher, sie ist, wie gesagt, von Machiavelli im Himmel und nicht von mir. In den „Protokollen der Weisen von Zion” auf Seite 43, heisst es: „Wie der indische Gott Wischnu werden diese Zeitungen hundert Hände haben, von denen jede den Puls der öffentlichen Meinung fühlen wird.” Man sieht, auch den .Weisen von Zion’ hat die Metaphe- Machiavellis nicht ganz genügt. Noch ein bisschen vom Gotte Wischnu? In den Dialogen, Seite 207, sagt diesmal Montesquieu: „Jetzt verstehe ich die Gestalt des Gottes Wischnu! Sie haben hundert Arme wie dieses in- <&Sphe Idol, und jeder ihrer Finger liegt auf einer Sprungfeder”. Sprungfeder also — das ist eine Bereicherung des Vokabulars. In den .Protokollen der Weisen von Zion’ heisst es auf Seite 65: „Unsere Regierung wird dem Hindugotte Wishnun gleichen. Jede unserer hundert Hände wird eine Sprungfeder der Maschinerie des Staates halten.” Graves schickte das geheimnisvolle Büchlein an die „Times” in London. Im Britischen Museum wurde es identifiziert. Es war eine politische Streitschrift, die gegen Napoleon den Dritten gerichtet war, geschrieben im Jahre 1864 von einem französischen Advokaten namens Maurice Joli. Dieser wurde eingesperrt. Sein Buch wurde konfisziert; die konfiszierten Exemplare wurden eingestampft. Nur sehr wenige Exemplare blieben erhalten. Erhärten, so stellte sich bald heraus, blieb das Exemplar der Französischen Nationalbibliothek. In ihm finden sich noch die verblassten Bleistiftanzeichnungen des jungen Golowinsky. Damit war die Fälschung endgültig nachgewiesen. In ihren Ausgaben vom 16., 17. und 18. August 1921 druckte die londoner „Times” nebeneinander lange Auszüge des Buches von Joli von 1864 und der sogenannten .Protokolle der Weisen von Zion’ ab. Die „Protokolle” waren damit tot — so sollte man meinen. Sehr viel mehr als jene ersten 330.000 Juden war da auch schon tot. Wie ging es den Hauptfiguren dieses weltgeschichtlichen Kriminalromans? Was aus dem jungen Golowinsky von 1905 geworden ist, habe ich nicht herausgebracht. Der sogenannte Professor Nilus starb als Sänger in einem kleinstädtischen Kirchenchor. Der Spionagechef Raschkowsky starb an einem Schnupfen. Wie der Zar Nikolaus starb, ist uns allen bekannt. Der Kosakenfaet- MUSIK IN BUENOS AIRES das LONDONS FESTIVAL BALLET Um es vorweg u nehmen: Buenos Aires ist momentan mit Tanzgruppen saturiert. Das noch in unmittelbarer Erinnerung stehende Cuevas-Ballett — qualitativ über dem London-Ballatt — und das Colon-Ballett hat die Ballettomanen derart übersättigt, dass etwas ganz Aussergewöhnliches not getan hätte, um ihren künstlerischen Hunger zu stillen. Dazu kommt, dass die „Prima Ballerina“, Margot Fonteyn, bisher nicht auf der Tanzfläche erschienen ist, und daher machte sich, zumindest anfangs, eine gewisse Aversion gegen die Londoner bemerkbar. Ihre künstlerischen, ganz auf Ensemble eingestellten und das Starsystem verschmähenden Leistungen belehrten die Unvoreingenommenen freilich sofort eines Besseren; grossartige technische Meisterschaft gesellte sich zu perfekter Interpretation, und eine ideale Zusammenarbeit wurde in den drei Programmen immer und immer wieder sichtbar, die das „London’s Festival Ballet” zur Diskussion stellte, welches das klassische ur.gemässigtfi Genre zur Schau stellt und auf „moderne“ Schöpfungen verzichtet. Tschaikowskys „Schwanen9ee“, der „Tanzstundenball” von Johann Strauss, „Polowetz. * Tänzie“ aus Borodins Oper „Fürst Igor”, „Variationen für Vier” (Männer) von Margarita Keogh, „Pas de Quatre” (Frauen) von Cesare Pugni, „Symphony in Fun” aus der Feder Don Gillis’, der berühmte „Grand Pas de Deux” aus Minkus’ Ballet „Don Quijote“, Leonardo Salzedos ‘El Niño Brujo”, Chopins “Sylphiden”, “Pas de Deux Romantique” aus Drigos “Harlequinade” bildeten die Programme, von denen besonders erwähnenswert zwei Tanzschöpfungen erscheinen: “London Morning“, eine ganz reizende Erzählung eines Morgens vor dem Buckingham Palace — Musik und Buch von Noel Coward, des auch als Filmschauspieler bekannten Tausendsassas — und „Etudes“ von Knudage Riisager, der die bekannten Czerny-Etuman Petljura wurde von einem Ueberlebenden seiner Judenmassaker niedergeschossen. Aber — tot? Nein, die „Protokolle” waren damit nur logisch tot, nur für die Denkenden — nicht für die Emotion der Masse. Hierzu nur noch ein Zitat. Ich habe mir hier, wo ich dies schreibe, kein deutsches Exemplar von „Mein Kampf’ verschaffen können. Ich zitiere aus einem englischen. Hitler schreibt: „The very fact that the Jews and their paid lackeys made such strenous efforts to prove that the ‘Protocols’ are faked, proves in fact beyond doubt that they are genuiue”. Ins Deutsche zurückübersetzt: „Die Tatsache allein, dass die Juden und ihre bezahlten Knechte sich so anstrengten zu beweisen, dass die Protokolle der Weisen von Zion’ gefälscht seien, ist ein unwiderleglicher Beweis für ihre Echtheit.” Von hier führt die gerade Strasse nach Auschwitz. Und Hitlers Zitat zuliebe habe ich die Geschichte dieses blutigen Schwindels hier aufgerollt, (Aus „Die Zeit”, Hamburg) den bearbeitete, die wir in jungen Jahren alle einmal auf dem Klavier „geackert“ haben. Wie erwähnt, ist die Stärke der Gruppe ihre Ensemble-Leistung; nichtsdestoweniger wäre es ungerecht, ihre grossartigen ersten Solisten nicht zu nennen: Toni Lander, Belinda Wright, Anita Landa, John Gilpin, ‘Louis Godfrey und André Prokovsky. Das Colön-Orchester lieferte einen neuen Beweis seiner klanglichen Güte unter der Direktion von Geoffrey Corbett, der — äusserlich Bernard Shaw und innerlich Thomas Beecham ähnlich — trotz vorgeschrittenen Alters mit jugendlichem Elan Orchester mit sich riss. Es gab grosse Ovationen und viel Blumen. 150 JAHRE ARGENTNISCHER MUSIK war der Titel der Festrede des Dekans der P’akultät für Kunst und Musikwissenschaften der Katholischen Universität, Alberto Ginastera, der in konziser, eindringlicher Form die Musikgeschichte Vrgentiniens zur Kolonialzeit und vor allem seit seiner vor 150 Jahren erfolgten Emanzipation vor dem geistigen Auge der Hörerschaft erstehen Hess. Seinen Ausführungen folgte ein Gedenk-Konzert zur Ehre der verstorbenen argentinischen Komponisten. Julián Aguirre war mit „Dos Aires Nacionales” (Canción No. 1 und No. 3, instrumentiert von seinem Schwiegei'sohn „uan José Castro) vertreten. Es folgten “Nocturno y Danza” aus der Musik zu “Romeo und Julia” von Carlos López Buchardo (Mitgrür.der der “Asociación Wagi.eriana”), Die Feier fand ihren Ausklang in der Kantate “Santa Rosa de Lima” von Jose Andrade für Rezitator (Delia Gareés), Sopran (Nilda Hofmann), Frauenchor ("Sehoia Cantorum” dieser Universität) u.id Orchester fast ausschliesslich aus Mitgliedern des Colon-Orchester^ rekrutiert). Sämtliche ausübenden Künstler entledigten sich, unter Juan E. Martinis, schwungvollem Taktstock sicher und gewissenhaft ihrei Aufgabe. Es gab viel Applaus c—n PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES Soeben erschienen: VEROEFFENTLICHUNG DES LEO BAECK INSTITUTES Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart (1959» SELMASTERN JOSEL VON ROSHEIM BEFEHLSHABER DER JUDENSCHAFT IM HEILIGEN ROEMISCHEN REICH DEUTSCHER NATION Die Geschichte des klugen und mutigen Führers und Anwalts. Trösters und Helfers der deutschen Judenheit ir ihrem Kampf um Recht und Freiheit gegen Kirche. Kaiser und Volksaberglauben zu Beginn der Neuzeit. (280 Seiten) VEROEFFENTLICHUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN LEO BAECK AUS DREI JAHRTAUSENDEN Wissenschaftliche Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens MIT EINER EINFUFHRUNG VON HANS LIEBESCHUETZ in deutscher Sprache -★- SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TUEBINGEN 1 S. ADLER-RUDEL OSTJUDEN IN DEUTSCHLAND 1880 — 1940 ZUGLEICH EINE GESCHICHTE DER ORGANISATIONEN, DIE SIE BETREU¬ TEN, MIT EINEM GELEITWORT VON SIEGFRIED MOSES Eine matertalreiche sozialpolitische Studie über das Wandersehicksal einer jüdischen Gruppe im Schatten des Antisemitismus und zweier Weltkriege. -★- ERNST SIMON AUFBAU IM UNTERGANG JUEDISCHE ERWACHSENENBILDUNG IM NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHLAND ALS GEISTIGER WIDERSTAND Eine Darstellung des einzigartigen Kampfes der deutsenen Juden um Selbstbehauptung durch die Macht der Bildung angesichts der drohenden Vernichtung durch physische Gewalt. ★ 3 MARGARETE SUSMAN Die geistige Gestalt Georg Simmels Eine Würdigung und Deutung des allzu wenig bekannten Gedankenguts de« Metaphysikers, Geschichtsphilosophen und Soziologen — zugleich ein Denkmal der greisen Schülerin und Freundin für Simmel WERDE AUCH DU MITGLIED des Leo Baeck-Instituts Anmeldungen im Büro der JUEDXSCHEN WOCHENSCHAU Pueyrredón 2190, 1* izq. (83-2613)